Architekt John Henry hat sich in einem australischen Gewächshaus ein individuelles Zuhause eingerichtet
Mitten im Buschland des Australischen Bundesstaates Victoria leben er und seine Frau Deb, Melbourne
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Gummibäume und Myrtegewächse so hoch wie kleine Gebäude neigen sich John Henrys Zuhause entgegen: einem gläsernen Gewächshaus, das eine Vielzahl von freischwebenden Ebenen, Pflanzen, individuellen Einrichtungsstücken und ikonischen Kunstwerken beherbergt.

Hohe Decken und beeindruckende Fensterfassaden kompensieren die fünf Ebenen des Hauses, das John mit seiner Frau Deb Ganderton bewohnt. Das sogenannte „Research House“ ist, neben unzähligen anderen Dingen, ein bemerkenswert herausgeputzter Schuppen – was hier durchaus als Kompliment gemeint ist. Der australische „Shed“ hat Kultstatus: Er ist ein Ort, an dem man ausgeblichene Fotos und alte Trophäen verwahrt. Ein Ort für klagend klingende Bandproben und andere verträumte Hinterhof-Ambitionen. Ein Ort an dem man alte, durchgesessene Sofas aufstellt, um Filmabende zu veranstalten und an milden Sommerabenden die ein oder andere Bierdose öffnet. Kurzum: ein Ort, an dem das Leben stattfindet. „Wir laden hier häufig Familie und Freunde zum sonntäglichen Mittagessen ein. So was eben“, sagt John, als er in seinem Esszimmer sitzt – oder eher auf der Ebene, die ihm als Esszimmer dient.

Dieses Portrait ist Teil von Home Stories – einer Kollaboration von Freunde von Freunden mit Siemens Home. Mehr über Johns zu Hause im Portrait auf Home Stories.

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„Ich wollte weitläufige, komplett offene Strukturen“

— John Henry

Johns Haus mit einem Getränk in der Hand zu durchwandern ist im Wesentlichen ein gesellschaftliches Erlebnis. „Die Grundidee ist die, sich von einer Ebene zur nächsten zu bewegen“, erklärt er. Vom Esszimmer aus können Gäste direkt zur Küche umsiedeln, in der seine Frau dann, von duftenden Gewürzen, den Klängen klirrender Weingläser und gedämpftem Gelächter umgeben, an der Arbeitsfläche steht – wie John die Situation bildlich beschreibt.

Konventionelle Wohnkonzepte wirken vor allem isolierend. John, der selbst in einem traditionellen Haus aus den 40er-Jahren aufgewachsen ist, wollte ganz bewusst einen Gegenentwurf zu den geschlossenen Räumen seiner Jugend gestalten. „Meine Eltern waren nicht besonders gesellig. Sie waren sehr religiös. Mein Vater war besessen von seiner Arbeit. Sie hatten selten Besuch. Hier bei uns ist das ganz anders.“ In der Tat scheint bei einem Haus ohne Räume schier unumgänglich, dass es in gewissem Sinne gemeinschaftlich ist. „Ich wollte weitläufige, komplett offene Strukturen“, sagt John.

Mit seiner mathematischen Anordnung von Ebenen und Treppenaufgängen hebt Johns „Research House“ das offene Wohnkonzept auf ein ganz neues Niveau. Der einzige abgetrennte Bereich existiert in Form einer kleinen schwarzen Kiste, die sich inmitten der belebten Einrichtung jedoch geflissentlich tarnt. „Meine Frau sagte: ‚Ich brauche eine Waschküche, ich brauche Platz zum Bügeln.’ Ich fragte: ‚Wie wäre es mit dem Schrank in der oberen Etage?’ ‚Nein, ich brauche ein Zimmer’, entgegnete sie. So ist es zu der Kiste gekommen. Damit sie optisch in den Hintergrund tritt, haben wir sie schwarz angestrichen.“ Ein Mix aus strategisch gestellten Garderoben, Schränken und anderen ansprechend gestalteten Stauelementen ersetzen die Wände und schaffen dort Privatsphäre, wo sie erforderlich ist – wie im Bad und im Schlafzimmer.

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Ein eher ungewöhnlicher Mitbewohner versteckt sich in dieser Ecke
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Die Schaufensterpuppe ist in Comme des Garçons gekleidet
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Ein Sammelsurium von Erinnerungsgegenständen
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Johns Kollektion an Küchenutensilien
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Der "Spaßraum" mit Klavier

„Ich habe erst mit etwa zehn Jahren angefangen, mich mit Musik zu beschäftigen.”

— John Henry

Wie John selbst sagt, ist sein „Medienraum“ die Ebene, auf der er sich am meisten aufhält. Der direkt unter dem Schlafzimmer gelegene, vergleichsweise verdeckte Bereich, wartet mit einer ambitionierten Sammlung von Musikinstrumenten, Büchern, Kassetten und DVDs auf. „Ich habe erst mit etwa zehn Jahren angefangen, mich mit Musik zu beschäftigen. Nur zu üben ist manchmal schwierig. Aber sobald man sich mal die Mühe macht, sich hinzusetzen, reißt es einen mit und man kann nicht mehr aufhören.“ Besonders diese Ebene gibt John den Raum, den er braucht um sich selbst und seine Energie auszuleben, seiner Neugier auf Neues nachzugehen und das Leben in vollen Zügen zu genießen. „Es ist das Spaßzimmer“, sagt er mit einem schüchternen Lächeln.

John ist ein Sammler, aber während das Anhäufen hochwertiger Arbeiten und deren „Ausstellung“ in den eigenen Räumen gern als A und O des Kunstsammelns gesehen wird, geht es ihm dabei nicht so sehr um das Materielle. Für John hat jedes Bild, jedes außergewöhnliche Möbelstück, einen inneren Wert. Mit dem Stolz und der Freude eines begeisterten Großvaters oder Lehrmeisters gibt er seiner vielfältigen, ikonografischen Sammlung ein gebührendes Zuhause. Auf diese Weise will er jedem einzelnen Objekt ermöglichen, dass dessen einzigartige Geschichte geteilt wird.

„In den 60er und 70er Jahren hätte man das hier wohl den Salon genannt“, sagt John, während er eine weitere Ebene hinabsteigt und dabei die Lehne seiner Robert Venturi Couch tätschelt – eines baumwollenen Stückchens Las Vegas, dessen Nähte bereits zu bersten beginnen. Durch die Kunstwerke, Kleidungsstücke und Möbel im Haus, welche allesamt – wenn auch stets auf ganz eigene Weise – wie generationenübergreifende politische Äußerungen das gesamte zwanzigste Jahrhundert widerspiegeln, reist man hier durch die Zeiten. „Er mag es nicht, wenn man ihn einen Postmodernen nennt“, lacht John, als er von Robert Venturi spricht. „Zu der Zeit, als er diese Möbelreihe für Knoll gestaltet hat, hat er die Dinge gern überspitzt. Diese Couch ist von einem Sitzmöbel inspiriert, das der Großmutter einer seiner Mitarbeiter gehörte. Bei den Lehnen hat er aber ganz bewusst übertrieben, um sie brutaler und klobiger wirken zu lassen! Ich habe das Sofa in Chicago gefunden“, fügt er liebevoll hinzu.

Müsste man Johns zu Hause in bloßen Worten beschreiben, würde die Szenerie zweifelsfrei etwas wirr erscheinen. Johns Einflüsse sind keiner konkreten Ära, Farbigkeit oder kulturellen Strömung verschrieben, sondern vielmehr zufällig und erstaunlich breit gefächert. Dennoch wirkt die Atmosphäre, die er geschaffen hat, wunderbar zusammenhängend und in sich geschlossen. Beruhigend sogar – und das nicht bloß wegen des Wasserfalls, der den Steinen des Indoor-Gartens entspringt. „Das Wasser geht einem auf die Dauer auf die Nerven“, lacht John. Er hat in beeindruckender Weise Bezug zu den Dingen, die ihn umgeben, weiß um die Herkunft und Wertigkeit eines jeden Objekts und nimmt aufrichtig Anteil an jeder Geschichte. Von dem um eine Schaufensterpuppe drapierten Comme des Garçons Kleid, das symbolisch für John und Debs Liebe zu Japan steht, über den originalen Jenny Kee Bettbezug aus den 70er-Jahren bis hin zu dem nahezu zwei Meter langen antiken Schild zum Frauentag, das John vor einigen Jahren auf einem Basar in Collingwood, einem Vorort von Melbourne, gefunden hat: Jedes Stück ist mit seiner einzigartigen und oftmals unterhaltsamen Geschichte Teil dieses so vielschichtigen Ganzen.

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„Ich kaufe immer wieder Dinge“, lächelt John. „Meine Frau sagt: ‚John, ich wusste, du hast diese Angewohnheit. Aber mittlerweile ist es eine Krankheit!’” Solange es Raum gibt, wird das „Research House“ für John niemals fertig eingerichtet sein. Sein Zuhause entwickelt sich in ähnlicher Weise wie der Charakter eines Menschen. Auch deshalb hat es eine so ehrliche, menschliche Persönlichkeit. Wie wir alle besteht es aus unzähligen Erfahrungen, von denen einige widersprüchlich, andere stimmig und wieder andere völlig zufällig sind. Bereits im jungen Erwachsenenalter war John von skurrilem Mobiliar – wie er es nennt – besessen. Für ihn ist jedes Möbelstück im Grunde ein Kunstwerk. „Während der letzten beiden Jahre des Architekturstudiums belegte ich an der RMIT University Möbeldesign als Wahlfach. Dort lernte ich, wie Möbel gemacht werden; welche Auswirkungen die menschliche Beanspruchung beispielsweise auf einen Stuhl hat und wie man diese beim Bau berücksichtigen muss. Ich mag Stühle. Jeder Stuhl ist anders. Einige können durchaus als Skulpturen durchgehen“, erklärt er, und deutet dabei auf Frank Gehrys exzentrischen „Red Beaver“, einen klassischen Lehnstuhl, der gänzlich aus Pappe besteht. „Man kann darin sitzen“, beteuert John. „Aber es ist nicht wünschenswert. Er steht hier vor allem als skulpturales Objekt.“

Das „Research House“ steht da wie ein architektonisches Dokument: Nachweis eines ganzen, ereignisreichen Lebens, von John selbst gelebt und zusammengestellt. Von seinen Michael Graves Sammlerstücken bis zu der Unterschrift seines Enkels in Buntstift auf einen alten Briefumschlag, den er mit Magneten an seinen Kühlschrank geheftet hat, vereint das „Research House“ die Zeichen, die John in der Welt gesetzt hat, mit denen, die seine eigene Welt geprägt haben.

Dieses Portrait ist Teil von Home Stories – einem Gemeinschaftsprojekt von Freunde von Freunden für Siemens Home.

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