Es werde Licht: Wo Lampendesigner Thomas Melssen Inspiration für seine Entwürfe findet
Flohmärkte und verlassene Areale bieten dem Wahlkölner eine perfekte Fundgrube, Cologne
MINI × FvF
Interviews > Es werde Licht: Wo Lampendesigner Thomas Mel…

Thomas Melssen hat in seinem Leben bereits vieles ausprobiert. Der 43-Jährige arbeitete als Elektriker und Tätowierer, reiste jahrelang als Globetrotter durch die Welt.

Heute ist er der kreative Kopf und die Hand hinter der Lampenmanufaktur „Funzel baut Licht“. Der Designer- und Konstrukteur nimmt uns mit auf eine Tour durch seine Wahlheimat Köln und zeigt uns seine Lieblingsorte – Plätze, die ihn inspirieren und an denen er zur Ruhe kommt. Es beginnt auf einem Trödelmarkt in Köln-Porz. Hier findet man Thomas regelmäßig – immer auf der Suche nach Material für den Bau seiner Lampen.

„Normalerweise komme ich schon um sechs Uhr, denn später sind die besten Sachen oft schon abgegriffen, da blutet mein Herz “, sagt Thomas, während er die Stände rechts und links von sich betrachtet. Mütter mit Kinderwagen, pubertierende Jungs und Rentner mit Jutebeuteln werfen prüfende Blicke auf die Auslagen mit getragenen Schuhen, alten Kuscheltieren und Bildern von röhrenden Hirschen. Die Händler plaudern und taktieren – wer schaut nur und wer will wirklich kaufen? Und vor allem: Wie viel sind die potentiellen Kunden bereit zu zahlen?

Unterwegs in Köln

Für Thomas Melssen ist der Trödelmarkt am Autokino Inspirationsquelle und Warenlager gleichermaßen. Metall – in welcher Form auch immer – bildet häufig die Grundlage für seine Designs. Er ist spät dran heute, aber er hat Glück. Nach einigen Minuten entdeckt er gleich an einem der ersten Stände eine antike Handbohrmaschine. „Was willst du dafür haben?“, will er vom Verkäufer wissen. „Zehn Euro“, antwortet der. Thomas schüttelt den Kopf: „Fünf Euro.“ Und ergänzt leise: Man muss immer gleich die Hälfte vom Preis nennen, dann kann man sich besser annähern.“ Am Ende zahlt Thomas acht Euro. Der Händler hat sich durchgesetzt, Thomas ist dennoch zufrieden. Seine Laune steigt noch, als er am Nachbarstand eine Wäschekiste voller altem Schuhmacherwerkzeug entdeckt. Eine wirkliche Fundgrube! Was er damit genau anstellen wird, weiß Thomas noch nicht genau, „Das Wichtigste ist das richtige Material, die zündenden Ideen kommen dann später nach und nach.“

Thomas' Wohnung in Deutz

Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1678
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1687
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1714
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1798

„Das Wichtigste ist das richtige Material – die zündenden Ideen kommen dann später nach und nach.“

Überstürzen ist nicht Thomas Art. Er geht Dinge langsam an, nimmt sich Zeit und hat keine Angst, sich umzuorientieren und neue Projekte anzugehen. Das hat er immer so gehalten in seinem Leben. Später, im Auto, auf dem Weg zur nächsten Location, erzählt er davon, wie er nach seiner Ausbildung zum Elektriker und einigen Jahren Angestelltendasein acht Jahre lang durch die Welt reiste – durch Mexiko, Guatemala, Honduras, Frankreich und Spanien – und nur einige Wochen im Jahr, immer im Sommer, nach Deutschland zurückkehrte, um Geld zu verdienen und in dieser Zeit in einem alten VW-Bus wohnte. Diese Reisen haben ihn geprägt, bis heute ist ihm die Nähe zur Natur wichtig, einen Platz zu haben, an dem er zu sich selbst kommen kann.

Nur wenige Kilometer vom Porzer Flohmarkt entfernt liegt das Areal einer verlassenen Militärbasis. Früher wohnten hier Soldaten, drehten ihre Runden über das weitläufige Gelände. Heute sind die Häuser abgerissen, die Menschen weggezogen – die Natur erobert sich den Ort zurück. Als Thomas aus dem Auto steigt, herrscht Stille. Ein ausgebranntes Moped und ein altes Sofa sind die einzigen Überbleibsel aus der alten Zeit. Wann er das erste Mal an diesen Ort kam, weiß Thomas nicht mehr. Aber er ist immer wieder zurückgekehrt: „Hier kommt richtige Ruhe auf, man merkt gar nicht, dass man mitten in der Stadt ist.“

Es wird Zeit sich das Herzstück seines Lebens anzuschauen. Es geht in den Kölner Westen. Thomas fährt in seine Werkstatt, die auch gleichzeitig sein Laden ist. Einmal die Woche, immer Samstags, öffnet er sein Heiligtum für seine Kunden, auf Anfrage auch häufiger.

Trödelmarkt am Autokino in Köln Porz

Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0042
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0239
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0261
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0005
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0385

„Alte Dinge finde ich faszinierend. Sie haben Patina, sie haben gelebt, sie haben Geschichte, sie haben Seele.“

Ursprünglich war das Bauen der Lampen ein Zeitvertreib, eine Art Hobby. „Ich habe immer wieder Gegenstände und Materialien gefunden und gedacht, dass man daraus doch etwas machen kann. Alte Dinge finde ich faszinierend. Sie haben Patina, sie haben gelebt, sie haben Geschichte, sie haben Seele.“ Irgendwann wurde daraus ein Geschäft. „Ich hatte ein Gespür dafür entwickelt, was die Leute mögen könnten – und zwar bevor die Sachen in anderen Läden auftauchten.“

Der Erfolg kam für Thomas überraschend und war auch ein Lernprozess. „Anfangs habe ich die Kunden in einem alten afrikanischen Fliegeroverall aus den 80er-Jahren in meiner Werkstatt empfangen. Das war authentisch, das war der Handwerker in mir, doch ich merkte, dass das den Leuten zu viel war.“ Heute verkauft er im Jackett, „und merkwürdigerweise nehmen mir die Leute nun mehr ab, dass ich Ahnung von meinem Metier habe“, erzählt Thomas.

Nach seinem achtjährigen Nomadentum kehrte er eines Tages ganz nach Deutschland zurück – im Gepäck die Idee von einem eigenen Geschäft. Thomas verkaufte seinen geliebten Mercedes und mietete eine Werkstatt an, damals noch im Agnesviertel in der Kölner Innenstadt. Der Wechsel auf das Gelände in Köln Junkersdorf – mit einer Hundepension und einem Schreiner als Nachbarn – war eine Bauchentscheidung, die Thomas jedoch zunächst unsicher machte. Würde es überhaupt Kundschaft in die etwas abgelegenere Gegend ziehen? Doch der Umzug entpuppte sich als der richtige Weg: Neben seinem Ladenlokal befindet sich der stadtbekannte Einrichtungsgeschäft „Geliebte Möbel“, dessen Klientel auch immer wieder in Thomas Laden hereinschaut – ein Glücksfall für den gebürtigen Dürener.

Altes Militärgelände in Porz

Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0651
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0516
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0606

Thomas' Werkstatt und Laden in Junkersdorf

„Ich sehe mich nicht als Künstler, ich sehe mich als Handwerker mit einem Gespür für schöne Dinge und dafür, was den Leuten gefallen könnte.“

Zeit für eine Pause. Thomas entscheidet sich für das belgische Viertel in Köln, das berühmt ist für seine gemütlichen Cafés, schönen Geschäfte und interessanten Menschen. Ins Woyton, ein Café, eingerichtet im angesagten Industrie-Design, kommt Thomas regelmäßig zum Kaffee trinken – und zum Arbeiten. „Hier habe ich alle Lampen gemacht und aufgehängt.“ Thomas bestellt sich einen Espresso und erzählt von seinem letzten Dänemark-Urlaub, der ihm ebenfalls Inspiration für zukünftige Entwürfe bietet. „Momentan ist viel in Bewegung, Designs, die jahrelang gut liefen, gehen zurück. Der Trend geht hin zu kleinen, minimalistischen Lampen.“

Mit dem MINI geht es von Nippes aus über die Zoobrücke nach Köln Mülheim. Wenig später parkt Thomas das Auto in der Nähe eines alten, verlassenen Fabrikgeländes. Die teilweise verfallenen Gebäude sollen in Zukunft wieder genutzt werden, auf dem Gelände werden Wohnhäuser und Gewerbeeinheiten entstehen. Lange wird Thomas dort also nicht mehr herkommen können, umso wichtiger ist es ihm, den Ort zu zeigen, den er am liebsten – zumindest teilweise – mit nach Hause nehmen würde: Unter den Decken der größtenteils mit Glasdach ausgestatteten Hallen hängen riesige Industrielampen. „Was man daraus alles bauen könnte…“ gerät Thomas ins Schwärmen. Doch der Traum lässt sich nicht verwirklichen. „Sobald man an einer Stelle ansetzen würde, käme vermutlich das gesamte Gebäude herunter.“

Thomas' Lampendesigns

Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0817
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0807
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0882

„Hier kommt richtige Ruhe auf, man merkt gar nicht, dass man mitten in der Stadt ist.“

Am Ende eines langen Tages ist Thomas erschöpft, trotzdem lässt er es sich nicht nehmen noch einen kurzen Abstecher an den Rhein machen – bei einer waschechten Köln-Tour darf dies natürlich nicht ausgelassen werden. Thomas entscheidet sich für die Promenade in Deutz – seinem Heimatkiez. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf den Dom. Vom Rhein aus sind es nur wenige Meter bis zu Thomas nach Hause. Kaum öffnet er die Haustür, lässt sich erkennen, dass hier zwei kreative Seelen wohnen – Thomas Frau Mirjam ist Lehrerin für Deutsch und Kunst, sie interessiert sich für moderne Kunst und malt auch selbst. Beim Rundgang durch die Wohnung fällt der Blick mal hierhin, mal dorthin. Die Wohnung ist wie eine begehbare Interior-Zeitschrift – Inspiration findet man hier in jeder Ecke: Lampen auf den Tischchen, großflächige Bilder an den Wänden, liebevoll arrangierte Stillleben auf den Sideboards im Stil der 50er Jahre. Dann hört man fröhliches Brabbeln, Thomas zweijährige Tochter Mathilde kommt aus dem Garten herein. Zwei Tage in der Woche ist Thomas nicht Lampendesigner, sondern Vollzeit-Papa, dann ist er mit seiner Tochter alleine zu Hause. Als sie ein Baby war, nahm Thomas sie häufiger mit in den Laden. Heute will Mathilde vor allem eines: Dass ihr Vater mit ihr spielt. Der Abend klingt mit einem leckeren Barbecue aus – an einem von Thomas selbstgebauten Holztisch sitzend, der natürlich von einer seiner Lampen erleuchtet wird.

Café Woyton im Belgischen Viertel

Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1039
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0972
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-0990

Verlassenes Fabrikareal in Köln Mülheim

Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1199

Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1380
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1513
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1300
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1427
Freunde-von-Freunden-Thomas-Melssen-1248

Herzlichen Dank an Thomas Melssen für den spannenden Einblick in seine Arbeit und an seine Familie für ihre Gastfreundschaft. Einige seiner Designs lassen sich online bei 21 Gramm finden, einen Überblick über seine Projekte bietet Thomas’ Website.

Dieses Porträt ist Teil unserer “Guided and Curated” Serie, die FvF gemeinsam mit MINI Deutschland produziert und für die Persönlichkeiten mit unterschiedlichsten Hintergründen Einblick in ihre Lieblingsorte geben. Erfahrt mehr über den neuen MINI Cooper S 5-Türer, in dem Thomas uns mit durch Köln genommen hat.

Text: Marie-Charlotte Maas
Photography: Natalie Bothur