Freunde von Freunden

Mario Lombardo
Graphic Designer , Studio and Neighbourhood, Kreuzberg, Berlin
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Der Name Mario Lombardo steht für herausragende Gestaltung und die Renaissance des haptischen Editorial- und Printdesigns.Hinter ihm steht aber in erster Linie ein Mann, der mit seiner Kreativität, Zielstrebigkeit und außergewöhnlichen Sinnlichkeit seit vielen Jahren die internationale Szene prägt. Mario selbst nennt sich einen Übersetzer. Seine Arbeit beschreibt er als die konstante Suche nach neuen Situationen, um Menschen und Kunden zu begegnen und individuelle Forderungen in seine Sprache zu übersetzen. Eine Sprache, die bescheiden und doch deutlich ist. Unterstützung bei dieser Suche erhält er von seinem mittlerweile 17-köpfigen Team.

Während unserer Autofahrt zu seinem Büro dreht der sympathische Argentinier eine der ersten The Strokes LPs auf, erzählt von einer aufregenden Begegnung mit der Band in Amsterdam und wie er sich mit Julian Casablancas ein Steak teilte. Die Begegnung findet im Frühsommer 2001 statt, nur wenige Wochen nachdem Mario, als neu ernannter Art Director des Spex Magazins, die deutsche Designwelt auf den Kopf stellte und zum Umdenken anspornte. Kurze Zeit später gründet er das Bureau Mario Lombardo in Köln, bevor es ihn 2008 endgültig in die deutsche Hauptstadt zieht. Im selben Jahr wird er neben zahlreichen Auszeichnungen zum „Visual Leader Of The Year“ gekürt. Zu Recht: Seine Fähigkeiten ästhetische Verbindungen zwischen Sprache, Raum und Material zu knüpfen sind einmalig. Damit wird seine Arbeit den Wünschen der Kunden aus unterschiedlichsten Bereichen und Projekten in jeder Hinsicht gerecht. Heute betreut Mario unter anderem das Kaufhaus KaDeWe, die Berlin Biennale und das Kunst- und Modemagazin Sleek. Er designt LP-Cover für Max Herre und Scott Matthew und zählt Mercedes-Benz zu seinen wichtigsten Kunden.

Wir treffen Mario in seinem Office in einem Kreuzberger Hinterhof und sprechen mit ihm über die Anfänge seiner Karriere und seine wichtigsten Einflüsse. Aufschlussreich, doch erst als wir zum gemeinschaftlichen Herd überwechseln verstehen wir, woher dieses Büro seine einzigartige Kraft schöpft.

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Marios Geschichte beginnt in Argentinien, der Heimat seiner Eltern und seiner Kindheit. Als Mario fünf Jahre ist flieht er mit seiner Familie vor der Militärjunta nach Deutschland.Bereits als Kind wird Mario stark von Architektur geprägt. Sein Vater, ein Architekturprofessor, begeistert ihn für Formen, Symmetrien und kontextübergreifendes Arbeiten. 1981 fährt er mit ihm innerhalb eines Monats von Aachen bis nach Sizilien: Die Westküste runter, die Ostküste hoch. Auf dem Weg besichtigen sie u.a. die Weißenhofsiedlung in Stuttgart, Le Corbusiers Betonhäuser in der Schweiz als auch historische römische Gebäude.

Die Reisen mit meinem Vater bildeten den Grundstein meines Interesses an Räumen und der Frage, wie ein Raum in bestimmten Zusammenhängen erblühen oder verwelken kann. Grafikdesign war eigentlich nur meine zweite Wahl. Nachdem ich mich eigentlich für Architektur eingeschrieben hatte, aber auf einen Studienplatz warten musste, fing ich an der Fachhochschule Aachen ein Kommunikationsdesignstudium an, um mir die Zeit zu vertreiben. Dort erkannte ich die Stärke von Design und meine Ausdrucksmöglichkeiten und -stärken. Ich war wie gebannt, verbrachte Wochen in der Bibliothek.
Während dieser Studienjahre hat mich Mies van der Rohe weiter unheimlich inspiriert. Nicht die Häuser an sich, sondern die Art, wie er Häuser mit allen Verhältnissen in ihr Umfeld gestellt hat. Wie konnte ich das auf meine Arbeit übertragen? Dieser Ansatz interessiert mich an Print immer noch am meisten. In welcher Umwelt wird sich mein Objekt, das Magazin, befinden. Was macht dieser Raum mit diesem Objekt und kann ich das mitdenken? Alles beeinflusst sich immer gegenseitig.

Die Zeit in der wir Bücher oder Magazine detailgenau durchsehen ist, laut Mario, sehr kurz und privat. Es ist ein Akt, der sich nicht konstant wiederholt.

Die Momente in dem der Inhalt und das Cover im Vordergrund stehen, sind meistens sehr kurz. Ich versuche diese Zeit zu verlängern. Es ist meist die Zeit der Veröffentlichung, solange es „frisch“ und aktuell ist. Das ist mir zu wenig. Beim Cover ist die Zeit sogar noch kürzer. Die meiste Zeit stehen Bücher und Magazine im Regal oder Stapeln sich irgendwo. Der Rücken ist mir deswegen besonders wichtig. Den soll man im Regal oder in einem Stapel auf den ersten Blick sehen und wiedererkennen können.

Seine Leidenschaft für Print und Gestaltung beginnt sehr früh: Mit dreizehn Jahren fängt Mario an Magazine, wie The Face, Interview, Tempo, oder I-D zu sammeln und die Covergestaltung von LPs von New Wave Bands wie Joy Division oder New Order zu verfolgen. Parallel zu seinem Studium absolviert er später ein Praktikum bei Lo Breier, der in den 80er Jahren Art Director der Tempo ist.

Auf einmal stand ich vor diesem Menschen, der nicht nur meine Liebe zum Magazin entflammt hat, sondern auch mit all meinen Vorbildern aus den 80ern zusammen gearbeitet hat. Ich konnte es kaum glaube! Lo wollte mich dann auch noch nach einem Monat anstellen. Ich war drauf und dran das Angebot anzunehmen, habe mich dann aber besonnen und mein Studium beendet, bevor ich von Aachen nach Köln gezogen bin.

Mit Köln kommen große Herausforderungen auf Mario Lombardo zu. Ihm wird die Art Direktion des Popkulturmagazins SPEX angeboten, der Grundstein für seine weitere Karriere.

Als ich bei der SPEX anfing, hatte ich keinen konkreten Plan. SPEX ist ein Autoren-Magazin, da war es naheliegend als Design-Autor fungieren zu wollen. Ich wollte in der Tradition von SPEX arbeiten nur auf die visuelle Art. Aber wie macht man das? Dazu habe ich versucht alles zu vergessen, was ich mag und mich beeinflusst, um mich nur auf die Aufgabe zu konzentrieren und einen eigenen Ausdruck zu finden. Ich habe versucht mich auf mein Gefühl zu verlassen und alles was ich gelernt hatte einfließen zu lassen. Ich denke, wenn man ein Vorbild hat und anfängt nachzuahmen, sich anzulehnen, erkennt man das immer sehr stark. Die Stärke, ein Autor zu werden, muss immer aus einem selbst wachsen. Der SPEX ging es zu Beginn meiner Zeit nicht gut, dass wir dem Magazin eine neue Ästhetik geben mussten war klar, aber das reichte mir nie. Ich wollte damals schon was eigenständiges für SPEX schaffen.

Das Team bestand aus zwei Personen wurde dann von morgens bis nachts, unterbrochen von Konzertbesuchen, an dem richtigen Ausdruck gearbeitet. Für jedes redaktionelle Schwerpunktthema entwickelte Mario dabei eine haptische, visuelle Übersetzung. Mario begann zu analysieren, was er persönlich für jeden bestimmten Fall einfließen lassen konnte und inwiefern finanziell machbar war.

Ich fing an, viel selst zu machen. Basteln wurde das damals genannt. Das ging natürlich nicht immer. Da wir bei Spex die Fotografen nie gut bezahlen konnten, habe ich irgendwann angefangen, ihnen ganze Hefte zu widmen. So lief es oft und manchmal heute immer noch. Ich will, dass alle stolz sind die an einem Projekt beteiligt sind und liebe es Komplimente zu machen und dabei vergesse ich nie mich zu bedanken. Das gibt eine tolle Energie, und die Stimmung ist immer sehr wichtig. Ich lade meine Kunden und Freunde, mit denen ich zusammenarbeite, beispielsweise oft zum Essen oder zu einer Flasche Wein ein. Ich suche bewusst nach Orten und Situationen, die mir für eine visuelle Übersetzung wichtig sind. Ich muss dazu ergänzend sagen, dass ich mich nicht mehr als Designer sehe, viel mehr als Übersetzer oder Redakteur. Ich gestalte nicht für Menschen, sondern mit ihnen. Ich übersetze ihre Geschichte und entwickle eine eigene Sprache für sie.

Und die Kunst der konzeptionellen Übersetzung möchte Mario auch weitergeben. Kommendes Semester wird er an der Züricher Hochschule der Künste wieder als Dozent angefangen. Nach verschiedenen Lehraufträgen und Professuren an Instituten wie der HFK Bremen, HFG Offenbach, UdK Berlin oder der Bauhaus Universität in Weimar hatte er eine längere Pause eingelegt.

Ich musste eine Pause einlegen, ich fühlte mich irgendwann in meiner Lehre missverstanden. Das Wort „esoterisch“ möchte ich nicht verwenden, aber mir geht es darum, die Stärke in Menschen zu finden. In meinem Büro als auch bei meinen Studenten. Meiner Meinung nach sollte ein Gestalter auch immer ein Autor sein und so versuche ich mit den Studenten ihre persönlichen Stärken herauszuarbeiten. Das findet oft in Form von langen Gesprächen statt, in denen ich sie frage, was sie beschäftigt, antreibt und bewegt. Zusammen finden wir dann Wege, das Ganze in ihre Arbeit zu integrieren oder zu addieren. Beobachtungsgabe, Wissen Empathie und das eigene Ich braucht man um eine charismatische Präsens herauszuarbeiten. Ich gehe dazu auf den Menschen ein. Mit dieser Art zu lehren schlüpft man schnell unbewusst in eine Vaterrolle oder so etwas Ähnliches. Und die mochte ich in diesem Kontext überhaupt nicht. Es geht mir nämlich, trotz der persönlichen Begegnungen, primär darum Kraft für die Verwirklichung ihrer kreativen Version zu schenken. Und dafür zu sorgen, dass es eben einen tollen Designnachwuchs gibt.

In seine Heimat kehrt Mario 18 Jahre nicht zurück. Dass er mit Argentinien, trotz der wenigen dort verbrachten Jahre, magisch verwurzelt ist, reflektiert er heute innerhalb eines neuen Projektes.

Als ich meine Heimat das erste mal wieder besucht habe, waren es weniger die Häuser, die Städte, die Landschaften oder Menschen, sondern vor allem die Gerüche und die Geräusche, die ein ganz besonderes und bewegendes Gefühl in mir geweckt haben. Eines, das ich nie zuvor gefühlt hatte. Das hat mich umgehauen. Ich war Zuhause und aufgehoben in einer Fremde. Seitdem lässt mich das Thema Duft einfach nicht mehr los. Es ist so stark. Ich arbeite gerade daran Duftkerzen zu meinen Identity Arbeiten hinzuzufügen. Gerüche sind für mich ein unglaublich wichtiges Element im Leben und ein Träger von Erinnerungen und Gefühlen geworden. Ich muss mit dieser speziellen Form von Sinnlichkeit arbeiten.

Die wichtigste Inspiration für Mario ist seine Tochter Mila. Mit ihr verbringt er jede freie Minute. Nach der Schule kommt Mila regelmäßig ins Büro, wo sie sogar ihre eigene Kreativecke bekommen hat und sich auch mal mit Kindern der Mitarbeiter austauschen kann. Wenn es Mario ein paar Stunden früher aus dem Büro schafft, wird jeder Spielplatz in der Umgebung getestet. Abends sitzen die beiden oft zusammen im Café Europa, wo sie alte Freunde treffen oder „warten was passiert.“

Mila gibt mir so viele Sachen wieder, die so simpel und doch so essentiell sind. Dinge, die man wirklich beim Erwachsenwerden verlernt – wunderbare Direktheit und Zärtlichkeit. Gefühle können so einfach und pur sein. Das will ich überall. Sie ist heute definitiv meine wichtigste Inspiration.
Was mich außerdem sehr inspiriert ist das Kochen. Es ist ein komplett anderes Handwerk und verlangt doch Ähnliches von einem wie das Design. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Durchführung ist ein gutes Umfeld – eine funktionsfähige und gut bedachte Küche mit gutem Zubehör. Danach muss man sich mit der Qualität und den richtigen Zutaten auskennen und wissen, wo man diese bezieht. Dann geht die Phase des Gestaltens oder der Zubereitung los. Man lernt, wie man mit den Werkzeugen umgeht oder Dosierungen, Koch- und Zubereitungszeiten einzuschätzen, und in welcher Reihenfolge man die Arbeitsschritte durchführt, bis man step by step und à la minute das Gericht fertig hat. Nicht vergessen darf man dabei, dass man das Essen auch anrichten muss, der Tisch gedeckt und die richtigen Getränke besorgt werden müssen. Eine Menge Planung, Überblick, Selbsteinschätzung, Übung und Geschmackssinn sind gefragt. Nach und nach lernt man neue Geschmacksrichtungen zu addieren oder eigenen Ausdruck zu kreieren.
Genauso ist es beim Grafikdesign. Man muss einen Raum haben, in dem man gut arbeiten kann, die Sachen besorgen die man für die Umsetzung braucht und dann Schritt für Schritt eine bestimmte Struktur um die Arbeit herum aufbauen, bis alles zum Drucktermin fertig ist. Und am Ende muss es natürlich schmecken. Dem der es zubereitet und genauso den Gästen, was in meinem Fall die Kunden sind.

Passend zu seiner Philosophie ist das Zentrum des Büros die Küche. Hier, wo sich Wohn- und Arbeitsbereich treffen, versammeln sich so oft es geht auch alle Mitarbeiter zum gemeinsamen Kochen. Bei unserem Besuch haben mittags alle mitgeholfen. Mila sowie Tania, ehemalige Partnerin und Milas Mutter, trafen sich mit dem gesamten Team im Innenhof. Statt einer hektischen Mittagspause fühlten wir uns wie bei einem entspannten Sonntagsbrunch im Umfeld der besten Freunde. Wie hat dieses Team zusammengefunden?

Ich bin prinzipiell davon überzeugt, dass man alles Handwerkliche lernen kann. Ich bin kein Fan von klassischen Vorstellungsgesprächen. Die sind für mich unglaubwürdig. Klar will man sich von seiner besten Seite zeigen, aber so ist man ja nicht im Alltag. Ich bin für ein Miteinander. Das wichtigste Attribut, auf das ich achte ist also das Wesen der Person. Wenn man in unserem Büro arbeitet, muss man sich gegenseitig helfen, dabei lernt man dann auch alles Wichtige. Typographie, die ich in der Kochassoziation mit dem Schnibbeln vergleiche, kann man genauso lernen wie Fotografie oder Raster erstellen. Diese Dinge bringe ich gerne und mit Geduld bei, wenn ich mit Leuten eben gut auskomme. Bisher bin ich damit sehr gut gefahren. Diejenigen, die heute hier sitzen, sind alle schon lange bei mir im Büro und bleiben es bestimmt auch. Ich liebe es mich um sie zu kümmern.

Mario liebt Beziehungen. Tania ist das beste Beispiel. Mit ihr war Mario 22 Jahre zusammen. Im Schulbus haben sie sich kennengelernt und bis heute arbeitet sie in seinem Büro. Genauso wie Vorstellungsgespräche findet Mario auch die Vorstellung utopisch und falsch, dass man gemeinsam nur durch gute Zeiten gehen darf.

Hier wird oft viel verlangt und man muss jeden Tag die Stärke und den Willen mitbringen, sich einzulassen, einander zu helfen und weiterzubringen. Und sich auch für die Hilfe der Anderen öffnen. Die Leute, die mich kennen wissen, dass ich Probleme gerne mit ihnen löse – auch wenn es mir oft sehr schwer fällt. Ich bin kein Mensch, der schnell verlässt oder Dinge und Beziehungen trennt. Ich mag es durch dick und dünn zu gehen. Gerade habe ich hier alle zusammen, die ich mir wünsche.

In den letzten fünfzehn Jahren hat Mario unzählige Preise erhalten, unter anderem die Auszeichnung des Art Directors Club und Type Directors Club und die als „Visual Leader“ 2008. Sein Schaffen ist in der Designszene – national und international – schon lange hoch angesehen.

Ich sehe mich als Forscher oder Übersetzer, würde es mir nie herausnehmen mich zu loben, das würde zu einer Art Sattheit führen. Ich versuche einfach immer mein Bestes zu geben. So haben es mein Büro und ich geschafft, immer sehr ungewöhnliche Lösungsansätze zu finden, die auch Anklang finden. Es sind stets einfache Gedanken, so eingesetzt, dass es für das Leben und die Kunden funktioniert. Das ist der Grund, weswegen man zu uns kommen sollte. Nicht wegen dem Namen oder mir.

Für die Berlin Biennale hat Mario eine Publikation mit einem Symbol kreiert, das für Furore gesorgt hat. „Forget Fear“ war die erste Veröffentlichung der 7. Berlin Biennale und umfasste Arbeiten und Handlungen von PolitikerInnen und Künstlern. Für die Gestaltung wurde das Prinzip der Polarisierung aufgegriffen und das zugehörige Symbol wurde viel diskutiert.

Dass unsere Arbeit für die Berlin Biennale unterschiedlich reflektiert werden würde, war uns klar. Viele haben es mit etwas asiatischem assoziiert. Andere meinten, es sähe irre faschistisch aus. Wieder andere haben über Währungszeichen gesprochen. Das sind alles Dinge, die wir besprochen hatten. Wir führen vor jeder Abgabe eine Art Hausfrauentest an uns selbst durch und fragen nach unserer wahren und persönlichen Wahrnehmung.
Der erste Eindruck muss immer eine Emotion auslösen, innerhalb der es immer unterschiedliche Ebenen geben muss.
Es muss immer Projektionsflächen geben, es muss fühlbar sein. Bei Mode ist das zum Beispiel sehr wichtig. Das Cover ist im Falle eines Modemagazins daher besonders wichtig. Bei Kultur muss es meiner Meinung nach eine Projektionsfläche nach innen geben. Man muss es mit seiner Geschichte oder Wissen verbinden können. Mir ist es wichtig, eine eigene Welt in jedem Einzelnen auszulösen oder hervorzurufen. Ein Deutscher interpretiert vieles ganz anders als ein Franzose oder ein Engländer. Mir geht es aber gar nicht darum Nationalitäten zu pauschalisieren. Mir liegt aber sehr viel daran, dass jeder Betrachter seine individuelle Geschichte damit verbindet.

Unzufriedenheit gibt es bei Mario nicht. Das Gefühl wirklich fertig zu sein auch nicht. Auf alten Keramikfliesen gebettet, sticht in Marios Büro neben Plattencovern und stapelweise Magazinen und Booklets, eine Kerze hervor die mit „The Bird in the Hand“ betitelt ist . Ein Leitgedanke, den Mario auch mit jeder abgeschlossenen Arbeit assoziiert.

Es geht um immer die besonderen Momente. Du kannst alles nur ganz kurz behalten. Denn alles hat seine Freiheit und soll fliegen können. Sobald du etwas hast, musst du es genießen. Wenn du gut zu ihm warst und ihm die Chance gibst, kommt der Vogel auch wieder. Bis jetzt habe ich zum Glück nur eine einzige Sache bereut. Die werde ich aber hier nicht erzählen. (lacht)

Dass Mario seit fast 30 Jahren ein leidenschaftlicher Sammler von Magazinen ist, ist nach einem Rundgang durch sein Büro schnell ersichtlich. Hier wird bewusst und unbewusst jede Typographie, jede neue Form und Haptik von Dekaden des Magazinmachens tagtäglich aufgesaugt. In einem der Stapel entdecken wir die erste Ausgabe der 032, sie liegt unter Ausgaben des Interview Magazins aus den siebziger Jahren. Es sind Tausende von Eindrücken: von erfolgreichen Werken, neuen Ideen, aufgegriffenen Trends. Bekommt ein Designer nicht auch mal Angst vor Wiederholungen oder der Gefahr, in den Mainstream abzuschweifen?

Angst und Unsicherheit sind unheimlich wichtige Motoren. Die Sorge ob auch alles funktioniert, ist für mich im Grunde genommen eine Kraft, aus der heraus ich bessere Ergebnisse erziele. Bezüglich Mainstream muss ich sagen, dass ich mich gar nicht so um die Anderen kümmere. Bis 2009 waren wir Ameisensammler. Wir haben sehr viele Kulturjobs gemacht, das war finanziell immer sehr schwierig. Man kommt an den Punkt, an dem man aufhören muss, sich selbst auszubeuten und zu glauben, dass man von einer Hand im Mund leben kann, nur weil man Kulturschaffender ist. Ich wollte alle meine Leute ordentlich bezahlen. Das hat mich total gestresst. Denn natürlich muss man sich dann auf kommerzielle Arbeit einlassen, es ist schwieriger als mit Gleichgesinnten zu kuscheln. Die ersten zwei Hefte für das KaDeWe waren sehr kompliziert. Heute sind wir unglaublich stolz auf den Job und der Kunde auch. Und es wird weitergehen. Ich habe noch so viele Träume und Wünsche für mich und mein Büro. Ich glaube fest an die Kraft des Wunsches.

Wenn er heute durch die Magazinläden geht, bleibt er bei weniger Publikationen hängen als in jungen Jahren. Wenn es um kontemporäre Publikationen geht zieht Mario Kontinuität Exklusivität vor. Und betont damit die Stärke, die vor allem seine eigene Arbeit beschreibt.

Ich mag die Purple und Arena Plus total gerne, vor allem wegen der Fotografie. Die FAZ und 032c finde ich ebenfalls toll. International mag ich Visionaire oder die LOVE, auch wenn sie sehr kommerziell ist. Und natürlich immer wieder die Fantastic Man und Gentlewoman. Gert Jonkers and Jop van Bennekom machen seit Jahren gute Sachen. Und mein Respekt gilt vor allem Jenen, die es schaffen kontinuierlich gute Arbeit zu leisten. Einmal etwas Großartiges zu kreieren, das kann jeder. Das Niveau aber zu halten und besser zu werden macht einen wirklich guten Designer aus.

Danke für die interessanten Einblicke in deine Arbeitswelt und deine wichtigsten Inspirationsquellen, Mario. Wer mehr über seine Arbeit erfahren möchte, besucht seine Website hier.

Fotografie: Mirjam Wählen
Interview: Zsuzsanna Toth

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