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FvF x Wirtschaftsagentur Wien: Wiens Kreative im Fokus
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Ob man schon mal in Wien war oder nur eine Vorstellung von der österreichischen Hauptstadt hat – eins verbinden die meisten mit ihr: manifestierte Klassik. Quer durch die Stadt scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die pompösen Gebäude der Altstadt, die verwinkelten Gassen mit Kopfsteinpflaster und die darauf klappernden Pferdehufe – all das lässt einen insgeheim ein Stoßgebet zum Himmel senden: “Was auch immer ringsum passiert, diese Stadt muss bleiben, wie sie ist. Für immer.”

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Die Schönheit, die Qualität und die tief verankerte Tradition machen die österreichische Hauptstadt zu einem unverzichtbaren europäischen Hotspot. Wer jedoch ein bisschen genauer hinsieht und sich dabei noch für das kreative Schaffen von heute interessiert, wird sofort mit dem Problem der Szene konfrontiert: durch das hochkulturelle manifestierte Erbe dieser Stadt haben es moderne Unternehmenskonzepte oft schwer, sich Gehör zu verschaffen.

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Einige haben es aber dennoch geschafft, sich durch moderne Ansätze in der Stadt zu etablieren. Ein gutes Beispiel dafür das vom französischen Architekten Jean Nouvell entworfene Sofitel: Der moderne Gegensatz zum Hotel Sacher, bei dessen Konzeption anstelle von traditionellen Elementen, Mondänes wie komplett schwarze Räumlichkeiten gerückt ist.

Fortschritte in der Kreativwirtschaft tun sich in Wien auch vor allem durch die exzellenten Ausbildungsangebote der Universität für angewandte Kunst und auch der ausgezeichneten Akademie der bildenden Künste auf: Sie locken immer mehr Kreative aus aller Welt in die Stadt.

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Dennoch: die gebürtigen Wiener reagieren auf neue kulturelle Errungenschaften und kreative Ansätze oft erst skeptisch. Zustimmung und Unterstützung zu bekommen ist keine Selbstverständlichkeit, worauf die jungen Kreativschaffenden in Wien allerdings angewiesen sind, um ihre Visionen ohne finanziellen Druck umzusetzen. Auch die Infrastruktur ist im Vergleich zu anderen Großstädten, die auch in diesem Bereich den perfekten Nährboden für Kreative bieten, nicht optimal gegeben. Um dieser Problematik langfristig entgegenzuwirken und die Kreativwirtschaft zu unterstützen, wurde 2003 die Förderungs- und Serviceplattform departure gegründet und bietet sowohl Start-Ups als auch bereits bestehenden Unternehmen und Projekten aus verschiedenen Bereichen die Möglichkeit ein sicheres Standbein aufzubauen.

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Kreative aus unterschiedlichen Segmenten – darum geht es auch bei Freunden von Freunden. Da Wien uns gerade aufgrund dieser aufeinander treffenden Kulturen neugierig gemacht hat, haben wir die österreische Haupstadt 2012 in unser Netzwerk integriert und Künstler wie Clemens Wolf oder Musiker Wolfram Eckert portraitiert. Anfang 2013 trafen wir Modedesignerin Helga Ruthner zum Gespräch, die es zusammen mit Hermann Fankhauser mit Wendy & Jim als eines von wenigen Wiener Modelabels geschafft hat, sich international zu etablieren.

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Umfangreich unterstützt hat uns bei diesen Produktionen Lukas Gansterer. Der in Wien lebende Fotograf, der seit Anfang an FvF Wien geprägt und aufgebaut hat, pendelt oft nach Berlin, schätzt aber seine Heimatstadt nach wie vor aufgrund der herausragenden Lebensqualität. Dass die Kreativszene zwar brodelt, das aber nicht unbedingt mit verlässlichen Jobs in dem Bereich einhergeht, hat Lukas am eigenen Leib erfahren.

Der siebte Bezirk beispielsweise wurde schon vor über zehn Jahren von einer Vielzahl an Studenten und Kreativen die von den günstigen Mietpreisen gelockt wurden, verändert. Das führt zwangsläufig zu Gentrifizierung. Der Quadratmeterpreis ist seither um teilweise 70 Prozent gestiegen und die „Zugezogenen“ erwachsen geworden. Der Bezirk hinter und entlang des Museumsquartiers, eines der zehn größten Kuturareale der Welt, ist somit eine Kreativoase voller „Do-It-Yourself“-Geschäfte und zeitgenössischer Konzepte wie das 25hours Hotel geworden, wo nun die neueste Generation der Kreativschaffenden gerne leben und arbeiten möchte, es sich aber bei weitem nicht leisten kann.

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Ein rasanter und jüngerer Veränderungsprozess hat in den letzten Jahren im zweiten und sechzehnten Bezirk stattgefunden. Orte wie die Ottakringer Bierbrauerei, der Brunnen- und Karmelitermarkt, begünstigten die Verdrängung der „Beiseln“ und den Aufschwung zu neuen „Trendvierteln“.

Gleichzeitig zeigt sich, dass sich immer mehr Leute für die neuen Ideen der Zugereisten oder auch heimischen Künstler und Kreativen öffnen, sich mit ihnen zusammenschließen und sie unterstützen. 

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Die von der Wirtschaftsagentur Wien gegründete eigenständige Wirtschaftsförderungsstelle für Unternehmen der Kreativwirtschaft ,departure, setzt genau hier an und schafft durch Serviceangebote, Entwicklung von Kreativclustern und die Stärkung von Kooperationen (zwischen Kreativwirtschaft, klassischer Wirtschaft, Wissenschaft und ExpertInnen) eine wirtschaftlich nachhaltige Basis für Kreative aus den Bereichen, wie Musik, Kunst, Design und Architektur. Mit dem Ziel eine wirtschaftlich nachhaltige Basis für Wiens Kreative zu entwickeln, wurden dadurch in 10 Jahren 1,657 hoch qualifizierte Arbeitsplätze neu geschaffen oder gesichert.

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Um die Kreativszene und die neue Perspektive in Wien noch besser zu beleuchten, haben wir uns entschlossen mit departure zu kollaborieren, um spannende Kreative der Stadt zu porträtieren. Informativen Input stellen uns dabei auch Wien Tourismus und weiteren Experten vor Ort zur Verfügung. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit in 2013 und die Möglichkeit deutlich zu machen, dass Wien beides kann: Tradition und Innovation.

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Text: Zsuzsanna Toth, Katharina Finke
Fotografie: Lukas Gansterer