Freunde von Freunden

Cathy Boom
Creative Director, Editor & Entrepeneur, Apartment, Kreuzberg, Berlin
Interviews > Cathy Boom

Mit Unterbrechungen lebt die gebürtige Schweizerin Cathy Boom seit nun 24 Jahren in Berlin und mit ihrem Mann JayBo und der gemeinsamen Tochter in einer traumhaften Wohnung mit Blick über die Hasenheide in Kreuzberg. Sie schätzt diese Stadt für ihren unkonventionellen Charakter und die Tatsache, dass sie noch immer „so schön unfertig“ ist.

Als Gegenentwurf zur Technoszene Berlins der 90er Jahre gründete Cathy Boom gemeinsam mit Jaybo Monk und Christian Tjaben das Magazin Style and the Family Tunes, welches sie als Verlegerin und Chef-Redakteurin 16 Jahre lang leitete. In der damaligen strukturlosen Kreativszene und dem kaputten, wilden Osten der Stadt entstand ein Magazin, das von Hiphop, Acid Jazz, Mode und Popkultur geprägt war.

Nach der letzten Print-Veröffentlichung 2011 ist Cathy Boom als freier Creative Director und Berater tätig und startete gemeinsam mit ihrem Bruder Patrick Andrist Ende November das Projekt „I WISH U SUN“, das mit jedem verkauften Produkt eine Augenoperation in Bangladesch ermöglicht.

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Was fasziniert dich an Berlin? 

Berlin ist für mich die Stadt, welche Metropolen wie New York, Paris und London in Punkto Lebensqualität und Laissez-faire locker toppt. Berlin ist großartig unkonventionell, nicht status-orientiert und so schön unfertig -immer noch.

Im Sommer 2011 ist die 130. und letzte Printausgabe der Style erschienen. Was kam danach?

Nachdem ich Style and the Family Tunes als Printformat eingestellt habe – als digitales Format existiert Stylemag noch – , war mir klar, dass ich meine Energie dafür einsetzen möchte, etwas Sinnvolles zu tun.

Da kam „I WISH U SUN“ ins Spiel. Bei dem Projekt geht es darum, etwas zurück zu geben. IWISHUSUN ist ein Konzept, das gegen die Gier agiert. Wir möchten mit Mode arbeiten, wir möchten gute Produkte lancieren, die hochwertig, zeitgemäß und einen Begehrlichkeitsfaktor haben, die aber gleichzeitig mit jedem Kauf etwas Gutes tun. Für “I WISH U SUN” heißt das konkret eine Augenoperation in Bangladesch zu finanzieren und ein Augenlicht zu retten – mit jedem verkauften Produkt! Wenn man den Grundgedanken des Business mit dem Grundgedanken der Mode und dem Gedanken einer sozialen Verantwortung kombiniert, hat man ein Win-Win. Statt mit erhobenem Zeigefinger zu sagen „Ihr müsst jetzt alle, wir müssten jetzt eigentlich alle, wir in Europa sind alle so privilegiert.“ , möchte ich einfach ein Konzept anbieten, bei dem man soziale Verantwortung übernehmen kann und gleichzeitig etwas kauft, was schön für einen selbst ist. Ich denke, dass dieses Konzept ein Zukunftskonzept ist, womit Einiges bewegt werden kann. Mir geht das Herz auf, wenn ich daran arbeite, denn ich sehe wie das Geld direkt an das Hospital in Bangladesch geht.

Es geht nicht darum, ob es Bangladesch, Vietnam, Afrika oder Marzahn ist, wo Kindern Frühstücksbrote gebracht werden, weil sie vor der Schule nichts zu essen haben. Es geht allein darum, etwas zu tun. Jeder muss sein Thema finden. Mein Thema sind Augen, denn ich arbeite mit Augen und bin sehr visuell. Ohne meine Augen könnte ich weder die Arbeit als Creative Director, noch als Herausgeber einer Zeitschrift machen. Augen sind auch etwas sehr Schönes, da sie das Fenster zur Seele sind. Deshalb ist das Thema von „I WISH U SUN“ Augen.

Kannst du etwas über das Prinzip und die Realisierung des ersten Produktes erzählen?

Das erste Produkt ist eine hochwertige Light Down Jacket. Mein Bruder Patrick Andrist ist Textilhersteller in Hong Kong und arbeitet täglich in hohen Auflagen mit den Fabriken. Als guter Kunde bekommt er kleine Stückzahlen zu einem guten Preis. Durch diese Marge, die durch den Verkauf im Internet entsteht, können wir einen Großteil des Gewinns zurückgeben. Ich bin überzeugt davon, dass das Grundkonzept ein Gutes ist. Gleichzeitig hat „I WISH U SUN“ noch Inhalt. Es geht natürlich auch darum, mit interessanten Leuten zu sprechen und ihnen Fragen zum Thema Vision, Augenlicht, Wahrnehmung zu stellen. Ein Freund hat mir gestern erzählt, er habe jemandem Schuhe gegeben, der zuvor keine hatte. Ich war beeindruckt. Jeder sollte etwas mit seinen Möglichkeiten tun.

Statt 10 Stunden auf dem Mauerpark zu stehen, kann man Kleidung dem geben, der sie wirklich braucht.

Genau. Ich muss dringend meine Klamotten ausmisten. Das letzte Mal habe ich in der Wrangelstraße Nonnen besucht. Dort sind sehr viele Obdachlose. Es ist okay, auch ein paar Sachen in den Second-Hand-Laden zu bringen. Es geht nicht darum, dass man sein letztes Hemd hergibt, sondern dass man sich bewusst macht, etwas zurückgeben zu müssen. Auch mir persönlich tut es gut, mich nicht nur darum zu kümmern, dass alles schön aussieht und einen gewissen Designaspekt hat, eine Marke aufzubauen oder mich modisch zu kleiden – sondern eben auch selbst Verantwortung zu übernehmen.

Welches Produkt ist in Planung?

Als nächstes möchte ich Seidenschals produzieren. Foulards aus Seide und Wolle mit Prints. Danach sehen wir mal – T-Shrits, Jacken, Taschen, alles ist möglich. Es geht darum, coole, hochwertige Produkte ohne Kollektionsgedanken zu machen, die überzeugen. Wenn sie dann noch hochwertig produziert werden und in Kollaboration mit Fotografen oder anderen Designern entstehen, ist das eine gute Sache.

Lass uns einen Zeitsprung machen und zurück in die 90er Jahre gehen: Wann erschien die erste Ausgabe von Style and the Family Tunes und was war das Konzept?

1994 erschien Style erst vierteljährlich in Schwarz-Weiß mit dem Themenschwerpunkt Musik. Als Mode thematisch dazu kam, wurden diese Seiten in Farbe gedruckt. Ab Sommer 2000 haben wir das Heft bis zum Sommer 2011 monatlich veröffentlicht. Das Printmagazin gab es insgesamt 16 Jahre. Wenn man eine Sache so lange macht, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem man etwas verändern möchte. Denn auch die Welt um einen herum verändert sich und damit auch das, was Style einmal war. Die mediale Welt ist viel digitaler geworden und ich selber bin Zeitschriften müde, mich langweilt das Konzept Zeitschrift mittlerweile.

Die Style war die erste popkulturelle Lifestyle-Zeitung, die es in Deutschland gab. Die anderen Magazine kamen ja alle erst hinterher. Die Art der Fotografie, Bildsprache, der Grafik und Artikelaufbereitung war wirklich weit vorne. Wenn ich mir die alten Hefte jetzt anschaue, sehe ich, dass die Sachen immer noch Bestand haben. Ich denke, die Style hat auch ein Buch verdient, denn sie ist ein Zeitdokument für einen gewissen Abschnitt. Daran würde ich gern in den nächsten Monaten arbeiten – wenn ich die Zeit dafür finde.

Trotz der digitalen Entwicklung wurden noch nie so viele Zeitschriften gegründet, verlegt und gedruckt wie letztes Jahr. Wie erklärst du dir das?

Das liegt daran, dass die ganzen Leute, die in den großen Verlagen gearbeitet haben, arbeitslos sind. Es wird eben fast niemand mehr für den Inhalt bezahlt. Mich langweilt, dass sie alle das Gleiche wollen und davon brauche ich nicht 150 Magazine.

Magazinshops wie “Do You Read Me?” ermöglichen es, dass man für jede Nische ein Magazin findet.

Mich interessieren Zeitschriften nicht mehr. Ich bin damit irgendwie durch. Ein schönes Buch würde ich mir immer kaufen.

Nischenmagazine wie Handwerksmagazine funktionieren aber eben wie Bücher.

Die Nische wird auch immer weiterleben, denn sie hat natürlich eine Berechtigung. Ich würde auch niemals sagen:”Hört damit auf!”.

Letztendlich kann ich nur für das ganze Modesegment sprechen. Denn das ist es, was Style im Endeffekt in den vergangenen Jahren ja war: Hauptsächlich ein Modemagazin, das mit einem Kunstmagazin gekreuzt ist, welches immer noch Musikinput hat. Wir sind von der Musik gekommen, dann haben wir Musik mit Mode verbunden, um über den Kunstaspekt zu den Themenschwerpunkten Mode-Kunst-Musik zu gelangen. Style hat sich natrülich über die Jahre verändert. Heute bin ich sehr gelangweilt von den ganzen Modemagazinen, denn die Fotografie verändert sich nicht wirklich. Es sind alles nur Zitate von Dingen, die man bereits kennt. Natürlich gibt es ein paar Zeitschriften auf dem Top-Level, die es immer wert sind, angeschaut zu werden. Aber dann gibt es eben ganz Viele, die das Gleiche wollen, es aber nicht erreichen – und dafür habe ich keine Zeit.

Do You Read Me? Bietet dem Kunden an, Magazine für einen vorher bestimmten Wert zu sammeln. Aus dieser Sammlung werden Magazine nach Kriterien des Kunden gefiltert.

Es ist natürlich super, wenn Shops wie Do You Read Me? eine Auswahl für dich treffen. Ähnliches hatte ich auch früher mit einem Typen, der mir immer die ganzen englischen und amerikanischen Zeitungen im Abo besorgt hat. Dass Zeitschriften für dich editiert werden ist als Shop ein super Service!

Bei einem solchen Abo wäre für mich nur Fashion interessant, denn ich arbeite in der Mode. Aber ich frage mich: Wie viele Menschen lesen solche Zeitschriften wirklich? 032c ist zum Beispiel ein wirklich ein gutes Magazin und Jörg Koch macht einen echt guten Job. Aber das Magazin ist sehr intellektuell und bei den ganzen Hipstern, die durch die Gegend rennen und sagen „032c finde ich so toll“, frage ich: „Welchen Artikel hast du wirklich gelesen?“

Manchmal muss man hoch ansetzen…

Ja sicher! Aber die Frage ist auch immer: Wen willst du erreichen? Durch das hohe Niveau wurden viele auf Style aufmerksam und ich werde heute als Experte gebucht. Es funktioniert ja auch nur so. Ich mache mittlerweile ganz viele freie Jobs. Trotzdem muß man sich selbst treu bleiben. Deshalb habe ich ja nach 130 “Style and the Family Tunes”-Ausgaben auch aufgehört. Ich mache lieber die Klappe zu, als dass mir so etwas passiert, wie die Tatsache, dass die I-D von der Vice gekauft wird.

Ich habe mich dazu entschlossen, dass ich das nicht machen möchte. Es ist wie mit der Twen. Die gab es irgendwann auch nicht mehr. Die Twen war ein wegweisendes Magazin in den 70er Jahren, mit einem super Layout und einer neuen, modernen Bildsprache. Die Twen war in dieser Zeit der Hammer, doch irgendwann gab es sie einfach nicht mehr. So kannst du Kult werden und sagen, es ist ein in sich geschlossenes Stück Zeitgeschichte, das von Anfang bis Ende von dir betreut wurde. Ich kann hinter jeder Ausgabe von Style stehen und sagen „Ja, das habe ich gemacht.“ Nur so kannst du davor sicher sein, dass das Konzept nicht verwässert.

Vielen Dank Cathy für deine Zeit und die ausführlichen und spannenden Einblicke! Wer mehr über Cathys aktuelles Projekt “I WISH U SUN” erfahren möchte, kann ihre Webseite besuchen.

Fotografie: Ailine Liefeld
Text: Meltem Toprak