Freunde von Freunden

Jonas Burgert
Artist, Studio, Weissensee, Berlin
Workplaces > Jonas Burgert

Inmitten fantastischer Farbspiele und erbarmungsloser Reigen aus Verstümmelung und Kontaminierung tummeln sich die Kreaturen des Malers und Bildhauers Jonas Burgert. Seine Schöpfungen allesamt Zeugen der fragwürdigen Brutalität menschlicher Natur. Jonas bemalt aber nicht nur metergroße Leinwände – mit dem Umbau einer alten DDR-Fabrik in ein hofartiges Atelierareal in Weißensee erfüllt er sich gerade seinen Lebenstraum. Bei unserer Ankunft rödelt der Betonmischer denn auch geschäftig vor sich her, Jonas entschuldigt sich deshalb erst mal für das schlechte Timing. Wir trotzen dem Baulärm und beginnen ein langes Gespräch über archaische Grundprinzipien des Menschen, den Gemeinsamkeiten von Malerei und Lyrik und worüber Künstlerfreunde beim Mittagessen quatschten. Am Ende fand es Jonas gar nicht schlecht, dass einige der Videosequenzen akustisch mit dem Getöse der Baustelle gespickt sein würden, so dass es den Zuschauer ein wenig quäle – das sei dann ein bisschen so wie beim Anblick seiner flirrend überbordenden Untergangsszenarien.

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Es scheint, als hättest du hier ein wahres Juwel von Ateliergelände aufgetan. Wie ist es dazu gekommen, dass du das Grundstück und die Gebäude übernehmen konntest?
Ich bin seit zehn Jahren hier in der Gegend, hatte mein Atelier aber erst auf der anderen Straßenseite in einer alten Industriehalle. Seit der Wende stand hier sonst alles leer. Als ich mich speziell für dieses Grundstück zu interessieren begann, hieß es erst, das Areal sei kontaminiert. Vor vier Jahren habe ich es mir genauer angeschaut, mit dem Umweltamt gesprochen und Gutachten eingeholt. Als die Belastung im Boden nicht bestätigt wurde, habe ich zugeschlagen. 30 große Müllcontainer Unrat haben wird dann vom Hof abtransportiert.

Wie konntest du trotz des ganzen Chaos eine Vision entwickeln für das Gelände?

Was mich erst mal interessiert hat, waren die tollen Proportionen und der Mix aus alten und neuen Gebäudeteilen. Besonders die Hallen aus den 70ern bieten perfekte Atelierbedingungen. Sie haben keine Säulen und sehr hohe Decken. Fortan lautete das Prinzip, wann immer ich Geld habe, baue ich sozusagen irgendwo eine Tür ein.

Wie gefällt dir die neue Rolle als Bauherr?

Die Rolle des Bauherrn ist nervig. Aber es ist genial, dieses Gelände zu entwickeln. Die meisten Künstler haben ja das Problem, dass sie immer ein bisschen einsam sind. Trotzdem will keiner in einer WG malen, denn viele Künstler in einem Raum führen meistens zu Stress. Hier hat jeder sein eigenes Studio und wir alle können kommen und gehen wann wir wollen. Dennoch ist keiner von uns alleine und am Mittag wird immer zusammen gegessen. Genau so war das immer mein Traum.

Und worüber redet ihr dann so beim Mittagessen?

Wir reden doch des Öfteren über Kunst. Aber anders. Unter uns reden wir eigentlich überhaupt nicht über den Inhalt. Ob Andreas ein Monster malt oder ich eine Giftflüssigkeit, ist uns selbst überlassen. Wir reden mehr über formale Dinge: Farbkontrast, Komposition, ob das Bild spießig oder spannend geworden ist. Man schaut das zu 90% abstrakt an. Wenn der Inhalt allerdings so richtig daneben ist, dann wird das auch gesagt.

Da geht’s ja immer auch um etwas Unaussprechliches, beim Kunst machen. Das ist so eine Art mythischer Akt, zumindest im Bewusstsein der meisten Menschen…

Es klingt einfach komisch, wenn man so persönlich redet. Klar, im Kontrast dazu ist es natürlich das, was die Außenwelt immer von uns wissen will, was wir innerlich empfinden beim Kunst produzieren. Hier setzen wir alle voraus, dass sich der Andere seine Gedanken macht und etwas nachvollzieht. Zusammen sind wir dann eher am „Wie“ des Prozesses interessiert.

Warum umgeben sich die Menschen mit Bildern, mit Kunst?

Wir als Künstler hätten ja gar keine Chance, wenn nicht alle Menschen sehnsüchtig wären und die Illusion als Teil des Lebens wahrnehmen würden. Wir sehen ja auch in der Wolke ein Gesicht. Wir haben dazu eigentlich gar keine Veranlassung, aber trotzdem sehen wir überall irgendetwas. Wir wollen mehr sein als das, was wir sind.

Was ist denn schlimm an der Realität?

Für uns ist Realität meist gleichbedeutend mit Normalität. Ich male zwar erkennbar. Das ist aber kein Realismus oder Naturalismus. Ich will nicht, dass man eine bestimmte Person erkennt. Bilder verlieren an Kraft, wenn die Realität zu stark einbezogen wird. Wir suchen im Bild nach Symbolen, nicht nach Erna Müller oder Peter Meyer. Sobald die Person auf dem Bild konkret wird, ist diese Phantasie weg. Realität existiert sowieso, aber das Illusionistische kommt dazu wie ein Subtext, als eine Art von Sehnsucht nach dem, was sein könnte. Deswegen muss Kunst, die ganz aus dem Ready-Made besteht, sehr stark symbolisch werden in ihrem Zusammenhang.

Die rationalen Parameter müssen weg, strebt man das Surplus der Kunst an?

Wir wollen das illusionistische Rechteck als Aktionsfläche. Wir sind angelegt, dahingehend Dimensionssprünge zu machen. Wir können einen Bierdeckel nehmen, Punkte drauf malen und sagen, das ist ein Sternenhimmel. Das funktioniert nur, weil wir diese Illusionsfläche akzeptieren. Wir stellen unsere Wertigkeiten auf diesen Rahmen ein. Das ist völlig irre. Die Illusion ist auch nicht nur einfach eine Fiktion. Die Illusion gehört zu unserem Leben. Deswegen weinen die Leute im Kino. Es spielt nicht mal eine Rolle, ob dein Bewusstsein weiß, dass das ein Betrug ist, wir weinen trotzdem. Wir berichten immer stolz von unserem Verstand, dass alles einzuordnen ist. Dabei sind wir von unseren illusionistischen Sehnsüchten gesteuert, überall und dauernd.

Du beschäftigst dich dennoch viel mit Fotografien der gegenwärtigen Berichterstattung, auf denen Revolten, Massenversammlungen oder Müllhalden abgebildet sind. Was entnimmst du dieser Form von Realität?

Wenn derartige radikale Situationen entstehen, die auf diesen Bildern festgehalten sind, kommt ein archaisches Grundprinzip der Menschen zum Vorschein. Was mich interessiert, ist das, was uns als Menschen schon immer beschäftigt hat und was uns auch in Zukunft beschäftigen wird. Wenn alles zusammenbricht oder eine Extremsituation entsteht, dann kommen die essentiellen Fragen auf den Tisch. Die ganze Dekoration ist dann weg, diese ganzen Putten. Man gleitet dann über in ganz andere Zusammenhänge und in viel längerfristige Gedankengänge. Deswegen interessiert mich die ganz weite Vergangenheit genauso wie weit entfernte Zukunftsmodelle.

Hat das was mit Verfall und Wiederaufbau zu tun?

Was ist denn die lineare Bewegung? Mit welchen Sehnsüchten dekorieren wir unsere Evolution? Wir versuchen immer wieder, Kulturen zu bauen und zu erschaffen, aber dann zerbrechen sie wieder und zerfallen. Dann kommt der Wechsel. Und je mehr man sich mit diesem Zyklus beschäftigt, desto unwichtiger wird es auch, wo man jetzt den Klecks auf die Leinwand aufträgt. Das wird dann albern. Als Maler will ich an die Basis ran. Wo ist das Wirkliche? Was passiert, wenn die Menschen nachts nach Hause gehen und ihre Türen zumachen? Sie werden zu anderen Personen als jene, die sich in der Gesellschaft verhalten. Die radikale Säuberung von dieser ganzen Unterhaltung, das interessiert mich. Es muss einen Bereich geben, wo man nicht auf den schnellen, kleinen Applaus aus ist, sondern an die Dinge rangeht, die unangenehm sind – auch auf die Gefahr hin, dass es pathetisch ist.

Das Verbrechen des Ornaments? Andrerseits sagtest du doch gerade, das Illusionistische ist unser Ursprungsbedürfnis. Ist da kein Widerspruch? Was ist denn dein Prinzip von Wahrheit nun?

Das ganz Grundsätzliche ist für uns Menschen gefährlich. Es ist ganz dünnes Eis und wir wissen nicht, wie wir uns darauf bewegen sollen. Die existentielle Thematik, die uralte Sinnfrage macht uns Angst und unsicher. Jemand muss sehr stark sein, um damit umzugehen. Deswegen haben wir hunderttausend Götter kreiert und Religionen erfunden. Nur damit wir mit der Angst irgendwie umgehen können. Die andere Möglichkeit ist, dass Leben zu dekorieren und sich abzulenken mithilfe des ganzen Entertainmentkram. Auf diese Weise schlittert man daran vorbei, sich mit den essentiellen Dingen überhaupt zu beschäftigen. Das Leben erscheint leichter, aber die eigentliche Dramaturgie des Lebens ist dadurch nicht verschwunden. Spätestens wenn die Menschen nachts in ihren Kissen liegen oder ein nahe Person stirbt, kommt die ganze Soße wieder hoch.

Viele Menschen bereuen am Ende ihres Lebens, sich nicht mehr dieser „Soße“ gewidmet zu haben…stattdessen kümmern sie sich ihr Leben lang um das Horten von Besitztümern.

Irre, oder? Ihr Leben lang packen die Leute ihre Konten voll. Die Deutschen sparen so viel Geld, davon könnten sie halb Europa aufkaufen. Das Geld wird wie ein Gral in die Ecke gestellt, wie ein Pokal. Und die Leute fühlen sich gut dabei. Das ist auch eine Religion, oder zumindest religiöses Verhalten, dieses Horten von Geld. Das Problem und das Gefährliche ist der moralische Wert, der dem Geld zugeordnet wird: so ein bisschen nach Art des amerikanischen Modells: Wer Geld hat und Erfolg, ist ein guter Mensch – und das ist natürlich Quatsch. In Europa denken wir da zum Glück anders, vielleicht hängt das noch mit Luther zusammen.

Und in welchen gedanklichen Rahmen agierst du?

Das Denken an sich und seine Facetten finde ich faszinierend. Das ist einerseits der logische Ablauf einer Gedankenkette, auf die wir uns untereinander geeinigt haben, um uns verständigen zu können. Das Malen ist auch ein emotionales Ding, aber im Endeffekt eben gedanklich gesteuert. Mein Bewusstsein ist bei jeder Handlung, jeder Auswahl einer Farbe oder Form dabei. Was ich aber versuche, ist den Gedanken in eine Empfindung zu übersetzen. Und nicht in dem logischen System des Gedankenspiels verankert zu bleiben. Am ehesten ist das mit Lyrik zu vergleichen. Das Gedicht setzt die rationale Information des Inhalts in eine Empfindung um. Im Endeffekt ist sie viel stärker als der Text selbst. Weil sie eben noch mehr macht, als die Summe der Einzelteile miteinander zu verbinden, sie hat Klang und der Klang überträgt den Inhalt des Gedichts auf eine andere Ebene.

Lässt sich dieser Ansatz auf deine Bilder übertragen?

Natürlich kann sich der Betrachter die Details auf meinen Bildern nicht merken, diese ganzen Figuren, aber das, was das Bild als Ganzes ausmacht, diesen Subtext, den merken sie sich. Als Kind fand ich das schon komisch. An den Refrain eines Liedes kann man sich jahrelang erinnern und schon am nächsten Tag habe ich den Stoff der Biostunde vergessen. Die Frage ist die nach der Verknüpfung. Wenn der Lehrer den Inhalt in ein Symbol gepackt hat, konnte ich mir das merken, obwohl es mich nicht interessiert hat.

Der Erfolg einer Nachrichtenübermittlung hängt von der richtigen Entscheidung für eine bestimmte Vermittlungsebene ab?

Ja. Es gibt ja auch beispielsweise diese Grenze zum Privaten. Ich muss sehr in mich hineingehen und ehrlich sein in meinen Bildern, sozusagen die Seele aufs Tablett legen, um eine Authentizität oder Intensität zu generieren. Aber es gibt eine Grenze, da wird es so privat, dass andere Menschen das inhaltlich nicht mehr nachvollziehen können. Dann wird es langweilig. Ich muss es hinkriegen, dass das Dargestellte stellvertretend für Menschen oder Gedankengänge steht. Ich möchte ein Element kreieren, das einerseits total persönlich ist, sonst ist es Fake, und andererseits muss das Persönliche immer mit dem Grundprinzip Mensch an sich zu tun haben. Ich glaube, die Menschen reagieren auf meine Bilder, weil ich versuche, diesen Spagat zu machen. Ich versuche, einen psychologischen Zustand auf das Phänomen Mensch an sich zu beziehen.

Was sehen wir denn hier auf den Bildern nun konkret und was überlegst du dir als Erstes?

Als erstes überlege ich mir die Hauptthematik. Bei der Motivwahl geht es dann um Platzierung. Nicht darum, wo etwas tatsächlich ist, sondern wo die optische Position ist. Die wirkliche Mitte beispielsweise ist total uninteressant. Die macht ein Bild langweilig in kompositorischer Hinsicht. Schau dir mal die altmeisterlichen Portraits an. Da denkt man auch in der Mitte ist der Kopf, aber auch da ist es bei den guten Bildern leicht aus der Mitte rausgezogen. Man kann ein Bild ja töten durch die zu perfekte Komposition. Man muss immer knapp daneben liegen, dann bleibt es unruhig und das Bild ist in Bewegung.

Oft ist die Farbe bei dir schwer zu verorten, sie ist nicht vergegenständlicht. Du benutzt sie eher wie Puder. Wir wissen gar nicht, woher die Farbe eigentlich kommt. Dadurch schreibt die Farbe nicht zu und wird zum offenen Prinzip…

Man hat das Gefühl, die Farbe kann im Bild überall wieder auftauchen. Es soll flackern. Man hat unglaublich viel Inhalt und Erkennbarkeit und Figuren, die allerlei Dinge machen. Im Endeffekt geht es aber oft um Farb- und Tonwerte, die das Bild bestimmen. Es gibt auch Fixpunkte, die manchmal durch den klassischen Komplementärkontrast entstehen, den man eigentlich zu vermeiden versucht, weil der ein bisschen platt ist. Wenn man aber ein Bild mit so vielen Farbigkeiten anlegt, kann man auf einmal auch das machen. In dem Fall ist so viel farbige Basis gelegt, dass ich den Kontrast brauche, damit ich die Energie rauskriege, damit bestimmte Motive im Bild noch mehr herausgehoben werden. Man kommt malerisch an seine Grenzen, wenn so viel Farbe da ist und man sich fragt, ist das noch zu steigern…? Plötzlich ist man wieder bei den Grundprinzipien.

Räumte man der Entfaltung der künstlerischen Inhalte früher mehr Raum ein? Heute scheint es manchmal, als richte sich die Kunstproduktion nach den Ausstellungszyklen der Galerien. Was ist dein Eindruck?

Der Diskurs über die Bilder selbst war größer. Es wurde zerrissen, gelobt oder gestritten, aber immer in der Wertigkeit der Kunst selbst. Heute hat man das Gefühl, die Wertigkeit entsteht mit dem Erfolg der Sache und oft nur durch den wirtschaftlichen Erfolg. Es soll Sammler geben, die mit den Ohren und nicht mit den Augen kaufen.

Wie geht es den Künstlern dabei?

Für die Künstler ist das oft schade. Er weiß ja nicht, ob das Kunst ist, was er da produziert. Der Reichtum liegt für mich aber genau in dieser empfundenen Vagheit und der damit verbundenen Unsicherheit, nicht im Gesetzten oder dem einen starken Pamphlet, dem ich zustimme oder nicht. Das ist für unsere Gesellschaft zwar leichter zu konsumieren, aber auch ein bisschen tot. Innerlich musst du sehr stark sein, um dich Unsicherheit und Verletzlichkeit auszuliefern. Ein Diskurs ist offen, entsprechend der Vagheit von Kunst. Und deshalb ist es schade, dass er oft nicht geführt wird.

Dass Atelier suggeriert einen hohen Grad an Authentizität. Schon Courbet stellte fest, dass das Atelier über eine Produktionsstätte hinaus dem Künstler als Visitenkarte diene. Unser Besuch war ehrlich gesagt also auch von der Neugier begleitet, ob wir dir hier in deiner Wirkungsstätte ganz besonders nahe kommen werden…

Deswegen das große Interesse an Atelierbesuchen. Die Leute wollen die Atmosphäre spüren. Idealistisch gesehen, muss das Bild aber so gut sein, dass es auch ohne Atelier funktioniert. Wenn ich diesen Charme des Drecks brauche, damit das Bild gut ist, dann habe ich etwas falsch gemacht. Im Atelier herrscht natürlich die Aura der Produktionsstätte. Wie in einer Klavierbauerwerkstatt, da steht dann das Klavier halb fertig, die ganzen Holzspäne, der schwarze Lack. Im Endeffekt muss es aber ein Klavier werden, das spielen kann.

Jonas, vielen Dank für die intensiven Einblicke in deine Arbeit und dein Umfeld! Wer mehr über seine Werke erfahren möchte, besucht seine Webseite hier.

Fotografie: Hendrik Thul
Interview & Text: Juliet Kothe

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