Nikolai Makarov

Vorbei an leerstehenden Autowerkstätten und etlichen Imbissbuden, bahnen wir uns unseren Weg in einen großzügigen Hinterhof. Vor uns steht ein riesiges Fabrikgebäude. Im dritten Stockwerk öffnet uns ein älterer Mann eine schwere Tür: Nikolai Makarov.

In direkter Nähe zum S-Bahnhof Berlin-Wedding hat der russische Künstler sein Heim gefunden und bewohnt dort eine Fabriketage auf mitlerweile knapp 1000 Quadratmetern. Ein Teil davon dient ihm gleichzeitig als Atelier. Beeindruckende Räumlichkeiten, die einen Kunst in unterschiedlichster Form spüren lassen: seien es Bücher und Bildbände, eine variationsreiche Plattensammlung oder Bilder an der Wand.

Als “eigenwilliges Ensemble” an Möbeln und Kunst könnte man Nikolai’s Wohnstil bezeichnen. Oder einfach als typisch das, was man von einem Künstler erwartet. Der sympathische Russe könnte sich wohl an keinem anderen Ort wohler fühlen, als in Wedding. Zwischen einer alten Badewanne gefüllt mit Goldfischen, einem ausgestopften Schäferhund und zwei Klavieren, sprechen wir mit Nikolai über seine Anfänge als Künstler, seine Verbindung zu Hollywood und den Alltag in Wedding.

Bereits seit den 90er Jahren verkauft er seine Kunst über eine New Yorker Galerie in Soho. Er gestaltete nicht nur den Arbeitsraum von Al Pacino in dem Film “Im Auftrag des Teufels (The Devil’s Advocat)”, sondern kümmerte sich auch um die Requisiten für den Film “Thomas Crown Affair”. Zu seinen Sammlern zählen unter anderem Hollywoodgrößen wie Richard Gere, Pierce Brosnan und Al Pacino. Diverse Projekte kennzeichnen sein Leben und er zählt zu den ersten russischen Künstler, die sich nach der Wende aktiv für einen Zusammenhalt der Kunstszene im Mitte-Kiez bemühten.

Im Jahr 1994 eröffnete Nikolai Makarov einen Club für Kunst und Kultur in der Linienstrasse, später das “Stille Museum”, um seinen russischen und deutschen Freunden eine kreative Anlaufstation zu bieten, guten Vodka auszuschenken und hin und wieder ein gepflegtes Kakerlaken-Rennen zu verantstalten.

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Sein spitzer Bart und die schwarze Lesebrille, seine Erscheinung und die Art, wie er redet, wecken sofort unsere Neugier. Bevor wir starten, beendet Nikolai noch das Gespräch und das Glas Wein mit einem befreundeten Künstler. Wir müssen genau hinhören. Nikolai spricht leise und bedacht, er besitzt eine fast geheimnisvolle Anmutung.

Wo bist Du geboren und seit wann bist Du in Berlin?
Geboren bin ich Moskau, 1952. 1975 bin ich dann nach Ost-Berlin gekommen und habe hier geheiratet und Kinder bekommen. Es war damals alles etwas komplizierter mit der Ausreise, ursprünglich wollte ich schon 1968, im Alter von 16 Jahren ausreisen, aber das war nicht möglich.
Später habe ich in Wien bei Rudolf Hausner studiert, circa ab 1984. Meine junge Familie durfte damals nicht mitkommen, das nahm ich in Kauf. Trotzdem hatte ich Kontakt zu meinen Kindern und meiner Frau und habe sie fast jedes Wochenende besucht.

Wie hast Du Berlin damals wahrgenommen und was hat sich, verglichen zu heute, verändert?
An sich hat sich alles verändert, bis auf die typische Berliner Schnauze und die Berliner Art. In Prenzlauer Berg und Mitte findet man nur noch wenig Ur-Berliner. Dennoch ist die Berliner Mentalität, trotz aller Dynamik, relativ beständig.

Wo hast Du damals gewohnt?
Ich habe damals in der Chausseestr. 131 gewohnt, über der Biermann-Wohnung, eine ganz berühmte Ecke Berlins. Das war DIE Adresse. Das Haus jedoch wurde von der Stasi überwacht. Ich wurde damals auch komplett abgehört und hatte Mikorofone unter dem Bett. Seit sechs Jahren lebe und arbeite ich jetzt hier in Wedding. Auch wenn es eine schmuddelige Gegend ist, habe ich hier sehr viel Platz zum Arbeiten.

Wolltest Du schon immer Künstler werden?
Ja, ich habe sehr früh Interesse für Kunst entwickelt. Schon in der Schule habe ich Panzer und nackte Frauen für meine Klassenkameraden gemalt und den Leuten hat das gefallen. Ich dachte erst mal nicht an ein Kunststudium, sondern hatte einfach Spaß am Malen.
Studiert habe ich Germanistik, Geschichte und Slawistik in Berlin an der Humboldt-Universität. In erster Linie um die Sprache zu lernen und etwas über die deutsche Geschichte zu erfahren. Parallel dazu habe ich weiterhin fleißig gemalt und meine Studien gemacht. Künsterlisch ausleben konnte ich mich im Bode- und Pergamon-Museum. Montags war dort immer geschlossen und da ich Kontakt zu den Direktoren hatte, konnte ich dort montags immer in Ruhe üben. Das war die Zeit, in der Studium und Handwerk parallel liefen.

Womit hast Du dich in der Malerei anfangs beschäftigt?
Ich habe mich am Anfang viel mit der Basistechnik und dem Kunsthandwerk beschäftigt. Für mich war es wichtig, dass ich durch meine Malerei eine Atmosphäre, eine Stimmung festhalten kann. Ich habe schon immer ein gutes Gespür für diese Dinge gehabt, auch zwischenmenschlich.”Ich muss erst mal lernen die Luft zu malen”, sagte ich mir immer und versuchen, bestimmte Stimmungen malerisch umzusetzen. Wenn ich das beherrsche, dachte ich, kann ich meine Malerei mit Inhalten füllen, die sich widerrum aus geschichtlichen und aktuellen gesellschaftlichen Ereignissen und Erfahrungen ergeben. Technisch habe ich viel von den alten Meistern gelernt. Am Anfang jeder Laufbahn steht mit Sicherheit viel Übung.

Konntest Du gleich als Künstler arbeiten?
Nein, das war damals im Osten ein Problem. Man wurde nicht verstanden, wenn man den Leuten versuchte zu erklären, dass man als freier Künstler tätig ist. Man musste einem Künstlerverband angehören und das tat ich nicht. Oftmals wurde künstlerische Freiheit auch schlichtweg unterdrückt. Hinzu kam, dass meine Bilder schon immer etwas dunkel angehaucht und nicht “fröhlich” genug waren. Teilweise wurden sogar meine ersten Ausstellungen verboten.

Gab es damals in Berlin eine Künstlerszene?
Ja, gab es. Leider ist die Künstlerszene in der DDR zum Ende hin immer dünner geworden, weil viele Künstler “gegangen worden” sind, unter anderem mein Nachbar Biermann. Jedoch gab es nicht nur Staatskunst, sondern auch junge Studenten und freie Künstler, die sich in kleinen Kreisen organisiert haben. Der staatliche Künstlerverband wurde zum Ende hin ein echtes Politikum, welches darüber bestimmte, ob man nun Künstler sei oder nicht.

Wenn Du von “alten Meistern” sprichst, wen meinst Du konkret damit?
Tizian, Rembrandt…von der modernen Kunst waren es Graubner und Hausner, bei dem ich in Wien studierte. Durch ihn habe ich auch die gesamte Wiener Schule kennengelernt. Die war jedoch künstlerisch nicht unbedingt mein Ding, aber die Maltechnik hat mir sehr gefallen. Dort habe ich auf jeden Fall viel gelernt. In Wien hab ich auch Hundertwasser kennengelernt und ein paar andere tolle Künstler.
In Leipzig und Chemnitz herrschte damals eine andere Bewegung als in Berlin, etwas dynamischer und nach Freiheit strebend. In Berlin waren mehr geschlossene Künstlerbezirke, in die ich nicht reingekommen bin. Dadurch, dass ich unterschiedliche Städte besuchte, erweiterte sich natürlich auch mein künstlerischer Horizont. Ich kann nicht sagen, dass Berlin den stärksten Einfluss hatte.

Warum wirken deine Bilder oft sehr düster?
Es hat mehr mit dem Bedürfnis nach Sakralität zu tun. Wie wenn man beispielsweise eine Kirche betritt. Man spürt etwas dabei, die Stimmung. Egal ob man gläubig ist oder nicht. Dasselbe gilt auch für die Kunst. Kunst bedeutet etwas zu erleben, was du gerade nicht erwartest.
Ich beschäftige mich in meiner Kunst viel mit dem Thema Leben und Tod, hell und dunkel. Das ist in den Bildern deutlich erkennbar. Dabei arbeite ich mit Airbrush.

Wie kam der Kontakt nach New York zu Stande?
Ich hatte 1991 in Berlin in der Akademie der Künste eine Ausstellung namens “Dialog mit Rembrandt”. Ein russischer Künstler, den ich selbst auch verehre, der jedoch bereits seit 1968 in Amerika lebt, hat bei einem Berlin Besuch die Plakate meiner Ausstellung gesehen und ist so auf mich aufmerksam geworden.
Dieser Künstler hat mich, nachdem er mich ausfindig gemacht hatte, nach Venedig zum Karneval eingeladen. Dort hat er mir erzählt, dass er sich mit metaphysischer Kunst auseinandersetze und ich für ihn die Krönung der Verbindung zwischen altmeisterlicher Malerei und moderner Umsetzung sei. Da er in New York lebt und dort mit einer Galerie zusammenarbeitet, kam ich eben auch 1995 nach New York in die Mimi Ferzt Gallery in Soho. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar. Auch wenn es nicht unbedingt mein Pflaster dort ist, dieses “Schicki-micki” bin ich nicht, hat es dazu verholfen, dass unter anderem Richard Gere und Pierce Brosnan zu meinen Sammlern wurden.

Wo siehst du die Unterschiede zwischen Berlin und New York bezogen auf den Kunsthandel?
In New York ist es so, dass die Menschen gerne Geld für Kunst ausgeben. Teilweise ist das hier nicht der Fall. Oftmals werden Vergleiche gezogen: “Das kostet so viel wie ein Kleinwagen”. Das gefällt mir nicht.
Mit der Mimi Ferzt Gallery arbeite ich auch heute noch zusammen und wir veranstalten auch jedes Jahr eine Austellung gemeinsam. Es ist sowieso unglaublich, wie schnell dort gearbeitet wird und meine Vorstellungen umgesetzt werden. Irgendwie funktioniert das in Amerika besser, als hier.

Du sagst, du hast auch für die Filmbranche in Hollywood gearbeitet. Wofür war das konkret?
Zum Beispiel habe ich für den Film “Im Auftrag des Teufels” mit Al Pacino gearbeitet. Dafür habe ich seinen Arbeitsraum gestaltet und extra ein Bild gemalt, welches er dann sogar später gekauft hat. Oder auch für “Thomas Crown Affair” mit Pierce Borsnan. Ich habe sozusagen die Innenausstattung für die Filme gemacht. Ich bin auch eher durch einen Zufall da rangekommen. Ehrlich gesagt, hat mich das alles auch gar nicht so sehr interessiert; ich hatte längst neue Projekte im Kopf.

Wie wir wissen, hast du eine Stiftung gegründet. Kannst du uns erzählen, wie es dazu kam?
Das war im Zusammenhang mit meinem Club in Berlin Anfang der Neunziger. Wir hatten jeden Tag verschiedene Veranstaltungen dort; Konzerte, Lesungen etc. Ich wollte die deutsch-russische Freundschaft mit dem Club stärken. Eigentlich musste ich mich nie um etwas kümmern, das lief immer über Mundpropaganda. Der Club wurde so bekannt, dass man sogar in Sinsheim bei Heidelberg davon hörte. Eine ältere Dame, die dort lebte und nach Kriegsende eine Sprachschule für deutsch-russische Völkerverständigung gründete, hatte durch Zufall auch von meinem Club erfahren. Sie hat mich dann kontaktiert und wollte, dass ich die Sprachschule erbe, wenn sie stirbt. Dafür wollte sie jedoch, dass ich eine Stiftung gründe und sie nach ihrem verstorbenen Sohn benennen.

…Und da hast Du Dich nicht zweimal bitten lassen.
Ich bin schließlich auch zu ihr gefahren, um sie kennenzulernen und machte dort dann auch eine interessante Begegnung mit dem Hund, der jetzt ausgestopft hier bei mir steht. Ein riesiges Tier, vor welchem ich wirklich Respekt hatte. Die alte Frau hat den Hund und mich beobachtet und als sie merkte, dass er nicht bellte, wusste sie wohl, dass ich einer von den Guten bin. Als die Frau dann starb, war der Hund ein Teil des Erbes und deshalb steht er heute hier bei mir. Er hört alles, was wir sagen. Deshalb darf ich nichts Schlechtes über die Frau sagen (lacht).
Erst wusste ich gar nicht, ob ich diese Stiftung gründen will, denn ich hatte nichts davon. Heute bin jedoch froh, dass ich es gemacht habe. Übrigens auch mit der Hilfe anderer Künstler. Sogar Hertha Müller, die Nobelpreisträgerin, hatte bereits eine Lesung bei uns. Natürlich noch bevor sie den Nobelpreis erhielt.
Wir sind mit der Stiftung dann auch nach Berlin umgezogen. Mittlerweile finden die Veranstaltungen bei mir hier im Atelier statt; normalerweise ein Mal im Monat. Ich freue mich, wenn ich anderen Künstlern dadurch helfen kann.

Welche Idee steht hinter deinem “Stillen Museum” in Berlin?
Ich wollte einfach etwas völlig Anderes machen. Es ist eine reine Inszenierung mit Licht und Kunst, ohne jegliche Beschriftungen oder ähnlichem. Es wird auch nicht erklärt, was das alles soll.
Manche Menschen fahren sogar in einen Tempel nach Indien, um dort zu schweigen. Das kann man eben auch hier machen. In solchen “Räumen der Stille” spürt man sich selbst natürlich als erstes und darum geht es. Ich habe bereits sehr interessante Geschichten im “Stillen Museum” erlebt. Beispielsweise kam ein Mal ein Paar hinein. Er sagte bereits nach wenigen Sekunden “Ich warte draußen”, während die Frau über zwei Stunden blieb. Jeder geht anders mit Stille um. Manche empfinden es als sehr unangenehm mit den eigenen Gedanken allein zu sein; wenn man Ängste hat beispielsweise. Andere hingegen genießen dieses Treffen mit dem Unterbewusstsein. Das ist das Schöne an der Kunst. Sie ist so unglaublich vielfältig und wirkt auf jeden anders.

Ab Oktober 2010, zum Start der Kunstmesse in Berlin, beginnt das neue Projekt von Nikolai Makarov.
Ein altes Kühlhaus am U-Bahnhof Gleisdreieck, soll in ein Kunstquartier verwandelt werden. Auf zwei Etagen findet eine Ausstellung von Nikolai statt, die Sechszehn Variationen und Interpretationen der berühmten “Paris Bar” beinhaltet.
Damit die viele Arbeit bis dahin fertig werden kann, begleitet uns Nikolai Makarov nach einem äußerst interessanten Gespräch höflich aus seinem großen Atelier-Labyrinth heraus, verabschiedet uns mit einer Verbeugung und zieht leise die Tür hinter sich zu.

Interview und Text: Deana Mrkaja
Fotografie: Ailine Liefeld