FvF Mixtape #126: Leyya
Das Alt-Pop Duo über die Inspiration für ihre facettenreiche Soundästhetik.
Mixtapes > FvF Mixtape #126: Leyya

Sophie Lindinger und Marco Kleebauer sind gerade dabei, die Kategorie „Pop aus Österreich“ neu zu definieren. Trotzdem wäre auch das nur eine weitere Schublade, in die Leyya nicht so recht passt, denn starren Konzepten widersetzen sich die beiden. Sie experimentieren lieber.

In einer Sauna begegnet man sich als Fremde, aber nackt, wie man eben ist, ohne die Fassade der Kleidung, und dennoch kennt man sich eigentlich nicht. Es fühlt sich fremd und seltsam an, trotzdem angenehm vertraut, fast wie ein Déjà-vu. Das Gefühl, das man beim Hören von Leyyas kürzlich erschienenen Album Sauna bekommt, ist ähnlich, die Analogie passt also gut. Nachdem sie mit ihrem elektronisch-melancholischem Debut Spanish Disco international auf sich aufmerksam gemacht haben, findet man auf dem neuen Album ein schillerndes Spektrum an Klängen, Stimmungen und Referenzen. Psychedelische Bass-Lines und Saxophon, Schlagzeug Solos und Orgel können nicht nur auf einem einzigen Album koexistieren, sondern zusammen ein äußerst melodiöses Ganzes bilden. Das Ergebnis hat aber trotz stellenweiser Vielschichtigkeit noch genügend Leichtigkeit, um Spaß zu machen. Visuell ergänzt um an Pop Art erinnernde Videos erschaffen Leyya ihre eigenen Welten, in denen viel Spielraum für persönliche Interpretationen bleibt. Die warmen, satten Farben, organischen Sounds und Sophies spezielle Stimme wirken zusammen und schaffen es, die Sehnsucht nach Authentizität und Charakter im digitalen Zeitalter zu befriedigen.

Hier sprechen Leyya über das Ausbrechen aus Rollen und ihre unkonventionelle Arbeitsweise, außerdem haben sie einen bunten Mix aus Popsongs und Evergreens zusammengestellt.

„Sehr oft wird bei Formationen wie unserer vermutet, dass die Frau nur Sängerin ist und der Mann alles andere macht.“

— Sophie

Was hört ihr persönlich?

Marco: Viel Modernes einerseits, aber auch richtige Klassiker. 60s, Funk, sehr viel Stevie Wonder, Jackson 5. Diese alten Sachen haben ihren ganz eigenen Charme. Auch wenn wir im heutigen Kontext vieles anders machen würden, aber die Ausstrahlung dieser Evergreens finden wir sehr cool. Wir hören auch viel Musik zusammen und glauben noch an das Medium Album.

Sophie: Playlists sind eher dazu da, neue Künstler zu entdecken. Wenn mir etwas gefällt, dann hör ich mir vielleicht das Album an.

Marco: Ich finde im Idealfall sind das zwei separate Möglichkeiten, Musik zu hören. Eine Playlist hört man mit einer anderen Einstellung, davon darf man sich nicht das Gleiche erwarten. Ich glaube aber, ein Album von vorn bis hinten durch zu hören, in seiner Geschlossenheit, ist wichtig, um es zu verstehen. Das war auch unsere Einstellung bei Sauna.

Wie seid ihr musikalisch sozialisiert worden?

Sophie: Ich bin mit RnB und Pop aufgewachsen, mit viel Musik im Singer-Songwriter Bereich. Da gab es Musikerinnen, die mich als Teenager inspiriert haben, selber zu schreiben.

Marco: Meine Eltern haben immer sehr aktiv Platten aufgelegt und angehört. Das prägt mich bis heute.

Im Video zu eurem Song Zoo spielt ihr mit euren Rollen – man hört Sophies Stimme, aber Marco scheint zu singen. Wie laufen die Prozesse generell bei euch ab?

Sophie: Sehr oft wird bei Formationen wie unserer vermutet, dass die Frau nur Sängerin ist und der Mann alles andere macht. Ich schreibe zwar die Lyrics und Marco macht den Endmix, aber bei allen Schritten dazwischen – schreiben, aufnehmen, produzieren – arbeiten wir immer zusammen. Wir wechseln uns ab und ergänzen uns, weil wir uns auch nicht wiederholen wollen, in dem, was wir tun. Uns geht es darum, in der Kreativität, in der Arbeit, in jeglichem Bereich die Rollen zu hinterfragen.

Marco: Als Produzent habe auch schon gewisse Klischees zugeschrieben bekommen, zum Beispiel dass ich nur das technische Handwerk beherrsche, die emotionale Ebene aber nicht bedienen könne. Ich kann aber genau so einen berührenden Song schreiben. Das ist die Idee hinter dem Video. Dass dieser Rollentausch dann auch lustig ausschaut, kommt noch dazu. Auch diese oberflächliche Wirkung ist okay.

Was ist die Idee hinter eurem Blog Whatever Works, auf dem ihr einzelne Songs besprecht?

Marco: Immer wieder wollten Leute wissen, wie wir zu unseren Sounds kommen. Nachdem man heute recht einfach zu Hause am Laptop Musik machen kann, verliert das Studio immer mehr an Wichtigkeit. Wir wollten die Energie einfangen, die entsteht, wenn mehrere Musiker im Studio zusammen spielen. Wenn man immer noch so aufnimmt kann man dem Produkt eine eigene Handschrift verleihen. Wir sind keine Perfektionisten und machen auf sehr naive Art Musik. Ich will zeigen, dass man dabei auf Instinkte vertrauen soll, statt nach irgendwelchen Regeln vorzugehen. Nachdem wir also sehr unkonventionell arbeiten und ich generell sehr gerne darüber spreche, dachte ich, ein Blog wäre auch für Leute, die keine Musiker sind, unterhaltsam.

Freunde-von-Freunden-Leyya-Orgel

Danke, Sophie und Marco, für den Einblick in die Welt von Leyya und euren vielfältigen Mix.
Auf ihrem Blog kann man detailliert nachlesen, wie ihre Songs entstehen, alle Infos über zukünftige Konzerte gibt es hier.

Text: Pia Gärtner
Header Image: Meyrem Bulucek