Hien Le

Fashion. Oft braucht es nur dieses eine Wort, um ein Feuerwerk an funkelnden Assoziationen zu entflammen. Umso spannender ist es, mit jemandem zu sprechen, der bereits die ganze Vielfalt des Fashion Betriebs durchlaufen hat. Hien absolvierte zunächst eine Schneiderlehre, überzeugt davon, dass Modedesign vor allem ein Handwerk ist. Darauf folgte ein Modedesign Studium an der HTW Berlin, sowie diverse Praktika bei Designern und im PR-Bereich. Das hört sich bis dato eher nach einer klassischen Berliner Kreativexistenz, als nach Glanz und Gloria an.

Das Jahr 2011 sollte hier aber die große Wende markieren. Da beginnt die fabelhafte Geschichte des Labels Hien Le. In diesem Jahr debütiert Hien mit seiner dritten Kollektion auf der Berlin Fashion Week, nachdem er seine vorigen Kollektionen bereits im Collect Showroom For Contemporary Fashion zeigen konnte. Nach der Show war sich die Presse einig, dass bei Hien klassisches, deutsches Design auf junge Berliner Luft trifft und damit definitiv ein neues Erfolgsrezept formuliert ist. Hier beginnt selbst Hien, der wenn es um Fashion geht, auf angenehme Weise nüchtern bleibt, zu schwärmen. Und vielleicht ist es gerade dieses Spannungsfeld zwischen der alltäglichen, harten Arbeit und den seltenen und dadurch ins surreal schöne gesteigerten Erfolgen, die Mode für so viele Menschen zum magischen Moment machen.

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Wie viel Kontakt hast du zu anderen Berliner Designern? Gibt es da eine Art Netzwerk?
Das ist ganz unterschiedlich, mit Vladi (Vladimir Karaleev, Anm. d. Red.) habe ich studiert und wir stehen in engem Kontakt. Dann gibt es da noch Sissi Götze, eine sehr gute Freundin mit der ich auch studiert habe und die gerade ihre erste eigene Kollektion gelauncht hat. Prinzipiell wird der Kontakt aber nach dem Studium erst einmal weniger. Es gibt natürlich verschiedene Veranstaltungen, auf denen man andere Berliner Designer trifft. Das ist auch immer schön, darüber hinaus habe ich mit den meisten aber keinen Kontakt.

Würdest du sagen, dass die Berliner Schulen, also Weißensee, die UdK und die HTW bei den Abgängern bereits eine gewisse Handschrift hinterlassen?
Das ist eine schwierige Frage. Ich dachte immer im Falle von der Weißensee sei es so. Gerade wenn man sich Michael Sontag und Peret Schaad ansieht, da meint man schon eine Handschrift zu erkennen. Andererseits kamen c.neeon auch von der Weißensee und das war etwas ganz anderes. Die Professoren beeinflussen die Studenten auf jeden Fall bis zu einem bestimmten Grad, zumindest kann ich das aus meiner Erfahrung an der HTW sagen.

Mit welchem Ziel und mit welchen Erwartungen bist du Designer geworden?
Ich wusste schon sehr früh, dass ich später mal in der Mode arbeiten möchte. Ich glaube ich war zwölf, also wirklich sehr, sehr jung. Ich fand die Vorstellung spannend, Menschen einzukleiden und zu gucken, was aus einem Stoff alles werden kann. Es war also auch schon immer speziell der Bereich Design, der mich interessiert hat. Der Prozess von der ersten Skizze bis zum fertigen Kleidungsstück, das war das was mich fasziniert hat. Auf den Gedanken, dass Mode glamourös ist und man da Geld verdienen kann, bin ich eigentlich nie gekommen. Und die Realität sieht, gerade hier in Berlin, sowieso anders aus. Ich habe verschiedene Praktika absolviert und dann schnell gemerkt, dass es so viele andere spannende Arbeitsfelder in der Mode gibt, nicht nur Modedesign. Dass ich jetzt selbstständig bin und ein eigenes Label habe, das war so nie geplant. Es hätte auch ganz anders kommen können. Nach dem Studium wollte ich erstmal Erfahrungen sammeln und das mit dem eigenen Label, das war so eine Vision, die ich mir für in zehn Jahren hätte vorstellen können.
Irgendwie hatte ich dann aber das Gefühl, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist und bisher hat sich das auch bewahrheitet. Man darf nicht anfangen auf den perfekten Moment zu warten, den gibt es nicht.

Gab es da eine prägende Begegnung mit Mode in deiner Kindheit?
Ja, wie gesagt ich war zwölf und im Fernsehen lief diese Dokumentation mit Karl Lagerfeld. Ich glaube es ging vordergründig um diese ganze Supermodelriege. Zu der Zeit gab es auf MTV auch noch richtig viele Modesendungen, die ich dann regelmäßig verschlingen konnte.

Wie würdest du deine eigene Mode beschreiben und was hältst du von der ständigen Behauptung, deine Mode wäre so sehr durch Asien beeinflusst?
Das war ja so zu sagen Thema meiner dritten Kollektion. Viele Einkäufer und Journalisten waren der Meinung, dass der Minimalismus meines Stils auf meine asiatische Herkunft zurückzuführen ist. Ich bin da eigentlich immer etwas überrascht, weil ich finde, dass das überhaupt nicht asiatisch ist. Mit Minimalismus verbinde ich viel eher deutsches oder skandinavisches Design. Wenn ich an Asien denke, dann denke ich eher an sehr traditionelle Kleidung und die Trachten meiner Großeltern. Das habe ich dann in meiner dritten Kollektion zum Thema gemacht, habe viel recherchiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass meine Eltern und Großelterngeneration im Alltag bereits keine traditionelle Kleidung mehr getragen haben. Um zum Abschluss zu kommen: ich finde meine Sachen sind nicht Asien beeinflusst!

Bist du denn öfters dort?
Nein, gar nicht. Ich war sechsundneunzig das erste Mal in Laos, weil es mich natürlich interessiert, wo ich geboren bin und wo meine Wurzeln liegen. Seit dem war ich aber nie wieder dort.

Hast du familiäre Vorbilder, die dich inspiriert haben?
Mein Großvater war damals in Laos Schneidermeister und ich habe ja auch eine Schneiderlehrer gemacht. Obwohl ich sagen würde, das war relativ unabhängig von ihm. Ich bin rückblickend aber froh, dass ich diese Lehre gemacht habe. Letztlich ist es eine Art Würdigung meines Großvaters. Mein Großvater hatte zehn Kinder und ungefähr 30 Enkelkinder und ich bin der Einzige, der in seine Fußstapfen getreten ist.

Hast du viel Kontakt zu deiner Familie?
Ja, auf jeden Fall. Der Großteil meiner Familie lebt hier in Berlin und der andere Teil in Belgien und Frankreich.

Nach deinem Abschluss an der HTW hast du erstmal im PR-Bereich gearbeitet. Inwiefern waren diese vielen verschiedenen Perspektiven wichtig für das eigene Label?
Ich habe nach dem Studium ein PR-Praktikum gemacht und wurde dann für den Sales Bereich übernommen. Das war definitiv eine gute Vorbereitung auf das, was ich jetzt mache und darüber hinaus eine schöne Zeit. Das war für mich letztlich auch Auslöser dafür, meine eigene Kollektion zu machen. Ich habe mir einfach gedacht, dass was ich hier für andere Designer mache, könnte ich auch für mich machen – also warum probiere ich es nicht einfach? Mir hat es in dieser Zeit auch sehr gefehlt direkt mit Materialien zu arbeiten, sowieso hat mir der ganze gestalterische Prozess gefehlt.

Kommen wir mal zu der Wohnung. Wo ist Dein Lieblingsplatz?
Das ist einfach: mein Bett! Da war ich in den letzten Monaten viel zu selten.

Ist die Wohnung ein wichtiger Rückzugsort für Dich?
Ich war eigentlich immer ziemlich viel hier, bis zu dem Zeitpunkt als ich mich selbstständig gemacht habe. Ich bin dann rüber in mein Atelier gezogen und dementsprechend ist es auch gerade ziemlich leer hier. Ich brauchte aber schon immer einen Raum, der relativ leer ist, deswegen auch die vollgestopfte Rumpelkammer. Momentan ist das Atelier eigentlich mein zu Hause. Die vier Wochen vor der Fashionweek war ich maximal drei Stunden hier, um zu schlafen. Dann lernt man es auch wieder zu schätzen, seine eigenen vier Wände zu haben. Ich genieße es sehr, hier zu sein und einfach mal keine Leute um mich herum zu haben.

Interessierst du dich für auch für andere Arten von Design?
Mode war für mich immer von primärem Interesse, aber klar interessiert man sich von ganz alleine auch für Interior-Design oder Graphikdesign. Genau so ist es auch umgekehrt. Das sind wichtige Inspirationsquellen.

Welche Magazine liest du?
Das ist ganz unterschiedlich, ich lese gerne Ten und Ten Men, Another Magazine, L‘Officiel, L‘Officiel Homme, Man About Town, Slurp und klar, die Vogue.

Hebst du bestimme Zeitschriften oder Ausgaben auf?
Ja, die sind alle im Studio. Hier habe ich auch noch einige Kisten von denen ich mich einfach nicht trennen kann. Es ist auch egal wohin ich fliege, ich muss immer Magazine von dem Ort mitbringen. Das ist dann auch egal, wie viele Stapel sich bei mir schon türmen, die muss ich dann einfach haben.

Von welchem Gegenstand wirst du dich nie trennen können?
Das ist eine alte Wasserflasche von meinem Großvater aus Laos. Als mein Opa verstorben ist, sollte sich jeder von seinen Kindern und Enkel einen Gegenstand von ihm mitnehmen und ich habe mir diese Wasserflasche auf Holz ausgesucht.

Wie bewertest du den Wandel in der Presselandschaft und damit auch in Sachen Modekritik?
Klar finde ich es schöner, wenn in einem Printmagazin ein Editorial mit meinen Klamotten drin ist, aber viele gestreute, kurze Blogartikel sind auch wichtig. Wahrscheinlich macht es die richtige Mischung aus beidem. Das sind zwei sehr unterschiedliche Medien, aber ich bin schon der Meinung, dass Blogs sehr stark an Bedeutung gewinnen. Das merkt man bei den Fashionweeks mittlerweile ganz stark. Die großen Blogs sitzen da in der ersten Reihe und sind genau so wichtig, wie große Magazine. Aber es stimmt schon, dass es dadurch auch eine Tendenz zu kürzeren und damit oberflächlicheren Artikeln gibt.

Gab es in letzter Zeit ein künstlerisches Werk, was dich nachhaltig beeindruckt hat?
A Single Man! Nach dem Film war ich einfach nur geflasht und nicht nur weil es Tom Ford gemacht hat und es dadurch sehr modisch und stilvoll war. Als ich gehört habe, dass Tom Ford einen Film machen will, war ich ehrlich gesagt eher skeptisch. Das ist ein bisschen so, als wenn Sänger auf einmal Schauspieler werden oder umgekehrt. Aber er hat mich mit dem Film eines Besseren belehrt und mich wirklich wahnsinnig inspiriert. Das ist ein Film, den ich mir immer wieder ansehen kann, auch ohne Ton. Das war einfach bis ins letzte Detail perfekt.

Ist Tom Ford als Designer ein Vorbild für dich?
Ich hab seine Arbeiten verfolgt, die Zeit bei Gucci und dann die eigene Linie. Ich glaube er ist aber keiner der Designer, die mich wirklich geprägt haben. Da gibt es andere, die für mich stilbildender waren und die ich gut finde. Jil Sander gehört da definitiv dazu. Außerdem auch viele Antwerpener Designer. Bei Veronique Branquinho habe ich damals ein Praktikum gemacht und sie war für mich auch immer ganz oben. Es gibt mehrere Designer, die mich nicht unbedingt in ihrem Stil geprägt haben, aber deren Arbeiten ich einfach gut finde und die ich schätze. Yves Saint Laurent gehörte da schon immer dazu und jetzt auch Stefano Pilati. Nicolas Ghesquière für Balenciaga ist auch so jemand, die Mode ist nicht unbedingt meins, aber ich finde großartig was er macht.

Würdest du sagen, du bist sensibler, was Äußerlichkeiten bei anderen Personen angeht? Auf was achtest du, wenn du einem Menschen das erste Mal begegnest?
Das ist ein schwieriges Thema, da Mode einen schon dazu verleitet oberflächlich zu werden und von Äußerlichkeiten auf anderes zu schließen. Wenn mir der Stil von jemandem gefällt, dann gucke ich schon mal länger hin. Ich bin gerade hier in Berlin ganz, ganz oft von älteren Menschen beeindruckt. Ich hab das Gefühl, die haben gar keine Ahnung, wie stilprägend sie heute noch sind. Die tragen ihre wundervoll erhaltenen Sachen von vor dreißig Jahren noch und sehen perfekt gestylt aus. Ich sehe ganz oft ältere Damen und Herren, die für mich sehr inspirierend sind.

Glaubst du, dass durch unser heutiges, schnelles Konsumverhalten, so etwas immer seltener wird?
Ja, auf jeden Fall, obwohl es mittlerweile wieder einen Trend dahingehend gibt, bewusster und qualitativer einzukaufen. In meiner Schulzeit war ich ständig nur einkaufen und es ging nur darum, alles zu besitzen. In den letzten Jahren hat sich das bei mir sehr verändert und ich achte mehr auf Qualität.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für deine Kollektion? Woher beziehst du deine Stoffe?
Ich gehe hauptsächlich auf Stoffmessen und da ist es mir wichtig, dass die Stoffe aus Europa stammen oder hier produziert und verarbeitet wurden. Ich bestell sehr viel schweizer Baumwolle und da kann man davon ausgehen, dass wenn Schweiz drauf steht, der Stoff auch wirklich aus der Schweiz stammt. Wenn ich Seide aus Frankreich bestelle, kann ich mir auch sicher sein, dass die Seide aus Frankreich kommt, weil es dort sehr viele Seidenmanufakturen gibt. Generell kann es einem aber nie wirklich garantiert werden, woher der Stoff selbst kommt. Oftmals kommen die Händler und Vertreter aus Europa. Herkunft, Produktion und Herstellung sind da aber noch mal ganz andere Themen.
Mir ist es auch wichtig, dass meine Kollektion in Deutschland produziert wird. Auch wenn der Name nicht deutsch ist, ist es für mich ein deutsches Produkt.

Du hast von Beginn an Damen und Herrenkollektionen gemacht, was eigentlich eher ungewöhnlich ist. Wie kam es dazu?
Das war eher ein längerer Prozess. Ich hab zuerst eine Damenschneiderlehre gemacht und zu Beginn des Studiums, wenn man noch sehr experimentell arbeitet, habe ich nur Frauensachen gemacht. Durch mein Praktikum bei Veronique Branquinho bin ich dann das erste Mal in näheren Kontakt mit einer Männerkollektion gekommen. Im sechstem Semester mussten wir dann auch Männerteile entwerfen und da habe ich begonnen wirklich Spaß daran zu finden.

Ist es schwieriger, eine Männerkollektion zu entwerfen?
Ja, ist es. Bei Frauen hast du viel mehr Spielraum. Frauen sind experimentierfreudiger und trauen sich viel mehr. So langsam werden Männer auch etwas mutiger, aber das ist ein langsamer Prozess.
Meine Mode ist ja eigentlich wenig experimentell, aber ich arbeite viel mit Seide und da geht es dann darum einen Weg zu finden, dass Männer diesen eher femininen Stoff tragen wollen. Ich versuche da einen Mittelweg zu finden, ich hab Tanktops aus Seide, die schon eher speziell sind und dann klassische Blousons, mit denen man eigentlich nichts falsch machen kann.

Viele Designer entdecken gerade das eher konzeptionelle Format der Installation für sich. Du hattest dieses Jahr deine erste Show auf der Fashionweek, war das für dich die richtige Präsentationsform?
Ich war mit der Show super zufrieden und ich wollte auch schon immer mal eine Show machen – so wie wahrscheinlich jeder Designer. Iris van Herpen hatte ja auch eine Show und bei ihr dachte ich mir, wäre eine Performance oder Installation auch sehr schön gewesen. Ihre Kleider sind wie Kunst und wenn die einfach nur dastehen und du sie genau betrachten kannst, dann fallen dir Details auf, die du so auf einer Show gar nicht wahrnehmen kannst. Wenn meine Sachen einfach nur stehen würden, da würde nichts rüberkommen. Meine Kleidung braucht die Bewegung, da passiert viel mehr.

Welche neuen Herausforderungen kamen mit der Vorbereitung für die Fashionweek auf dich zu?
Alles war einfach viel, viel größer. Ich hab erst vier oder fünf Wochen vor der Show Bescheid bekommen, dass ich dabei bin. Ich habe zwar schon an der Kollektion gearbeitet, aber durch die Zusage, habe ich die Kollektion dann noch mal vergrößert, neue Entwürfe gemacht, Stoff nachbestellt usw. Alleine diese ganze Organisation bedarf schon viel Arbeit und dann kommen so Sachen wie Modelcastings, Musik und Runningorder dazu. Ich war sehr froh, mit so einem tollen Team zusammengearbeitet zu haben. Ich hab für die Show das erste Mal mit einem Stylisten zusammengearbeitet. Christian Stemmler ist ein guter Freund von mir, wir haben bereits mein letztes Lookbook zusammen gemacht. Er hat sich um den ganzen Modelkram und die Runningorder gekümmert. Wir haben uns super verstanden und hatten die gleiche Bildsprache und das gleiche Verständnis für Ästhetik. Wir haben uns wirklich super ergänzt. Ich war erstaunt, dass er mit meinen Skizzen arbeiten konnte, normalerweise brauchst du das fertige Bild, damit du die Runningorder machen kannst. Und er hatte nur einzelne Fragmente, weil ich einfach nicht so schnell war. Meine beiden Praktikanten, Pina und Brian, waren auch eine riesige Hilfe. Nein, sie waren einfach unglaublich! Ich arbeite eigentlich alleine und vor der Show hat sich nach und nach ein Team zusammengefügt, ohne dass es von mir forciert wurde. Bereits nach der ersten Kollektion, hab ich Anfragen für Praktika erhalten, aber da war ich noch gar nicht bereit dazu. Ich wollte mich erstmal selbst ein bisschen eingrooven.

Also würdest du rückblickend sagen, dass es eine bereichernde Zeit war?
Absolut! Du stehst die ganze Zeit unter Strom und die Zeit vergeht so rasend schnell. Das meiste bekommt man gar nicht mit, die Show selbst nimmst du nur von hinten war. Erst wenn das erste Feedback auf dich einprasselt begreifst du, was du da gerade geleistet hast. Mich haben Freunde angerufen, um mir zu sagen, wie schön sie es fanden und ich habe auch sehr viel Feedback von Journalisten bekommen, die mir privat geschrieben haben, um sich für die tolle Show zu bedanken. Mit so einer Flut von positivem Feedback habe ich gar nicht gerechnet.

War deine Familie auf der Show?
Ja, viele waren da, aber bei weitem nicht alle. Am meisten habe ich mich gefreut, dass mein Onkel aus Frankreich da war. Er war derjenige, der mich auch finanziell unterstützt hat und mich ermutigt hat, mein Ding durchzuziehen. Ohne ihn wäre das alles gar nicht möglich gewesen.

Entwickelt man eigentlich bestimmte Eigenschaften, wenn man eine Zeit lang im Business ist?
Man muss auf jeden Fall eine gewisse Immunität gegen Stress entwickeln. Das war mir aber von vornherein klar, dass das kein Zuckerschlecken wird. Ich habe davor ja auch schon bei anderen Designern gearbeitet und da bekommt man hautnah mit, was für ein harter Job das ist. Was ich wirklich erstaunlich fand war, dass ich die letzten drei Wochen vor der Show so durchgehalten habe. Keine Nacht mehr als drei Stunden Schlaf, das war schon nicht ganz ohne.

Und nach der Show, wie erging es dir da?
Ich dachte, dass ich in ein Loch falle, aber das war gar nicht so. Ich war erstmal einfach nur erleichtert, dass es vorbei ist und sonst habe ich eigentlich nur Freude empfunden. Ich war sehr gerührt von dem vielen positiven Feedback, da war gar kein Platz für ein Gefühl von Traurigkeit.

Weitere Informationen und die aktuelle Kollektion von Hien Le findet man unter website oder direkt im Online-shop bei the corner

Interview und Text: Antonia Märzhäuser
Photography: Torben Höke