Vivien Weyrauch & Fabian Röttger

Düster, ausdrucksstark und hypermodern- die Videoarbeiten von Vivien Weyrauch und Fabian Röttger, aka. A Nice Idea Everyday, wirken schon beim ersten Hinsehen wie ein Blick durchs visuelle Schlüsselloch der Zukunft. Hier treffen blasse Vorstadtschönheiten mit Baseballschlägern auf abstrakte Lichtinstallationen im nächtlichen Wald, das Gitarrenspiel junger Indie Rocker wird mit negativ-Effekten zur ultra coolen Geste stilisiert und immer schwingt die Begeisterung der beiden für das technische Experiment mit.

Als wir uns auf dem Weg zur Wohnung von Vivien und Fabian machen, erahnen wir noch nicht, dass wir den Nachmittag in einer Oase verbringen werden, die sich nicht stärker von der kafkaesken Stimmung ihrer Videos unterscheiden könnte. Unweit der Bergmannstraße, in einem ruhigen Teil von Kreuzberg wohnen die beiden mit ihrer kleinen Tochter Faye, die grade Mittagsschlaf macht als wir zur Tür reinkommen.

Auf Zehenspitzen schleichen wir ins Wohnzimmer und machen es uns bei Haferkeksen und Tee auf dem Teppich gemütlich. Wir sprechen über Berlin als Lebensmittelpunkt, cineastische Vorbilder und warum Kanye West ihre Studentenzeit versüßt hat, bevor auch Faye dazu kommt und das Puzzle des kreativen Teams komplettiert. Ob für etablierte Bands wie The Knife oder eigene Projekte – seit Anfang ihres Studiums arbeiten die beiden Musikvideo-Regisseure gradezu symbiotisch zusammen. Eine Trennung zwischen Privatem und Beruflichem gibt es für sie nicht, alles gehört zum Projekt Leben.

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Seid wann seid ihr schon in Berlin und wo kommt ihr ursprünglich her?
Vivien: Ich komme aus der Nähe von Frankfurt und Fabian aus Würzburg. Nach dem Studium sind wir direkt hierhergezogen und leben jetzt schon zwei Jahre in Berlin. Es kommt mir aber schon total lange vor, weil in der Zeit soviel passiert ist. Allein Faye ist jetzt schon ein Jahr alt- das kam mir vor wie fünf Jahre und auch davor war viel los- wir sind angekommen, haben viele Leute kennengelernt und Projekte gemacht. Am Anfang haben wir in Neukölln gewohnt aber sind jetzt total glücklich mit unserer neuen Wohnung hier im Bergmannkiez.

Cooles Zelt habt ihr hier übrigens, woher kommt das?
Vivien: Das hab ich selbst genäht, ist so eine Patchwork-Technik, war echt viel Arbeit, das hatte ich sehr unterschätzt. Ich hatte irgendwo ein Kinderzelt gesehen und das hätte 300 € gekostet, da hatte ich mir gedacht, das kann ich bestimmt einfach selber machen. Im Endeffekt denke ich ist es wirklich 300 € Wert, nach nächtelanger Arbeit.

Kanntet ihr schon viele Leute hier oder war das ein kompletter Neuanfang?
Vivien: Fabians Bruder hat lange im HORT gearbeitet, dadurch kannten wir schon viele Leute. Das war natürlich auch arbeitsmäßig toll, weil wir gleich unser erstes Projekt, das “The Knife” Video, mit dem HORT gemacht haben.

Und wie hat sich das mit euren Jobs dann weiterentwickelt?
Vivien: Viel geht immer über die Website. Aber wir bekommen auch direkte Mails und Anfragen. Anfangs haben wir uns natürlich den Produktionsfirmen hier vorgestellt und über die “gepitcht”. Im ersten Jahr haben wir noch wenig gedreht, im zweiten Jahr wurde es dann immer mehr und jetzt haben wir auch noch eine Vertretung in London.
Fabian: London ist für uns sehr interessant, weil die Musik dort viel besser ist. Deutsche Jobs sind größtenteils ein Graus für uns. Es gibt natürlich auch wahnsinnig gute Sachen, aber die meiste Musik gefällt mir persönlich nicht so gut. Oft merkt man, dass die Künstler von vielen Leuten in eine Richtung gepusht werden und nicht selbst entscheiden was sie eigentlich machen wollen. In London haben alle ihren eigenen Style, den sie schon seit ihrer Jugend fahren und toll finden. In Deutschland sehen die Künstler oft ganz normal oder sogar spießig aus und werden dann von ihrem Label in spezielle Klamotten gesteckt, was man natürlich merkt und dadurch nicht wirklich spannend ist.

Arbeitet ihr durch eure Londoner Repräsentanz viel mit britischen Künstlern vor Ort?
Fabian: Eigentlich nicht. Die Künstler kommen alle sehr gerne nach Berlin zum Dreh.

Ja?
Fabian: Total! Berlin ist ein großes Ding für die gerade…
Vivien: …unser neuestes Video soll so einen 90s Vibe haben und Berlin bietet dafür echt viele spannende Locations.

Was hat euch nach Berlin gezogen?
Fabian: Primär waren es die Leute die wir hier kannten. Aber auch der Fakt, dass es eine Metropole ist. Jede andere Stadt in Deutschland kam da nicht in Frage. Für unser Diplomprojekt waren wir eine Zeit lang in L.A.- das wäre auch ein Ort wo wir uns vorstellen könnten mal hinzugehen.
Wir hatten uns mal überlegt ein House-Swap zu machen. Zum Filmen ist L.A. einfach traumhaft- du fährst raus und bist in der Wüste, hast Berge auf denen Schnee liegt, das Meer nebenan…
Vivien: Und es sieht einfach alles gut aus- die Häuser, das Licht, die Landschaft… du kannst mittags drehen, nachmittags, abends, nachts. Die Stadt ist unglaublich filmisch- natürlich weil man sie auch aus all den Filmen kennt. Als Kind habe ich so viele amerikanische Filme gesehen, dass es sich fast wie nach Hause kommen anfühlt.
Fabian: Ich fand es auch erstaunlich leicht dort zu drehen. Eigentlich dachten wir, dass man jede Minute von den Cops hochgenommen wird. Vor allem weil wir mit einer sehr großen High Speed Kamera gedreht haben. Die sieht so ähnlich aus wie ein Toaster und lässt sich nicht so schnell verstecken.

Aber es ist nichts passiert…
Vivien: Nee, irgendwie nicht.
Fabian: Dabei hatten wir auch noch Feuerwerkskörper dabei, was in L.A. totaler Schwachsinn ist. Die hatten wir in China-Town besorgt.
Vivien: Ja, es war wirklich wie bei den Simpsons. Du gehst nach China Town und dann zeigen sie dir in ihrem Laden so kleine “Sparkler”, dann sagt man “bigger”, sie schauen dich ein bisschen musternd an, holen dann ihre Socken aus dem Regal und zeigen dir die großen…

Seht ihr euch in Zukunft weiterhin als Musikvideoregisseure oder wollt ihr irgendwann auch mal Filme machen?
Vivien: Im Moment würde ich sagen Nein, es ist noch nicht die Zeit dafür. Aber irgendwann vielleicht mal…
Fabian: Ich denk mir das ab und zu, wenn ich Filme, wie den von Tom Ford sehe. Der ist schon wahnsinnig gut, aber auf seine Art auch recht einfach. Da kann man sich schon vorstellen, sowas auch zu machen. Eher als bei einem Film von David Lynch…
Vivien: Oder Godart! Das ist Wahnsinn wie viele Ideen da drin stecken. Da brauchen wir noch 20 Jahre Erfahrung.

Wie läuft das bei euren Musikvideos- wer entwickelt da die Ideen, wie viel wird von dem Künstler oder seinem Management vorgegeben?
Fabian: Im besten Fall gar nichts.
Vivien: Oft bekommt man ein Briefing mit einem Satz: “Open Brief – Artist doesn’t need to perform.”
Fabian: Oder „likes bubblegum.”
Vivien: Und halt den Song. Und dann wird gepitcht.

Wie kommt ihr auf Konzepte und Ideen? Habt ihr da eine Strategie entwickelt über die Jahre?
Vivien: Wir haben unglaublich viele Notizbücher mit Ideen und Momenten drin auf die wir zurückgreifen. Es passieren so viele skurrile Momente jeden Tag… Letztens habe ich zum Beispiel ein Kind auf einem Bürgersteig beobachtet. Es lag noch ein bisschen Schnee und das Kind saß auf dem Boden und wollte nicht mehr aufstehen. Andere Kinder haben dann eine Decke über es gelegt und ein Rollstuhlfahrer hat auf es eingeredet, das es doch aufstehen sollte. Es war so eine düstere Stimmung, aber eigentlich ist nichts schlimmes passiert. Ein anderes Mal haben wir nachts in Neukölln ein paar Leute gesehen, die Feuerwerkskörper gegen ein Haus geschossen haben. Eigentlich unspektakulär, aber gleichzeitig wunderschön und brutal. Der ganze Alltag steckt voller Motive wenn man die Augen auf macht.

Geht ihr eher vom Songtext aus oder von der Melodie wenn ihr an einem Musikvideo arbeitet?
Vivien: Eigentlich haben wir da immer verschiedene Ansätze, aber der Text ist oftmals am
unwichtigsten. Manchmal ist es lustig, weil der Text total auf das passt, was man schon als Gefühl für das Visuelle vorher hatte.
Fabian: Ich habe zum Beispiel eine Sammlung von vielen Moodboards und suche dann nach Bildern, die zu der Stimmung passen.
Vivien: Bei mir geht es eher über die Musik, ich hör mir den Song sehr oft in Ruhe an und mache mir aktiv Gedanken dazu, er darf nicht zuviel nebenher laufen- das ist bei Fabian genau umgekehrt.

Und ihr findet euch immer gut zusammen mit euren Ideen?
Vivien: Wir ergänzen uns.
Fabian: Bei den letzten Drehs war ich oft alleine, weil Vivien mit Faye zu Hause geblieben ist. Manchmal kam ich abends nach Hause und Vivien war fast entsetzt darüber, was ich gemacht hatte.
Vivien: Stimmt. Ich habe oft gesagt: “Das sind alles Stehende Bilder, das kann man nicht schneiden.” Aber irgendwie passt dann am Ende doch alles wie ein perfektes Puzzle zusammen.

Gibt es eine Rollenaufteilung?
Vivien: Ja ein bisschen. Ich schneide zum Beispiel immer alles…
Fabian: Und du kümmerst dich ums Styling. Das ist mir nicht so wahnsinnig wichtig.
Vivien: Es ist ein bisschen wie Ping Pong bei uns.

Wie arbeitet es sich als Paar zusammen?
Fabian: Also ich könnte es mir nicht mehr anders vorstellen! Unser Leben dreht sich um Faye und um die gemeinsame Arbeit.
Vivien: Man merkt immer wieder, wenn man mit anderen Leuten über ein Projekt spricht,
dass bei uns inzwischen eine Selbstverständlichkeit und Eingespieltheit vorhanden ist.

Habt ihr auch mal alleine gearbeitet?
Vivien: Nee, unser Teamwork hat schon im Studium angefangen- wir haben uns gleich am Anfang kennengelernt und von da an auch zusammen gearbeitet.

Und wolltet ihr schon immer Musikvideos machen oder gab es auch andere Vorstellungen?
Vivien: Es war schon immer mein Traum. Früher hab ich immer nach der Schule Mac Gyver oder MTV geschaut und bei dem schwarz weißen No Doubt Video von Mark Romanek wurde mir dann ganz bewusst: ja cool, ich werde Musikvideos machen.

Was ist mit Vorbildern?
Vivien: En masse.
Fabian: Unzählig. Ich schaue viele Dokus, und zuletzt war es Fellini der mich extrem fasziniert hat.
Vivien: Und Antonioni. Den mochte ich schon immer, aber fand “Zabriskie Point” eigentlich eher langweilig. So vor einem Jahr ist dann der Groschen gefallen. Da dachte ich, dass es wirklich ein Meisterwerk ist.Sonst gibt es natürlich noch ein paar Musikvideo-Regisseure, Romain Gavras zum Beispiel.
Fabian: Ansonsten noch Lynch, Hitchcock, Wes Anderson…

Die Stimmung in euren Videos ist ja häufiger recht düster…
Vivien: Ja, das stimmt. Aber auch humorvoll und auf eine Art verspielt. Wir sind einerseits die netten Eltern, und andererseits leben wir diese dunklen Visionen in unseren Videos aus.
Fabian: Sie sollen auf jeden Fall keine schlechte Laune verbreiten.

Was nervt euch am meisten beim ganzen Prozess eurer Arbeit?
Vivien: Die finanziellen und bürokratischen Sachen.

Und was ist das Beste?
Vivien: Das Beste ist, wenn man merkt dass der Schnitt funktioniert! Das Video ist dann zwar noch nicht fertig, aber man hat schon das Gefühl dass es funktioniert. Beim finalen Fertigstellen schaut man dann schon wieder zu viel nach Fehlern.
Fabian: Schön ist auch wenn man danach die ganzen Mails und Kommentare bekommt und liest.

Gibt es einen Musiker mit denen ihr gern mal zusammen arbeiten würdet?
Vivien: Also ich fänd M.I.A. super.
Fabian: Kanye West ist schon lange im Visier.

Hattet ihr mit dem nicht auch mal Kontakt?
Fabian: Nee nee. Aber wir haben uns tierisch gefreut, als er mal unser Video gebloggt hat. Da sind wir tagelang mit einem dicken Grinsen rumgelaufen. Das war das “Blue Roses” Video und wir waren damals noch Studenten.

Wie seid ihr eigentlich auf eure Technik gekommen-speziell auf die Shift-Technik?
Fabian: Wir haben alte Bilder gefunden, die waren so fusiert und hatten diese tolle 3D Optik, da war es für uns irgendwie naheliegend mal so zu arbeiten… Im Endeffekt war es natürlich viel, viel, viel komplizierter als wir es uns vorgestellt hatten. Dadurch dass sich der Punkt immer verschiebt, machst Du nicht nur ein Foto, sondern z.B. 25 Stück.
Vivien: Du musst wirklich auf alles achten und sehr genau arbeiten. Es darf sich nichts verschieben, sonst wackelt die Nase, sonst wackeln die Ohren.
Fabian: Für das neue Video haben wir die Technik nochmal ein bisschen verbessert. Die Bilder wackeln nicht nur hin und her, sondern schwenken auch von rechts nach links. Das wird dann aber in der Post Production unglaublich kompliziert.
Vivien: Wir haben zwei Woche lang eine Versuchsreihe gestartet und Fabian hat dabei alles in Tabellen festgehalten- die sehen aus wie von einem irren Professor…

Was macht ihr zum Ausgleich in eurer Freizeit? Habt ihr Hobbies?
Vivien: Videospiele! A lot!

Und welche?
Fabian: Ganz viel Super Nintendo.
Vivien: Oh ja- Street Fighter, Zelda, Arrow Fighter… Ansonsten mögen wir natürlich noch Magazine und Musik, Ausstellungen, Flohmärkte…

Vielen Dank euch beiden für den schönen Nachmittag und das interessante Gespräch! Wer mehr über die Arbeit von A Nice Idea Everyday erfahren will, sollte sich umbedingt ihre Website anschauen.

Interview: Cosima Walther
Text: Sarah Weinknecht
Photos: Philipp Langenheim