Sabine-Lydia Schmidt

Wann immer man an die Mainmetropole denkt, kommen einem endlos reproduzierte Bilder von Wolkenkratzern und Menschen in Anzug in den Sinn. Die florierende Kulturszene Frankfurts ist im kollektiven Bewusstsein weniger verankert. Musikliebhaberin und Labelbetreiberin Sabine-Lydia Schmidt hat ihr Schaffen ganz unter die Prämisse gestellt, dies zu ändern.

Dass sie nicht nur ein breites musikalisches Wissen, sondern auch ein gutes Auge für ästhetische Fragen hat, merkt man, sobald man ihre Wohnung betritt. An der HfG Offenbach studierte sie Visuelle Kommunikation bevor sie mit Sound Design das Fach und die Stadt wechselte. Von Darmstadt verschlug es die umtriebige Hessin dann nach Moskau, wo sie für Soundkünstler und Galerien arbeitete, bevor sie nach Frankfurt zurück kam.

Nachdem sie Konzerte in Frankfurt und Umgebung organisierte, ging sie 2011 einen Schritt weiter und gründete „Unbreakmyheart“, ein kleiner Musik Verlag der aufstrebende Künstler wie Young Hare oder The End and the Start vertritt und den sie als Managerin heute leitet. Ihr tägliches Leben ist genau wie ihre Berufswahl eng an das soziale und kulturelle Netzwerk gebunden, dass sie sich über die Jahre aufgebaut hat und von dem sie uns bei unserem Besuch berichtet.

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Frankfurt ist ja nicht umbedingt für seine underground Kulturszene bekannt – was hat dich hergebracht?
Hier hergekommen bin ich hauptsächlich weil in der Nähe von Frankfurt geboren bin. Es wohnen viele Freunde noch hier und ich bin schnell zuhause. Das sind auch die Gründe warum ich hier bin. Ich habe mir in Frankfurt inzwischen ein Netzwerk aufgebaut. Viele Freunde sind Illustratoren, Designer und Photographen, Musiker und Tontechniker und wir helfen uns wo wir können. Es ist eben alles vor der Tür. Mein Studium für Visuelle Kommunikation gibt mir auch die Möglichkeit diese Dinge zu verwirklichen. Mein Vordiplom habe ich mit der Gründung des Labels Unbreakmyheart gemacht und steuer jetzt auf mein Diplom zu und ob ich danach weg gehe, das weiss ich nicht.

Das Gebiet um den Bahnhof und den Rotlichtbezirk wirkt wie ein Schmelztiegel – kulturell als auch unter Gesichtspunkten der Gentrifizierung. Warum lebst du hier?
Hauptsächlich wegen dem Essen. Im Bahnhofsviertel gibt es wirklich alles: Vietnamesisch, Indisch, Japanisches Essen, auch wenn du einkaufen gehen möchtest ist alles da. Es gibt überall kleine Supermärkte wo ich die schärfsten Chilis kaufen kann. Am liebsten gehe ich afrikanisch essen. Es gibt hier aber auch viele kleine Galerien, Studios und nette Bars wie das ‚Plank‘, und die ‚Intimbar‘, in der Tat ein ehemaliger Stripclub in diesem verrufenen Viertel.

Es ist immer was los, 24 h. Zwei Straßen weiter ist schon der Main und es wird grün. Hier ist es auch noch relativ günstig. Ich wohne zur Zeit im Gutleutviertel, ehemaliges Arbeiterviertel auf der Rückseite des Bahnhofs. Die Wohnung habe ich über einen Protestverteiler gefunden, eine alt linkes Pärchen hat hier drin gewohnt, die ich auch persönlich kannte, sie haben mir die Wohnung überlassen, der Mietvertrag ist 17 Jahre alt. Das ist wahrscheinlich einer der letzten Einzelfälle hier in der Gegend.

Frankfurt ist ja, neben Berlin, eins der deutschen Zentren für elektronische Musik, House und Techno. Wie gliedert sich die Arbeit mit deinem Label da ein?
Mit dem Label bin ich vom Musikgenre her sehr offen, in erster Linie unterstütze ich meine Freunde. Die musikalische Spannweite meiner Shows ist sehr groß, wobei bei es bei ‚Unbreakmyheart‘ eher Richtung Indie und Pop geht. Wir würden jetzt gerne einen Remix machen lassen von ‚Young Hare‘, und ich habe schon Kontakt zu verschiedenen Artists, die mehr aus der elektronischen Ecke kommen, ich bin sehr gespannt.

An sich ist mein Zugang zu House bzw. elektronischer Musik ist nicht so groß, ich bin kein Clubgänger. Ich gehe gerne auf Konzerte, für mich zählt das Live Erlebnis. Die Band, die Performance, der Sound. Ich komme vom Punkrock und aus der DIY Szene. Die Leute sind in jeder Szene offen, die Künstler, aber auch die Labelbetreiber und Promoter machen ja vom Ding her alle dasselbe und in der Kulturindustrie versucht sich jeder nur seinen Platz zu schaffen. Das größere House Label versucht es genauso wie das kleine Indie Label. Und alles was fernab vom Mainstream passiert unterliegt den gleichen Mechanismen. Schnittstellen gibt es auch; das Masteringstudio für unsere nächste Platte von ‚BDYBLDNG‘ und ‚Young Hare‘, ‚Dubplates and Mastering‘, wurde uns wiederum vom ‚Live At Robert Johnson‘ Label empfohlen. Da wäscht eine Hand die andere.

Leben und Arbeiten in der Mitte von Europa – ist das für dich ein wichtiger Faktor?
Zuerst glaube ich, Frankfurt vom geografischen Standpunkt her ist für mich sehr hilfreich. Viele Bands die auf Tour gehen, bekomme ich über Bookingagenturen angeboten oder schreibe ich selbst aufgrund meiner Routing-Beobachtung an. Viele starten Ihre Europatour von Frankfurt aus und haben dann am ersten Tag gelegentlich einen Offday d.h. dass sie den Tag in Frankfurt haben zum Ausruhen, und dann werde ich gefragt ob sie Abends nicht doch ein kleines Konzert spielen können. Da wird auch manchmal ein bisschen runtergefahren und es wird gesagt, so wir brauchen nicht so viel Equipment, oder wir spielen eine Acoustic Show.

Zum anderen, klar, von Frankfurt aus kann man überall schnell hinreisen. Ich bin selbst oft auf Konzertreisen. Wenn ich Bands sehen will fahre ich auch gerne mal nach Luxembourg, Köln oder Leipzig. In Bezug auf den europäischen Standpunkt; Ich habe eine zeitlang in Moskau gelebt und bin erst im Frühjahr 2011 zurückgekommen. Den Unterschied kann man sich kaum vorstellen, wie sehr Subkultur dort eingeschränkt wird und auch staatlich, politisch unterbrochen wird. Da habe ich wieder gewusst wie glücklich wir doch hier sein können, wie frei die Subkultur hier blühen kann, auch wenn es immer wieder tragische Schliessungen von Kulturzentren gibt.

Hier, in Mitteleuropa, kann man ja auch mit der Stadt verhandeln, zum Beispiel in Bezug auf Objekt Zwischennutzung, Offspaces. In Moskau funktioniert so etwas nicht, es wird alles unterbunden, da kann man sich nichtmal als Gruppe mit 10 Leuten in den Park setzen und Musik vom Handy spielen. Das wird sofort von Bullen gekappt und kontrolliert. Die Polizei kommt zu Konzerten und schließt einfach die Bar, oft ohne Begründung. Was in Moskau passiert ist eine Kulturrepression. Schade.

Für deine Arbeit ist ja das lokale Netzwerk sehr wichtig. Würde das auch an einem anderen Ort funktionieren?
Durch die Erfahrung in Moskau habe und gemerkt wie sehr mir Frankfurt gefehlt hatte. Zum anderen habe ich aber auch ganz schnell Leute kennengelernt die das gleiche machen in Russland wie ich hier. Menschen die Konzerte, Lesungen und Ausstellung organisieren und da habe ich mich gleich angeschlossen. Ich merkte wenn ich von hier weggehen würde, würde ich das gleiche machen, ich würde nicht weggehen um was anderes zu machen. In anderen Städten gibt es auch gute Promoter, Clubs und Labels. Ich kann mir jedoch gut Kollaborationen vorstellen, z.B. mit ‚Altin Village‘ aus Leipzig. Eine gemeinsame Tour ist auch schon in Planung. Ich habe ein tolles freundschaftliches Netzwerk, in so vielen Ländern, zu so vielen Leuten die das gleiche machen, man kennt sich und man hilft sich. But Home is where my broken heart is.

Wie stehst du zu Vinyl?
Dass ich entschieden habe Vinyl und Tapes zu machen, bzw. dynamische analoge Medien ist zum einen – man braucht sich nichts vormachen: Der Klang. Ich brauche keinen komprimierten Mp3 Sound. Wenn ich mir Musik kaufe dann soll die bestmöglich rüberkommen, und der Klang einer Platte ist viel präsenter als ein digitales file. Es war für mich schon immer klar, Vinyl. Wir bieten aber auch parallel Downloadcodes an. Ich habe von einem Freund aus den USA, Bandmitglied einer Hardcore Screamo Band der Programmierer ist, ein Programm geschrieben bekommen, dass es möglich macht Downloadcodes zu erstellen. Wieder ein DIY Tauschfaktor, ich hätte sonst etwas vergleichbares kaufen müssen.

Wir machen zu jeder Platte die doppelte Anzahl Downloadcodes, die geben wir dann bei Konzerten raus, oder mit einer Postkarte. Ich mag farbiges Vinyl. Wir haben jetzt die ‚Young Hare‘ Platte in marbled Smokey Pink produzieren lassen. Super schön wenn man es in die Sonne hält und es glitzert. Das ist wie wenn man als Kind Edelsteine gesammelt hat. Man hat was mit Vinyl in der Hand, mehr als mit einer CD oder einem USB Stick auf dem irgendwas drauf ist. Das Artwork spielt eine Rolle, das Cover, Inlay, das Papier und die Texte. Alleine das Cover hat schon einen Flair wenn es liebevoll gestaltet ist. Wir gestalten mit den Bands gemeinsam alle Platten und Tapes und ich nummeriere sie noch von Hand. Jetzt habe ich seit einigen Wochen, ganz frisch, einen Online Shop, und ich verschicke gern noch jedes Päckchen in Geschenkpapier.

Wie wichtig ist die das Sammeln von Büchern und Kunst?
Ich stelle mir die Frage: Ab wann man sammelt? Ab 3 Stück? Das ist ein schmaler Grad, dann sammle ich ja alles mögliche. Ich kaufe viele Bücher auf dem Flohmarkt, vor allem viel Poesie, Neue Lyrik. Das liest sich wie Songtexte. Ich gucke auch lieber Serien als Filme. Und das ist auch beim Lesen so, bevor ich einen Roman anfange, dann lese ich lieber Lyrik.

Ich habe auch Photographie Prints, Siebdrucke und Fanzines, die aber eher mit Musik zusammenhängen. Ich sammle auch viele Publikationen von Illustratoren, also Siebdruckmagazine. Und vor allem sammle ich Konzertposter und Kunstdrucke. Das ist auch was wir selbst machen. Ich lege viel Wert auf schöne, selbstgestaltete Konzertflyer, Poster oft auch limitiert. Wir machen manchmal Offset Poster die wir in Kupfer mit der Hand drucken, Siebdruckflyer, kleine Visitenkarten die auch mit der Hand beschrieben werden. Die verteilen wir dann auf Konzerten – als würde man seine eigene Telefonnummer für ein Date aufschreiben. Platten und Tapes sammle ich natürlich auch zuhauf.

Ich habe auch die Bukowski Gedichte bei Dir gesehen.
Ja, davon sehr viel. und viele Bücher über Popgeschichte, viel Sachliteratur. Es ist auch für mich ein Breites Feld. In meinem Studium habe ich praktisch wie theoretisch einen Fokus auf Sound, Musikgeschichte, Popkultur.

Ich habe in der Wohnung, unter dem Dach ein Studio, das ist ein unausgebauter Dachboden, mit Strom und Wasser, alles da. Richtig groß. Man erreicht Ihn über eine kleine Leiter, er bietet zum einen Platz zum Sachen sammeln, zum anderen haben wir ihn auch mal umgebaut zur Gesangskabine um dort Teile der neuen ‚Young Hare‘ Platte selbst aufzunehmen. Der Sound ist da total trocken und besser als ein Studio. Es schlafen auch viele Bands dort und es hat sich irgendwie schon als Tour Hotel etabliert. Ich bin, glaube ich, eine gute Gastgeberin und ich freue mich immer wenn ich Besuch habe, nehme gerne Leute auf und höre Geschichten und Tratsch aus aller Welt.

Die Stadt Frankfurt hat ja immense Probleme mit Leerstand von Büro- und Ladenflächen aber gleichzeitig gibt es für unabhängige, kleine Kulturprojekte zu wenig Platz. Wie siehst du dich in diesem Kontext?
Zunächst, habe ich jahrelang Konzerte in der politischen Linken organisiert. In einem ehemaligen Hörsaal der Uni Frankfurt, gleich neben dem Institut für Sozialforschung gelegen. Dort habe ich jahrelang Konzerte gemacht und es hat jetzt einige Jahre gut funktioniert, bis auf dieses Jahr, in dem das Gebäude verkauft wurde. Es findet momentan ein Kampf darum statt. Das Stadtparlament versucht den Rücken freier Kulturzentren zu stärken, die Investoren lassen sich davon jedoch nur schwer begeistern..

Dann gibt es Möglichkeiten der Zwischennutzung, Investoren, die Leerstand für Kreative anbieten. Dadurch hatte ich auch für einige Zeit mein Atelier bekommen unter der Bedingung nach einer Weile wieder auszuziehen. Haben wir aber als Proberaum genutzt. Damit werden die Grundstücke eben aufgewertet bis die Institution weiterverkauft oder kernsaniert wird. Das ist eine Allgemeinpraxis in Frankfurt. Das ‘Atelier Frankfurt’ muss auch 2013 umziehen, vielleicht werde ich im alten Gebäude aber bis zum Umzug noch Shows organisieren. Manchmal veranstalte ich kleine Konzerte im Azita Store, einer tollen Ladenfläche in der Innenstadt, in der ich auch arbeite und im Sommer ein Pop-Up-Büro hatte.

Leerstand tut mir immer weh, man muss aber gucken dass man zentral bleibt, und nicht in einer Lagerhalle ausserhalb der Stadt landet. Meine Tugend ist flexibel zu sein, und den Riecher zu haben was in welcher Location funktioniert. Ich habe auch bisher noch nicht ins Klo gegriffen, es hat beim Open Air noch nicht geregnet.

Wie schätzt du die kulturelle Entwicklung von Frankfurt ein?
Frankfurt ist schon immer ein Standort des Europäischen Kapitalismus gewesen und viel Kultur spielt sich auf dem Weg des geldbringenden Mainstreams ab, keine Frage. Viele neue Clubs entstehen, haben ein Programm dass ich finanziell nicht nachvollziehen kann, angefangen von den Eintrittspreisen die horrende sind. Gar nicht auszudenken, was bei den neuen Gema Tariferhöhungen noch bevorsteht. Das muss echt verhindert werden.

Ich möchte meine Veranstaltungen für alle zugänglich halten. Es geht mir auch nicht darum finanziell viel daraus zu schöpfen, ich möchte selbst realisieren was mir Spaß macht. Diesbezüglich wird auch viel von Kulturpessimismus gesprochen, es ist in aller Munde, aber ich glaube Frankfurt hat viel Potential, viele Leute, die sehr motiviert sind.

Ich wünsche mir dass ich frei und unabhängig mit dem Weitermachen kann was ich mir aufgebaut habe. Ich stecke da viel Herzblut rein. Ich verdiene damit nicht viel Geld, aber ich möchte Freunde unterstützen, Musik verbreiten und Menschen schöne Abende schaffen. Ich wünsche mir eigentlich, dass der DIY Spirit mit dem ich aufgewachsen bin, dass das kreative, innovative, flexible und vor allem idealistische was ich mitbringe, dass ich das auch in der modernen Arbeitswelt unterbringen kann und in ein Umfeld komme dass das auch wirklich noch tragen kann.

Danke, Sabine für das interessante Interview! Wer mehr über ihre Arbeit erfahren will, kann dies hier tun.

Fotos: Marc Krause
Interview: Inga Danysz