Marion Bataillard & Ivan Rogow

Marion Bataillard ist im Süden Frankreichs groß geworden und in Antibes zur Schule gegangen. Moabit und Antibes haben wenig Gemeinsamkeiten. Die Wohngegend nahe der Stadtautobahn mutet hart und kalt an, vor der Tür treffen wir auf einen sympathischen Halter eines knurrenden Kampfhundes. Doch das Ehrliche, das Knallharte Berlins, unverblümt und auf beeindruckende Weise herkömmlich, macht den Reiz dieser Gegend aus. Die Mieten sind erschwinglich, Galerien und Modeshops haben noch keinen Eingang gefunden.
Der herzliche Empfang, der uns hinter der Haustüre erwartet, lässt sich als das direkte Gegenteil zur Umgebung beschreiben: Marion öffnet uns die Tür, Ivan steht auf und begrüßt uns höflich. Wir spüren unmittelbar die Gastfreundschaft der beiden.
Marion Bataillard und Ivan Rogow sind beide künstlerisch bzw. handwerklich tätig. Sie malt, er restauriert seit Jahren Porzellanfiguren in feinster Handarbeit und mit beneidenswertem Fachwissen. Es wird Schwarztee serviert und wir unterhalten uns im Arbeitszimmer von Ivan.

Die kleine Wohnung der beiden im Erdgeschoss dient als Wohn- und Arbeitsraum zugleich. Sie müssen oft durchlüften, denn Marion arbeitet und malt fast täglich. Auch bei unserem Besuch haben wir das Gefühl, sie machen extra für uns eine kurze Pause, um über ihre Arbeit sprechen zu können. Sie leben zurückhaltend und bescheiden. Ivan Rogow ist bereits seit 1995 in Berlin zu Hause und malte anfangs Touristengesichter am Ku’damm. Marion Bataillard unterrichtet nebenbei Zeichnung und gegenständliche Malerei für Anfänger. Wir hören gespannt zu und sind von der Gastfreundlichkeit begeistert.

Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/Freunde von Freunden — Marion Bataillard & Ivan Rogow — Artists, Atelier, Berlin-Moabit — http://www.freundevonfreunden.com/interviews/marion-bataillard-ivan-rogow/

Marion, wie bist Du nach Berlin gekommen und seit wann lebst Du hier?
Ich bin in einem LKW gekommen. Das war vor 3 1/2 Jahren, direkt nach meinem Studium in Strasbourg.

Warum ausgerechnet Berlin?
Ich mag es, im Exil zu leben. Ich mag die deutsche Sprache, ich mag den Zufall. Diese bizarre Stadt hat mich verführt.

Wolltest du schon immer Kunst studieren?
Ich komme aus keiner Künstlerfamilie. Auch wenn ich ein frühes Interesse am Zeichnen entwickelte, hatte ich in diesem Bereich nur wenige Kenntnisse. Erst während des Studiums habe ich das alles entdeckt und festgestellt, dass ich malen will. Das Studium hat mir viel gebracht, auch wenn ich heute das Gefühl habe, dass der richtige Beginn erst danach kam.

Ist es ein Ziel von Dir mit der Malerei Geld zu verdienen?
Geld verdienen tue ich noch nicht wirklich damit. Natürlich ist es mein Ziel.

In den hier zu sehenden Bildern steckt sehr viel Erotik. Werden erotische Akzente gezielt von Dir gesetzt und was willst Du mit deiner Malerei ausdrücken?
Erotik gehört dazu, ist aber nicht der springende Punkt. Es sind die ekstatischen Zustände, die mich interessieren – die Struktur von Extase. Es gibt so etwas wie ein “generisches” Bild oder sagen wir eine Art Vision, die einen lenkt – daran erkennt man einen Maler. Und es gibt auch gewisse Formen, die in der Arbeit immer wieder vorkommen und die sich immer weiterentwickeln, selbst wenn man versucht, etwas ganz anderes zu machen. Das wäre meine Definition von Stil.
Meine Liebe zur Malerei entdeckte ich mit der Kunst der frühen Renaissance, mit den Werken von Giotto zum Beispiel. Ich bin extra in Padova und Assisi gewesen, um mir seine Fresco anzuschauen – es lohnt sich! Jetzt habe ich meine Liebe an anderen Kunstepochen natürlich erweitert. Übrigens ist die ganze christliche Malerei auch erotisch.

Was beeinflusst und inspiriert dich zugleich?
Ich stehe, wie gesagt, in enger Beziehung zur Geschichte der Malerei und versuche mit diesem Erbe etwas zu tun. Prinzipiell ist aber alles was ich sehe, spüre oder sogar höre, im Stande eine Bildidee in mir auszulösen.
Manchmal habe ich Motive von Bildern anderer Maler einfach geraubt – ich denke jetzt zum Beispiel an ein bestimmtes Bild aus der Gemäldegalerie in Berlin. Ein sehr kleines Bild aus dem Mittelalter, das eine Geiselung Christi darstellt. Eigentlich macht es die gesamte Kunstgeschichte so; sich gegenseitig berauben. Du nimmst ein Stück und machst es zu deinem. Ich habe auch einige Standbilder aus Pasolini Filmen genommen. Seine Bildern faszinieren mich. Er hat immer Schauspieler mit unglaublichen Gesichtern. Überhaupt sind mir Gesichter wichtig… Manche sind wahre Quellen. Es liegen immer viele Fotos auf meinem Arbeitstisch. Auch Fotos von Bekannten, die für mich Modell sitzen. Natürlich male ich lieber mit anwesenden Modellen, als von Fotos; aber das kann ich mir im Moment meistens nicht leisten.

Wie lange dauert der Prozess der Bildentstehung und wie gehst Du vor?
Es dauert meistens lange, bis zu mehreren Monaten. Aber ich male viele Sachen gleichzeitig und die Vorgänge sind, je nach Bild ganz unterschiedlich. Bei den kleinen Selbstbildnissen geht es relativ schnell. Die großen Bilder sind sehr komponiert und ich nehme mir immer mehr Zeit, um das Bild Schicht für Schicht zu bauen – damit ich letztendlich freier und doch spontaner sein kann. Je mehr man das Gefühl hat, dass es natürlich, spontan und frei ist, desto eher gebaut und künstlich ist es.

Ivan, wie kamst Du in die deutsche Hauptstadt?
I.R.:Das ist eine komplizierte Geschichte. Ich stamme aus der ehemaligen Sowjetunion, aus dem heutigen Russland, in der Nähe Moskaus und bin schon seit 1995 in Berlin. Nachdem die Grenzen offen waren, wollte ich wie man so schön sagt, “die Welt entdecken”.
Mein Zielland damals war eigentlich Frankreich. Zu Zeiten der Sowjetunion, als man nicht rausgehen konnte, war ich durch damalige französische Kinofilme so begeistert von Europa allgemein, dass ich mir vorgenommen hatte, an dieser Welt teilzunehmen. In Deutschland bin ich geblieben, weil ich jemanden kennengelernt und auch geheiratet habe. Ich habe hier auch Kinder.

Wie wurdest Du Restaurator?
I.R.: Ich hatte mich ein paar Mal bei einem hier in Berlin-Charlottenburg arbeitendem, aus Odessa (Ukraine) stammenden Restaurator beworben, der mich erst abgewiesen hat. Irgendwann konnte ich ihn doch mit meinen Arbeiten überzeugen und habe als Aushilfe bei ihm im Laden angefangen. Von 2003 – 2007 ging ich dann auch bei ihm in die Lehre. Heute kann ich dementsprechend selbstständig als Restaurator arbeiten und habe auch meine Werkstatt, sowie eine Website (www.porzellan-restaurator.com).
Die Restauration ist ein spezielles Handwerk und somit habe ich auch meistens mit Händlern und Sammlern zu tun.

Wie sieht deine alltägliche Arbeit konkret aus?
I.R.: Es geht hauptsächlich um Wiederherstellung eines Objektes. Ich ersetze das, was fehlt, setze zusammengehörende Teile wieder zusammen, reinige falls nötig, modelliere etwas neu. Es ist Feinarbeit. Man will die Dinge perfekt wiederherstellen. Das verlangen natürlich auch meine Kunden.
Restaurierung ist für mich ein gehobenes Handwerk, in welchem man meistens mit Kunstwerken zu tun hat: filigran ausgearbeitete Porzellanfiguren, feine Lupenmalerei-Miniaturen, alte Öl-Bilder, antike Skulpturen oder Kristallpokale aus dem der “Sonnenkönig” Wein getrunken hat.

Wie läuft bei Dir eine Auftragsarbeit ab?
I.R.: Die Kunden haben bestimmte Wünsche und Vorstellungen, wie ihre kaputt gegangenen oder durch den “Zahn der Zeit” gelittenen, aber liebgewonnenen Stücke (z. b. Andenken aus Porzellan, Urgroßmutter-Porträt, usw), nach der Restaurierung aussehen sollen. Dementsprechend versuche ich erst die Bedeutung des Auftrages zu erkennen, dann lege Hand an und beschäftige mich gründlich damit. Die Endergebnisse bisher waren immer gut, die Kunden sind zufrieden. Das Arbeitsfeld ist interessant und bereichernd, man kennt sich langsam aus.
M.B.: Ja, wirklich. Er hat einfach das komplette Repertoire im Kopf. Wenn wir beispielsweise auf dem Flohmarkt sind, weiß er immer sofort, welche Figur wertvoll ist und welche nicht – was nicht unbedingt zu sehen ist.
I.R.: Ach, man hat das einfach irgendwann mal gelernt. Es sind meist die “gleichen” Namen, die wertvoll sind. ?Ich warte noch auf einen Auftrag von der Stadt für irgendein Museum. (lacht)

Hast Du noch viele russische Freunde in der Stadt?
I.R.: Ja, es gibt einige. Die stammen meistens aus dem künstlerischen Bereich.
M.B.: Du meinst die Ku‘damm-Künstler, die Touristen portraitieren. (lacht)
I.R.: Na ja, wir nennen uns so. Ich habe dort auch von 1993 – 98 gemalt und ich kenne welche, die noch immer dort arbeiten. Außerdem kenne ich noch einige Restauratoren, die auch aus der Ex-Sowjetunion stammen.

Mögt ihr Berlin wegen des bunten Stadtbilds und der Mischung verschiedener Kulturen?
M.B.: Ich mag Berlin, weil es schön und wild ist. Ich mag die Rohheit, die verschiedenen Gesichter, die freien Gelände, die S-Bahn Stationen und das Kiezleben. Ich habe so eine Fantasie, wie eine Stadt sein sollte, die “Polis”, im Sinn der griechischen Antike. Und das finde ich ein bisschen hier – ein bisschen. Hier hat man das angenehme Gefühl, dass Eigeninitiativen mit kleinen Mitteln noch umsetzbar sind.

Wenn ihr nicht in Berlin wohnen würdet, wo dann?
M.B.: Also, ich würde weiter in den Osten gehen. Nach Russland vielleicht… St.Petersburg?!

Könntet ihr euch vorstellen, etwas Anderes zu machen, als das, was ihr momentan tut?
M.B.: Wenn es möglich wäre, dass das Leben ein endloser Rausch ist, würde ich wahrscheinlich nicht malen. Die Realität ist aber hier, also ist Malen für mich das Vernünftigste, das Schönste, und das Einzige.
Ivan könnte Schauspieler werden!
I.R.: Nein, es gab zwar ein Angebot einer Regisseurin für eine Hauptrolle, aber mit dem Produzenten klappt es wohl nicht mehr. Außerdem will ich mich weiter in den künstlerischen Bereich einarbeiten und ihn erkunden. Ich male auch und stelle bereits regelmäßig meine Bilder aus. Die Malerei zieht mich seit meiner Kindheit magisch an. Ich habe seit dem ich mich kenne, das Ziel, als Künstler zu arbeiten. Ich habe mittlerweile eine Kult-Galerie hier in Berlin, die mich dahingehend unterstützt.

Schaut ihr euch selbst viele Ausstellungen an?
I.R.: Ich ehrlich gesagt, eher weniger, sie dafür schon.
M.B.: Ja, ich gehe sehr regelmäßig. Letzte Woche war ich im Bode Museum. Sonst bin ich wirklich sehr gerne in der Gemäldegalerie.

Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?
I.R.: Wir haben uns mehr oder weniger auf der Straße kennengelernt. Es war wirklich purer Zufall. Genau genommen war es in einem Kebab-Laden. Ich habe einfach „Hallo“ zu ihr gesagt und sie eingeladen, sich an meinen Tisch zu setzen.

Marion Bataillard und Ivan Rogow gehen jeden Tag anspruchsvoll und mit viel Leidenschaft ihrer Arbeit nach. Wer sich von der Kunst und dem Handwerk von den beiden angesprochen fühlt, hat die Möglichkeit unter den folgenden Links mehr zu erfahren. Vielen Dank an Marion und Ivan für das offene Gespräch.

Interview: Tim Seifert
Text: Deana Mrkaja
Fotografie: Maxime Ballesteros