Freunde von Freunden

Ben De Biel
Club Owner and Photographer, Apartment, Berlin-Mitte
Interviews > Ben De Biel

Als jahrelanger Betreiber des Clubs MARIA und einstiger Teil der Besetzerszene um das legendäre Tacheles sowie den Eimer ist Ben de Biel nicht nur eine prägende Größe des Berliner (Nacht-)lebens, sondern hat sein Leben in der Stadt von Beginn an auch fotografisch dokumentiert.

Es ist ein eiskalter Dienstagmorgen als wir uns auf den Weg zu ihm machen. Sobald die Wohnung im oberen Stockwerk eines freistehenden Neubaus in Mitte betreten ist, finden wir uns allerdings schnell in gemütlicher Sonntagnachmittagsatmosphäre wieder.

Ben begrüßt uns barfüßig, die Sonne strahlt durch die großzügigen Fensterfronten in die weitläufige Wohnküche – den Mittelpunkt der Wohnung. Hier wird gegessen, gespielt oder auf dem einladenden Riesensofa in einem der etlichen Comics gelesen, welche die Regalböden füllen. An einer Wand hängen Fotos, die auf vergangenen Reisen und ungezählten Nächten in der MARIA entstanden sind.
Je länger wir verweilen, desto mehr Bilder kommen zum Vorschein: Ben zeigt uns noch unentwickelte Fotografien seiner letzten Chinareise und kramt ein Heft mit Skulpturen hervor, die er aus alten Neonröhren gebaut hat – allesamt Fundstücke aus der Nachwendezeit, so wie der rote MARIA-Schriftzug der Nacht für Nacht vom Dach des Clubs in die Dunkelheit leuchtete.

Aus der Anlage singen währenddessen die Carpenters, zwischendurch unterbricht sie das Telefon. Freunde rufen an, weil sie Bilder aus der Ausstellung kaufen wollen und als Pressesprecher der Piratenpartei erreichen Ben Anfragen von Journalisten. Das abwechselnde Klingeln von Privat- und Piratenhandy kann die entspannte Stimmung dennoch nicht stören. Multitasking ist für das Organisationstalent offensichtlich kein Problem. Welches Thema auch angeschnitten wird, er ist sofort wieder ganz bei der Sache. Bei all der Arbeit an verschiedenen Projekten ist die Wohnung ein Rückzugsort. Wenn er mal frei hat, erzählt uns Ben, ist er am liebsten hier.

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Seit wann lebst Du in Berlin und was hat Dich damals hergelockt?
Fest wohne ich hier seit 1990 aber bin ab ’87 aber öfter zum Fotografieren für eine Theatergruppe nach Berlin gefahren, wenn die eine neue Produktion hatte. Nachdem die Mauer gefallen ist und die Züge wieder fuhren, war klar: hier in Berlin lebt es sich günstiger und freier. Damit war meine Altbauwohnung in Hamburg schlicht überbewertet.

Wie genau bist Du zur Fotografie gekommen?

Ich hab eine Ausbildung in einem Foto-Fachlabor in Darmstadt absolviert. Den Abschluss dort habe ich nur mit einer 3 gemacht, weil ich meine eigenen Projekte habe mitlaufen lassen und so immer das Maximum an Material verbraucht habe (lacht). Jedenfalls hatte ich eine Freundin, die unbedingt Fotografin werden wollte und in Hamburg alle Agenturen abgeklappert hat. Sie fand Rudi Meisel am besten und hat gesagt, ich sollte mich da mal bewerben. Ich hab ihm meine Mappe gezeigt und hatte den Job.

Hast Du als Kind schon angefangen zu fotografieren?

Nein, ich hab das erste Mal vielleicht so ’84/’85 fotografiert. Mein Bruder ist zu der Zeit gestorben und ich habe die Kamera die er von unserem Vater hatte, übernommen.

Siehst Du Dich selbst in erster Linie als Fotograf oder gibt es keine richtige Trennung Deiner verschiedenen Tätigkeitsfelder?

Das ist immer zeitlich bedingt. Bis ’95 war ich eher Fotograf, auch wenn ich den Club Ständige Vertretung im Tacheles gemacht habe. Zwischen ’95 und ’97 wurde es dann weniger. Da hatte ich mein Labor in einem besetzten Haus in der kleinen Hamburger Straße nicht mehr. Meine damalige Freundin sagte: „Ist egal, nimm einen Farbnegativfilm und mach einfach Snapshoots, egal mit welcher Kamera“. Das habe ich dann gemacht. Die Negative habe ich dann bei Hansa Saturn abgegeben, bis es irgendwann mal klingelte. Weil ich’s auch geklaut habe- natürlich.

Aber während Deiner Arbeit in der Clubszene gab es doch viel Anlass zum Fotografieren?

Von 1990 bis ’97 habe ich wenig im Club fotografiert. Klar, im Eimer, wenn ich da involviert war oder mal im Berlin Tokyo, aber immer nur sporadisch. Ich habe beispielsweise nie im E-Werk oder Tresor Fotos gemacht.
Richtig geplant habe ich im Club tatsächlich erst in der Maria fotografiert, so ab 2007. Ich kannte inzwischen alle Künstler und egal, wo die gespielt haben, konnte ich immer mit der Kamera rein.

Du hast die Kamera also immer dabei?

Nein. Aber wenn ich Lust habe und das Wetter schön ist, schon. Ich habe mir letzten Fotos von Rolf Zöllner angeschaut. Der hatte zur selben Zeit ähnliche Orte fotografiert wie ich, aber bei ihm war das Wetter oft schlecht. Ich bin nie aufgestanden, wenn das Wetter scheiße war (lacht).

Viele Deiner „Berliner Fotos“ dokumentieren sehr eindrucksvoll, wie sich das Stadtbild gerade in Mitte gewandelt hat in den letzten 20 Jahren. Wie hast Du den Wandel erlebt? Warst du die ganze Zeit dabei?

Ja. Ich bin einmal wegen schlechter Laune drei Monate nach Turin gezogen und ein anderes Mal aus dem gleichen Grund für ein Jahr nach Friedrichshain. Ansonsten habe ich immer in Mitte gewohnt. Die Veränderung ist am Anfang ganz schnell gegangen. Da war es tatsächlich augenfällig, was vor allem damit zu tun hatte, dass die Ostler das Geld, das sie bekommen haben sofort ausgegeben haben- 1990/91 gab es einen richtigen Run. Dann wurde es ruhiger, weil die Rückübereignung gedauert hat und die Grundstückssituation völlig unklar war. Eine Firma nach der anderen hat zugemacht und der Leerstand wuchs weiter. Erst ab ’95 wurden die ersten Gebäude überhaupt mal renoviert. Für die Ausstellung im .hbc habe ich viele Fotos rausgesucht, die tatsächlich Stadtbilder zeigen. Dabei geht der Blickwinkel natürlich sehr stark aus einer Szene heraus, in der ich eben selber gelebt habe.

Und dabei sind viele Stadtbilder entstanden, weil ich dort unterwegs war. Vorzugsweise im Osten. In den Westen bin ich eigentlich nur zum Weihnachtseinkauf klauen oder zum Espresso trinken gefahren. Den bekam man im Osten damals noch nicht in guter Qualität. Ansonsten gab’s keinen Grund, rüber zu fahren.

War die Stadt so eine Art Muse für Dich?

Da meine Eltern beide Architekten sind, hat mich sowas schon immer interessiert. In Hamburg habe ich einmal drei Monate gewartet, bis jemand ein Hoftor aufgemacht hat um zu sehen, was sich hinter dem Vorderhaus verbirgt. Im Berliner Osten hat niemand irgendetwas zugeschlossen. Du konntest in jedes Hinterhaus, auf jedes Grundstück gehen und Dir angucken, wie es da aussieht. Das kannte ich gar nicht. Da war mir schnell klar, dass das eine einmalige Situation ist und nicht lange so bleiben wird. Genau wie in Hamburg wird hier auch irgendwann alles zugeschlossen sein. Also schnell gucken! Von daher bin ich überall rumgelaufen. Außerdem haben wir natürlich die ganze Zeit geplündert, wenn wieder irgendeine Firma zugemacht hat. Die haben meistens alles stehen und liegen lassen.

Hast Du in deiner Wohnung auch noch alte Fundstücke aus der Zeit?

Ja, die Grafik „Bierziehen“ aus einer der letzten Brauereien, die nach der Wende zugemacht hat in der Richard-Sorge-Straße.

Wie würdest Du Deine fotografische Entwicklung beschreiben? Interessieren Dich heute andere Motive als früher?

Nein, nicht wirklich. Eigentlich sind meine Aufnahmen immer rough und schnell und street. Daran hat sich nichts geändert. Ich bin kein Technik-Freak.

Wo würdest Du jetzt zum Fotografieren hinfahren, wenn Du ganz frei wärst und Zeit hättest…

…und die Kohle für ein Haufen Flugtickets? Dann würde ich nach Istanbul, Sao Paolo oder Peking fahren. Obwohl, da ist mir das Wetter zu schlecht, ein bisschen Licht ist auch nicht verkehrt. Ich denke New York wäre mal wieder dran. London müsste ich mal unbedingt machen. Aber eigentlich nur Metropolen über neun Millionen Einwohner!

Gibt es Fotografen oder andere Künstler, die Dich inspiriert haben bzw. inspirieren?

Lee Friedlander ist mein Lieblingsfotograf. Der hat ganz oft aus dem Auto fotografiert. Er steht drauf, dass man sieht: „I’m on travel“. Er hat auch häufig Selbstportraits gemacht, was sehr selten ist bei diesen Leuten. Ein Spitzentyp.

Du warst lange Zeit Clubbetreiber, arbeitest als Fotograf, mittlerweile bist Du auch Pressesprecher, ein Kind hast Du auch. Gibt es bei Dir überhaupt so etwas wie einen typischen Arbeitstag?

Nein. Meine Tage sind oft unvorhersehbar. Wenn ich losgehe an einem Samstag Nachmittag, das Wetter ist schön und ich habe keine Verpflichtungen, dann kann ich auch mal drei Stunden konsequent fotografieren. Aber oft passiert es einfach zwischendrin. Dann bin ich zum Beispiel im hbc, Thomas Fehlmann legt auf, T.Raumschmiere spielt, ich kenne alle Leute, die dort sind. Da ist es fast schon schwierig, sich zu unterhalten. Weil ich eben beides mache – mich unterhalten und fotografieren.
Ich habe immer schon viele verschiedene Sachen gemacht, das ergab sich aus den Umständen. Einmal hatte ich einen Keller voller Neonröhren woraus ich dann Lichtobjekte gebaut habe, einfach weil sie da waren. Damit sich das lohnt, hab ich mich im Tacheles bei Kemal in der Metallwerkstatt eingemietet. Der dachte sich: „Super, endlich schrubbt der Ben mal mein Metall für fünf Moppen die Stunde.“ Das hab ich auch eine Weile gemacht, und nebenbei zwei Objekte gebaut die er sofort verkauft hat. So läuft es oft: ich überlege mir was und dann funktioniert das irgendwie.

Wie steht’s ums Berliner Nachtleben? Gehst Du nach wie vor gerne hier aus?

Ja, klar. Ich kenne ja alle und darf überall hin (lacht). Ich habe mir aber in letzter Zeit definitiv weniger Nächte um die Ohren geschlagen. Als die Maria irgendwann ADS hieß, war ich schon weniger da. Stattdessen bin ich woanders ausgegangen. Aber es ist ehrlich gesagt keine Konsequenz, den eigenen Club und die eigenen Nächte gegen Fotografieren auf anderen Nächten zu tauschen. Wenn ich irgendwo eingeladen bin, gehe ich schon hin, aber ich suche nicht danach. Außer man hat Besuch aus Münster und die wollen unbedingt ausgehen…

Und wo nimmst Du den dann mit hin?

Ich mag das Ritter Butzke, Golden Gate, .hbc, Tresor, Ex‘n‘Pop und den Hecht am Stutti (Anm.: Stuttgarter Platz, Charlottenburg).

Was steht 2012 für Dich an?

Na mehr fotografieren!

Fotos: Shai Levy
Interview & Text: Katharina Böhm

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