Freunde von Freunden

Florian Kaps
Founder of Supersense, Apartment & Store, 9th & 2nd District, Vienna
Interviews > Florian Kaps

Seine Freunde nennen ihn nur „Doc”, doch wie ein verrückter Professor wirkt Florian Kaps nicht. Als wir ihn in seiner riesigen Altbauwohnung im bürgerlichen 9. Bezirk besuchen, wirkt er eher wie ein erfolgreicher Jungunternehmer. Das ist auch nicht ganz falsch. Nach seinem abgeschlossenem Doktor der Biologie, Fachbereich Spinnenforschung, hat Doc gleich zwei Unternehmen zum Erfolg geführt. Mit dem ersten wollte er sich auf den Verkauf analoger Nischenprodukte konzentrieren, doch am Ende stürzten sich alle nur auf einen Artikel im Sortiment: Polaroidfilme, die damals kaum noch im Handel zu bekommen waren.

Als Polaroid die Produktion von Sofortbildfilmen dann komplett einstellte, übernahm er mit zwei Partnern das einzig verbliebene Werk der Firma im holländischen Enschede und machte sich mit The Impossible Project daran, diese Filme wieder zu produzieren. Nach ein paar geschäftigen Jahren beschloss er, sich operativ aus dem Unternehmen zurückzuziehen und sich einem neuen Projekt in seiner Heimatstadt Wien zu widmen. In einem im venezianischen Stil erbauten Palazzo mitten im 2. Gemeindebezirk fand er das wohl schönste Geschäftslokal der Stadt und damit den idealen Ort, seine Idee einer analogen Erlebniswelt für die Sinne, Supersense, zu verwirklichen.

Dieses Portrait ist Teil unserer Kollaboration mit ZEIT Online. Zum zweiten Teil dieser Strecke geht es auf Zeit Magazin Online.

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Wie kommt man von einem Biologiestudium zum Unternehmertum?

Meine Zeit in der Wissenschaft war die, in der ich experimentierte und bastelte, als ich zum Beispiel Elektroden in Spinnenaugenmuskeln implantierte. Aber relativ schnell kam dann schon die Frage meiner Großmutter: „Ich bin ja stolz auf dich und was du da machst ist toll, aber womit willst du einmal deinen Lebensunterhalt verdienen? Wozu genau braucht man das?“

Nach einem kurzen Versuch, doch als Biologe Fuß zu fassen, sagte mir ein Freund – es war 1998, und diese Internetblase braute sich zusammen – ich solle mich als Internet-Projektmanager bewerben. In den Anfängen des Internets war es so, dass man schon als Internet-Projektmanager qualifiziert war, wenn man bloß seinen Namen richtig schreiben konnte.

Ich dachte mir: „Ok, warum nicht?“ Ich habe dann wirklich einige Angebote bekommen, unter anderem bei der Lomographischen Gesellschaft, bei denen ich ein verrücktes Bewerbungsgespräch hatte. Sie meinten: „Gut, du kennst dich mit Spinnenaugen aus, das sind optische Systeme. Wir brauchen jemanden, der 10.000 Nachtsichtgeräte verkauft, das sind auch optische Systeme.“ Und so bin ich über die Lomographische Gesellschaft in das Thema Fotografie eingestiegen bin.

War es für dich logisch, gleich in dem Bereich zu bleiben?

Was ich bei den Lomographen entdeckt habe, war die faszinierende Möglichkeit, über das Internet Leute aus aller Welt für etwas zu begeistern. Darauf habe ich mich spezialisiert, habe dort den weltweiten Online-Shop und die Online Community aufgebaut und wollte mich danach eigentlich selbstständig machen und den Schritt etwas raus aus der Fotografie wagen.

Das hat dann nicht so gut geklappt: Ich habe kurz danach die Firma Unsaleable gegründet. Unser Ziel war, Menschen wieder für Produkte oder Waren zu begeistern, die eine analoge Qualität haben und nicht mehr relevant erscheinen. Eines unserer Produkte, der Sofortbildfilm, hat dann aber abgehoben. Relativ schnell haben wir dann nur noch Sofortbildfilm verkauft.

Im Internet ein analoges Produkt verkaufen – war das ein Widerspruch?

Nein. Ich finde, das ist eine geniale Kombination. Man dachte ja eine zeitlang, das Digitale würde das Analoge auslöschen. Doch ich glaube, es ist allen klar geworden, dass gerade die Kombination aus beidem eigentlich perfekt ist. Das Digitale hat dem Analogen eine neue Chance gegeben. Das Spannende ist: Gerade die junge Generation, die digital aufgewachsen ist, begeistert sich am stärksten für das Analoge und für die Wiederentdeckung der analogen Welten.

Warum?

Durch das Digitale ist zwar alles zugänglich, aber nur hinter einer Glasscheibe. Man kann es nicht anfassen, man kann es nicht riechen, und gerade deshalb hat in letzter Zeit eine neue Sensibilisierung für das Analoge stattgefunden. Außerdem gibt das Digitale all diesen Nischenprodukten und -produzenten wieder eine Riesenchance, weil sie eben von einem kleinen Standort oder einer Werkstatt wirklich in die ganze Welt verkaufen können. Für mich ist das eine positive und schöne Symbiose.

Was ist der große Unterschied zwischen analog und digital? Ist analog automatisch besser?

Das würde ich nicht sagen, ich bin kein religiöser Analogist. Ich glaube, es geht um dieses multisensorische. Das Analoge kann man angreifen, man riecht es, es ist da, es ist real, es ist unvorhersehbar, es fühlt sich immer wärmer an. Das sind organisch gewachsene, chemische Reaktionen, die einfach sehr nahe an der Realität sind. Das Digitale ist für mich oberflächlicher. Natürlich ist es schneller und das hat bestimmt auch seine Vorteile. Vielleicht passt dieses Bild ganz gut: Wenn man im Auto fährt oder unterwegs ist, hört man Musik per MP3 oder eine CD. Aber wenn man nach Hause kommt, ein schönes Essen zubereitet, ein Glas Rotwein dazu trinkt, dann legt man eine Schallplatte auf. Das hat für mich mehr Tiefe, es hat etwas von Innehalten in einer immer schnelleren Welt.

Du hattest großen wirtschaftlichen Erfolg mit dem Verkauf von Sofortbildfilmen. Was hat es für dich bedeutet, als Polaroid 2008, genau zum 60. Geburtstag der Technologie, die Sofortbildproduktion einstellen wollte?

Es hat damals schon extrem weh getan. Gerade als wir das Gefühl hatten, es beginne eine Wiederentdeckung des Sofortbildfilms – wir hatten damals schon über 10.000 Kunden auf der ganzen Welt – stellt Polaroid aus völligem Unverständnis für diesen neuen Nischenmarkt die Produktion ein.

Wir haben Polaroid damals schon signalisiert, dass wir das gerne in irgendeiner Weise weiter betreiben würden. Die dachten aber wohl, ich sei verrückt. Lange Zeit gab es gar keine Reaktion, außer einer Einladung zu dem Closing Event der Fabrik. Ich bin dort hingefahren und habe den Produktionsleiter, André, kennengelernt, der eigentlich auf mich aufpassen sollte, damit ich dort nichts anstelle. Er hat mir dann aber erzählt, dass es wirklich eine Chance gäbe, Sofortbildfilme weiterhin zu produzieren, und war begeistert von der Idee. So habe ich mich mit ihm verbündet und schließlich das Ganze durchgezogen.

Die Polaroid-Manager dachten, du spinnst?

Genau. Bei allen Gesprächen – wir haben über ein Jahr lang verhandelt – haben die immer gesagt, es sei unmöglich, in der Fabrik weiterhin Sofortbilder zu produzieren. Ich habe geantwortet, dass ich die Firma sogar „impossible” nennen würde, aber dass sie uns einfach eine Chance geben sollten, es zu versuchen. Denn es war allen klar: Werden die Maschinen und die Fabrik erst einmal verschrottet, gibt es keine Möglichkeit mehr, dieses Produkt weiter herzustellen.

Es wäre auch unmöglich gewesen, wenn nicht zufällig das FBI während der Verhandlungen den Firmensitz von Polaroid gestürmt hätte und ein Großteil des Managements wegen Steuerhinterziehung inhaftiert wurde. Der Zufall wollte es, das ein mir wohl gesonnener Polaroid-Manager zehn Tage lang zeichnungsberechtigt war. Der hat mich dann angerufen und gesagt: „Florian, jetzt haben wir zehn Tage Zeit, um diesen Verkauf abzuwickeln. Wenn du 180.000 Euro auftreibst, dann können wir unterschreiben und die Fabrik gehört euch“. Und tatsächlich hatten wir damals schon so viele Investoren auf unserer Seite, dass wir die Fabrik tatsächlich kaufen und den Neustart finanzieren konnten.

Wie reagierten deine Freunde damals, als du ihnen sagtest: „So, wir kaufen jetzt die Fabrik“?

Die sind einiges gewöhnt. Rückblickend war das ein ganz logischer Schritt. Wir hatten einen Kundenstock, wir hatten jahrelange Erfahrung in dem Bereich und wussten, dass es da ein aufkeimendes Interesse gibt.

Man muss dazu sagen, dass wir damals keine Ahnung hatten, wie kompliziert und abgedreht das alles sein würde. Gott sei Dank nicht! Aber ich dachte mir, Spitze, jetzt produzieren wir unsere eigenen Filme und sind unabhängig von Polaroid. Am Ende war das nur eine der vielen verrückten Sachen, die meine Familie schon mit mir durchgemacht hat.

Als dann diese ersten Hürden überwunden waren, habt ihr ein Jahr damit verbracht, eine neue Chemikalienzusammensetzung zu finden.

Genau, das hat ein Jahr gedauert. Eigentlich sensationell, denn normalerweise dauert so ein Entwicklungsprozess wesentlich länger. Aber wie gesagt, ich hatte ein wenig unterschätzt, wie schwierig das sein würde. Wir hatten große Erfolge mit abgelaufenem Polaroidfilm und damals dachte ich, schlechter könne es nicht werden. Doch unsere ersten Produkte waren sehr experimentell. Da gab es Filme, die sich aufgelöst haben, und Filme, die extrem überbelichtet waren. Es war ein steiniger Weg bis hin zu der Qualität, mit der man einen größeren Kundenstock auch außerhalb von erfahrenen und experimentierfreudigen Fotografen ansprechen konnte.

Edwin Land, der Erfinder von Polaroid, hat einmal gesagt: „Starte kein Projekt, bevor es nicht wirklich wichtig ist – und so gut wie unmöglich“. Könnte man sagen, das sei dein Motto?

Ja, absolut. Ich war immer schon fasziniert von Dingen, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen. Ein wenig gegen den Strom schwimmen. Dieses Geschichten erzählen und Leute für etwas zu begeistern, das außerhalb des Mainstreams liegt, sogar, wenn es als unmöglich oder irrelevant angesehen wird – das ist sicher etwas, das sich durch mein Leben zieht.

2013 hast du dich aus dem Impossible Project operativ zurückgezogen. War die Idee für Supersense damals schon da?

Die war immer schon da, weil ich durch das Impossible Project so viele andere Verrückte kennengelernt habe, mit denen gemeinsam ich etwas starten wollte. Mit Impossible Project als immer seriöserem Unternehmen wäre das schwierig gewesen. Ich fand mich zunehmend in Aufsichtsratssitzungen und vor Excel Sheets, als dabei, mit kreativen Leuten zusammen zu arbeiten oder neue Produkte zu entwickeln. Ich bin aber immer noch stolzer Gründer des Impossible Project, das ist ein wichtiger Teil von mir.

Du hast vorher vom Geschichtenerzählen gesprochen. Gibt es eine Geschichte, die du mit Supersense erzählen möchtest?

Ja, wir bieten hier eine Bühne, auf die wir Leute einladen, ihre Geschichte zu erzählen. Unser Laden hat eine Art Werkstattcharakter, so, wie es früher gängig war. Unsere Partner können das machen, was sie lieben, und die Käufer können nicht bloß ein Produkt erwerben, sondern sind auch im Herstellungsprozess involviert. Bei uns werden Schallplatten geschnitten, Bücher und Poster gedruckt, Bilder gemacht und Workshops gehalten.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Kind zum Schuster gegangen bin oder zu diesen Einzelhändlern. Dort hat es nach Leder gerochen, da war man sehr nahe am Entstehungsprozess dran, das war ein sensorisches Erlebnis. Bereits bei Impossible Project habe ich gesehen, dass alle, die die Fabrik besuchten, ein völlig anderes Verständnis vom Produkt bekamen. Das war auch die Grundidee für Supersense.

Supersense ist also mehr als bloßes Storytelling, wie man es aus Marketingbüchern kennt, sondern es geht immer auch um das Handwerkliche?

Genau. Es kommt dort keine Maschine rein, die nicht wirklich in Betrieb ist. Es ist also keine gut aussehende Kulisse, sondern dort wird produziert. Es soll nach Farbe riechen, nach Kaffee und nach dem Acetat, das auf die Schallplatten kommt. Es ist eine haptische Erlebniswelt, aber kein Museum. Wenn, dann ist es ein aktives Museum. All diese Sachen stehen dort nicht als Schaustücke, sondern sind wirklich in Betrieb. Es wird immer eine junge Dame oder einen jungen Herrn geben, die diese Maschine wieder zum Leben erwecken und in der digitalen Welt einsetzen werden, um ihr Produkt herzustellen und Leute zu begeistern.

Wie siehst du Wien als Basis für so ein verrücktes Unterfangen? Ist es ein guter Ort, um absurde Dinge zu starten?

Ja, absolut. Ich war in den letzten Jahren viel in der Welt unterwegs, habe Geschäfte in Tokio, New York, London und Paris eröffnet und gerade dadurch habe ich Wien wieder mehr schätzen gelernt. Weil in Wien schon sehr, sehr viel Skurriles, Besonderes und im positiven Sinne Verrücktes zuhause ist. Dadurch, dass Wien sehr träge und sehr stolz ist, sind viele Sachen unverändert geblieben, die jetzt nach dieser ersten digitalen Welle wieder als interessant, besonders oder wertvoll entdeckt werden.

Zum Beispiel?

Viele analoge Firmen, die weltweit operieren, sind noch hier ansässig, zum Beipiel die Lomographische Gesellschaft oder Peter Coeln mit seinem West-/Ostlicht-Museum und den Leica und Vintage-Kameras, der ja ein unglaubliches Monopol geschaffen hat. Auch sind hier viele Unternehmen, die an eine neue Generation übergeben wurden und dadurch einen völlig neuen Spin bekamen. Sinnbildlich dafür stehen die vielen jungen Winzer in Wien, die den Betrieb von ihren Eltern übernommen haben und fantastische, international erfolgreiche Produkte erschaffen.

Auch von offizieller Seite gibt es gute Unterstützung. Banken für etwas Unmögliches oder Verrücktes zu begeistern ist schwierig, doch für die Kreativwirtschaft gibt es super Unterstützung. Vor allem departure, das Kreativzentrum der Wirtschaftsagentur Wien, ist ein toller Partner, die haben für verrückte Dinge ein offenes Ohr. Gleichzeitig geben sie aber strikte Regeln vor, was das Wirtschaftliche betrifft, und genau diese Kombination finde ich wichtig.

Würde Supersense überall funktionieren oder nur hier, im zweiten Bezirk, an der Praterstraße, im Dogenhof?

Der Ort ist bewusst gewählt. Er hat etwas Magisches. Wien war damals, als das Gebäude gebaut wurde, verrückt nach Venedig. Es gab im Prater „Klein-Venedig“ und man konnte dort mit der Gondel durch Kanäle fahren. Der Bauherr fand das gut und hat sich in den Kopf gesetzt, ein venezianisches Palazzo mitten in Wien zu bauen, sogar mit dem Traum, von hier aus mit der Gondel in den Prater fahren zu können.

Auch passt der Standort perfekt, da der Prater ein Ort des Geschichtenerzählens war. Hier gab es die ersten Lichtspieltheater, die Dame ohne Unterleib, all diese faszinierenden Geschichten. Und dann ist es so, dass die Praterstraße und der ganze zweite Bezirk gerade eine wahnsinnige Veränderung erleben und da ist es toll, wenn wir als Keimzelle mitwirken können.

Zu guter letzt: Was ist deine Lieblingsgeschichte, die du deinen Kindern mit auf den Weg geben wirst?

Meine Lieblingsgeschichte ist die, mit der alles begonnen hat. Ich war also auf diesem Closing-Event von Polaroid. Das war eigentlich der Punkt, an dem das Sofortbild zu Grabe getragen werden sollte und an dem mein Kampf verloren gewesen wäre. Und doch kam alles anders und dieser Moment verwandelte sich von einem Ende in einen Anfang. Er hat mein Leben verändert.

Die Schlussfolgerung daraus ist der, dass man die Hoffnung nie aufgeben soll. Auch scheinbar ausweglose Situationen können ein wahnsinniges Potential bieten. Das Unmögliche ist manchmal eben doch möglich.

Geht er selbst einkaufen, dann gerne in alteingesessene Läden wie den Leica Shop in der Westbahnstraße 40 im 7. Bezirk sowie in die Fleischerei Ringl in der Gumpendorfer. Hat er Hunger, besucht er gerne das toma tu tiempo in der Zieglergasse 44, 7. Bezirk sowie das Schweizerhaus im Wiener Prater den er auch gerne zum joggen oder spazierengehen besucht.

Wir danken Florian für das Interview und den exzellenten Espresso, den wir sowohl in seiner Wohnung im 9. Wiener Gemeindebezirk als auch in seiner neuen multisensorischen Erlebniswelt Supersense genießen durften. Diese kann man in der Praterstraße 70 oder online bewundern.

Dieses Porträt ist in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien und ihrem Kreativzentrum departure entstanden. Mehr Porträts und Berichte zu der Wiener Kreativszene gibt es hier

Fotografie: Martin Stoebich

Interview & Text: Markus Krennmayr