Freunde von Freunden

Amelie Deuflhard
Director of Kampnagel , Home & Theater, Eppendorf & Hoheluft, Hamburg
Interviews > Amelie Deuflhard

Aus organisatorischer Sicht, lebt Amelie Deuflhard in einer offenen Beziehung. Die Intendantin von Kampnagel, Deutschlands größte freie Spiel- und Produktionsstätte, kümmert sich um die gleichzeitige Bespielung von fünf Bühnen. Insgesamt präsentiert Kampnagel in den Räumlichkeiten der ehemaligen Maschinenfabrik im Hamburger Stadtteil Winterhunde rund hundert Premieren, internationale Gastspiele und einmalige Veranstaltungsformate pro Spielzeit. Der Laden brummt, wie man so schön sagt.

Kampnagel ist ein Resonanzkörper für neu aufkommende ästhetische Positionen und wegweisende Tendenzen nicht nur in den Bereichen Theater, Tanz und Performance, sondern auch in Musik, Bildende Kunst oder Architektur.

Die gebürtige Stuttgarterin Amelie Deuflhard hat den Traum, eine ganze Stadt als Theater zu bespielen, da der öffentliche Raum ihre liebste Bühne und die Einwohner einer Stadt ihre favorisierten Darsteller sind. Dafür gibt es viele Beispiele – auch außerhalb Hamburgs. Bevor sie in die Hansestadt kam, arbeitete sie lange Zeit in Berlin, wo sie mit dem Projekt Volkspalast einen internationalen Diskurs über das Stadtzentrum und den adäquaten Umgang mit historischen Gebäuden initiierte. Wer Amelie Deuflhard kennenlernt, merkt schnell: diese Frau arbeitet und denkt groß.

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Wie bist du nach Hamburg gekommen und wo kommst du her?
Ich bin in Stuttgart aufgewachsen und lebte in Berlin, bevor ich nach Hamburg zog. Ich war sehr lange in Berlin, seit 1986 um genau zu sein. Deshalb fühle ich mich auch eher als Berlinerin und weniger als Stuttgarterin – obwohl ich nach wie vor leicht schwäble.

Wie verlief deine persönliche und berufliche Entwicklung in Berlin?

Ich habe als freie Produzentin gearbeitet und dort sind auch meine vier Kinder geboren. Im Jahr 2000 übernahm ich die Geschäftsführung und künstlerische Leitung der Sophiensæle, die 1996 unter anderem von Sasha Waltz und Jochen Sandig gegründet worden waren. Sie sind bis heute bedeutender Produktions- und Spielort für experimentelle darstellende Künste. Während dieser Zeit realisierte ich zudem viele Projekte im öffentlichen Raum. Es gibt kaum einen Bezirk in Berlin, in dem ich kein Projekt gemacht habe.

Welches Projekt hat dich besonders geprägt?

Ich habe damals den dekonstruierten Palast der Republik bespielt. In dieses Projekt ist äußerst viel Zeit geflossen. Da rein zu kommen war eigentlich fast unmöglich und es war eine diffizile Angelegenheit, da der Palast von Regierungsseite aus definitiv nicht mehr geöffnet werden sollte. Es ging um die Abwicklung von DDR-Architektur im Herzen Berlins.

Welche Frage stand bei dieser Debatte um den Volkspalast vor allem im Vordergrund?

Der Palast stand ja mitten in der Stadt und die Hauptfrage war: Was will eigentlich eine Stadt heutzutage im Zentrum haben? Gleichzeitig war der Palast der Punkt, bei dem die Ost-West-Debatte seinen Höhepunkt fand. Berlin, beziehungsweise unsere Regierung, hat es geschafft, die denkbar schlechteste Entscheidung zu treffen – das Stadtschloss wieder aufzubauen. Das ist eigentlich ein wirklich guter Grund, Berlin weitestgehend zu meiden.

Kann man sich den Einzug in den Palast der Republik wie eine Hausbesetzung vorstellen?

Es war keine richtige Besetzung. Das war alles legal. Letztlich haben wir den Palast tatsächlich gemietet. Der Palast war ja quasi nicht mehr existent. Während der „Asbestsanierung“ wurde alles herausgenommen, übrig war nur noch Stahl und Beton. Kein Strom, keine Heizung, keine Möbel. Wir standen in einem komplett skelettierten Gebäude: ein perfekter Spielraum, ein großartiger Möglichkeitsraum. Es bildete sich ein Kernteam, u.a. mit Matthias Lilienthal und Philipp Oswalt, dem späteren Direktor des Bauhauses Dessau und Denker des Projekts Shrinking Cities, in dem es um utopische Potentiale von Leerständen ging. Auch die Staatsoper, Raumlabor Berlin und viele andere erfahrene Zwischennutzer waren dabei. Die Idee war, die virulente freie Kunstszene, die sich nach der Wende in Berlin entwickelt hatte, von den Rändern ins Zentrum der Stadt, in den Palast, zu holen. Das hat super geklappt, alle hatten wahnsinnige Lust mitzumachen – abgesagt hat niemand.

Welche künstlerischen Disziplinen waren vertreten und welche Themen wurden aufgegriffen?

Unsere Vorgabe war lediglich, dass man sich mit dem Palast der Republik auseinandersetzen soll: mit dem Raum, mit seiner Geschichte, mit seiner Aura und der puren Architektur. Alle Projekte wurden neu entwickelt. Es waren alle Disziplinen vertreten, ganz so wie ich es auch noch heute bei Kampnagel in Hamburg handhabe: Theater, Tanz, Musik, bildende Kunst. Es gab zum Beispiel einen großen Architektur-Kongress mit Rem Koolhaas und weiteren bedeutenden Architekten, in dem es um die Zukunft von Berlin-Mitte ging. Oder, wir fluteten den Palast mit Wasser (Fassadenrepublik von Raumlabor Berlin). Insgesamt gesehen war es eine große, spektakuläre aber auch nachdenkliche Bespielung, die über mehrere Monate im Jahr 2004 und 2005 lief.

Was war eure Vision?

Wir wollten ein utopisches Kunsthaus mitten in der Stadt erschaffen, orientiert an Cedric Price’s Funpalace, oder dem Centre Pompidou des 21. Jahrhunderts. Ein Haus, in dem neue Kunstformen und die Reflexion über die Zukunft der Gesellschaft ihren Platz finden. Die Idee der Bundesregierung war es, das Stadtschloss wieder aufzubauen. Mittlerweile ist der Palast abgerissen – was für eine verpasste Chance! Immerhin haben wir in Berlin einen Diskurs über die Zukunft des Zentrums der Stadt initiiert, über den weltweit berichtet wurde und der bis heute nachwirkt.

Im Anschluss an das Projekt Volkspalast wurdest du künstlerische Leiterin von Kampnagel in Hamburg. Wie hast du durch deinen Erfahrungsschatz die Hamburger Kulturszene verändert?

Als ich den Palast bespielte, hatte ich eigentlich den Traum, eine Stadt als Theater zu bespielen. Das war damals meine Lieblingsidee: keinen konkreten Ort zu bespielen, sondern eine ganze Stadt. Ich wollte mit Künstlern rausgehen und Orte im ganzen Stadtraum künstlerisch besetzen. Um diesen Traum zu verwirklichen, habe ich mit Kampnagel das dafür am wenigsten geeignete Theater übernommen. Kampnagel hält einen mit der Bespielung der fünf Hallen schon ziemlich auf Trab. Was ich aber mitgenommen habe, ist das Interesse an künstlerischen Arbeiten im öffentlichen Raum. Ich interessiere mich für die Städte, die mir als Untersuchungsfeld dienen könne – sowohl für politische Problemlagen als auch für städtebauliche Entwicklungen. Damit hängt auch zusammen, dass wir in den letzten Jahren Projekte im Gängeviertel, an der Hafentreppe oder auch in der Hafencit, in Wilhelmsburg oder am Hauptbahnhof gemacht haben. Besonders interessant ist es für uns, Aktionen dort zu starten, wo bestimmte Entwicklungen stattfinden. Bei der Hafencity, die ja häufig kritisiert wird, habe ich von Anfang an gesagt, dass ich zu deren Entwicklung gerne künstlerisch etwas beitrage will. Allerdings eher im Sinne einer kritischen als glamourösen Bespielung.

Am Repertoiretheater interpretieren Schauspieler meist vorgeschriebene Rollen. Auf Kampnagel bringen freie Theatergruppen, wie die Geheimagentur, Rimini Protokoll oder Hajusom auch sogenannte Experten des Alltags auf die Bühne.
Dokumentartheater ist eine der Formen, die strukturell an Häusern wie Kampnagel entwickelt werden. Theater-Formen, in denen man mit Laien als ‚Experten des Alltags’ arbeitet, seien es Kinder, Menschen mit Behinderung oder mit Migrationshintergrund, sind in der freien Szene entstanden. Die Diskurse über Theater sind mittlerweile sehr stark von den Strömungen der freien Szene geprägt. Deshalb geraten Repertoiretheater stark unter Druck und integrieren gegenwärtig ebenfalls Schritt für Schritt diese Disziplinen an ihren Häusern.

Wie reagiert das Publikum auf diese unkonventionellen Formen des Theaters? Wie ist es beispielsweise, wenn der französische Choreograf Jérôme Bel Menschen mit Handicap in seinen Produktionen tanzen lässt?
Jérôme Bel hat mit dem Stück Disabled Theater einen wirklich großen Theaterabend geschaffen. Koproduziert hat er das Stück ausschließlich mit großen und bedeutenden Festivals und wichtigen, etablierten Kunstorten. Festivals für Menschen mit Behinderung kamen für ihn als Aufführungsort nicht in Frage. Als Ergebnis dieser konsequenten Haltung wurden bekannte Häuser Koproduzenten dieses Stückes: die documenta , das Kunstenfestivaldesarts, die Wiener Festwochen, Festival Avignon, Théâtre de la Ville in Paris und Kampnagel. Es war also bei den richtig großen, repräsentativen Festivals und Institutionen vertreten. Das ist ein wichtiges politisches Statement!

Was brachte diese Welle der Euphorie rund um Disabled Theater mit sich?

Das Stück wurde zum Theatertreffen eingeladen – so etwas hat es noch nie gegeben! Ein Stück mit behinderten Darstellern beim Theatertreffen! Eine seiner Darstellerinnen, die Schauspielerin Julia Häusermann, wurde beim Theatertreffen zur Schauspielerin des Jahres gekürt, was zu Irritationen bei den „normalen“ Schauspielern geführt hat. Ich saß einmal in einem Panel zum Thema Theater und Inklusion. Da sagte eine Kollegin in der Diskussion: „Ja, sollen wir denn jetzt nur noch Theater mit Behinderten machen?” Plötzlich war also ein neues Konkurrenzfeld entstanden.

Auf dem Cover der Fachzeitschrift Theater der Zeit, die hier auf deinem Schreibtisch liegt, sind Menschen mit Trisomie 21 abgebildet.
Ja, das sind die Folgeerscheinungen. Das ist Theater Rambaramba aus Berlin auf dem Cover. Die Gründerin Gisela Höhne hat gerade den Caroline-Neuber-Preis gewonnen. Schauspieler mit Behinderung kommen also plötzlich voll in den Diskurs rein und werden als diese anerkannt.

Du arbeitest sehr international. Gibt es eine Kunstform, für die im Grunde ausschließlich in Hamburg ideale Voraussetzungen herrschen?

Ich würde nicht sagen, dass es eine Kunst gibt, die nur in Hamburg möglich ist. Jeder Künstler, der interessant ist, arbeitet an seinem/ihrem Kosmos und über viele Arbeiten hinweg entsteht eine ganze Geschichte, ein komplexes Werk, bei dem die einzelnen Teilprojekte in Verbindung stehen. Deswegen würde ich sagen: strukturell gibt es keine Kunst, die nur in Hamburg entstehen kann. Anders ist es, wenn es sich um ein Auftragskunstwerk handelt und beispielsweise die Elbphilharmonie spezifisch bespielt werden soll. Das geht nur in Hamburg. Für die Programmgestaltung finde ich es hingegen selbstverständlich, dass man sich mit der Stadt, in der man arbeitet, auseinandersetzt.

Was unternimmst du, um zu entspannen?

Wenn ich entspannen möchte, verbringe ich Zeit auf dem Land, in meinem Garten oder im Holthusenbad. Ich schwimme und koche sehr gerne und verbringe Zeit mit meinen Kindern. Manchmal fahre ich an die Ostsee und gehe mit Freunden essen. Ich würde gerne mal ein Kanu mieten und die Hamburger Kanäle entlang schippern. Außerdem habe ich mir fest vorgenommen, diesen Sommer im Osterbekkanal zu schwimmen. Das ist erlaubt und ich glaube, er ist auch sauber genug. Und manchmal streame ich Serien oder mache Yoga.

Was würdest du jemandem empfehlen, der seinen ersten Abend in Hamburg verbringt?

Kommt drauf an, was gerade läuft und wer vor mir steht. Wenn Leute sagen, sie möchten etwas sehen, das ganz typisch für Hamburg ist, würde ich sie zum Beispiel in den Pudel schicken. Ich bin der Meinung, dass es so etwas wie den Pudel sonst nirgends gibt. Diese Baracke ist so ein crazy Club und dabei so berühmt. Wenn man den Laden das erste Mal sieht, denkt man sich: „Das kann‘s überhaupt nicht sein!”

Wo trifft man dich sonst noch an?

Manchmal gehe ich ins Übel und Gefährlich. Natürlich gehe ich auch zu Ausstellungseröffnungen oder zum Galerienrundgang auf der Fleetinsel, zu Vernissagen in der Kunsthalle http://www.hamburger-kunsthalle.de/ oder in den Deichtorhallen. Außerdem gehe ich ins Thalia und ins Schauspielhaus. Mit dem Hamburger Kunstverein haben wir früher sehr viel gemacht. Jetzt ist dort eine neue Leitung, aber auch mit dieser finden schon wieder Gespräche statt. Das spartenübergreifende Konzept, das Kampnagel vertritt, führt dazu, dass wir im Zuge von Kooperationen häufiger mal zu Gast bei anderen Häusern sind oder umgekehrt.

Was war die überraschendste Kooperation?

Einige wundern sich bestimmt über unsere Kooperationen mit Christoph Lieben Seutter von der Elbphilharmonie. Mit ihm realisieren wir in unterschiedlichen Konstellationen zahlreiche neue Musikprojekte und es macht immer Spaß.

Erfahren die Darstellenden Künste dieselbe Wertschätzung wie die Bildenden Künste, die ja auch als Wertanlage kommerziell instrumentalisiert werden?

Die Darstellenden Künste sind flüchtig und können nur live und im Moment erlebt werden. In der Bildenden Kunst hingegen gibt es meist Objekte. Der Markt, auf dem Bilder oder Skulpturen verkauft werden, ist ein realer Markt. Wenn ich als Sammler einen jungen Bildenden Künstler fördere, in dem ich viele Bilder kaufe, ist die Wahrscheinlichkeit groß, damit auch realen finanziellen Wert zu schöpfen. Wenn wir als Spielstätte hingegen das Stück eines jungen Choreografen einladen oder mit ihm produzieren und sich dieser später als Star seiner Szene entwickelt, fördert das unser gutes Image. Aber wir generieren dadurch keinen realen monetären Wert. Deshalb ist es auch schwieriger, Förderer für Darstellende Künste als für Bildende Künste zu gewinnen. Die Akquise für flüchtige Projekte ist viel schwieriger als die Akquise für Dinge, die bleiben.

Eine Frage aus dem Fragebogen von Max Frisch: Hättest du gerne ein absolutes Gedächtnis?
Nein, denn die guten Dinge merke ich mir sowieso und es gibt vieles was man besser vergisst. Man arbeitet ja in einem bestimmten Kosmos und da finde ich es in Ordnung, die Dinge, die mich nicht interessieren, wieder zu vergessen. Dass unser Gehirn eine gewisse Selektion vornimmt und nicht alles langfristig abspeichert, finde ich gut.

Bist du nachtragend?

Nein, überhaupt nicht und ich kann auch nicht lange sauer sein. Ich bin jemand, der sich eher die guten als die negativen Dinge merkt.

Photography: Sarah Bernhard
Interview & Text: Anika Väth