Freunde von Freunden

Katharina Kemmler
Creative Director, Apartment, BIKINI BERLIN & Office, Kreuzberg, Tiergarten & Schöneberg, Berlin
Interviews > Katharina Kemmler

Mut zum Experiment. Das zeichnet Katharina Kemmler aus. Die Kreativchefin der Agentur Kemmler Kemmler entwickelt seit mehr als 10 Jahren Konzepte an der Schnittstelle von Kunst, Mode und Popkultur. So war sie Mitbegründerin der legendären Fashion-Events Friday 13th, hat Kampagnen mit Oliviero Toscani und Mario Testino entwickelt und zuletzt zusammen mit DJ Legende Westbam und den Breakdance Weltmeistern Flying Steps eine Anniversary Show für Bogner Fire + Ice entwickelt. Gemein ist diesen Projekten der eklektische Mix an Partnern, bei dem nie ganz klar ist, was genau heraus kommt. Aber eins ist sicher, langweilig wird’s nicht.

Ihr neuestes Experiment ist SUPERNOVA Store im BIKINI BERLIN. Jede Saison definiert Katharina im Auftrag der Betreiber von BIKNI BERLIN ein neues Thema und kuratiert ein Team aus Künstlern und Marken, die gemeinsam ihre Vision von Retail in der Zukunft präsentieren. Die erste Saison wurde anlässlich der WM in Brasilien dem Thema Fußball gewidmet. Herausgekommen ist ein Store, der mit modernsten Mittel die alte Story des Strassenfussballers, der zum Weltstar wird, nacherzählt. SUPERNOVA funktioniert so als das Zukunftslabor des BIKINI BERLIN und unterstreicht den Avantgarde Anspruch des Concept Malls.

Woher kommt die Freude am Experiment? Aufgewachsen ist sie in dem Chaos des von Apartheit zerriebenen Johannesburg und musste sich nach dem Rückzug der Familie in der Idylle der Lüneburger Heide zurecht finden. Der Enge entkam sie durch ein Studium der Medienphilosphie im wilden Spanien und später im fröhlichen Rheinland. Ihr Jobeinstieg fand in Argentinien statt, dann zog sie nach Berlin. Diese vielfältigen Eindrücke bringt sie in ihrer Arbeit ein, kombiniert die Extreme und sammelt in ihrer Wohnung liebevoll die Souvenirs all der Stationen. Ein Gespräch mit Katharina Kemmler, über ihre Arbeit und ihr Leben in Berlin.

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Katharina, gibt es in Berlin eine kreativere Agentur als Kemmler & Kemmler?
Wir schielen ehrlich gesagt eher auf den Kunstbetrieb. Es gibt in Berlin jede Menge top-interessante Kreative, die sehr viel origineller denken als wir oder jeder Werbetexter unter der Sonne. Deshalb arbeiten wir mit Künstlern zusammen. Die sind zwar schwieriger zu organisieren, aber die Ergebnisse sind spannend und relevant.

Die Agentur Kemmler Kemmler hat den Slogan Where physical meets digital marketing. Was genau verbirgt sich dahinter?
Wenn du digital kommunizieren willst, brauchst du Inhalte aus der physischen Welt. Woran wir nicht glauben ist, dass du digitale Inhalte entwickelst, die dann digital distribuiert werden. Das war der Fehler an Second Life. Eine rein virtuelle Welt interessiert niemand. Die Leute wollen über ihre realen Erlebnisse erzählen, deshalb boomt Facebook. Soziale Netzwerke müssen gefüttert werden und das Futter kommt eben aus dem physischen Raum. Deshalb gestalten wir spannende Markenerlebnisse im realen Raum und amplifizieren sie in soziale Netzwerke.

Mittlerweile ist aus deiner Kreativagentur ein Familienunternehmen geworden…

Ja in der Tat. Mittlerweile sind meine drei Brüder mit an Bord. Sebastian war lange Planning Director für Jung von Matt und AKQA in New York und London und ist für Strategie und Digitales zuständig. David ist Architekt und ist gerade aus Göteborg zu uns gestoßen, um nicht mehr schwedische Holzhäuser zu bauen, sondern eine Sci Fi Stadt für SUPERNOVA im BIKINI BERLIN. Kornelius ist für Finanzen zuständig – als Unternehmensberater kann er Struktur reinbringen, denn wir anderen sind eher kreativ. Die Kombination von Kreativkonzeption, Strategie, Digital und Architektur passt gut, weil es im Modebereich kaum Agenturen gibt, die alles aus einer Hand anbieten. Der Markt ist sehr fragmentarisiert – einzelne Fotografen, Designer, Installationskünstler, Schaufenstergestalter entwickeln ihre Konzepte unabhängig voneinander, Strategie gibt es insgesamt kaum. Wir können mit Strategie, Konzeption, Architektur und Digitalem alle Kanäle zusammen bringen. Das zeigt sich in integrierten Kampagnen für Fire + Ice und Supernova.

Wie ist es, mit seinen Geschwistern zusammen zu arbeiten? Das kann doch mitunter ganz schön anstrengend sein.

Es läuft erstaunlich gut. Das tolle unter Geschwistern ist, dass man gut streiten kann. Außerdem fehlt uns untereinander das Macht-Denken. Aber im Unterschied zu früher merke ich, dass der Ton manchmal ein wenig rauer wird. Man ist eben brutal ehrlich. Gut an Familie ist, dass man sich absolut vertraut und kennt – kompliziert ist, nicht in alte Muster zu verfallen, die man in den langen Jahren am Küchentisch einstudiert hat. Die Statistik zeigt, dass Familienunternehmer meist stabiler sind als andere – also bin ich zuversichtlich.

Nach Südafrika und zurück? Wie war es für Dich als Kind, so oft umzuziehen?

Südafrika habe ich geliebt, viele meiner schönsten Kindheitserinnerungen stammen aus der Zeit. Wir hatten damals einen alten VW-Bus, mit dem wir durch ganz Afrika gegurkt sind, das war super! Schwierig war danach die Rückkehr. In andere Kulturen einzutauchen ist zu Beginn immer schwer. Da bist du unsicher und musst erst mal ein Gefühl dafür entwickeln, was dort für Regeln und Codes gelten. Was man trägt, worüber man redet, welche Musik man hört. Richtig anstrengend fand ich das mit Vierzehn, als wir aus Südafrika zurück nach Deutschland gezogen sind. Da hatte ich die kompletten Achtziger verpasst!

Hast du das Gefühl, dass das Eintauchen in verschiedene Kulturen und das frühe Entschlüsseln der jeweils geltenden kulturellen Codes dir heute in deiner Arbeit hilfreich ist?

Es hat ganz viel miteinander zu tun. Als Teenager bin ich einmal zum Beispiel zu meinen Eltern gegangen und meinte: So, ich habe das mal analysiert. Man braucht hier Chucks und eine Mustang-Bluse und eine Bomberjacke. Und das ist wichtig. Meine Eltern antworteten: Du hast sie ja nicht mehr alle. In Afrika hungern Kinder, wir kaufen dir keine Turnschuhe für 100 D-Mark (lacht). Ich glaube, dass ich als Kind gespürt habe, dass es wichtig ist, Codes zu lesen – und das habe ich zum Beruf gemacht.

Kommt daher auch Dein Interesse für Mode?

Ich glaube, es gibt kein Jenseits von Mode. Überall gilt eine gewisse Sprache, die kommuniziert, ob du dazu gehörst oder nicht. Das gilt im Township in Soweto genauso wie in einem niedersächsischen Kuhdorf. Diese Codes zu analysieren interessiert mich.

Verstehen eure Eltern eigentlich was ihr da tut?

Ab und zu wundern sie sich, dass vier ihrer Kinder – insgesamt sind wir fünf – in der Wirtschaft und vor allem in der Werbung gelandet sind. Meine Eltern sind extrem sozial eingestellt. Ein Grund, weswegen wir damals nach Afrika gegangen sind, war, weil sie gegen die Apartheid kämpfen wollten. Sie waren sehr engagiert.

An welchen Projekten arbeitet ihr mit Kemmler Kemmler?

Gerade haben wir gemeinsam mit Bikini Berlin, der neuen Concept Mall im revitalisierten Bikinihaus zwischen Gedächtniskirche, Bahnhof Zoo und Ku´damm ein vollkommen neuartiges Retail-Konzept realisiert: den SUPERNOVA Store. Supernova ist eine Experimentierfläche innerhalb Bikini Berlins, die wir unter der Fragestellung kuratieren, wie Retail in der Zukunft aussehen wird.

Wie genau funktioniert der SUPERNOVA Store und was ist so besonders an ihm?

Das besondere an Supernova ist, dass wir alle vier Monate eine komplett neue Vision von Shopping entwickeln, indem wir neue Partner und Kreative ihre Vision von Zukunft gestalten lassen. Daher kommt auch der Name Supernova. Supernova ist ein explodierender Stern, d.h. wir bündeln kreatives Potenzial und lassen es explodieren, bevor es nach einer Saison dann verglüht. Das schöne daran: Man weiß vorher nicht genau, wie diese Explosion aussehen wird – nur, dass sie anders sein wird als die davor. Es ist ein Experiment – und deshalb so spannend.

Gerade habt ihr mit SUPERNOVA die erste Saison beendet. Was ist denn eure Startgeschichte?

Die erste Saison haben wir zur Fußball WM entwickelt. Architektonisch wollten wir die Story vom Straßenfußballer zum Weltstar erzählen. Das Areal des historischen Zoobogens, heute Bikini Berlin, wurde in den 50er Jahren gebaut, also referiert die Architektur mit Jean Prouvé-inspirierten Häuserclustern auf die legendäre Sci Filme der 50ties. Das Setting ist eine brasilianische Favela, in die ein fiktiver Milionario ein brutalistischen Stadion gebaut hat. Der Kunde shoppt in der Favela sein „Gear“, probiert es auf einem interaktiven Trainingsplatz aus und lässt sich im Stadion als Weltstar feiern. 35 LED Screens von Samsung und eine massive Soundanlage von Teufel sorgten dafür, dass das ganze wie eine heterogen flimmernde Multimedia-Installation wirkt – eben wie eine Future-Favela. Das Konzept wurde von unseren Architekten David Kemmler in Kooperation mit Christian Weinecke von Comme de Garcons entwickelt. Zurzeit arbeiten wir an einer neuen Saison.

Warum braucht der Kunde ein Drehbuch zum Einkaufen? Geht es beim Shopping nicht um die Aneignung von Waren?

Es reicht heutzutage nicht mehr, Ware aufzubauen und zu warten, bis die Leute kommen. Man sollte immer wieder Erlebnisse inszenieren und Gesprächsanlässe schaffen. Shopping ist die Nr. 1 Freizeitbeschäftigung der Deutschen – da muss man mehr liefern als nur Produkte, die man im Internet im Zweifel einfacher und günstiger bekommt.

Versteckt sich dahinter vielleicht auch ein Versuch, den stationären Handel vor dem immer stärker werdenden eCommerce zu retten?

Ein Rettungspaket braucht der stationäre Handel noch nicht. Was man natürlich beobachten kann: eCommerce hat gewisse Vorteile, es gibt alles zum günstigsten Preis und es wird direkt nach Hause geliefert. Allerdings sitzt man vor dem Computer alleine, während Shopping in der realen Welt ein soziales Erlebnis ist. Schaut man sich erfolgreiche Retail-Konzepte wie Dover Street Market in New York oder Broken Flowers Market in Paris an, wird deutlich, dass es darum geht, Begegnungsorte zu schaffen. Es gibt viele Vorteile des stationären Handels. Dass er tot ist, glaube ich keinesfalls – lediglich verändert er seine Funktion.

Würde das Konzept Supernova dennoch an anderen Standorten funktionieren?

Supernova wurde aus dem Kerngedanken des Bikini Berlin heraus entwickelt: Raum für mutige und innovative Retail-Konzepte zu schaffen. Das unterscheidet Bikini Berlin von herkömmlichen Malls und genau das führt Supernova in saisonalem Rhythmus vor. Insofern könnte Supernova auch an anderen Standorten funktionieren, aber Ursprung der Idee ist Bikini Berlin. Wir sind dort auch nicht die einzigen mit frischen Ideen. Die Stores von Artek Vitra, Andreas Murkudis, Mykita, Supermarket oder Gestalten sind jeder auf seine Weise höchst originell und inszenieren eine ganz andersartige Welt.

Die Concept Mall BIKINI BERLIN gilt als Symbol für die Wiederbelebung des Berliner Westens, der lange Jahre als „tot“ galt. Glaubst du, dass der Westen tatsächlich gerade für jüngere Menschen wieder attraktiver wird?

Unbedingt. Bis dato war der Kurfürstendamm wie eine Shopping-Autobahn, Bikini Berlin hat Oasen der Erholung integriert. Nirgends sitzt man besser als auf der Dachterrasse von Bikini Berlin und lässt sich von The Eats, Supermarket und Gestalten verwöhnen, während man den Pavianen beim spielen zuschaut. Früher ist man zum Ku´damm ausschließlich zum Shoppen gefahren, jetzt kann man sich dort auch mit Freunden treffen, um nebenbei ein wenig zu shoppen. Auch komplementiert Bikini Berlin das bestehende Angebot um zeitgenössisches Avantgarde Design: E15 bei Andreas Murkudis, Artek Vitra, Aspesi und Mykita. Der Kurfürstendamm ist jetzt rund.

Deine Wohnung ist am Kottbusser Tor, dein Büro am Viktoria-Luise-Platz. Ist das nicht ein ganz schöner Kontrast?

Ja, aber ein schöner. Grundsätzlich habe ich eine Sehnsucht nach alter gelebter Kultur und lang gewachsenen Strukturen. Das habe ich mit meinem Office am Victoria-Luise-Platz. Ich schätze es, morgens nach Schöneberg zu fahren, in mein Jugendstilbüro und diese „heile Welt“ zu genießen. Als Kreativagentur müssen wir permanent neue Ideen entwickeln, da finde ich die Ruhe dort angenehm. Abends schätze ich aber auch den Kontrast dazu in Kreuzberg. Hier am Kottbusser Tor ist die Szene eher links-alternativ. Von meinem Balkon aus habe ich den direkten Blick auf den ganzen Trubel – allerdings vom 6. Stock aus eher als Lichter-Kulisse. Da kann man ihn besser genießen, als wenn man mitten im Alarm steckt.

Typischerweise wohnt man in Berlin in einem Stuck-Altbau mit Flügeltüren und Fischgrätparkett. Nun lebst du in einem modern gestalteten Neubau mit viel Beton und Glasfassade. Wie hat sich das auf dein Wohngefühl ausgewirkt?

Von Altbau auf Neubau war eine große Umstellung für mich. Ich besitze sehr viele alte Möbel, die ich von meinen Großmüttern geerbt habe. Ein Vorfahre war Gärtner im Schloss Sanssouci und so habe ich Möbel aus dem Gartenhaus von Sanssouci. Dazu viel Biedermeier. Das sah vor der Glasfassade verloren aus. Also habe ich die Möbel ins Büro gestellt und zu Hause noch einmal von vorne angefangen.

Was für Schätze finden sich heute in deiner Wohnung?

Anfangs dachte ich, es muss alles reduziert und minimal sein. Dann habe ich gemerkt, dass es dadurch sehr streng wirkt, wie eine frigide Architekten-Wohnung. Deshalb habe ich lebendigere, verspielte Sachen integriert. Ich sammle zum Beispiel filigranes Glas – für ein hysterisches Versailles-Gefühl. Ansonsten mische ich Castiglioni mit E15, dazu habe ich die Tongue Stühle von Arne Jacobsen entdeckt. Die sind nach einem Entwurf aus den 60ern gefertigt, die damals aber aus statischen Gründen nicht gebaut werden konnten. Heute, 40 Jahre später geht das. Verrückt. Vor dem ganzen Beton sehen glänzende Sachen übrigens toll aus – daher gibt’s bei mir neuerdings viel Gold und Silber.

Was ist dir generell an den Räumen wichtig, in denen du lebst?

Ich finde wichtig, dass eine Wohnung gemütlich ist und gleichzeitig die Vita des Bewohners atmen – die verschiedenen Stationen des Lebens, die Reisen, die Neugierde, das was am Herzen liegt. Bei mir sind das Andenken an die Kindheit in Afrika, Bücher – am liebsten indische Literatur, eine Boxensammlung von Hermès, Bilder aus der Familien-und Arbeiten der eigenen Sammlung. Und das ganze nicht zu einem langweiligen Stillleben arrangiert, sondern mit ordentlich Bewegung und guter Laune.

Ist eine neue Wohnung wie ein neues Leben?

Seit ich hier wohne, habe ich zumindest ein neues Hobby – Gärtnern (lacht). Ich habe vermutlich jeden Anfängerfehler begangen, den man machen kann, aber langsam läuft es. Mittlerweile sind mir meine Pflanzen also sehr ans Herz gewachsen. Sie bewirken, dass sich Innen- und Außenraum miteinander vermischen. Die Wohnung wirkt sowieso schon wie ein Gewächshaus, den Effekt kann ich so miteinbeziehen. Und endlich habe ich Weitsicht – der Horizont tut auch dem Kopf gut – den möchte ich wirklich nicht mehr missen. Praktisch genau vor meiner Haustür ist früher die Mauer verlaufen, der Todesstreifen, deshalb ist hier noch so viel Platz. Auch wenn ich gefühlt in Kreuzberg lebe, bin ich also gar nicht aus Mitte weggekommen (lacht). Aber Ost und West ist in Berlin ja ohnehin nur eine Frage des Gefühls.

Vielen Dank für die Eindrücke und das spannende Gespräch, Katharina. Wer mehr über BIKINI BERLIN erfahren möchte, besucht ihre website hier.

Fotografie: Debora Mittelstaedt
Interview & Text: Celina Plag