Freunde von Freunden

(EN) Nils Holger Moormann
Furniture Designer & Guesthouse Owner, Workplace, Aschau im Chiemgau, Bavaria
Workplaces > (EN) Nils Holger Moormann

Im ländlichen Chiemgau, eine Stunde von München entfernt und mitten im tiefsten Bayern, erwartet man eher Bauernstuben und Herrgottswinkel statt modernem Design. Doch genau hier in Aschau hat sich Nils Holger Moormann, einer der innovativsten deutschen Möbeldesigner, niedergelassen.

Der gebürtige Schwabe hat sich seinen Traum von einer eigenen Möbelfirma erfüllt und „Nils Holger Moormann“ gegründet, die 35 Mitarbeiter beschäftigt. Designklassiker zu produzieren, die die Zeiten überdauern werden – dafür steht das Unternehmen. Für Nils folgt bei Möbelstücken die Form der Funktion.
Neben seinem Möbelimperium leitet er ebenfalls das Landgasthaus „berge“, das ebenfalls seiner puristischen Arbeitsphilosophie und seinen Konzepten entspricht. Dieser Ort wurde speziell für Gäste designt, die zu sich selbst finden wollen. Aus diesem Grund gibt es keinen Internetzugang.
Im Interview erzählt der Autodidakt und Weltenbummler voller ansteckendem Enthusiasmus und höchst sympathisch von seinen abenteuerlichen Reisen, seiner leidenschaftlichen Liebe zum Landleben und seiner Vorstellung von einem perfekten Möbelstück.

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Sie kommen gerade aus dem Urlaub. Wo waren Sie?
Ich bin mit einem selbstgebauten Wohnmobil über zwei Monate in Marokko die algerische und mauretanische Grenze entlang gereist. Eine Gegend, in der man wochenlang niemanden sieht. Nah an Mutter Erde dran und so einfach wie möglich. Ich bin ja absoluter Globetrotter.

Kommen Sie inspiriert zurück nach Aschau?

Mal ja, mal nein. Wenn ich wieder Daheim bin, sehe ich das Leben anders. Etwa, dass unsere deutschen Probleme doch einfacher lösbar sind als die in anderen Ländern. Ich arbeite ja leidenschaftlich gern und gehe teilweise über meine Grenzen. Das ist als Kreativer schlecht, weil irgendwann nichts mehr nachfließt. Zum Glück komme ich von meinen Reisen immer extrem gestärkt zurück. Ich habe neue Energie und kann Entscheidungen schneller treffen.

Sind Sie schon immer viel gereist?

Ja. Seit ich 18 bin, reise ich einmal im Jahr mindestens sechs Wochen. Ich habe viele Weltreisen mit dem Fahrrad gemacht. Absolut rudimentär: eine Satteltasche mit Büchern, eine mit Essen, ein paar Klamotten und ein Zelt. Diesmal habe ich es anders gemacht und mir ein Wohnmobil gebaut. Das war sensationell. Ich habe ein Fahrgestell gekauft und ewig überlegt, wie man alles auf kleinstem Raum unterbringt. Das ging so weit, dass ich nachts aufgewacht bin und gegrübelt habe, wie ich die Kühlschranktür montiere.

Ist Ihnen der Chiemgau bisweilen zu weit weg von der nächsten Großstadt?

Null. Für mich könnte es noch weiter weg sein, denn ich bin ein Naturmensch. Ich liebe den Chiemgau heiß und innig. Außerdem bin ich beruflich genug unterwegs.

Fehlt Ihnen das Urbane nicht als Inspiration?

Ganz im Gegenteil. Mir verstellt das den Blick. Mich macht das krank. Ruhe und Natur inspirieren mich tausendmal mehr. In der Stadt werde ich nervös. Ich will alles mitkriegen, muss ständig selektieren. Dann bin ich genau da, wo ich nicht sein will: viel zu schnell unterwegs.

Sie wollen der Beschleunigung entkommen?

Ja. Auch wenn ich finde, dass wir in einer fantastischen Welt leben. Aber die meisten Menschen sind trotzdem nicht glücklich. Wir verlieren die Gabe, uns über kleine Dinge zu freuen. Ich finde es super, wenn man sich über Kleinigkeiten freut.

War es mit dem Chiemgau Liebe auf den ersten Blick, als Sie 1999 dort hingezogen sind?

Ja, mir gefällt die Lebensart ziemlich gut. Trotz meiner schwäbischen Gene lebe ich hier leidenschaftlich gern. Mit allen Schwierigkeiten. Die Chiemgauer granteln und sagen dir, was sie nicht mögen. Doch fünf Minuten später sitzen sie wieder am Tisch und alles ist wunderbar. Hier hat man schneller eine Auseinandersetzung, aber das löst sich dann auch wieder. Was ich nicht so mag: Wenn der Vorhang wackelt und ich merke, dass geschaut wird, ob ich auch alles richtig mache. Verstecktes Beobachten hasse ich.
Schön ist, dass meine Firma lokal verbunden ist. Ich habe hier alles im Fahrradumkreis. Das einzige, wohin ich ein bisschen länger radle, ist die Logistik. Da brauche ich sechs Minuten.

Zu Ihrem Imperium gehört ja auch das Gästehaus “berge”. Großartiges Design, aber kein Internet: Was ist die Philosophie dahinter?

Ich wollte einen Weg zu mehr Bewusstsein einschlagen. Wenn ich etwas bewusst mache, dann stelle ich mich einer Sache. Das ist besser als von allem etwas und nichts richtig. Kein Internet gehört zum Konzept. Von manchen Besuchern kommen entsetzte Kommentare, weil es kein W-Lan gibt, aber es sind relativ wenige. Die Gäste ahnen ja, was auf sie zukommt.

“berge” ist nachhaltig konzipiert. Trifft das auch auf Ihr Bauernhaus zu?

Das ist eher extrem primitiv, weil es uralt ist. Als ich es 1998 umgebaut habe, war die Zeit noch nicht reif für so etwas wie Solarenergie. Die Handwerker hatten damit damals nie zu tun. Das ärgert mich heute sehr und ich würde das komplett anders machen. Mir ist Nachhaltigkeit extrem wichtig. Ich finde es aber leider werbetechnisch sehr inflationär eingesetzt wird.

Was stört Sie?

Ständig wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Wie bei der Waschmittelreklame, die uns vorgaukelt: „Wir waschen total sauber.“ Nachhaltigkeit muss von innen kommen und wirklich gemacht werden. Aber wenigstens ist es ein Trend, der in eine gute Richtung geht. Wenn es ein bisschen was nützt, ist es besser als gar nichts.

Was macht für Sie ein schönes Möbelstück aus?

Ein Möbelstück muss mich betören und eine Lösung sein, die es am Markt so nicht gibt. Eine Art Mini-Erfindung. Wenn sich ein Teil nur gut verkauft, interessiert mich das nicht. Sonst würden wir an Luxus-Erfolgsmodellen verfetten und nur noch das gleiche banale Möbelstück bauen.

Langweilt es Sie, wenn sich alle Menschen bei Ikea einrichten?

Nein, das muss jeder selber wissen. Ikea macht einen guten Job. Man kann sich für wenig Geld einrichten. Aber irgendwann wird es wichtiger, mit dem Möbel eine Beziehung einzugehen, weil es ja das ist, das nach dem Textil am nächsten an mir dran ist. Aber ein Möbel soll nicht teuer sein, weil sich der Hersteller damit fett macht. Was ist das für ein schöner Satz: “Ich habe mir etwas geleistet.” Wenn Sie ein Möbelstück lange geprüft haben, passt es zu ihnen. Sie können eine Geschichte erzählen und gewinnen Orientierung. Das ist nicht irgendein Tisch, das ist ihr Tisch. Ich finde es wichtig, dass wir auch in diesem Sinne innehalten und uns mehr mit Dingen beschäftigen, die wir an uns heranlassen. Das ist doch eine Mordsfreude, wenn Sie etwas kaufen, das gut ist. Wie habe ich mich etwa über mein teures Fahrrad gefreut. Gute Sachen sind leise, die knallen nicht. Nur ein Connaisseur weiß sie zu schätzen.

Ihr Lieblingsstück Ihrer Kollektion?

Komischerweise der kleine Beistelltisch „Abgemahnt“. Der ist wie ein kleines Vögelchen mit einer eigenen frechen Persönlichkeit, sperrig, aber nicht hübsch.

Welches Möbelstück hätten Sie gern selbst erfunden?

Das FNP Regal von Axel Kufus. Kommerziell gut und mit einer Beständigkeit, die heute immer gefährdeter ist und so geradlinig, dass es seit 30 Jahren in ungeminderter Kraft existiert. Das funktioniert heute immer weniger.

Wie bewerten Sie deutsches Design momentan?

Es ist gefragt. Made in Germany steht für Rationalität, Qualität, Langlebigkeit, Sauberkeit und Vernunft, auch wenn es nicht verrückt oder betörend ist. Die Menschen scheinen Sehnsucht nach Orientierung zu haben. Unsere Möbel kommen auch aus diesem Kontext.

Wie kann man sich Ihren Arbeitsprozess vorstellen?

Ich arbeite wie ein Verrückter, wie ein alter Kapitän, der seit Jahrzehnten über die Weltmeere schippert. Ab und zu gehe ich auf die Kommandobrücke und frage mein Team: „Was macht ihr da, wie geht es euch“ oder „Macht mal eine kurze Kursänderung“. Und dann wird es meistens gut.

Ihre Mitarbeiter sind also sehr autonom?

Ja. Wenn ich zwei Monate wegfahre, melde ich mich nie und bin nicht erreichbar. Das ist nicht ungefährlich, führt aber automatisch zu selbständigen Mitarbeitern. Chefs sollten generell viel länger wegfahren.

Fertigen Sie alle Möbel selbst?

Nein, das geschieht in lokalen Firmen. Der Vorteil : Wir können uns alles vor Ort anschauen. Anfangs war das extrem schwierig. Wirre Ideen, kleine Stückzahl und wenig Hoffnung, da glaubt keiner an sie. Wenn die wirtschaftliche Lage dann schlecht wurde, arbeiteten die Zuliefererbetriebe gern für uns. Im Moment läuft alles sehr gut.

Sie haben eine Wand in Ihrem Haus mit Verbrecherfotos dekoriert. Was hat es damit auf sich?

Aschau ist auch eine Begegnungsstätte, in der man über Design nachdenkt. Ich möchte das weiter ausbauen. Mich besuchen hier viele Menschen. Um mich besser an sie zu erinnern, habe ich begonnen, meine BesucherInnen als VerbrecherInnen zu fotografieren. Mir geht es dabei darum, auch Unsinn zu erlauben als Ausgleich für die Höchstleistung, die wir abliefern. Und mir ist wichtig, dass wir nie aufhören, uns Themen spielerisch zu nähern, quasi auf dem Tanzbein. Mit dem südafrikanischen Jazzpianisten Abdullah Ibrahim, der mit Nelson Mandela befreundet war, begann damals die Fotoserie. Wenn ich die Fotos anschaue, weiß ich immer, wer Seele in mein Haus gebracht hat.

Interview & Text: Annette Walter
Photography: wemakethemwonder.com