Eva Fischer
VJane & Founder and Curator at sound:frame, Vienna
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Sound und Bild zu visuellen Erlebnissen verbinden – genau diese Kunstform pulsiert seit knapp einem Jahrzehnt im historischen Wien. Eine rege Szene, die sich an der Schnittstelle von akustischer und visueller Kunst bewegt. Mittendrin: Eva Fischer, Visualistin und Veranstalterin des sound:frame-Festivals.

Ein Festival, das über Unterhaltung hinaus die Diskussion relevanter Themen in diesem Bereich anregt. Die Rolle von Visualisten im klassischen Kunstkontext steht ebenso auf der Agenda wie das Geschlechterverhältnis in der Szene und faire Bezahlung von VJs im Club-Bereich.

Im Gespräch erzählt uns die geborene Linzerin, was Wien nicht nur für Künstler, sondern auch für sie persönlich interessant und lebenswert macht. Außerdem plaudern wir über ihre Idee und Umsetzung und Herausforderung des Festivals und der Bedeutung von Glück, Talent und Durchhaltevermögen.

Wie hat es dich nach Wien verschlagen und warum bist du immer noch hier?

Ich bin seit 2006 in Wien. Davor hatte ich in Graz und zwischendurch in den Niederlanden Kunstgeschichte studiert. Aber irgendwann ist mir Graz zu klein geworden. Ich wollte sowieso früher oder später in Wien leben. Also habe ich spontan entschieden, umzuziehen und mich für ein Praktikum zu bewerben. Schnell bekam ich einige Zusagen und das gab mir das Gefühl:  „Auf geht’s! Wien steht mir offen!” Daraufhin hat es nicht lange gedauert, bis alles mit dem sound:frame Festival begonnen hat. Gut also, dass ich geblieben bin – und so schnell will ich hier auch nicht wieder weg!

Du organisiert und kuratierst das sound:frame-Festival. Erzähl uns doch ein wenig vom Konzept und der Idee dahinter.

Das sound:frame gibt es jetzt seit 2007. Das Festival vereint Musik und Sound mit den unterschiedlichsten visuellen Mitteln: hauptsächlich Visuals und Projektionen, aber auch Grafikdesign, Motion Graphics, generative Kunst und Mappings. Als einer der Hauptprogrammpunkte findet immer eine Ausstellung und ein Diskursprogramm statt. Ganz wichtig sind natürlich die Live-Performances, ohne die ich mir das Festival gar nicht vorstellen kann.

Wie kamst du auf die Idee, so ein Festival selbst auf die Beine zu stellen?

Schon während des Studiums habe ich mich für die Verbindung von Sound und Bild interessiert, da ich selbst lange Zeit Musik gemacht habe. Durch eine Seminararbeit an der Universität in Graz ist mir dann die Idee gekommen. Dank meines Praktikums im Künstlerhaus hatte ich dann ein paar Jahre später die Möglichkeit bekommen, eine Ausstellung zu kuratieren und meine Idee umzusetzen. Zunächst nur im ganz kleinen Rahmen – aber das Festival ist schnell gewachsen.

 

Das sound:frame vereint Kunst und Spektakel. Können also Kontexte wie Club und Museum voneinander profitieren?

Beim sound:frame diskutieren wir das oft mit den Künstlern und Künstlerinnen und es stellt sich heraus, dass sich die unterschiedlichen Kontexte sehr positiv aufeinander auswirken. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass es kaum noch Künstler gibt, die nicht in beiden Welten aktiv sind. Es ist ein Wechselspiel: Der Live-Performance-Kontext, wie Theater oder Konzert, kann genauso von der Installation oder vom musealen Kontext profitieren wie umgekehrt.

Ist das nicht auch eine Frage der wirtschaftlichen Freiheit?

Klar. Wer als Künstler nicht darauf angewiesen ist, am Kunstmarkt zu überleben, sondern noch einen anderen Job hat, kann gelassener sein. Man kann sich kreativ austoben, mehr Ideen aufgreifen und weiterentwickeln. Mit größerem Budget lassen sich auch neue Technologien ausprobieren, die sonst vielleicht nicht finanzierbar wären.

Das sound:frame im MAK

Wien hat sich mittlerweile als europäische VJ-Metropole etabliert. Womit hängt das deiner Meinung nach zusammen?

In Wien hat es in der Kunstszene gewisse Vorreiter gegeben wie VALIE EXPORT, Peter Weibel und allgemein das Umfeld des Wiener Aktionismus. Sehr früh waren Visualistinnen und Visualisten wie etwa Eva Bischof von 4youreye, in dieser Szene aktiv. Im Vergleich zu anderen Städten sind in Wien sehr viele Frauen in der Szene, es herrscht beinahe ein Gleichgewicht der Geschlechter. Nachfolgende Generationen brauchen Identifikationsfiguren und Vorbilder – und hier war das immer der Fall.

 

Wie gut vernetzt findest du dich als Veranstalterin und Künstlerin in Wien?

Ich bezeichne Wien ja immer als mein großes Wohnzimmer: Egal, wo man hingeht, man trifft immer Leute. Das ist sicher überall so, aber ich denke, dass Wien gerade noch die richtige Größe hat, um jeden, der aktiv in der Szene ist, persönlich zu kennen. Die Stadt ist wahnsinnig vernetzt. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, warum die Szene hier so groß geworden ist und sich ständig weiterentwickelt.

Ist Österreich in der Hinsicht besonders?

Österreich ist immer noch ein bisschen glücklich, was Förderungen betrifft. Es ist hier auf keinen Fall alles superleicht, aber wir leben in einem Land, in dem durch Förderungen viel möglich ist. In unserem Bereich ist die Kreativagentur departure interessant, die in unterschiedlichsten Bereichen arbeitet und vernetzt. So wird ein Austausch und das Angebot von Expertenwissen gefördert, das finde ich wichtig. Für das sound:frame Festival ist departure fundamental.

 

Unterwegs vom sound:frame zu Evas Wohnung

Was bedeutet Wien für dich persönlich?

Wien ist, wo ich sein möchte. Die Stadt hat alles, was ich brauche und mag: das Kulturangebot und die vielen Kontakte zu anderen Künstlern. Das viele Grün rund um die Stadt herum und die Erholungsmöglichkeiten sind auch toll, sei es Radfahren im Wienerwald oder Schwimmen in der Alten Donau. Die Stadt hat die richtige Größe, man braucht überall hin nur zwanzig Minuten. Ich bin ziemlich früh in den 7. Bezirk gezogen und hier nicht mehr weggekommen. In den letzten Jahren haben sich hier viele neue Lokale und Geschäfte angesiedelt und es gibt ein interessantes Angebot an Cafés und Bars.

In welchen Bars, Restaurants und Clubs findet man dich denn oft?

An Restaurants haben es mir das Mochi im 2. Bezirk und das Zweitbester in der Naschmarktgegend angetan. Im 7. Bezirk bin ich gerne im SAPA. Mein Lieblings-Café ist das Café Podium bei mir ums Eck. Was Clubs angeht, mag ich es derzeit klein — am besten gefällt mir die brut Bar.

Was zeigst du Freunden von der Stadt?

Freunden muss ich schon die Klassiker zeigen. Davon lebt die Stadt auch, von dieser Verbindung aus Alt und Neu: die Ringstraße, das Schloss Schönbrunn mit der Gloriette, die alten Wiener Kaffeehäuser. Im Sommer würde ich ihnen eher die Alte Donau zeigen und im Winter die Weihnachtsmärkte.

Evas Wohnung in Neubau

Hast du Lieblingsstücke in der Wohnung?

Ich mag meine Pflanzenleiter sehr gerne — die habe ich selbst gebastelt. Auch die ganzen Artworks von Freunden oder Festival-Künstlern liegen mir sehr am Herzen.

Wovon hat es in deiner Arbeit bisher am meisten gebraucht: Talent, Glück oder Durchhaltevermögen?

Man braucht von allem die gleiche Portion! Ich hatte viel Glück, aber ohne Durchhaltevermögen hätte mir das nichts gebracht. Mein Talent ist es, Leute zusammenzubringen und ein Gespür dafür zu haben, wer mit wem arbeiten kann. Mir ist es immer wichtig, Musiker und Visualistinnen zusammenzuführen. Gerade dadurch sind spannende Kooperationen entstanden.

Wie hältst du es: Erst denken oder erst tun?

Gute Frage. Da muss ich kurz nachdenken — also offensichtlich zuerst denken. (lacht) Es kommt aber stark auf den Kontext an. Bei einer Festival-Organisation muss man erstmal denken und hinterfragen. Das Tun besteht bei mir dann darin, Dinge anzuschauen, unterwegs zu sein, Leute kennenzulernen — da steht sicher nicht das Denken im Vordergrund. Man muss ja richtig eintauchen.

Wann bezeichnest du einen Tag als gelungen?

Ein Tag ist dann gelungenen, wenn man zum Beispiel sehr viel gelacht hat, etwas tolles Neues erlebt hat, am Strand oder in den Bergen war. So speziell muss es aber nicht immer sein, manchmal reicht auch gar nichts tun — das ist mir sehr wichtig. Keine Musik hören, allein auf der Couch sitzen und zum Fenster rausschauen.

Was läuft zur Zeit auf deinem iPod?

Natürlich sound:frame-Künstler wie etwa Jonwayne, Anushka, Romare. Ich muss ja auch zugeben, dass ich das Booking ein bisschen nach der Musik auslege, die mir selbst am besten gefällt.

Thanks!

Wir danken Eva für den spannenden Einblick in ihre Arbeitswelt.
Auf der Webseite von sound:frame findet ihr weitere Infos zum Festival und zu Evas Agentur für audiovisuelle Kunst.

Dieses Portrait wurde in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien und ihrem Kreativzentrum departure produziert und ist das 18. Portrait dieser Kollaboration. Lerne noch mehr kreative Köpfe aus Wien kennen.

Video: Nikolaus Sauer
Video Edit: Uljana Andreeva
Fotografie: Martin Stoebich
Interview & Text: Philipp Daun