Gebaut für Designer, offen für alle: A/D/O verbindet Design-Avantgarde und Lokalkultur
Die Studioräume von MINI in Brooklyn sind eine Antwort auf die urbanen Bedürfnisse unserer Zeit, New York City
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Die Nachbarschaft Greenpoint in Brooklyn nimmt einen besonderen Platz in der mentalen Landkarte der Anwohner ein.

Fast wie eine Halbinsel zieht sich das maritime Gebiet nach Norden in Richtung Queens: Geprägt ist es von den Überresten einer industriellen Infrastruktur und den Schiffkais, die in den East River ragen. Die Nachbarschaft wurde von polnischen Immigranten entwickelt, von Ölkatastrophen verseucht und ist neuerdings ein Anzugspunkt für die Bewohner aus Brooklyn, die aus dem gentrifizierten Williamsburg hierherziehen. Man könnte sagen, Greenpoint hat eine gespaltene Persönlichkeit: Einerseits Künstlerlofts und Werkstätten, andererseits belaubte Seitenstraßen, Reihenhäuser und einladende Bars und Restaurants.

Genau dieser bunt zusammengewürfelte Charakter ist der Grund, warum A/D/O so gut hierher passt. An einer Ecke im südlichen Teil der Nachbarschaft verwandelt eine rund 2000 Quadratmeter große Glasstruktur ein Fabrikgebäude in einen einladenden Public Space, der im Januar 2017 seine Türen öffnete. Das Design, entworfen von nArchitects, vereint eine industrielle Vergangenheit mit einer divers genutzten Zukunft, indem es beides in einem Gebäude zusammenbringt. Anders als die mit Brettern zugenagelten Garagen und Ladenfronten auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist A/D/O transparent in puncto Form genauso wie Funktion. Durch die Glasfassade sind Norman, das von Fredrik Berselius und Claus Meyer entworfene Restaurant und die angrenzenden Studio-Räume direkt einsehbar.

„Wir wollten eine Werkstatt und einen Arbeitsraum für Designer mit Werkzeugen und Fachwissen schaffen, aber wir wollten auch sichergehen, dass es in der Nachbarschaft all das gibt, was wir nicht bieten können.“

— Alyse Archer-Coité, Kultur- und Programmdirektorin bei A/D/O

A/D/O steht für Amalgamated Drawing Office, so hieß das Team um Sir Alec Issigonis, das 1959 den ersten MINI entwarf. Was heute in den Räumen in Greenpoint unter dem Leitsatz „Built for Designers – open for all” amalgamiert, sind ein Studio Space für Designer, die eine Mitgliedschaft beantragen können, ein öffentlich zugänglicher Coworking-Space und ein Kalender voll mit Kulturevents. Ähnlich wie das Amalgamated Drawing Office sich damals vor einer sozialen Herausforderung sah – der erste MINI war eine Antwort auf die damalige Benzinknappheit –, will auch A/D/O Produkte und Services mit gesellschaftlicher Relevanz ermöglichen. So fördert der hauseigenen Startup-Accelerator Urban-X in erster Linie Ideen, die das Stadtleben neu denken und verbessern.

Das urbane Experiment von MINI verrät selbst bereits einiges darüber, wie das Zusammenleben in Städten neu gestaltet werden kann. Mit auf Abruf verfügbaren Fahrdiensten wie Lyft und Uber und je nach Bedarf mietbaren Räumen wie Airbnb und WeWork hat sich auch die Art und Weise, wie wir uns in urbanen Netzwerken bewegen, verändert. Aspekten wie Mobilität und Flexibilität kommt heute mehr Wichtigkeit zu als früher. A/D/O „erforscht Innovationen und neue Möglichkeiten und Richtungen für den urbanen Raum“, sagt Alyse Archer-Coité, Kultur- und Programmdirektorin bei A/D/O.

Viele Start-ups im Bereich Technologie beschäftigen sich nicht wirklich mit der Lokalkultur ihres Standortes. Sich in das Gefüge der Nachbarschaft einzugliedern, auf logistischer genauso wie sozialer Ebene, war daher eines der Hauptziele von A/D/O. „Wir wollten eine Werkstatt und einen Arbeitsraum für Designer mit Werkzeugen und Fachwissen schaffen, aber wir wollten auch sichergehen, dass es in der Nachbarschaft all das gibt, was wir nicht bieten können.“, erklärt Archer-Coité. Anders gesagt: Falls das Herstellungslabor von A/D/O die Ideen eines Designers nicht umsetzen kann, dann können es die vielen Fabriken und Studios in Greenpoint mit Sicherheit.

„Wir wollen Dinge anbieten, die Leute nicht im MoMA Design Store oder auf Amazon finden.“

— Alyse Archer-Coité, Kultur- und Programmdirektorin bei A/D/O

Anders als ein bloßer Coworking-Space oder ein Bürozentrum, ist A/D/O nicht nur ein Ort zum Arbeiten, sondern ein Designhub. „Man kann hier von der Ideenfindung über die Herstellung bis zu Marketing und Sales alle Arbeitsschritte durchlaufen“, sagt Archer-Coité. „Wir wollen Dinge anbieten, die Leute nicht im MoMA Design Store oder auf Amazon finden.“ Ein im Studio entworfenes und im Labor hergestelltes Produkt kann innerhalb von A/D/O präsentiert und sogar im eigenen Store verkauft werden. Es ist ein Ort, an dem Theorie Realität wird. Die Vielzahl der Teilnehmer und unterschiedlichen Arbeitsbereiche führt auch dazu, dass hier verschiedene Branchen miteinander kollaborieren können. In der zunehmend dezentralisierten, globalen Welt des Designs „gibt es diese Art der Nähe sonst nicht für Designer, außer sie sind bei einem Festival oder in der Hochschule“, ergänzt Archer-Coité.

Natürlich ist nicht nur der physische Ort von Wichtigkeit. Lofts gibt es im Industriegebiet von Brooklyn an jeder Ecke, aber an den menschlichen Aspekten, die das kreative Arbeiten an einem Ort möglich – oder sogar angenehm – machen, mangelt es häufig. Wer das Gebäude von A/D/O betritt, wird er vom eleganten Raum des Norman empfangen, wo man sich morgens an einem sonnenbeleuchteten Holztisch einen Cappuccino und ein Sandwich zum Frühstück gönnen und abends ein Dinner für 15 Klienten mit Austern und Charcuterie-Platten geben kann.

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Die A/D/O Studio-Räume eröffnen den Blick auf das Norman, das von Claus Meyer geführte Restaurant.
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Ein Blick ins Innere der Design-Studios von A/D/O.
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Temporäre Installation des britischen Kunstkollektivs Assemble / Granby Workshop

Andere Orte im Gebäude hat nArchitects mit spezialgefertigten Möbeln ausgestattet, die industriellen Charm mit weichen Materialien und verschiedenen Geweben kombinieren und so ein gleichzeitig intimes und anpassbares Interior schaffen. Die im Normalfall verfügbaren Arbeitsräume für unabhängige Kreative – Coffeeshops und Hotellobbys – zeichnen sich durch einen ständigen Mangel an Platz und Licht aus. Nicht aber A/D/O, wo sich jederzeit eine Vielzahl an Tischen findet, die von dem riesigen Oberlicht erhellt werden.

A/D/O ist nicht das einzige Beispiel für einen solchen divers nutzbaren Kreativraum in der Stadt. Das Kunst-Nonprofit-Studio Eyebeam arbeitet – zu Anfang in Manhattan, dann in Brooklyn und bald in Bushwick – schon lange an der Verschmelzung von Technologie und Kultur. Es bietet Künstlern einen Ort zum Arbeiten, vergibt Fördergelder und veranstaltet Ausstellungen. Auch New Inc., Teil des New Museum an der Bowery, beherbergt einen interdisziplinären Office Space, der sich allerdings mehr an Start-ups und größere Studios richtet. Was A/D/O von diesen Räumen unterscheidet, ist die Nutzbarkeit für die Öffentlichkeit. Anstatt nur die Kunstwelt zu adressieren, ermöglicht der Ort auch Außenstehenden Zutritt.

Um dieses Ziel zu erreichen, tritt A/D/O mit lokalen Schulen, Gemeindegruppen und Kreativen in Kontakt, damit diese an der Programmgestaltung mitwirken können. „Wir sind eine Plattform, aber wir verstehen uns auch als Ressource“, fügt Archer-Coité hinzu. „Wir wollten nicht wie ein UFO landen und diese Straßenecke für uns beanspruchen; wir wollen, dass die Nachbarschaft sich willkommen fühlt.“

A/D/O ist offen für alle. Aktuelle Programmhinweise und weitere Hintergrundinfos sind auf der A/D/O Website zu finden. Zum hauseigenen Start-up Accelerator Urban-X geht es hier entlang und mehr zum architektonischen Konzept gibt es bei nArchitects.

Bereits seit einigen Jahren widmen MINI und FvF sich gemeinsam den urbanen Themen unserer Zeit. Die enge Partnerschaft ermöglicht FvF zudem einen exklusiven Einblick in die internationalen Initiativen von MINI. Neben A/D/O und Urban-X, haben wir dieses Jahr bereits MINI Living nach Mailand und MINI Fashion nach Florenz begleitet.

Letztes Jahr haben MINI und FvF darüber hinaus The Sooner Now ins Leben gerufen, eine Reihe kreativer Konferenz- und Dialogformate zur Zukunft des urbanen Lebens.

Text: Kyle Chayka
Fotografie: A/D/O und James Chororos