Rebecca Lamarche-Vadel

Neue Formate finden- Grenzen überschreiten. Die Kuratorin und Kunstkritikerin Rebecca Lamarche-Vadel kam im Rahmen ihrer Studien nach Berlin und hat sich schnell einen Ruf in der lokalen Kunstszene erarbeitet. 2011 beschloss sie endgültig in der Metropole zu bleiben, ohne zu wissen, dass einige Monate später ein Angebot ihre Pläne völlig verändern würde: eine Stelle als Kuratorin im Palais de Tokyo in Paris. Begegnung mit einer jungen Frau mit vielversprechenden Zukunft.

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Wie war Dein Weg? Was hat Dich nach Berlin und insbesondere zur Kunst geführt?
Ich bin in Frankreich geboren und in Paris aufgewachsen. Im Juni 2009 bin ich nach Berlin gekommen um meine Abschlussarbeit in Kunstgeschichte zu schreiben. Für mich war es die Gelegenheit mich in einer Stadt, die mich schon immer angezogen und fasziniert hat, niederzulassen.
Mein Weg war nicht ganz traditionell, da ich zunächst Geschichte und Politikwissenschaften an der Sorbonne studiert habe. Meine Mutter ist Künstlerin; mein Vater war Kunstkritiker und Sammler. Damals wollte ich aus diesem Milieu ausbrechen. Aber die Kunst war immer ein Teil von mir. Diese alte Liebe hat mich dann schnell wieder eingeholt. Mit 18 Jahren habe ich gemeinsam mit Freunden einen Verein gegründet : Ziel von « Art Effect » war es junge Künstler in Paris zu fördern. Wir hatten zwar kein Geld, aber viel Willenskraft! In Ermangelung von Platz haben wie Happenings und Workshops im Wald veranstaltet. Versammlungen fanden in Wohnungen statt. Ich habe diese « do it yourself » – Zeiten und diese jugendlich Energie in sehr guter Erinnerung. Danach habe ich eine Reihe von Praktika gemacht: Im Musée d’Art Moderne in Paris, in Galerien, im Ministerium für Kultur. Dann habe ich Studien in Kunstgeschichte aufgenommen. In Berlin geschieht alles sehr schnell. Ich hatte das Glück – eher durch Zufall – verschiedene Menschen zu treffen, die mir vertraut haben und mich darum gebeten haben meine ersten Ausstellungen hier zu organisieren. In Berlin habe ich eine gewisse Spontaneität sowie ein sehr lebhaftes, stimulierendes und enthemmtes Umfeld vorgefunden.

Erzähle mir von Deinem ersten Projekt in der Forgotten Bar im April 2010….
Tjorg Douglas Beer der diesen Ort initiiert hat und der seitdem ein sehr guter Freund geworden ist, hatte mich kurze Zeit nach meiner Ankunft gefragt, ob ich eine Ausstellung in der Forgotten Bar organisieren wolle. Ich war von der Idee sofort begeistert. Wenn man ein Projekt in Berlin auf die Beine stellt arbeitet die Zeit oft gegen einen. Ich hatte also drei Wochen Zeit um die Ausstellung zu organisieren die etwa 20 Künstler zeigen sollte. Statt einen theoretischen Text zu schreiben, habe ich die Künstler darum gebeten eigene Texte über ihre Arbeit beizusteuern. Zum einen wurde so der Diskurs zur Ausstellung und den Platz des Kurators in Frage stellt, zum anderen wurde Raum für den Betrachter geschaffen. Es wurde ihm Platz für Interpretationen gelassen.

Danach hast Du im Oktober 2010 eine Ausstellung in diesem mythisch anmutendem Ort, dem Stattbad Wedding, organisiert.
Ja, das war eine sehr interessante Erfahrung, da das Stattbad ein außergewöhnlicher Ort ist. Man hat mich beauftragt eine Ausstellung zum Thema Zukunft zu gestalten. Für mich galt es die verschiedenen Art und Weisen wie Zukunft gesehen wird zu zeigen. Aber vor allem musste gezeigt werden inwiefern die Ansätze der Künstler viel über die Gegenwart aussagen, ob es sich bezüglich dessen was uns erwartet um Optimisten oder Skeptiker handelt. Orte wie das Stadtbad sind Ausstellungsräume die mich sehr interessieren, da sie nicht dafür geschaffen wurden Kunst zu beherbergen. Es ist vielmehr die Aufgabe der Kunst sich hier einer Architektur oder einer Geschichte anzupassen. Die meisten meiner Ausstellungen wurden in Räumen realisiert die wenig mit dem white cube zu tun haben: eine ehemalige Küche eines Restaurants in Athen, vor dem Schwimmbecken eines Luxushotels in Miami, in einem Tanzsaal in Paris.

Du hast auch für das Projekt „Based in Berlin“ gearbeitet, von welchem man letzten Sommer sehr viel gehört hat.
Tatsächlich habe ich sehr viele Ateliers in der ganzen Stadt besichtigt und viel mit Künstlern über ihre Arbeit diskutiert; auch über die damalige große Polemik der Vereinnahmung der Kunst durch die Politik. Es ist, vor allem in Berlin, ein sehr wichtiges Thema, welches diskutiert werden muss. Konzept der Ausstellung war es die aufstrebende Berliner Szene zu zeigen und das in den «großen» Orten für zeitgenössische Kunst wie dem Hamburger Bahnhof, der Berlinischen Galerie oder im KW und NBK aber auch im Monbijou Park. Der freie Eintritt hat ermöglicht, dass die Ausstellung ein Ort des sozialen Geschehens wurde – sowie die Performances, die Projektionen, die Konferenzen und nicht zuletzt auch die Bar (ein fundamentales Element in Berlin).

Neben diesen ganzen Projekten, arbeitest Du auch als Kritikerin für verschiedene Zeitschriften und Kataloge.
Da ist richtig. Ich habe vor drei Jahren angefangen für Zeitschriften für zeitgenössische Kunst zu schreiben. Meine erste Zusammenarbeit erfolgte mit der französischen Zeitschrift « Particules », für die ich als Korrespondentin in Deutschland tätig war. Außerdem gehöre ich zum «Collège critique du Salon de Montrouge », ein Salon für französische zeitgenössische Kunst der sich an junge aufstrebende Künstler richtet. Sicherlich schreibe ich diese Texte, in denen ich das Gefühl habe Verantwortung als Kunstkritikerin zu tragen, am liebsten. Vor kurzem wurde ich von der deutschen Zeitschrift Monopol kontaktiert, für die ich einen Artikel über die junge Berliner Künstlerin Anne Neukamp geschrieben habe. Es ist mir wichtig die Künstler mit denen ich zusammenarbeite lange zu treffen. Ich versuche ihr Vorgehen zu verstehen, aber auch meinen Blick und mein Sensibilität mitzubringen. Ich behalte ein subjektives Auge während ich auch versuche den Lesern in einer Art und Weise die Arbeit des Künstlers näher zu bringen.

Ab nächsten Januar wirst du im Palais de Tokyo als Kuratorin arbeiten…
Ja, ich stehe mit Jean de Loisy dem neuen Direktor des Palais de Tokyo seit einigen Jahren in Kontakt. Vor einiger Zeit hat er mir die Stelle als Kuratorin angeboten. Ich bin von diesem Angebot hoch erfreut. Heute ist der Palais de Tokyo ein historischer Ort für die zeitgenössische Kunstszene, offen für überraschende Ausstellungskonzepte und ungewöhnliche Zusammenarbeiten. Ich werde weiterhin auf der Suche nach jungen Talenten sein, eine Beschäftigung die mich begeistert und für die ich seit mehreren Jahren Zeit und Energie investiere.

Erzähl mir von Deiner Wohnung! Was war Deine Inspirationsquelle?
Meine Wohnung ist eine Mischung aus alten Verweisen, aus Klassischem und aus Dingen die wesentlich trivialer sind. Die Mischung von Stilen interessiert mich. Für mich ist es eine Möglichkeit die heutige Ästhetik aufzufassen.

Du besitzt viele interessante Werke…
Ja, ich versuche soviel ich kann junge Künstler zu unterstützen, indem ich ihre Werke kaufe. Ich arbeite in der Kunst, sie ist aber auch einer meiner größten Leidenschaften. Ich liebe es von Kunstgegenständen umgeben zu sein. Einige Werke sind mir auch geschenkt worden, wie die Zeichnung von Daniel Otero Torres. Ich mag es zeitgenössische Werke mit modernen Stücken zu kombinieren.

Vor kurzem hast Du eine einmonatige Tour durch die Hauptstädte Europas gemacht… was war das Ziel dieser Reise?
Ich wollte schon seit langem sehen was in den anderen Städten Europas passiert und deren Kunstszene kennen lernen. Dort habe ich vor allem Galeristen und Künstler getroffen. Ich habe Städte ausgesucht die mich faszinierten, ohne dass ich dort jemals gewesen wäre (höchstens kurzzeitig) und die – aufgrund verschiedener Faktoren – heute auf historischer Ebene wichtig sind. Ich bin also alleine nach Brüssel, Athen, Istanbul und Warschau gereist. Andere Städte wie Prag oder Wien haben mich ebenfalls interessiert, aber diese musste ich mangels an Zeit auf ein anderes Mal verschieben.

In den letzten Jahren konnte man oft Kollaborationen von Modelabels und Künstlern wie Takashi Murakami und Louis Vuitton oder Christian Dior und  Anselm Reyle beobachten. Was denkst Du darüber?
Das interessiert mich nicht. Die Idee Kunst als Produkt zu sehen entspricht nicht meiner Kunstauffassung. Es berührt mich nicht. Ich finde es sehr gut, dass sich die großen Modehäuser für die Kunst interessieren. Aber ich finde, dass sie wie beispielsweise die Fondation Cartier in Paris die Kunst finanziell und aktiv fördern sollten.

Kann man einen Zusammenhang zwischen Mode und Kunst herstellen?
Tatsäschlich sind es zwei Universen die sich sehr nahe stehen und die sich auf die eine oder andere Art und Weise ergänzen können. Die großen Designer sind ebenfalls Visionäre die etwas Neues, was schockieren könnte oder zumindest irritiert, schaffen wollen. Sie transformieren und bearbeiten ihre Materie, die Farbe und die Form auf künstlerische Art und Weise. Ich denke dabei insbesondere an Hussein Chalayan, seine Kreationen sind unglaublich, wahrhafte Kunstwerke.

Wenn Du mir eine Bar, eine Boutique, einen Flohmarkt und eine Buchhandlung in Berlin nennen müsstest…
Als Bar würde ich die Bar 3 nennen. Es ist ein Ort an dem man sehr interessante Begegnungen macht. Aber ich habe auch sehr gute Momente im King Size, in Kneipen in Neukölln und bei der Arm & Sexy verbracht. Was die Boutiquen angeht bin ich Paris sehr treu geblieben, wo ich regelmäßig hin zurückgekehrt bin. Aber Andreas Murkudis ist eine gute Adresse. Bezüglich der Flohmärkte muss ich sagen, dass ich ein Faible für DDR Möbel und Mobiliar der 70er Jahre habe – Möbel die eben eine Geschichte haben. Es gibt einen Antiquitätenhändler unter den Gleisen zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke, wo ich richtige Schmuckstücke gefunden habe! Die beste Buchhandlung in Berlin ist ohne Zweifel „Motto“. Es ist mehr als eine Buchhandlung: Es ist ein Ort, der sehr offen ist für jegliche zeitgenössische Kreation, der die aufstrebende Szene unterstützt und der jungen Künstlern die Möglichkeit bietet ihre Editionen zu verkaufen.
Aber was ich vor allem von Berlin mitnehme ist die Erfahrung sich an überraschenden Orten wieder zu finden, von denen man noch nicht mal gedacht hätte, dass sie existieren. Für mich ist es wichtig sich aus der Welt der Kunst zurückziehen zu können, zu sehen was außerhalb dessen passiert. Daher habe ich nicht wirklich einen Lieblingsort, sondern nur gute Erinnerungen an sehr verschiedene Orte.

Was sind Deine Pläne für 2012?
Zurzeit bereite ich die Texte für den Katalog eines jungen Künstler vor, die eine Reihe von Fotos in Fußballstadien zum Thema Fanatismus der Fans gemacht hat. Es ist recht faszinierend! Daneben suche ich Künstler für die nächste Edition des Twin Magazin aus. Und ich bereite meinen Anfang im Palais de Tokyo vor. Ich hoffe noch die Zeit zu finden auch unabhängige Ausstellungen machen zu können. Man hat mir eine Ausstellung in einer Tiefgarage in Paris vorgeschlagen, eine Sache die mich natürlich reizt! Und ein anderes Projekt in Moskau wir gerade diskutiert.

Das klingt spannend. Viel Erfolg dabei und danke für das Interview!
Mehr Infos zu Rebeccas Projekten findet ihr auf ihrem Tumblr.

Interview: Chloé Stückelschweiger
Photos: Philipp Langenheim