Ivo Wessel

Ein Samstag Morgen während des Berliner Gallery Weekends. Wir besuchen den Privatsammler Ivo Wessel in seinen neuen Räumen. Ivo Wessels Sammlung ist bekannt für ihre konzeptionellen Positionen. Mit ihr ist er nun umgezogen – von der Chausseestraße, Mitte nach Moabit. Der neue Space besteht an sich nur aus zwei Räumen. Untergebracht ist dort ein Großteil der Sammlung, vieles noch in Kisten verpackt. Sie ist Sammlung, Lebensraum und Arbeitsplatz zugleich.
Für Gäste des Gallery Weekends ist eine Einzelausstellung mit Arbeiten von Via Lewandowsky aus dem Sammlungsbestand von Ivo Wessel vorbereitet. Uns begrüßen ein auf und ab hüpfender Bauhelm und ein Soundprojektor, der eine Fliege akustisch dreidimensional durch den Raum sausen lässt.

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Ivo, wie kommst Du zum Sammeln?
Das hat sich gewissermaßen so ergeben… Wenn man in einem Elternhaus groß wird, in dem Kunst eine Rolle spielt, nimmt man das als ganz selbstverständlich wahr.

Haben Deine Eltern immer gesammelt?
Gesammelt ist vielleicht übertrieben, aber sie haben immer wieder etwas gekauft. Aber weniger strategisch – ich würde mich zwar auch nicht als strategischen Sammler bezeichnen, aber bei mir hat das Sammeln schon einen größeren Stellenwert – und nimmt weit mehr Raum und Zeit ein.

Wie war das in Deiner Kindheit, wie ging das Sammeln los, und wie wichtig ist Dir der Besitz von Kunst?
Das ging früh los bei mir, zum Beispiel mit Jahresgaben von Kunstvereinen und kleineren Editionen. Bücher sind für mich ein wichtiges Lebensmittel. Du siehst, dass sie an diesem neuen Ort schon sehr im Mittelpunkt stehen. Die Eigenart, von mir wichtigen Büchern mehr als ein Exemplar besitzen zu wollen (oder müssen), hat damit zu tun, dass es eine faire Balance zwischen dem Wert und dem Gegenstand geben soll – im Vergleich zu seiner Bedeutung erscheint der Preis eines Buches manchmal schon unverhältnismäßig niedrig.

Hast Du Germanistik studiert?
Nein, gar nicht, ich habe Informatik mit Nebenfach Psychologie studiert. Ich habe aber immer schon seit der Schulzeit viel gelesen, wollte aber auch nie Kunst oder Kunstgeschichte studieren, weil ich mit meinen Obsessionen kein Geld verdienen möchte. Aber auch das Fach Deutsch hat mich in der Schule nicht wirklich interessiert. Ich habe meine eigenen für mich interessanten Bücher gefunden – beispielsweise Oscar Wilde oder französische Autoren wie Boris Vian, Georges Perec oder auch Marcel Proust.

Ich habe kürzlich einen Kurator getroffen, der erzählte, dass er nie etwas wegwirft. Ist das bei Dir auch der Fall?
Klar, natürlich. Bei meinem Umzug dachte ich, ich könnte ja wirklich mal die ganzen alten c’t-Hefte wegwerfen. 1979 habe ich meinen ersten Computer gekauft, der da vorne steht und sogar noch funktioniert. Seit dem Jahr habe ich auch so ziemlich alle Computerzeitschriften, und die c’t natürlich auch in elektronischer Form. Die Hefte wegzuwerfen, fällt mir trotzdem extrem schwer. Selbst wenn ich da ganz sicher nie mehr reingucke.
Dieses Bewahrungsprinzip finde ich aber schon ganz wichtig. Ich meine, es muss Leute geben, die das tun, so wie in dem Bradbury-Buch Fahrenheit 451, das Truffaut verfilmt hat. Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Papier verbrennt. In der Geschichte sind Bücher generell verboten, und es die Aufgabe ausgerechnet der Feuerwehr, sie zu finden und zu verbrennen. Eine Untergrundgruppe lernt Bücher auswendig. Jeder Mensch ist also ein Buch, das er durch Erzählen weitergibt. Es gibt am Ende eine ganz ergreifende Szene, in der die Menschen durch den Wald gehen und einem Jüngeren das Buch erzählen.

Wann hast Du konkret angefangen zu sammeln?
Ich habe damals in Braunschweig studiert. Außer einem phantastischen Kunstverein gab es keine Kunstszene. 1990 war für mich eine Zäsur, da habe ich auf der Frankfurt Kunstmesse Ottmar Hörl kennengelernt und in den folgenden Jahren eine ganze Reihe von Arbeiten gekauft.
Mitte der 90er bin ich Via Lewandowsky begegnet. Ich hatte seine Arbeiten 1992 bei der Documenta wahrgenommen, aber der richtige „Klick“ kam dann 1995/1996 im Zuge der Ausstellung Komm stirb mit mir, die an verschiedenen Orten zu sehen war. Die fand ich schon großartig und habe mehrere Arbeiten gekauft. Ein großer Schritt war dann 2000 der Umzug nach Berlin.

Wie war es dann in Berlin?
Ich habe es natürlich nie bereut. Habe eher gedacht, dass ich es hätte früher machen sollen. Die internationalen Künstler, die jungen Galerien, die nachrückenden Kuratoren und Sammler – das alles schafft schon ein einmaliges und anregendes Umfeld.

Du hast auch selbst Ausstellungen konzipiert. Reizt Dich das weiterhin?
Ja durchaus. Ich habe schon einmal in Sindelfingen einen großen Teil der Sammlung gezeigt oder auch in der Kunsthalle Kiel, wo siebzehn deutsche Privatsammler Teile ihrer Sammlung Arbeiten der Kunsthalle gegenübergestellt haben. Da war ich als vergleichsweise junger Sammler mit dabei, neben Grässlin, Haubrok, Speck, Maenz und Falckenberg. Ich war ein bisschen das Küken in der Runde. Ich habe dort in einem Raum jüngeren konkreten Tendenzen älteren aus der Kunsthallensammlung gegenübergestellt. Das hat, glaube ich, ganz gut funktioniert.

Wenn Du einen Künstler sammelst, möchtest Du dann immer mehr als eine Arbeit haben?
Tendenziell ja. Ich möchte einen Künstler schon über Jahre verfolgen und sein künstlerisches Werk in der Tiefe erfassen, wie etwa Sven Johne, den ich sehr früh entdeckt und von dem ich eine Reihe von Fotoserien habe.

Was interessiert Dich thematisch für Deine Sammlung?
Früher mehr konkrete Malerei, jetzt eher Konzeptkunst, Videokunst, Arbeiten mit Geschichten und Ideen dahinter. Aber auch Themen wie das Enzyklopädische oder Arbeiten mit wissenschaftlichem Bezug. Aber ich möchte auch keine komplett durchgeplante Sammlung haben, sondern die Dinge wachsen und sich eher beiläufig und zufällig verdichten lassen. Sammeln fängt für mich an, wenn man keinen konkreten oder nachvollziehbaren Grund hat, wie zum Beispiel eine leere Wand, die bestückt werden müsste. Es fängt dann an, wenn eine Motivation da ist, die aber an sich unerklärlich ist und einem trotzdem keine Ruhe lässt.

Weitere Informationen zu Ivo Wessel findet man auf seiner aktuellen Homepage oder auch in der Maiausgabe des Rolling Stone Magazines.

Interview: Moritz Kaufmann
Fotos: Ailine Liefeld