Norbert Bisky

Der letzte Tag in der Einzelausstellung von Norbert Bisky in der Galerie Crone. Über den Innenhof erreicht man die Galerie, deren Ausstellungsfläche aus einem zentralen Raum besteht. Entgegen früherer Werke hat Bisky dieses Mal mit zahlreichen Skulpturen gearbeitet. Man sieht verknotete Vorhänge, Lampen, Rettungswesten und Schlafsäcke. An den Wänden die Werke, kaum mit Figuren versehen– zerrüttete Häuser, Objekte, ein Mantel, der seines verstorbenen Bruders.
Norbert Bisky ist bekannt, nicht nur als Maler, auch wegen seines Vaters. Vor zwei Jahren hielt er sich in Mumbai in unmittelbarer Umgebung zu den Orten der Terroranschläge auf. Vieles davon ist in der Ausstellung verarbeitet, genauso wie der überraschende Tod seines Bruders einige Wochen nach den Erlebnissen von Mumbai.
Wir sprechen mit Norbert Bisky über seine Kunst, seinen Werdegang und die Besonderheiten dieser Ausstellung.

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Wie kamst Du auf die Idee Künstler zu werden?
Durch eine Entscheidung. Es gibt ja Leute die schon im Alter von vier Jahren wissen, dass sie Künstler werden wollen und wie verrückt malen. Aber sehr viele Künstler haben einfach nur an irgendeinem Punkt ihres Lebens beschlossen: jetzt werde ich Künstler – und dann sind sie es geworden. So war es auch bei mir.

Wann war das bei Dir?
Das war im Januar 1993.

Warum weißt Du das noch so genau?
Jahresbeginn, neues Jahr. Es war für mich ein großer Entschluss. Ich hatte mich schon immer mit Kunst beschäftigt und Bilder gemalt, hatte aber das unbefriedigende Gefühl, das nur halbherzig machen zu können und nicht mehr genug Zeit und Energie zu haben, es richtig zu versuchen.

Du hast damals schon studiert?
Ja, Kunstgeschichte und Germanistik an der Humboldt Universität. Dort war ich aber nicht wirklich glücklich damit, mir in abgedunkelten Räumen schwarz-weiß Dias von alten Meistern anzugucken. Ich dachte mir, egal was jetzt passiert, ich habe nur ein Leben und ich will das jetzt richtig angehen. Also war mir klar: ich muss Bildende Kunst studieren.
Ich habe mich dann ein Jahr auf die Hochschule vorbereitet und bin an die UdK gegangen.

Wie hast du damals gearbeitet? Hast du gleich mit Malerei angefangen?
An der UDK habe ich mich mit einer Mappe beworben mit hauptsächlich abstrakter oder abstrahierender Malerei. Kaum an der Hochschule habe ich dann gesehen, wenn die Leute malen, dann malen sie so ähnlich wie ich und dann wurde mir klar, das geht gar nicht. Also habe ich genau das Gegenteil, den ganz klassischen Ansatz versucht und machte Modelzeichnungen – Hand, Kopf, Fuß –und zwar sehr ausgiebig und ausführlich, langsam und klassisch, also ein Model eine Woche in der gleichen Position acht Stunden zeichnen. Das ist eine Art von Naturstudium, die es eigentlich gar nicht mehr gibt an Akademien. Ursprünglich gezeigt hat mir das Jim Dine – ich habe das dann wochenlang hardcore betrieben. Das war der eine Ansatz.
Der andere war, dass ich nach Spanien gegangen bin, mit einem Erasmus-Stipendium nach Madrid. Dort hatte ich nur ein schrecklich winziges Atelier. Also habe ich im Prado die Bilder kopiert, die ich gut fand. Das sind die beiden Ansätze, die mich zu den Arbeiten geführt haben, die ich jetzt mache.

Wann bist du in die Klasse von Georg Baselitz gekommen?
Das war 1994.

Und wie hat er dich geprägt?
Er hat mir fünf Jahre lang seine Meinung gesagt. Das prägt natürlich sehr und ich habe von ihm viel gelernt. Er hat immer klar gesagt, wenn er was er doof fand, was oft der Fall war. Als ich aus Spanien zurück kam, da hatte ich lauter Bilder gemalt, von denen ich dachte, dass man sie an der UDK blöd fände und dass war dann auch so. Baselitz hat dann gesagt: „Das ist Mist, aber das wissen Sie auch selber.“ Und damit war das dann auch erledigt. Er hat eine sehr klare und präzise Herangehensweise an Kunst. Das hat mir sehr geholfen und es hilft mir auch jetzt im Umgang mit meinen Studenten Klarheit reinzubringen.

Bist Du inzwischen Dozent?
Ich habe eine Gastprofessur an der Genfer Kunstakademie.

Hilft Dir das für Dein Schaffen?
Ja, es hilft möglichst fokussiert über Bilder zu sprechen. Dass man nicht sagt, der grüne Fleck in der Ecke könnte auch gelb sein. Es geht um Präzision und um eine Atmosphäre der Auseinandersetzung in der etwas Eigenständiges, Neues entstehen kann. Wie gesagt, ich habe bei Baselitz viel gelernt. Sein Einfluss hat für mich auch deshalb so gut funktioniert, weil ich immer einen großen Abstand zu seinen Arbeiten hatte, ich wollte niemals genauso malen wie mein Professor, und das hat ein gutes Spannungsfeld ergeben.

Wie fanden deine Eltern es, dass Du Künstler werden wolltest?
Sie haben gesagt: Mach ruhig. Aber es wäre vielleicht besser für mich gewesen, wenn sie so richtig Widerstand gezeigt hätten.

Weil dann wärst Du noch bestärkt worden?
Genau, weil dann entwickelst Du Adrenalin. Aber sie haben es nachvollziehen können warum ich Kunst studieren will. Es war Anfang der 90er, da war ihre Welt komplett erschüttert und sie waren sehr mit sich selbst beschäftigt. Also haben sie gesagt: Mach doch! Außerdem war ich 23 Jahre alt, das ist auch kein Zeitpunkt mehr, wo Du Deine Eltern fragst. Zumindest war das bei mir so, ich war mit 19 zu Hause ausgezogen und habe meine Entscheidung für mich getroffen.

Schauen sie sich heute Deine Ausstellungen an?
Ja.

Und was sagen sie dann?
Ihre Meinung. Was sie gut finden und was sie nicht verstehen. Ganz normal.

Zu Deinem Werk: Es war ja vorher deutlich gegenständlicher. Diese Ausstellung ist abstrakter, umfasst auch Skulpturen. Mich würde interessieren, die Figuren in Deinem Werk, sind das Leute aus Deinem Freundeskreis, die Du gesehen hast oder was sind das für Figuren?
Also die Figuren, die ja jetzt nicht mehr da sind, die verschwunden sind: Das Begann mit einem Freund, den ich sehr lange gezeichnet habe. Dann wurde mir der Prozess zu mühselig und ich habe angefangen mit Polaroids zu arbeiten und da es keine Polaroids mehr gibt, habe ich begonnen digitale Abbildungen zu verwenden, das fand ich dann irgendwann aber auch zu aufwändig und dachte, ich kann ja auch einfach Sachen finden. Wenn ich jetzt irgendwo eine Abbildung sehe, die ich gut finde, dann verwurste ich sie. Das hat sich also von einer sehr konkreten Person komplett geöffnet, in alle Richtungen.

Was ist Malerei für Dich?
Eine persönliche Referenz. Allmachtsphantasien, die versuchen, die Welt zu objektivieren gibt es ja genug, Kunst wie Malerei ist dagegen ein vollständig subjektiver Ansatz.

Was ist in dieser Ausstellung genau ineinander geflossen?
Wenn man herein kommt, sieht man auf der linken Seit zusammengeknotete Gardinen. Das sind die Gardinen, an denen sich die Leute außen am brennenden Hotel in Mumbai abgeseilt haben um dem Terror zu entfliehen. Im Taj-Hotel in Mumbai waren die Gardinen viel zu kurz- hier sind sie zu lang. Die Rettungswesten, die sich im Grunde genommen durch die ganze Ausstellung ziehen, zielen auf das Thema Sicherheit, Katastrophe, Unglück. Es ist der Versuch sich gegen alle Unbill zu verteidigen und zu signalisieren: hallo hier bin ich.
Dann gibt es hier einen Text aus der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, der in billigen Kopien an verschiedenen Stellen der Ausstellung verteilt ist, die totale apokalyptische Vision. Es gibt diverse Auffassungen zur Apokalypse, es gibt Leute, die sagen wir sind da schon ein paar hundert Jahre drin, Apokalypse macht Spaß und uns geht’s prima damit. Das finde ich natürlich interessant. Ich will mit dieser Ausstellung zeigen, in meinem Leben sind ein paar harte Sachen passiert, Tod und Terror, das muss ich reflektieren, und in meine Arbeit hinein nehmen, sonst wird es komplett idiotisch und verlogen. Ich habe kein Interesse, einfach so weiter zumachen, als wäre nix gewesen.
Die Matratzen und Schlafsäcke hier in der Ausstellung stammen vom Nachbargrundstück meines Ateliers in Friedrichshain, wo ich arbeite und lebe. Ich sehe dort im Moment mehr arme Leute als je zuvor. Leute die ihr ganzes Hab und Gut in Einkaufswagen packen. Der Einkaufswagen ist das Symbol für Shopping schlechthin, aber er ist vor allem das billigste Fortbewegungsmittel, das Auto der ganz kleinen Leute, in das sie ihr ganzes Hab und Gut reinpacken und mit sich rumschleppen. Die Sachen, die hier liegen, sind Überbleibsel vom Nachbargrundstück, einer unbebauten Bombenlücke, wo die Leute 60 Meter neben meinem Atelier unter freiem Himmel schlafen. Die Bilder an den Wänden zeigen eine zerstörte Welt.

Wie ist dein Verhältnis zu deinen Sammlern und Förderern? Kennst du sie?
Ich kenne nicht alle, aber zu vielen meiner Sammler habe ich ein freundschaftliches Verhältnis. Das sind ernsthafte, sehr angenehme, reflektierte Menschen. Manche kenne ich nicht. Das kommt dann daher, dass die Bilder in Japan, Costa Rica oder Argentinien sind.

Deine Werke scheinen oft grade von der homosexuellen Szene gut aufgenommen zu werden…
Vielleicht ein Irrtum. Wer ist die homosexuelle Szene? Bestimmte meiner frühen Motive sind vielleicht als jpg beliebt. Ich selbst hab nie ein Geheimnis daraus gemacht, das ich mit meinem Freund zusammen lebe.
Tatsächlich gekauft aber werden meine Bilder von Kunstsammlern, die auch Donald Judd, Jason Rhoades oder flämische Malerei des 17. Jahrhunderts sammeln. Einige leben mit ihrem Freund, die meisten eher mit Frau und Kind und eben mit ganz viel Kunst.

Wird man da medial in eine Ecke gedrängt?
Naja das ist schön einfach. Also wenn ich jetzt nur Schwule beim Ficken malen würde, dann wäre es simpel. Mache ich aber nicht, das ist nur einer unter mehreren Bezugspunkten. Hier in dieser Ausstellung gibt es kein einziges Bild mit Figuren drauf. Und es gibt vom Literaturprofessor in Madrid über den kroatischen Psychoanalytiker bis zum Manager in Tel Aviv – viele Sammler die drei Kinder zu Hause haben und sich intensiv mit meiner Malerei beschäftigen.

Und wie geht es nach dieser Ausstellung weiter?
Jetzt freue ich mich auf diverse Ausstellungsbeteilungen unter anderem in den Kunsthallen Tübingen und Rostock, Einzelausstellungen sind für Paris und New York in Planung.

Weitere Informationen zu Norbert Bisky, seinem Werk und aktuellen Ausstellungen findet man hier.

Interview: Moritz Kaufmann
Fotografie: Ailine Liefeld