Freunde von Freunden

Petar Petrov
Fashion Designer, Apartment & Studio, Mariahilf, Vienna
Interviews > Petar Petrov

Der Modedesigner Petar Petrov ist ein wenig schüchtern, aber hat eine entschlossene Art. Er ist groß, schmal und trägt seine selbstkreierte, ganz in schwarz gehaltene Kleidung. In der Ukraine geboren, zog er 1999 nach Wien, um Mode an der Universität für angewandte Kunst zu studieren. Damals wusste er noch nicht, was ihn in dieser Stadt erwarten würde. Doch bereits während seines Studiums gründete Petar sein eigenes Label PETAR PETROV. Mit schlichter, innovativer und eleganter Mode für Männer, die er seitdem jedes Jahr in Paris präsentiert, baute er sich langsam einen Kundenstamm rund um den Globus auf, inzwischen designt er auch Kleidung für Frauen. Beide Kollektionen findet man nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, China und Japan. Damit ist Petar Petrov einer der wenigen Modemacher, der es auch international geschafft hat.

Sein Atelier befindet sich in einem wunderschönen Altbau in Wien. Dort arbeitet er an seinen Kollektionen, wählt Stoffe aus oder bereitet Messen und Shows vor. Wenn er das gerade mal nicht tut, findet man ihn in seiner lichtdurchfluteten Wohnung nebenan. Bevorzugt mit Freunden, die er zu einem guten Wein einlädt. Außerhalb der eigenen vier Wände, treibt sich Petar am liebsten auf einem der zahlreichen Flohmärkte in Wien herum, wo er die Leute beobachtet und sich neue Inspiration holt.

Dieses Portrait wurde in Zusammenarbeit mit departure -die Kreativagentur der Stadt Wien- produziert und ist der erste Teil dieser Kollaboration.

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Wann bist du von Bulgarien nach Wien gezogen?

Als ich 20 Jahre alt war. Damals kannte ich Wien nicht besonders gut und es hat sich einfach so ergeben. Ich wollte im künstlerischen Bereich arbeiten und habe mir deswegen überlegt, Mode an der Universität für angewandte Kunst zu studieren. Ich hatte Glück und wurde gleich beim ersten Aufnahmeversuch genommen.

Wann hast du beschlossen, dein eigenes Label zu gründen?

Das war ungefähr 2003, aber es gab keinen bestimmten Zeitpunkt. Während meines Studiums habe ich bereits Versuche gemacht, an meinen eigenen Projekten gearbeitet und das ging so weiter Schritt für Schritt. Ich hatte nie das Bedürfnis, Praktika zu machen, es war eher ein „Learning-by-Doing“, wo sich alles so ergeben hat.

Was war die größte Herausforderung für dich am Anfang?

Nicht zu wissen, wie gewisse Sachen funktionieren. Das habe ich dann gelernt und Schwierigkeiten sind ja auch dazu da, gemeistert zu werden.

Inwiefern unterstützt dich departure bei deinen Projekten?

departure bietet mir die Möglichkeit, weitere wichtige Entwicklungsschritte zu machen. Vor allem dann, wenn ich bestimmte Projekte finanziell nicht alleine realisieren kann, ist die Förderung eine wichtige Stütze und Hilfe.

Warum bist du in Wien geblieben und nicht in eine Stadt gezogen, wo Mode einen größeren Stellenwert hat?

In Wien kann man gut arbeiten und Zeit für sich haben. Außerdem befindet sich hier mein Freundeskreis. Die Stadt ist sehr empfehlenswert, wenn man ab und an die Möglichkeit zum Reisen hat. Dann lernt man Wien wirklich schätzen.

Gibt es etwas, das du in Wien vermisst?

Wien könnte ein bisschen internationaler sein, aber vielleicht entwickelt sich das langsam. Das hat wohl auch seine Vor- und Nachteile.

Schaust du dir an, was in der internationalen Modewelt passiert?

Ja, man muss wissen was passiert, sonst weiß man ja nicht, was man entwerfen soll. Man sollte sich ansehen, was angeboten wird und was es zu kaufen gibt, um etwas schaffen zu können, dass die Leute auch gerne kaufen möchten

Was war das allererste Kleidungsstück, das du entworfen hast?

Das war wohl während meiner Studienzeit, aber an die ersten Kleidungsstücke, die ich damals gemacht habe, möchte ich mich eigentlich nicht erinnern! (lacht) Das waren sicher lustige Sachen. Doch man entwickelt sich kontinuierlich weiter und speziell in der Modebranche hat fast alles ein Verfallsdatum. Wenn man sich seine Sachen von vor ein paar Jahren anschaut, passen sie einfach nicht mehr in die heutige Zeit.

Was für eine Mode wolltest du damals machen?

Eher sportliche Sachen. Und das was ich jetzt mache, ist eine Weiterentwicklung von dem, was ich am Anfang gemacht habe: Luxuskleidung – man muss sich eben immer neu definieren.

Wen hast du vor Augen, wenn du heute deine Mode entwirfst?

Ich wünsche mir, dass meine Kunden selbstbewusst sind und dass meine Kleider ihnen dieses Gefühl auch zurückgeben kann. Ich sehe in der Mode, die ich entwerfe starke und stilsichere Menschen mit einem eigenen Sinn für Mode. Ich habe junge aber auch ältere Kunden, was ich gut finde.

Wolltest du schon immer Designer werden?

Das weiß ich nicht, es hat sich eher so ergeben, glaube ich. Ich fing an zu studieren und wollte sehen, ob mich das interessiert. Das war so, dann machte ich weiter in dem Bereich und nun bin ich da angelangt, wo ich heute stehe. Aber es war niemals mein Kindheitstraum oder so.

Was wärst du, wenn du kein Modedesigner wärst?

Die Frage stellt sich für mich eigentlich nicht, da mich meine Arbeit erfüllt. Im Moment gibt es keine andere Option. Aber ich würde immer etwas machen, das mit Gestaltung zu tun hat.

Was inspiriert dich an Wien?

Ich sammle Eindrücke, die ich auf bewusste oder unbewusste Art verarbeite. Mich inspiriert alles in dieser Stadt, aber es ist nicht so, dass ich es bewusst definieren kann.

Gibt es Gegenden in Wien, die du besonders gerne hast?

Am liebsten bin ich eigentlich im 6. Bezirk, der ist jung und dynamisch und durch den Naschmarkt und die Mariahilferstrasse entsteht ein interessanter Mix aus Menschen. Es ist nicht allzu touristisch und somit angenehm zum Arbeiten. Unter der Woche wird es sehr lebhaft und am Wochenende hat man seine Ruhe und es ist nicht viel los auf der Straße. Aber es entwickeln sich auch andere interessante Viertel in Wien, wie der 2. Bezirk, den ich recht inspirierend finde. Dort ist vieles noch nicht so kommerziell und man findet noch kleine Geschäfte und Bäckereien.

Was zeigst du deinen Gästen, wenn sie dich in Wien besuchen?

Zuerst einmal alle touristischen Sehenswürdigkeiten, was genau hängt vom Gast ab. Aber ich kann einen Spaziergang am Wiener Zentralfriedhof sehr empfehlen. Ansonsten gehe ich gerne auf Flohmärkte: der am Naschmarkt ist schön und im Frühling und Herbst gibt es viele Flohmärkte, die einen Ausflug wert sind und einen guten Einblick in die Wiener Seele bieten. Ausflüge außerhalb von Wien kann ich ebenfalls jedem ans Herz legen. Zum Beispiel das Südburgenland, dort ist das Wetter meistens gut und es ist ein guter Ort zum entspannen! Ein Besuch in der Heiligen Messe mit Orchesterkonzert am Sonntag kann auch ein interessantes Erlebnis sein.

Und was wären deine konkreten Empfehlungen?

Das Cafe Hawelka empfehle ich wegen der hausgemachten Buchteln, das Schwarze Kamel ist am späten Nachmittag sehr nett für den kleinen Hunger und Durst. Wenn man Torten liebt, dann ist man beim Demel richtig, auch wenn das es sehr touristisch ist. Abends gehe ich gerne mit Freunden ins Skopik und Lohn essen. Und sehr bald eröffnet eine gute Freundin ein neues Lokal, das Zur Henkerin, wo man mich wahrscheinlich öfter antreffen wird.

Du hast viel Kunst in deiner Wohnung, sammelst du auch Kunst?

Zu den Kunstwerken in meiner Wohnung habe ich meistens einen persönlichen Bezug. Viele meiner Freunde sind Künstler und so komme ich auch zu meinen Bildern.

Hast du eine Muse?

Ich habe viele Musen, die stammen aus meinem Freundeskreis. Mich inspirieren Menschen, die zwar Mode interessiert, bei denen Mode aber nicht ihr Lebensinhalt darstellt. Das finde ich dann sehr spannend.

Wie kann man sich einen typischen Tag in deinem Leben vorstellen?

Ich würde sagen, es gibt keinen typischen Tag. Ich mag die Abwechslung und gestalte jeden Tag anders. Aber im Prinzip arbeite ich viel, also bin ich sehr viel im Büro.

Wie entspannt sich Petar Petrov?

Gar nicht (lacht). Wir haben Zeiten, wo mal weniger und mal mehr zu tun ist. Ich gehe dann gerne auf Flohmärkte, oder in Ausstellungen, treffe mich mit Freunden, oder ich fahre auf Urlaub. Aber das ist Tages- und Jahreszeiten abhängig.

Vielen Dank an Petar für das interessante Gespräch und den Rundgang in seinem Atelier und seiner Wohnung. Mehr über Petar Petrovs Mode gibt es auf seiner Webseite.

Dieses Porträt ist in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien und ihrem Kreativzentrum departure entstanden. Mehr Porträts und Berichte zu der Wiener Kreativszene gibt es hier

Interview & Text: Nathalie Halgand

Fotos: Lukas Gansterer