Ralf Köster

Er ist älter als Gott und hat auch mehr Platten. So lautet einer der vielen Mythen, die man sich über Ralf Köster in Hamburg und über die Stadtgrenzen hinaus erzählt. Der freundliche Mann mit der schlohweißen Haarsträhne unbekannten Alters ist Booker und DJ im legendären Hamburger „Golden Pudel Club“. Seit 17 Jahren veranstaltet Ralf, der ursprünglich gelernter Friseur ist und in der Werbung gearbeitet hat, jeden Sonntag die berühmt-berüchtigte M.F.O.C. (Musik Fetischisten Ohren Charakter) Partyreihe in der kleinen Holzhütte unten am Hafen.

Ralf ist somit ein wegweisender Strippenzieher in einer der letzten Bastionen für internationale Subkultur im musikalischen Bereich – und das ohne Bier-Sponsor und Mobiltelefon. Man könnte ihn auch als personifizierten Mittelfinger bezeichnen, der sich zu unser aller Glück zusammen mit einem Konglomerat aus zwielichtigen, aber durchaus künstlerisch begabten Mitstreitern aus dem Nachtleben unweit des Fischmarktes manifestiert hat. Er und der Pudel-Apparat bilden das glückliche Gegengewicht zum traditionellen, vergnügungsorientierten Kulturprogramm der blitzblanken Hansestadt.

Wir treffen Ralf an einem Sonntagnachmittag kurz vorm Soundcheck im Pudel-Garten unten am Hafen, bei Kaffee und Kippe erzählt er uns, wie er zum Pudel Club gekommen ist. Während verlorene Handys aus dem Klo gefischt werden, drei Teenager nach ihrer Geldbörse suchen, er seine Platten zusammensammelt und vom Festnetz aus die japanischen Gäste auf der Autobahn ortet, gibt er gleichzeitig Preis, was das Geheimnis dieses besonderen Ortes ausmacht, in dem es so herzerwärmend menschelt und ohne den wir uns Hamburg gar nicht mehr vorstellen mögen.

Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/Freunde von Freunden — Ralf Köster — Booker, DJ & Legend, Club, St.Pauli, Hamburg — http://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/ralf-koster/

Vom Friseur zum Booker: Wie bist Du zum „Golden Pudel Club“ gekommen?
Anfang der Neunziger war ich die ersten Male als Gast im Pudel, bevor dort Menschen wie z. B. Pete (Lawrence) anfingen professionell, also mit zwei Plattenspieler aufzulegen. Damals gab es nur einen Plattenspieler und eine „Jim Beam“-Flasche mit einem Mikro drum gegaffert. Ab 1991 wiederum veranstalteten Micky Nice, Tim Lorenz und ich die ersten Partys in verschieden Locations und MFOC (Musik Fetischisten Ohren Charakter) war geboren. Auf der ersten Party waren Mixmaster Morris und Move D zu Gast. Später dann die Rephlex- und Warp-Meute. Mit den Jungs sind wir heute noch gut befreundet. Circa 1996 muss es gewesen sein, dass schließlich Pete, Viktor, Zoran, Dave und andere meinten, wir brauchen einen zweiten Plattenspieler im Pudel.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?
Um 10:00 Uhr aufstehen, dann ins Büro, ein paar E-Mails beantworten, vielleicht einen Flug oder ein Hotel buchen, dann nach Hause, gut essen, schlafen und noch mal aufstehen. Das mache ich circa sechs Tage die Woche und bin so zwei, drei Nächte hier. Jede Nacht wäre der frühe Tod, aber Dienstag, Donnerstag und Sonntag ist zu schaffen. Entscheidend sind die Pausen zur Erholung zwischen den Tagen.

Der Pudel ist weltweit bekannt für eine ganz besondere Stimmung. Es gibt den Spruch „jeder DJ sollte einmal in seinem Leben im Pudel gespielt haben“. Was macht die Magie des Pudels aus?
Den Spruch habe ich mir mal ausgedacht, um alle zu überzeugen, dass sie es endlich machen sollen. So nach dem Motto: es gibt zwar kein Geld, aber jeder sollte es mal gemacht haben. Was wir im Pudel natürlich nicht haben, ist eine riesen Bassanlage, die dir die Eingeweide auf links dreht. Hier im Pudel hat man eher das living in a box-Feeling. Durch die Enge und die kleine Bühne bist du ganz dicht dran am Publikum und hörst immer den Originalsound, den auch das Publikum hört. Dann besteht der Pudel aus unheimlich viel Holz, was einen sehr warmen Klang ergibt. Aber diese ganz besondere Nähe zum Publikum ist es, was die Magie des Pudels tatsächlich ausmacht.

Welchen Einfluss hat das Publikum dabei?
Eine Crowd kann mal besser, mal schlechter sein. Sie ist natürlich immer Teil des Clubs und bestimmt mit, wie die Stimmung wird. Dadurch, dass der Pudel eben so klein ist, kann es auch mal zum Nachteil werden – zwei Spinner reichen manchmal aus, um die ganze Party zu verderben. In einer großen Halle würde das nicht auffallen. Aber insgesamt haben wir mit unserem Publikum eigentlich großes Glück, wir können uns kaum beschweren.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass gerade am Wochenende ein Großteil der Gäste den Pudel unter „billig, läuft immer elektronische Musik“ abgespeichert hat und oftmals gar nicht weiß, wer gerade auflegt bzw. spielt. Hast du diesen Eindruck auch?
Ich würde mir auch wünschen, dass die Leute musikalischer interessiert sind und bei jeder Platte, die gespielt wird, neugierig fragen, was das ist, aber das kann man nicht verlangen. Es wäre toll, wenn sie wüssten, wer da auflegt, es ist aber genauso toll, wenn sie einfach so kommen und sich überraschen lassen. Beides ist ok.

Jeder Club behauptet wahrscheinlich, der beste Club der Welt zu sein – aber was ist denn aus deiner Sicht der fundamentale Unterschied beispielsweise zum Berghain?
Das vorhin beschriebene einmalige Setting plus, dass alle Leute, die hier arbeiten sich sehr gut kennen. Dazu kommen kaum vorhandene finanzielle Zwängen. In größeren Clubs musst du natürlich so und so viele zahlende Gäste und Umsatz haben, damit der Abend sich wirtschaftlich lohnt und den Laden nicht in den Bankrott treibt. Das ist bei uns eher egal. Wir müssen zwar auch einen gewissen Umsatz machen, aber dadurch, dass wir sieben Tage die Woche auf haben, holen wir das meist irgendwie rein. Machen wir’s heute nicht, machen wir’s morgen. Oder übermorgen.

Lass uns über die Stadt Hamburg reden, sie legt Veranstaltern bekannterweise gerne Steine in den Weg, man denke nur an den Mangel an Raum & Platz oder absurde Auflagen. Wie arrangiert ihr euch mit der Stadtpolitik?
Wir waren zum Glück schon hier, bevor die Stadt überhaupt wusste, dass das ein Club ist. Die Gnade der frühen Geburt sozusagen. Wenn du heute einen Club aufmachst, musst du Parkplätze besorgen, Notausgänge haben und bekommst lauter Auflagen. In den 80ern war das anders, nach der AIDS-Welle bist du auf den Kiez gegangen, hast dem Wirtschafter einer runtergekommenen „Open Ohne“-Bar mit Fick-Separees 200 Mark gegeben, den stillgelegten Rotlicht-Schuppen übernommen und dann war das ein Club. Inzwischen weiß die Stadt Hamburg, was sie an den Clubs hat. Sie wirbt mit den Clubs, um Menschen aus den sogenannten kreative Branchen in die wachsende Stadt Hamburg zu locken, ist eigentlich dafür und tritt ihnen trotzdem gleichzeitig ins Schienbein, weil sie es kontrollieren will. Die Obrigkeit mag keine autarken Kulturkreise die am System vorbei agieren.

Aber euch lassen sie weitestgehend in Ruhe?
Toi, toi, toi. Zum Glück lässt man uns weitestgehend in Ruhe, ja. Mal abwarten wie sich die Situation auf St. Pauli in den nächsten Jahren verändert. Entscheidend wird sein, dass die Menschen, die im Kulturbetrieb arbeiten, es sich weiterhin leisten können hier zu wohnen. Wenn ich morgen ausziehe, werde ich leider keine gleichwertige, bezahlbare Bleibe mehr in der Mitte der Stadt finden.

Wie hat sich denn die Szene in den letzten Jahren verändert?
Früher kannte in den Techno-/House-Kreisen jeder jeden, klar. Da gab es aber auch nicht jede Woche 50 neue gute Platten. Dann kommt noch das Zeitalter des Internets dazu, die Leute kaufen keine Musik mehr und wenn ich einem Typen sage Dubstep ist der neue heisse Scheiss, dann lädt der sich zu Hause ein Zip-File mit 30.000 Titeln runter und hat eine Sammlung von Stücken, zu denen er keinen Bezug hat. Wir haben uns früher die Platten auch gekauft, um das Cover, also das Artwork zu sehen und haben die Credits hinten drauf gelesen. Das gibt es so natürlich nicht mehr. Dafür gibt es Webseiten wie Last.fm oder Resident Advisor, wo die Internetgeneration sich austauscht. Ich kenne vielleicht jede Schallplatte, aber die entdecken neue Künstler viel schneller.

Wie konsumierst du Musik und wie kommst du zu deinen Bookings?
Früher standen auf den Schallplatten immer Faxnummern, da hat man dann ein Fax hingeschickt und hat nach der Telefonnummer gefragt. Das hat dann immer so ein halbes Jahr gedauert, bis man überhaupt mal eine Nummer hatte. Inzwischen hat ja jeder Künstler eine Soundcloud- oder Myspace-Seite. Ich gehe allerdings immer noch klassisch drei, vier mal die Woche in Platten- und Raritätenläden. Aber ich höre mir natürlich auch Musik im Internet an, wobei ich es immer sehr frustrierend finde, wenn es die Sachen dann erst Monate später auf Platte gibt. Sehr dankbar bin ich meinem Kollegen Tim Lorenz und anderen, die diese Plattformen regelmäßig beackern und mich auf dem Laufenden halten. Das ist schon sehr hilfreich für das Booking, weil so muss ich mich nicht selber überall durchhören um die Rosine rauszupicken. Genauso funktioniert es ja auch im Plattenladen, auch dort selektiert der Dealer für einen vor.

Wie stehst du zu der aktuellen Urheberrechts-Diskussion? Sollte alles frei zugänglich für alle sein?
Ich bin nicht für alles frei für alle. Als Veranstalter bin ich erstmal ein großer GEMA-Skeptiker weil ihr Verteilerschlüssel ungerecht ist und schon immer reformbedürftig war. Es geht immer an die Falschen. An Marius Müller-Westernhagen, Madonna, die Coca Cola Charts und ein großer prozentualer Anteil an die Verwaltung, also damit das Management sich die großen Dienstwagen leisten kann und ihre unmoralisch hohen Renten finanziert sind. Ich würde sogar gerne GEMA zahlen, wenn ich wüsste, dass es wirklich an die Leute geht, also an die Komponisten der Musik, die bei uns gespielt wird. Aber dadurch, dass die meisten gar keine GEMA-Mitglieder sind und nichts anmelden, bekommen die davon natürlich gar nichts ab. Nur, natürlich gibt es Menschen, die versuchen, von der Musik zu leben und für die ist es schon hart, wenn sie die Platten nicht verkaufen und kein Geld mehr bekommen, wenn es irgendwo gespielt wird. Die richtige Lösung weiß ich allerdings auch nicht. Vermutlich wird es am Ende des Tages auf die Kulturflatrate und die Selbstvermarktung hinauslaufen. Du kannst als Musiker dein eigenes Label aufziehen und das im Internet sehr gut vertreiben. Und das Westernhagen oder Atzen-Album sollte eh nur geklaut werden. Atzen für alle!

Eine wunderbare Überleitung zu meiner nächsten Frage: Wie definierst du Subkultur?
Sobald du mit einem Konzern zusammenarbeitest, der eine Vorstandspitze hat, bewegst du dich nicht mehr in der Subkultur. Es gibt kleine Labels, die auch groß werden können, die aber immer noch übersichtlich sind. Das sind Größen, mit denen ich noch arbeiten kann, aber wenn du mit Universal oder Warner arbeitest, haben die gleich einen Deal mit Nike oder McDonalds und da hört der Spass dann auf. Wir sind grundsätzlich Sponsoren-frei. Natürlich sage ich einem Künstler nicht ab, nur weil er bei einem Major unter Vertrag ist. Aber wenn die Promotion-Abteilung uns eine Gästeliste mit 30 Namen drauf schickt, dann sage ich no way. Gästeliste gibt es bei uns eh nicht, davon mal ganz abgesehen.

Was war dein skurrilster Moment im Pudel?
Skurille Momente gibt es eigentlich ständig. Dass sich junge Künstler erschrecken, wenn ich sie am Flughafen abhole ist dabei schon normal. Wenn so ein 20-jähriger in Fuhlsbüttel landet und ein zahnloses Monster mit Bart ankommt, der aussieht wie der Weihnachtsmann auf Acid, dann sind die ersten beiden Fragen immer Wohin bringst du mich? und Was hast du mit mir vor? Die dritte ist Wie, du legst auch auf? Am schlimmsten ist es mit den Amis, wenn die das erste Mal in Europa sind, auf der Straße saufen und rauchen dürfen und dann auch noch Mädchen auf den Partys sind um ihre Musik zu hören, dann drehen die komplett durch und einige bleiben meist gleich länger oder für immer hier in Good Old Europe.

Momentan geht vieles wieder Richtung retro, sei es beim Film, Fotografie oder in der Musik. Was hältst du davon?
Wir leben im Zeitalter des Retro! Die letzten fünf großen Jugendbewegungen waren Rock’n'Roll, die 68er, Punk, Hip-Hop und der Techno Summer of Love, die werden seit Mitte der Neunziger kontinuierlich wiederholt. Seitdem gab es im Grunde genommen keine neue elementare Platte mehr. Ich finde das eigentlich gar nicht so schlecht, weil dadurch die Feinheiten aus diesen verschiedenen Stilen erst jetzt im Nachhinein herausgearbeitet werden. Natürlich wünsche ich mir aber auch, dass irgendwo ein 14-jähriges Genie sitzt und sich was komplett Neues ausdenkt, was uns alle umhauen wird. Das kann man aber nicht erzwingen und eventuell wird das auch nie wieder passieren. Sowieso gibt ja nur drei gute Geschichten auf der Welt: Liebe, Tod und Hass. Dass sich eine Jugendbewegung aus etwas sensationellem neuen kristallisiert, das wird immer unwahrscheinlicher, weil allein schon die Informationen, die du heute hast, so unendlich sind. Warum waren die Hippies so extrem? Weil sie sich gegen die älteren Generationen extrem auflehnen mussten und damit angeeckt sind. Heute kannst du sagen was du willst, du eckst ja gar nicht mehr an.

Wo siehst du den Pudel in 15 Jahren?
Das hängt von der Entwicklung der Musik ab und natürlich auch von der Entwicklung der Club-Kultur. Die Horror-Vorstellung wäre, dass alles so ist wie jetzt und einfach nur noch Touristenbusse anhalten und sagen: Guck mal, so war das damals. Und dann hängt ein Plattenspieler an der Wand, mein verschwitztes UR T-Shirt liegt seit 20 Jahren in der Ecke und ich erzähle Geschichten von früher. Im Optimalfall bleibt es frisch und neue junge Leute kommen dazu.

Was machst du eigentlich, wenn du nicht im Pudel bist?
Ich bin verheiratet!

Interview: Lisa Van Houtem
Photos: Pelle Buys
Übersetzung: Lara Konrad