Bent Angelo Jensen

Er ist der Dandy von Hamburg. Bent Angelo Jensen hat schon im Teenager-Alter ausschließlich Anzüge getragen und gründete als Autodidakt das Modelabel Herr von Eden. Nach einem Start als Second Hand Store erfolgte die stetige Entwicklung hin zu einem modernen Herren- und Damenausstatter.

Trends schenkt der gebürtige Flensburger kaum Beachtung, er beschäftigt sich eher mit dem Klassischen, dem Beständigen. Nach über 15 Jahren Styling- und Unternehmenserfahrung besitzt er Sicherheit darin, seinem Look treu zu bleiben und sich und Herr von Eden dennoch weiter zu entwickeln. Für Bent Angelo Jensen ist der Anzug das Kleidungsstück Nummer 1. „Ein gut sitzendes Sakko ist wie eine Umarmung“ meint er, und Künstler wie Chilly Gonzales, Daniel Josefsohn und Pheline Roggan lassen sich gerne von ihm und seinen Kollektionen herzen.

Am Tag des Interviews kommen wir gerade noch rechtzeitig in Bent ́s Wohnung, um einen letzten Blick auf das Kunstwerk „Die drei Grazien“ von Rebecca Thomas werfen zu können. Denn die präparierten Wachteln lösen sich in diesem Moment endgültig in ihre natürlichen Bestandteile auf, perfektionieren somit nach zwei Jahren die aufgetragene Kunstperformance des Verfalls – und Bent hat endlich eine Lösung für das seit Wochen andauernde Mottenproblem seiner Wohnung.

Viele Kunstwerke zieren hier die Wände hoch über den Straßen von St. Georg. Die große, helle Wohnung gleicht einem Museum. Zu jedem Stück gibt es eine Geschichte und meist auch eine freundschaftliche Verbindung. Wer Bent Angelo Jensen in seiner „Burg“, wie er selbst sagt, besucht, darf sich auf folgende Künstler freuen: Thomas Grundmann, Maximilian Doerr, Henning Kles, Daniel Josefsohn, Ganesha Desarzens, Rebecca Thomas, Hoda Tawakol, Konstantin Sotnikov, Oliver Giemza, Nina “Pleasure” Rhode, Simone Gilges, Chicks on Speed und viele mehr. Sie hängen hier entweder ab oder einfach nur an der Wand.

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Bent, stammst du aus Hamburg?
Nein, ich bin zugezogen. Ich lebe nun mit Unterbrechung seit 15 Jahren in Hamburg, habe davon zwei Jahre mal in Kopenhagen gewohnt. Als richtiger Hamburger fühle ich mich, seitdem ich vor zwei Jahren das erste Mal Weihnachten hier verbracht habe. Vorher bin ich an Weihnachten immer nach Hause gefahren, in die alte Heimat.

Wie würdest du deine Rolle in Hamburg beschreiben?
Meine Geschichte in Hamburg begann als einer von vielen Secondhand Freaks. Später habe ich das Herr von Eden „Projekt“ zu Wege gebracht – und in diesem Zuge wurde ich zu „diesem Anzug-Typ aus dem Karoviertel“ und hieraus wiederum entwickelte sich meine Identität innerhalb des „Modeunternehmens“ Herr von Eden. Tja – es ist schwer sich selbst zu beschreiben. Ich selbst sehe mich als junger, kreativer Unternehmer aus Hamburg – ganz understatement gesagt -, außerdem ein bisschen Modedesigner, Lebenskünstler, ein bisschen Freak, Opinion-Leader.

Hast du eine große Leidenschaft – mal abgesehen von Mode und Herr von Eden?
Alles was dazu gehört, um das Leben zu genießen. Ich bin ein Lebemann im Miniformat und fahre zum Beispiel liebend gerne Fahrrad – so flitze ich täglich quer durch die ganze Stadt. Außerdem gehe ich sehr gerne tanzen und verbringe meine Sonntage am liebsten mit Freunden.

Was sind deine Lieblingsorte in Hamburg?
Ich glaube, es ist tatsächlich mein Atelier. Davon abgesehen: meine Wohnung und alles, was in Wassernähe ist. Ich bin leidenschaftlicher Segler und auch als Kind am Wasser aufgewachsen. Sei es die Alster oder die Elbe – am Wasser fühle ich mich sehr wohl.

Du hast eben dein Atelier erwähnt. Lange Zeit waren bei Herr von Eden ausschließlich Konfektionen erhältlich. Was war der ausschlaggebende Punkt für dich, sich für ein Maßatelier zu entscheiden?
Das hat eigentlich schon viel zu lange gefehlt. Denn das Atelier fängt in seiner Funktion mehrere wichtige Punkte auf: Konfektion, Maßschneiderei und die Realisation von kleinen Serienproduktionen. Wir sind nun unabhängiger von den Lieferanten und externen Produzenten. Und das Wichtigste: Das Maßatelier ist mein Labor. Dort kann ich mich mit meinem Team zurückziehen und experimentieren – wie eine Band in ihrem Proberaum. Ich bin nicht mehr alleine im Ausland unterwegs und entwickle die Kollektionen mit den Produzenten vor Ort, sondern jetzt kreieren wir unsere neuen Teile im Studio am Großneumarkt. Dabei lassen wir uns alle Zeit, die wir für die unterschiedlichen Etappen der Schaffensprozesse benötigen.
Wir machen Anproben, Schnittkorrekturen – und wenn das Teil dann vom Look und von der Passform her wirklich auf den Punkt ist, dann kümmert sich unser Atelierleiter Pedram um die Produktion und Vervielfältigung. Als Modedesigner oder als angehender Modedesigner, wie ich mich immer gerne bezeichne, kann man auch gar nicht ohne Atelier arbeiten und sich weiterentwickeln. Deshalb ist es das beste, das ich seit Jahren gemacht habe. Anstelle, vor vier Jahren einen Herr von Eden Laden in München zu eröffnen, hätte ich lieber schon damals das Atelier ins Leben rufen sollen. Aber ich bin eben Autodidakt und lerne jeden Tag auf meinem Weg dazu und bin sehr froh, nun an diesem Punkt angekommen zu sein.

Worauf legst du bei deinen Mitarbeitern besonders Wert? Liegt der Fokus sehr auf den handwerklichen Fähigkeiten oder steht eher ein gemeinsamer Spirit an erster Stelle?
Da kommt es stark darauf an, um welchen Arbeitsplatz es sich dreht. Wenn es zum Beispiel um das Atelier geht, dann spielt natürlich das Können und das Know-how eine sehr große Rolle. Denn es nützt nichts, wenn ich, wie in der Vergangenheit, versuche, alles mit Freunden zu realisieren. Da hast du zwar den Vorteil, dass man sich kennt und dass man sich vertraut und man mehr oder weniger auf einer Wellenlänge ist. Aber da kommt man in der Arbeit relativ schnell an seine Grenzen, da es einfach an Kompetenz fehlt. Und wenn du all deine Freunde im Unternehmen hast, hast du auch all deine Mitarbeiter im Privatleben. Das kann manchmal etwas schwierig sein. Allerdings möchte ich das auch nicht überspitzten – denn im Grunde ist Privatleben und Berufsleben bei mir untrennbar. Aber es ist schon ein anderes Gefühl, auf der Tanzfläche zu stehen und auch ein zwei pure Freunde um dich zu haben, als vergleichsweise ausschließlich Personen, mit denen eine berufliche Verbindung gegeben ist. Jedoch kann ich mich gegenüber meinen Mitarbeitern relativ frei entfalten, denn die Chemie oder der Spirit steht ebenfalls ganz weit vorne an. Es herrscht eine sehr gute Stimmung bei uns, da wir zum Großteil einen ähnlichen Humor und elementare Ansichten teilen. Die meisten Mitarbeiter stammen aus einem kreativen oder künstlerischen Umfeld.

Möchtest du etwas zu der Kunst in deiner Wohnung erzählen? Zum Beispiel dieses Bild hier mit dem großen Riss – gibt es dazu eine Geschichte?
Da gibt es auf jeden Fall eine sehr interessante Geschichte! Es handelt sich hierbei um ein Öl-Gemälde von Thomas Grundmann. Tom hatte vor vier bis fünf Jahren einen Talent Award bei der Art Cologne gewonnen – auch zu Recht, natürlich. Im Anschluss wurde er von einer Galeristin unter Vertrag genommen, die ihn darum bat, für die anstehende Art Cologne weitere Werke zu kreieren.
Tom zog sich also zurück und malte und malte, vernachlässigte Freunde, Familie etc. Die Bilder waren allerdings so sehr gefragt, dass schon vor der nächsten Art Cologne sämtliche Exemplare bereits verkauft waren. Dieser Fakt führte dazu, dass die Galeristin jene Bilder nicht mehr, sondern lediglich bisher nicht verkaufte Werke, auf der Art Cologne ausstellen wollte. Daraufhin wurde Tom sehr wütend und fuhr kurzerhand in den Baumarkt, um sich ein Teppichmesser zu kaufen. Er kehrte zurück in die Galerie, lief wortlos an der Galeristin vorbei und zerschnitt alle bereits verkauften Gemälde.
Das war natürlich eine extreme Reaktion. Ich kann das nachvollziehen und bin auch beeindruckt davon. Das musste damals wohl irgendwie sein und ich finde es auch gut, dass er damit ein Zeichen gesetzt und die Galeristin damit vielleicht auch ein bisschen wach gerüttelt hat. Denn letztendlich wollte er nicht anschaffen gehen für sie, sondern er wollte die Bilder ausstellen. So landeten die Bilder dann in seinem Keller und irgendwann, innerhalb der darauffolgenden zwei Jahre, begann seine damalige Freundin, die zerschnittenen Bilder wieder zusammen zu nähen – und das sieht ja auch super aus.

Lädst du deine Freunde gerne und häufig in deine Wohnung ein?
Es ist ein bisschen weniger geworden. Ich bekomme gerne Besuch, die schöne große Wohnung bietet es auch an. Ich habe keine Probleme mit den Nachbarn, was die Lautstärke betrifft. Dass ich für Freunde koche, passiert ungefähr drei bis vier mal im Jahr. Die Herr von Eden Weihnachtsfeier haben wir hier arrangiert. Und ansonsten, wenn irgendwann im Golem oder im Pudel nichts mehr los ist, landen wir auch manchmal alle gemeinsam hier. Allerdings ist die Wohnung keine Party-Institution, es ist nicht der Afterhour-Club der Stadt.

Deine Decke hier sieht allerdings nach sehr viel Leben aus.
Ja, es ist mittlerweile fast wie ein Sternenhimmel, was sich da langsam bildet. Das fing irgendwann so an, dass ich einen Champagner Korken angepinselt hatte und dann den Korken an die Decke schoss – und das passiert noch immer hin und wieder mal. Als ich das neu für mich entdeckt hatte, geschah das jedoch etwas häufiger. Es ist ein großer Spass, mit dem sich alle Gäste sehr schön verewigen können. Bei einigen Flecken weiß ich auch noch wer das war, bei anderen nicht mehr so ganz genau.

An wen erinnerst du dich noch?
Dieser Fleck hier stammt zum Beispiel von Daniel Josefsohn, mit dem ich meine Kampagnen-Motive erarbeite und der auch dieses Bild hier geschossen hat. Es bezieht sich auf ein ganz bekanntes Bild von Helmut Newton: „Sie kommen“. Bei Helmut Newton sind die Frauen in den 80er Jahren bekleidet mit Trenchcoats, sie sind gestylt, geschminkt. Daniel hat diese Frauen hier in genau den selben Positionen unbekleidet fotografiert. Und da Daniel ja genau wie ich Autodidakt ist, und auch im Kunstbetrieb nicht so etabliert ist, da er viel häufiger Werbeaufträge umsetzt, als Kunst zu produzieren, hat er ein starkes Bestreben dennoch zu zeigen, was er künstlerisch drauf hat. Und so entstand dieses Bild mit Titel „Helmut Josefsohn – ich möchte auch mal mit der Eisenbahn spielen“. Ich finde,
sein Werk ist sehr nah dran an dem Original von Helmut Newton – mal abgesehen von den Schuhen.

Kennst du die meisten Künstler, deren Werke du in deiner Wohnung ausgestellt hast?
Ja, eigentlich kenne ich sie alle. Dieses verzerrte Marilyn Monroe Bild symbolisiert für mich so ziemlich jeden Abgrund, an dem sich eine Person befinden kann. Bei Ikonen wie Marilyn Monroe, oder wie sie auch alle heißen, ist meist bekannt, dass sie Zeit ihres Lebens auch mal sehr sehr tief in den Abgrund geschaut haben. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten und eigentlich wird so eine Person wie Marilyn Monroe auch häufig konstant missbraucht. Auf diesem Foto atmet Marilyn Monroe aus und zeigt ganz klar, dass es weh tut.
Dieses Bild hier, auch wieder von Tom, zeigt Pete Doherty gemeinsam mit Crusty von den Simpsons in einer absurden Collage, die Fragen aufwirft zum Thema Sexualität zwischen Mann und Frau oder auch gleichgeschlechtlich und sämtlichen absurden Praktiken und Szenen, die es so gibt. Solche Bilder faszinieren mich, stoßen mich ab, bringen mich zum nachdenken und halten mich wach. Die Position, in der sich diese Frau hier befindet ist brutal. Ich würde niemals in solch einer Situation mit einer jungen Frau sein wollen. Es sind keine schönen Bilder. Sie anzusehen, fordert mich jeden Tag auf ́s neue heraus. Dieser Konfrontation stand zu halten, macht mich stark. Es turnt mich nicht an, sondern es erschreckt mich eher – weil ich es nicht verstehen kann. Dieses Foto hier zeigt meine depressive Schwester in den 80er Jahren und ich finde, sie sieht wahnsinnig gut aus. Dann habe ich hier diese komischen Poster, die ich aus Indien mitgebracht habe. Denn neben all diesem schweren Zeug hier brauchte ich auch noch etwas Spirituelles in der Wohnung, einen kleinen Lichtblick.

Bist du viel auf Reisen?
Es ist weniger geworden. Es gab Zeiten, da habe ich jahrelang aus dem Koffer gelebt. Seitdem ich diese Wohnung hier habe und auch das Atelier eröffnet habe, bin ich relativ sesshaft geworden. Ich habe Freunde, die sind pro Woche in drei bis vier europäischen Metropolen unterwegs und verglichen mit denen reise ich nicht viel. Aber ich bin schon viel rumgekommen, ja. Ich war schon in Asien, Afrika, Amerika und so weiter.

Wo gefällt es dir am besten?
Norden, Süden, Osten, Westen – zu Hause ist es doch am besten. Ich mag Hamburg tatsächlich sehr – wobei ich hier nicht ewig bleiben werde.

Wer ist der Herr hier auf deinem Sofa? (zeigt auf das Skelett)
Das ist Alfons, der beste Mitbewohner, den man sich vorstellen kann. Ich habe ihn in einem Trödelladen in der Marktstraße erstanden und eigentlich ist die Aktion so peinlich, dass man sie fast nicht bringen kann. Das macht man nicht, das ist so peinlich, das macht man nicht. Aber andererseits dachte ich dann, wenn man das denkt, dann kann man es schon fast wieder machen. Außerdem brauchte ich auch mal jemanden zum Reden.

Um nochmal auf die frühen Herr von Eden Zeiten, die Secondhand-Ära, Bezug zu nehmen: Gehst du noch immer gerne auf Flohmärkte oder bevorzugst du Designer- Läden?
Inzwischen gehe ich tatsächlich eher in Designer-Läden. Nichts gegen Secondhand, denn all dieser Kleider sind Zeitzeugen und ein tolles Kleid oder einen wunderbaren Smoking aus den 20er Jahren zu besitzen ist unschlagbar. Diese Dinge sind heilige Juwelen, da kommt nichts ran. Andererseits finde ich in Secondhand-Läden selten etwas in meiner Größe, da die Menschen früher andere Figuren hatten. Sie waren stämmiger und lange nicht so groß gewachsen wie heute. Deshalb finde ich dort leider eher selten etwas und häufig empfinde ich auch die gerne hohen Preise für ungereinigten Altkleider-Klamotten als absurd. Und es gibt einfach auch unglaublich viele tolle, aktuelle Designer.

Welcher Hamburger Designer gefällt dir da z.B. besonders gut?
In Hamburg? Ui. Ich finde, dass Kathrin Musswessels einen tollen Stil hat. Ich kann nicht viel über die Qualität sagen, denn soweit ich weiß, bietet sie ausschließlich Damenmode an und diese habe ich bisher nicht selbst getragen. In der Mode spielt Stilsicherheit eine große Rolle und Kathrin besitzt eine enorme Stilsicherheit – ganz toll. Aber abgesehen von Hamburger Designern ist Rick Owens the shit: tolle Materialien und ein neuer Look. Seine Mode leiste ich mir ab und an mal.

Und zu guter letzt: Was entspannt dich?
Die Küsse meiner Freundin.

Vielen Dank für den schönen Nachmittag, lieber Bent.

Interview & Text: Anika Väth
Fotos: Sarah Bernhard