(English) Magnus Reed

Vor zwei Jahren zog Fotograf Magnus Reed vom idyllischen Brighton an der englischen Küste nach Berlin. Mit seiner Tochter lebt der Halb-Schwede in einer beeindruckenden 500qm Wohnung in Schöneberg, die er auch als Studio nutzt. Obwohl die Einrichtung des Apartments sehr minimal ist, fühlt man sich sofort wohl und möchte am Liebsten gar nicht mehr gehen.

Wenn man sich mit Magnus unterhält, bekommt man leicht den Eindruck mit einem sehr alten, weisen Mann zu sprechen- so viele unterschiedliche Geschichten und Ereignisse würden auch für mehrere Leben reichen. Seine Leidenschaft für Photographie hat ihm ein eklektischen Erfahrungsschatz beschert: in einer Zeit, als die ganze Welt auf ein junges Mädchen aus Coydon, Kate Moss, guckte und der „Heroin Chic“ die Modewelt dominierte, fotografierte Magnus die drallen Blondinen Anna Nicole Smith und Pamela Anderson im klasisschen Pin-Up Stil und entsprach damit zunächst gar nicht dem Zeitgeist. Später lebte er anderthalb Jahre auf Cuba und portraitierte die Insel in aufwendigen schwarz weiß Aufnahmen im 8 x 10 Format.

Wir sprechen mit ihm über seine ersten Eindrücke von Berlin bevor die Mauer fiel und warum der Iran auf seiner Reiseliste ganz oben steht.

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Erzähl mir ein bisschen von dir: du bist halb Schwede und halb Engländer, oder?
Genau. Meine Mutter war als Aupair in London und hat meinen Vater bei einem seiner Konzerte kennengelernt. Sie sind dann zusammen in eine Wohnung am Leicester Square gezogen. Die Bear Street ist wohl die winzigste Straße der Welt, aber da bin ich entstanden. Als meine Mutter schwanger wurde, sind die beiden nach Schweden gezogen. Wir sind eine ganze Weile hin- und hergependelt, weil es damals sehr schwierig war, Familienleben und Musikerdasein zu verbinden.

Dein Vater ist Musiker?
Ja, er war Schlagzeuger. Als sich meine Eltern getrennt haben, bin ich mit 16 nach London gezogen und habe dort die ganze Punk und New Wave Zeit mitgemacht. Die frühen 80er Jahre waren wirklich eine spannende Zeit in London: Thatcher, Sid Vicious, Chaos, Aufstände, besetzte Häuser… Danach bin ich aber wieder nach Schweden gegangen um mich anderen Projekten zu widmen und mein Leben auf die Reihe zu bekommen. Ein Freund der aus Afghanistan kam, erzählte mir immer von seiner Heimat und ich fing an, dieses Land romantisch zu verklären. Das war die Phase als Russland Afghanistan gesetzt hatte. Ich habe meine Kamera geschnappt und bin hingefahren – ohne wirklichen Plan. Ich habe mich dann einer Guerilla Gruppe angeschlossen und weiter fotografiert. Als die Gruppe aber von russischen Helikoptern angegriffen wurde, stieg mir alles über den Kopf. Das war nicht, was ich wollte. Es war eine sehr extreme auch schöne Zeit dort.

Würdest du nochmal nach Afghanistan fahren?
Nein, ich war seit damals auch nicht wieder da. Es ist einfach zu gefährlich. Ich habe jetzt eine Tochter und liebe mein Leben, das will ich nicht aufs Spiel setzen. Aber diese Reise war auf jeden Fall wichtig für mich als Fotograf, ich habe es ja nie studiert. Ein Freund in Schweden hat mich immer unterstütz und ermutigt, professionell zu fotografieren. Ich habe mich dann an einer Kunsthochschule beworben, wurde aber abgelehnt. Wie es aber so oft ist im Leben habe ich dann einen Typen aus New York kennengelernt der für Avedon arbeitete und einen Assistenten für sein eigenes Studio suchte. Ich hatte keine Ahnung was ein Assistent genau macht, aber ich hab es trotzdem versucht. Learning by doing quasi. Michael Jansen fotografiert heute große Kampagnen für Calvin Klein etc.

Glaubst du, dass es früher einfacher war für Fotografen als heute?
Nein, eigentlich nicht. Es ist heute einfacher und schwieriger zugleich. Früher sind Dinge beiläufiger passiert, man hatte weniger Erwartungen. Das ist so ähnlich wie mit den Londoner Taxifahrern: früher mussten die noch den Stadtplan auswendig kennen, heute haben sie GPS. Ich habe drei Jahre quasi in der Dunkelkammer gelebt und gelernt wie man Abzüge macht und die Chemikalien richtig einsetzt.

Arbeitest du noch in der Dunkelkammer?
Nein, das brauche ich heute nicht mehr. Natürlich gibt es noch viele Fotografen die analog arbeiten und vielleicht geh ich in der Zukunft auch wieder dahin zurück weil man bestimmte Looks einfach nicht digital produzieren kann. Aber im Moment bin ich nicht in der Dunkelkammer.

Du bist erst vor kurzem von Brighton nach Berlin gezogen. Was hat dich hergebracht?
Das erste Mal war ich kurz vor dem Mauerfall in Berlin. Ich reiste grade durch Europa und hatte sofort eine starke Beziehung zu der Stadt. Das zweite Mal hatte ich einen Auftrag von Sisley/Benetton eine Tagebuch-ähnliche Story in Berlin zu machen. Ich habe Leute portraitiert.

Waren das echte Geschichten oder hast du inszeniert?
Das war alles echt. Ich war für drei Wochen in der Stadt und habe einen jungen Schauspieler namens Thomas Kretschmann getroffen mit dem ich immer noch sehr gut befreundet bin. Ein anderer Freund aus der Zeit gehört heute der Asphalt Club. Ich bin also immer wieder hergekommen und mochte die Stadt, die Mentalität. Ich habe mich zu Hause gefühlt. Karrieretechnisch wäre es natürlich klug gewesen nach London oder New York zu ziehen, aber das wollte ich nicht. Auf Paris oder Barcelona hatte ich auch keine Lust – ich wollte nach Berlin. Hier ist es nicht so touristisch, man kann sich schöne Wohnungen leisten und das Leben ist nicht so absurd teuer.

Wie bist du an deine Wahnsinns Wohnung gekommen?
Ich bin rumgefahren und habe einfach die Besitzer von freistehenden Wohnungen angerufen. Viele davon waren gar nicht im Internet gelistet.

Du lebst und arbeitest hier, teilst die 500qm aber auch mit anderen…
Genau. Ich teile die Fläche mit meinem guten Freund Leo, einem Architekten und Grafikdesigner, und noch zwei anderen. Wir machen eine Menge Sachen zusammen: Bücher, Projekte, Vorträge, Parties… Im Moment stellen grade zwei Designer ihre Arbeiten hier aus. Es ist immer was los.

Du hattest erzählt, dass du die Mentalität in Berlin von Anfang an mochtest. Das ist interessant, da Berliner ja oft als mürrisch und unhöflich beschrieben werden.
Das finde ich gar nicht. Außerdem gibt es eine Menge Bewegung und Veränderung, ähnlich wie in New York. Jeder der sich hier niederlässt, wird zu einem gewissen Teil Berliner, und das kann verschiedenste Ausprägungen haben.

Was sind deine liebsten Hang-Outs in der Stadt?
Ich mag die Atmosphäre der Paris Bar und ein paar kleine Läden in Kreuzberg. Außerdem liebe ich den Volkspark Friedrichshain. Zum Schwimmen fahr ich nach Weißensee, da ist es wunderschön und man hat diesen interessanten Mix aus echten Ost-Berlinern und Zugezogenen aus aller Welt.

Arbeitest du viel in deinem Studio hier oder reist du?
Ich versuche so viel es geht hier zu arbeiten. Auf der einen Seite finde ich es gut, Geld und Aufträge in die Stadt zu bringen und vor allem kann ich dann bei meiner Tochter sein. Früher war ich 200 Tage im Jahr unterwegs, heute sind es 60.

Könntest du dir vorstellen etwas anderes zu machen als zu fotografieren?
Fotografie ist für mich der Weg Geschichten zu erzählen. Könnte ich gut Schreiben, würde ich das sicher auch machen. Außerdem könnte ich mir vorstellen, mal einen Film zu drehen, wenn es eine gute Story ist.

Wie ist es eigentlich zu der Zusammenarbeit mit Anna Nicole Smith in den 90ern gekommen?
Ich wurde für eine Weihnachts-Unterwäschen Kampagne angefragt und habe überlegt welches Model dafür in Frage käme. Ich stand in einem Zeitungskiosk und sah Anna Nicole Smith auf dem Playboy. Das war das krasse Gegenteil zu allem was grade modern war in der Mode. Jeder wollte Kate Moss, also habe ich gedacht- warum nicht das Gegenteil machen. Ironischerweise habe ich zur gleichen Zeit die Sozialdemokraten in Schweden bei ihrer Bildsprache beraten und es gab große Diskussionen über das Frauenbild, dass durch die Kampagne promotet wird.

Die Kampange hat Anna Nicole Smith berühmt gemacht.
Ja, tragisch irgendwie. Sie hatte mich vor dem Shooting in ihr Haus in Hollywood eingeladen, was früher Marilyn Monroe gehörte. Sie hatte eine regelrechte Obsession mit Marilyn. Es war eine Freak Show, überall hingen Bilder von ihr. Eigentlich war sie wirklich nett, aber auch total verloren. Nach dem Shooting habe ich dann Pamela Anderson vorgeschlagen, die ich ganz ohne Make-Up fotografiert habe.

Man muss wirklich zweimal hingucken um zu erkennen wer das ist.
Ich glaube sie hatte auch noch keine Silikonbrüste zu der Zeit. Sie war natürlich und nett.

War es schwer sie zu überreden, ohne Make-Up fotografiert zu werden?
Oh ja. Aber ich habe vorgeschlagen, dass wir es einfach probieren und wenn sie es nicht mag, wir die Bilder zerstören. Zurückblickend denke ich, dass das die besten Bilder von ihr sind.

Du arbeitest ja auch an eigenen Projekten. Die schwarz-weiß Serie aus Kuba zum Beispiel…
Ja, genau. Ich bin 1.5 Jahre ständig dort gewesen und habe bei einer einheimischen Familie gelebt. Ich habe sie durch einen Freund kennengelernt und war froh so freundliche, aufrichtige Menschen zu haben bei denen ich wohnen und mein Equipment lagern konnte. Ich könnte mir auch durchaus vorstellen, später richtig dorthin zu ziehen.

Gibt es noch andere Orte an die du gerne reisen würdest?
Brasilien steht auf meinem Plan und Iran. Davon träume ich schon lange, aber es ist im Moment zu unsicher.

Was fasziniert dich so am Iran?
Die Geschichte und dass es so außerhalb unserer Welt liegt. Kein McDonalds, kein H&M. Ich stell es mir ähnlich wie in Cuba vor. Durch die Isolation haben sich bestimmte kulturelle Eigenheiten erhalten können.

Du hattest erwähnt, dass du einmal eine ganze Woche mit den Rolling Stones verbracht hast.
Ja, wir haben im Studio in Schweden abgehangen. Ich wurde aber nicht konkret als Fotograf eingeladen und wollte dann auch keine Bilder machen. Vielleicht war das dumm.

Danke für das Interview!

Photos: Ailine Liefeld
Text: Lisa Bosse