California Dreaming: Interactive Art Director Stefan Schuster's neue Realität
Der Designer, der Berlin gegen das Silicon Valley eingetauscht hat, zeigt uns die Plätze, die sein Leben formen, Sunnyvale
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Für den gebürtigen Hessen Stefan Schuster ging es im Januar 2015 zusammen mit seiner Frau Jana und seinen beiden Jungs Josha und Silas nach Kalifornien, als ein Jobangebot in der Bay Area lockte.

Nachdem ein Eichler Haus im Mid-Century Modernist Stil gefunden war, zog der Interactive Art Director mit seiner Familie ins Sunnyvale, mitten im Silicon Valley. In der multinationalen Nachbarschaft und umgeben von den großen Firmen der Tech Branche hat Stefan eine kleine Idylle geschaffen – „California Modern“ gefüllt mit Designklassikern aus seiner Kindheit.

Das Interesse an Design wurde Stefan in die Wiege gelegt, nach einem Design Studium Mitte der Neunziger führte es ihn zur Spezialisierung auf Interaction Design. Als Interactive Art Director  liegt sein Schwerpunkt jetzt auf Digitalem Branding und der Gestaltung an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. In Deutschland hat er für verschiedenste Digital Agenturen gearbeitet, unter anderem auch als Creative Director bei MoreSleep, der Agentur hinter Freunde von Freunden.

Seit dem Umzug nach Kalifornien hat sich das Leben, das in Frankfurt und Berlin durch Galerie- und Museumsbesuche in der Freizeit gestaltet wurde, radikal nach draußen verlegt. Das schöne Wetter und die nahegelegenen Strände animieren zu Wassersport und zum Verweilen in der Natur – oder im Atrium des eigenen Hauses. Wir haben Stefan und seine Familie besucht, ihr wunderschönes Haus bewundert, und uns ganz schnell in den Californian Lifestyle hereingefühlt; beim Kaffee in Santa Cruz, im Lake Cunningham Skate Park in San Jose, auf dem BMX Track in Santa Clara und beim Surfen am Capitola Beach.

FvF haben sich schon immer mit dem kalifornischen Lebensstil identifiziert, der von energetischen Küsten und endlosen Sommertagen geprägt wird. Zusammen mit Visit California freuen wir uns die kreative Community vorzustellen, die sich genau aus diesen Gründen an der Westküste des Goldenen Staates niedergelassen hat.

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Was sind Deine Erinnerungen an Deine Kindheit und das Aufwachsen in Frankfurt?

Ich bin in einem kleinen Ort im Taunus aufgewachsen. Mit viel Wald, Wiesen und Baustellen vor der Haustür. Der perfekte Ort also um als Kind auf Entdeckungsreise zu gehen. Später bin ich dann in Frankfurt zur Schule gegangen und habe dort auch studiert. Auf dem Weg in die Stadt bin ich dann zum ersten Mal auf Graffitis aufmerksam geworden – sie haben mich von Anfang an fasziniert. Nachdem ich selbst zu sprühen angefangen habe, habe ich durch Graffitis mehr über Typografie, Farben und Teamwork gelernt, als während meiner eigentlichen Studienzeit.

Woher und wann kam Dein Interesse an Interactive Design?

Mein Interesse an Design im Allgemeinen habe ich wohl von meinem Vater geerbt, der als Grafik Designer gearbeitet hat und auch immer noch viel Öl malt. Als ich mit meiner Design Ausbildung angefangen habe, war das noch zu den Anfängen des Internets und Websites sahen schrecklich aus. Mich hat aber von Anfang an fasziniert, wie schnell und einfach man selbst eigene Sachen veröffentlichen konnte.

Über welche Stationen bist Du bei Deinem jetzigen Job gelandet?

Ich habe für einige Digital Agenturen wie z.B. Razorfish, AKQA und Sid Lee, erst in Festanstellung und später als Freelancer gearbeitet. Zuletzt war ich als Creative Director bei MoreSleep, der großartigen Agentur hinter Freunde von Freunden, beschäftigt.

Kannst Du etwas detaillierter von einem für Dich ganz besonderen Projekt erzählen?

Die ganze Zeit bei MoreSleep war besonders für mich, weil wir nicht nur digitale Projekte sondern auch spannende Print Sachen, wie das Companion Magazin oder auch das letzte Freunde von Freunden Buch, realisiert haben. Es ist einfach immer ein besonderer Moment, wenn man am Ende das Ergebnis auch haptisch erleben kann.

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Santa Clara P.A.L. BMX Track

Wir gehen sehr gerne zum Santa Clara P.A.L. BMX Track. Es ist ein super Sport für die Kids und selbst unser Jüngster kann dort schon Rennen fahren. Es läuft Musik und es herrscht eine entspannte aber auch energetische Atmosphäre. Dort ist es noch richtig authentisch amerikanisch. Ich hatte als Kind immer von so einem Ort geträumt, aber in Deutschland gab es so etwas damals nicht.”

 

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Wie hat Dich Deine Herkunft und Deine Ausbildung in Deutschland bezüglich Deiner Ästhetik und Design Ansprüche geprägt?

Ich war schon immer ein Fan von Funktionalismus und Purismus, sei es in der Architektur, beim Produkt Design oder auch im Grafik Design. Es war aber weniger meine Ausbildung, die mich dahingehend geprägt hat, sondern eher mein Alltag und die Dinge, die mich umgeben haben, wie die Möbel in meinem Elternhaus oder auch Produkte von Braun. Hier in den USA gelte ich übrigens als typisch deutscher Designer aufgrund meiner strukturierten Herangehensweise.

Wie war Deine Vorstellung von Kalifornien und dem kalifornischen Lifestyle bevor Du selbst dort gelebt hast? Wie sieht die Realität aus?

Ich hatte alle Klischees im Kopf, die man als Deutscher so haben kann – und die sich zum Teil auch so bestätigt haben. Immer schönes Wetter, viele Strände, Surfen als Lebensgefühl und die immer freundlichen Menschen. Das sind so die Bilder, mit denen ich das Leben hier verband. An ganz vielen Stellen bestätigen sich diese Bilder und Vorstellungen. Der nächste Strand ist 30 Minuten entfernt, Surfen ist auch zu meinem Hobby geworden und das Wetter ist traumhaft. Allerdings gibt es natürlich auch den immensen Druck der hier auf jedem lastet. Die Lebenshaltungskosten sind astronomisch und das spürt man natürlich auch den Menschen an, die hier leben. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die großen klimatischen Probleme, wie vor allem die große Dürre, sind allgegenwärtig spürbar. Es ist wohl immer so – wird aus einem Traum Realität, dann bekommen die Bilder ihre Tiefenschärfe. Ich kann aber gar nicht sagen, ob das meine Begeisterung für das Leben hier mindert. Es vervollständigt eher ein Bild.

„Ich hatte alle Klischees im Kopf, die man als Deutscher so haben kann – und zum Teil haben sie sich auch bestätigt.”

Was macht Kalifornien in Deinen Augen anders als den Rest der USA?

Kalifornien ist schon eine Blase. Es wird gesund gegessen, viel Sport gemacht, das Leben genossen und all das passiert in dieser grandiosen Landschaft, so dass es einem schon schwer fällt, den Rest der USA mit seinen immensen Problemen nicht einfach auszublenden.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Deinem Leben in Deutschland und dem in den USA?

Das Leben findet viel mehr draußen statt. Im Sommer ist das Atrium unser Wohn- und Esszimmer. Die Freizeit findet zu großen Teilen am Strand, im Wald oder sonstwo im Freien statt. Manchmal fehlt die Urbanität, aber San Francisco ist ja sehr nah und wir sind dort regelmäßig.

Lake Cunningham Regional Skate Park

Der Lake Cunningham Regional Skate Park misst 6300qm und ist damit der größte Skatepark in Kalifornien. Der Park besitzt die weltweit größte Skate Cradle, die höchste Vert Ramp und die größte Full Pipe. Meine Söhne und ich fahren dort gelegentlich vorbei und wir haben dann immer viel Spaß. Ich schaue auch gerne den anderen Skatern zu. Die Skateszene finde ich schon immer sehr inspirierend. Besonders spannend ist, dass Skaten hier keinesfalls nur den Kids oder Teenies zuzuordnen ist. Es gibt einen viel offeneren Umgang und man sieht auch viele ältere Skater. Das Skateboard ist in Kalifornien für viele auch einfach ein ganz normales Fortbewegungsmittel.”

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Was findest Du besonders spannend an der Gegend in der Du lebst?

Ganz klar überwiegen hier die Aspekte wie Wetter, Landschaft, Meer aber auch Innovationsgeist der Tech Branche. Galerien und Museen, die in Frankfurt und Berlin zu unserem Alltag gehörten, sind hier etwas in den Hintergrund gerutscht. Was aber auch einfach mit der Lebensphase zu tun hat, in der ich gerade stecke. Mit zwei Jungs fühle ich mich draußen im Skate Park oder auf dem BMX Track einfach wohler als in einer Kunstausstellung. Dafür kommt auch wieder mehr Zeit.

Gibt es bestimmte Gegenstände oder Möbelstücke in eurem Haus, die euch besonders am Herzen liegen oder die eine besondere Geschichte erzählen?

Grundsätzlich sind uns alle Möbel die wir aus Deutschland mitgebracht haben durch den weiten Weg den wir gemeinsam gemacht haben sehr ans Herz gewachsen. Der Moment als die Möbel etwa zwei Monate nach uns hier eintrafen war schon sehr beglückend und emotionaler als erwartet. Einzelne Möbel, wie zum Beispiel die Eames Chairs und das Interlübke Sideboard, kenne ich noch aus meiner eigenen Kindheit. Mein Vater hat sie mir übergeben als ich in meine erste eigene Wohnung zog.

„Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit, damit bin ich hier ein echter Exot.”

Wie bekommst Du Familie und Arbeit unter einen Hut?

Zum ersten Mal seit langer Zeit leben wir nicht in einer (Groß-)Stadt. Die Entscheidung gegen San Francisco und für das Silicon Valley war überraschend leicht getroffen und genau das hilft mir jetzt Familie und Arbeit gleichermaßen gerecht zu werden. Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Damit bin ich hier ein echter Exot und so habe ich die Chance morgens und abends noch viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Wochenenden sind ebenfalls konsequent frei. Das ist geregelter als der Agenturalltag in Deutschland. Von daher habe ich das Gefühl hier beides sehr gut unter einen Hut zu bekommen.

Was bedeutet Erfolg für Dich?

Ich glaube jeder kann Erfolg haben, man muss nur in Bewegung bleiben, seinem Herz folgen und an sich glauben. Oder, um es mit den Worten von Martin Luther King zu sagen: “If you can’t fly then run, if you can’t run then walk, if you can’t walk then crawl, but whatever you do you have to keep moving forward.”

Capitola Beach

Capitola Beach in Santa Cruz ist der perfekte Ort für die ganze Familie. Am Wochenende spielt eine Band direkt am Strand, die Jungs machen mit ihrer Oma Hula Hoop und wir gehen surfen.”

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Danke, Stefan,  für das Teilen Deines neuen Lebens in Kalifornien. Stefan’s digitales Zuhause findet man hier.

Dieses Portrait ist Teil der Zusammenarbeit zwischen FvF und unseren Freunden von Visit California.

Der sonnige Staat beherbergt eine Menge spannender Persönlichkeiten. Schaut durch die vielen FvF Besuche in Kalifornien, seht weitere Design Wunder wie Stefan’s Eichler Haus und folgt den Surf Abenteuern unserer Community.

Text: Lilli Heinemann
FotografieKenny Hurtado