Friedrich Gobbesso

Das Haus in der Gerichtsstraße, das ist einer dieser Orte, an denen sich die Geschichte in das Mauerwerk eingeschrieben hat, wo die Zeichen der Zeit noch nicht neu verputzt wurden und es nach Belieben kreucht und fleucht.

Man würde nicht vermuten, dass sich unter dem Innenhof, auf dem heute bei leiser Metropol FM Beschallung, einem Opel Corsa ein neuer Kühler verpasst wird, immer noch die Trümmer aus dem zweiten Weltkrieg lagern. Nur einen Hof weiter schlagen einem die etwas raueren Töne eines Steve Jones Gitarrenriffs entgegen, langhaarige Männer in Jeansmontur drehen Bratwürste auf dem Grill, Bierdeckel ploppen kanonisiert in kurzen Abständen – nein, das sei nicht immer so, nur heute, „weil ja Vatertag ist.“

So muss es sich angefühlt haben, das Berlin der Besetzerjahre, wo für jeden irgendwo ein Plätzchen zum Leben und Denken frei war und nach dem heute die Scharen junger Menschen suchen und meinen fündig zu werden, in einem der sanierten Atelierräume – 3.OG, Hinterhaus, Neukölln.
Die monumentale, aber unscheinbare Fassade, lässt nichts erahnen von dem riesigen Areal aus insgesamt sieben Höfen, das sich wie eine kleine Insel bis zum Kanal hinüber zieht.

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Fritz ist einer der Bewohner, die sich hier ihren Raum zum Leben und Arbeiten geschaffen haben. Aufgewachsen im behüteten Süden Berlins, zog es ihn nach dem Abitur in den Wedding – das hatte nicht nur praktische Gründe (billig und unweit seiner Hochschule Weißensee), „Westberliner bleibt halt Westberliner und schicke Kneipen brauch ich eigentlich nicht vor der Tür, ich kann ja überall hinfahren (…)”.
Zunächst hatte er geschwankt zwischen einem Fotografie-Studium in Leipzig oder Bildhauerei in Berlin, er entschied sich für Bildhauerei, „einfach, weil es vielfältiger ist”. Dabei haben ihn Studiengrenzen eigentlich nie wirklich interessiert und so ermöglichte ihm das sehr freie Studium an der Weißensee sein interdisziplinäres Denken und Arbeiten weiter auszubauen. Dieses Denken sollte seinen weiteren Werdegang als Künstler noch entscheidend prägen und so besteht sein künstlerisches Oeuvre heute sowohl aus Installationen und Skulpturen als auch aus experimentellen Fotoarbeiten.

Während seines Studiums kommt Fritz in den Besitz einer Goldschmiedausrüstung und anstatt diese als bloße Erinnerung an einen geliebten Menschen aufzubewahren, entscheidet er sich dafür, das Handwerk selbst zu erlernen und den Werkzeugen ihre ursprüngliche Bestimmung, nämlich die Fertigung von Schmuckstücken, wiederzugeben. Seine Affinität zum Produktdesign kommt ihm da nur weiter zu Gute und auch wenn Fritz als Künstler vor allem konzeptionell arbeitet gibt es da diese starke Bindung zum Handwerk: „ Manchmal muss man Dinge auch einfach ausformulieren, da reicht es nicht das nur auf dem Papier zu haben, man muss es bauen. Ob man mit Holz, Metall oder Horn arbeitet, ist vom Grundprinzip eigentlich egal” - und so versucht sich Fritz gerade an nichts geringerem als seinen ersten Brillenentwürfen.
Geleitet wird er dabei von der Überzeugung, dass ein jeder dazu befähigt ist Dinge umzusetzen, „man muss sich nur darüber bewusst sein, was man erreichen möchte.“ Das Wichtigste sei dabei, dass man sich einen Weg überlegt, um an das eigene Ziel zu kommen und ein Netzwerk von Freunden und Menschen aufzubauen, die einem dabei helfen können.

Dass diese Philosophie im Falle von Fritz auch auf den Wohnraum übertragen werden kann, ist dabei wahrscheinlich kein Zufall. Das Ensemble kann, trotz seines verwunschenen Charmes aus Industrieatmosphäre und einer ungezähmten und resistenten Natur, nicht über die eigene Morbidität hinwegtäuschen. Nur wenn man sich auf die anderen verlassen kann und selber bereit ist anderen zu helfen, können hier Räume und Infrastruktur zum Leben entstehen.
Als Fritz vor zwei Jahren in das Atelier einzog verfügte der Raum über den spärlichen Luxus eines Abwasser- und eines Frischwasserrohrs, den Strom bekam Fritz die ersten vier Monate von seinem Nachbarn, der so nett war ihm ein Kabel herüber zu legen das dann wiederum seinen Weg zu dem nächsten Nachbarn fand. Und so wird das Haus in allererster Linie von seinen Bewohnern geprägt, den Mitarbeitern einer Autowerkstatt, einem Schweißer, einem Klempnerbetrieb, Filmleuten und „Gott sei Dank noch nicht so vielen Künstlern”.

Heute lassen sich die rauen Bedingungen der Anfangstage nur noch erahnen. Überall in dem riesigen rechteckigen Raum ist das archaisch anmutende Werkzeug verteilt, das wie aus der Zeit gefallen scheint und dessen Zweckmäßigkeit sich zunächst nur schwer erschließt. Die lange Tafel lädt sofort zum Verweilen ein und dieses Gefühl wird verstärkt durch Fritz, der sich in der Rolle des Gastgebers sichtlich wohl fühlt und uns sofort mit Cava, Wein und Kaffee versorgt.
Das Licht fällt durch einen weißen, löchrigen Vorhang, einen Schnee-Tarnumhang des schwedischen Militärs, der kleine Sonnenpunkte durch den Raum tanzen lässt. Am anderen Ende des Raumes, befindet sich ein Kubus, der sich trotz seiner Größe von 4 1/2 qm ohne großes Aufleben in die Szenerie einfügt. Der Entwurf stammt von einem befreundeten Architekten. Fritz hat sich die Holzteile dann ausfräsen lassen und den Kubus wie ein 3D-Puzzel montiert. Im Inneren des Kubus befindet sich ein Bad, an der Außenseite eine kleine Küche und auf der Oberseite ein großzügiges Bett: “Ich empfinde den Raum als Arbeitsraum, aber ich lebe in meiner Arbeit und das muss nicht unbedingt für jeden sichtbar sein.”

Und da haben wir sie wieder, die typische Berliner Unaufgeregtheit, die bei Fritz so viele Ausprägungen kennt. Ob in seiner Immunität gegenüber Stereotypen oder künstlerischer Grenzen, in seiner Wertschätzung der Geschichte oder seiner Zurückhaltung, die man auch schlichtweg als Charme bezeichnen könnte.

Mehr über Fritz und zu seinen vielfältigen künstlerischen Arbeiten findet ihr auf seiner Website.

Text: Antonia Märzhäuser
Fotos: Anna Rose