Im Gespräch mit Eric Kuhn, dem Social-Media-Experten, der die Entertainmentwelt der Zukunft gestaltet
Einer der innovativsten Unternehmer Hollywoods und sein Versuch, Talent und Technologie zu vereinen, Los Angeles
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Als Eric Kuhn mit 23 Jahren anfing für eine Talentagentur zu arbeiten, machte er einen Job, der in seinem Unternehmen und in ganz Hollywood vollkommen neuartig war.

Kuhn war der erste Social-Media-Agent und er wusste genau, was er mit dieser Rolle erreichen wollte. Seinen Kollegen bei United Talent Agency in Beverly Hills – einer Agentur, die bekannte Schauspieler aus Film und Fernsehen vertritt – erklärte er, seine Vision sei es, „Entertainment und Technologie zu verbinden, um z.B Stars zu Social-Media-Berühmtheiten und Social-Media-Größen zu Stars werden lassen.“

Kuhns Vision ist heute größtenteils Wirklichkeit geworden: YouTuber und Instagram-Stars fesseln die Blicke von Millionen Zuschauern an ihre winzigen Handybildschirme und haben eine vollkommen neue Industrie des Social Media Entertainment geschaffen. Doch obwohl Kuhn, der mittlerweile Kommunikation und Strategie für Layer3, einer next-generation Fernsehfirma, leitet, fast immer in Bewegung ist und seine Zeit zwischen New York, Los Angeles, Washington, D.C., San Francisco und Denver (dem Firmensitz von Layer3) aufteilt, vertritt er eine recht klassische Arbeitsphilosophie. „Obwohl ich durch und durch in der Social-Media-Welt zu Hause bin, glaube ich fest daran, dass der direkte Kontakt per Telefon oder das persönlich Vorbeischauen das Beste ist, um Deals zu machen“, sagt Kuhn.

Bei Layer3 findet man viele Elemente, die für die Büros der Tech-Start-up-Szene typisch sind: eine Küche voller Snacks, offene Arbeitsräume, eine Tischtennisplatte. Angestellte haben Zugriff auf die besten Kommunikations- und Arbeitssoftwares wie zum Beispiel Slack. Doch obwohl Kuhn bei UTA in seiner Rolle als Agent verantwortlich für Social-Media-Stars war, hat ihm der Job gezeigt, dass direkte Gespräche und ein persönlicher Austausch unbezahlbar sind. Es ist auf professioneller, so wie auf persönlicher Ebene sehr wichtig, direkt für Menschen präsent und ansprechbar zu sein. „Ich glaube, dass man heutzutage, wo es normal ist, ein Anliegen in 35 Textnachrichten zu erklären, immer noch am besten zusammenarbeitet, wenn man einfach rübergeht und seinem Geschäftspartner in die Augen schaut“, sagt er.

(EN) Eric working from the NeueHouse Hollywood, a Modernist coworking space that occupies the 1938 CBS Radio building.
2017 FvF Nomos Eric Kuhn
(EN) Eric is nearly always on the move, dividing his time between New York, Los Angeles, Washington, D.C., San Francisco, and Denver. Seen here at L.A.'s coworking space NeueHouse.
2017 FvF Nomos Eric Kuhn

(EN) “I’m a bridge builder and I’m an explainer.”

Dieser Ansatz hat sich in Kuhns Karriere ausgezahlt: der Leitfaden, der sich neben seiner Arbeit als Talentagent auch in seinen Social-Media-Jobs für CNN, CBS News und die NBA durch seine berufliche Laufbahn zieht, ist ein stetes Bemühen Verknüpfungen zu erstellen und unbekannte Partien in Beziehung zu einander zu bringen. „Egal, ob es die neuen oder traditionelle Medien sind“, sagt Kuhn, „oder ein anderer Teil einer Organisation, im Endeffekt bin ich dafür verantwortlich Brücken zu bauen und neue Ideen zu erklären.“ Wenn er also zum Beispiel eines der Fortune-500-Unternehmen davon überzeugen will in einer neuen App aktiv zu werden, dann legt er den Schwerpunkt seins Arguments nicht auf die Technologie – denn eine gute Social-Media-Strategie ist größer als die neueste Trend-App. Kuhns goldene Regel ist es: „Technologie nicht um der Technologie willen zu benutzen, sondern um seine Interessen voranzutreiben – egal, ob es nun ums Geschäft oder ums Marketing geht.“ Manchmal können Unternehmen enorm von solchen neuen Social-Media-Kanälen profitieren, zum Beispiel wenn sie Facebook oder Twitter nutzen um ihre Firmen einzuführen, andere Apps hingegen schaffen den Sprung nicht und gehen Bankrott.

Aber auch wenn der Erfolg von Unternehmen auf den einzelnen sozialen Plattformen nach dem Glücksprinzip funktioniert, tut Social Media das als Ganzes garantiert nicht. Man muss nur wissen, welchen Ansatz man verfolgen will und wie man sich die Ergebnisse zunutze machen kann – eine Kunst auf die sich Kuhn spezialisiert hat. Diese Social-Media-Strategie verfolgte er schon für UTA im Jahr 2011: „Wenn jemand an Agenten oder Social Media denkt, hat er meistens ein Bild von jemandem im Kopf, der redet“, erklärt Kuhn. „Wir wollten aber zuhören.“ Kuhn hat seine Klienten nämlich nicht zu Twitter und Facebook geschickt, damit sie Likes sammeln, sondern um Informationen über ihre Zielgruppen zu erhalten und sie dadurch besser zu verstehen. Dieser Ansatz, den Kuhn mit konzipiert hat, ist inzwischen Industriestandard geworden und für Instagram Influencers eine Selbstverständlichkeit.

Die Macht der Daten und die Fähigkeit, diese zu interpretieren, ist immens. Dank ihr wissen Marken, an welche Influencer sie sich wenden müssen, um den richtigen Content für ihre Social-Media-Kanäle zu produzieren. Wie Kuhn sagt, „verleihen diese Social-Media-Player einer Marke ihre Authentizität“, indem sie zum Beispiel das Abenteuer von #vanlife mit den Bedürfnissen eines kommerziellen Kunden in Einklang bringen. Und dann gibt es die heutigen Megastars wie Beyoncé, die schon seit langem keine Interviews in regulären Zeitschriften mehr gegeben hat. „Sie kann sich einfach direkt an die Öffentlichkeit wenden und überspringt die traditionellen Medien komplett“, erklärt Kuhn. Dies wirft die Frage auf, welche Rolle die alten Medien heutzutage eigentlich noch spielen.

2017 FvF Nomos Eric Kuhn
(EN) “You can send 35 text messages to someone but the point is still sometimes missed and it’s impersonal. Meeting face-to-face with a person or picking up the phone can be the more efficient way to work,” says Eric, as he sits down to a meeting.
2017 FvF Nomos Eric Kuhn
2017 FvF Nomos Eric Kuhn

Dadurch, dass es Kabelfernsehen, Video-Streaming und Social Media in einer einzelnen Set-Top-Box zusammenbringt, bietet Layer3 eine ganz neue Art des Entertainments. Unabhängig davon ob der Content von einem großen Studio für Hunderte oder gar Millionen Zuschauer produziert wurde oder eine Amateurproduktion aus einem privaten Schlafzimmer ist, bietet Layer3 eine universale Ebene, die alles gleichzeitig und in der bestmöglichen Qualität verbindet. In einer Zeit in der die Unterhaltungsindustrie hauptsächlich damit beschäftigt ist, um die Aufmerksamkeit ihrer Kunden zu kämpfen, gibt Kuhn den Zuschauern eine unabhängige Plattform.

Fragen nach einem Konflikt zwischen Kunst und Kommerz interessieren Kuhn dabei wenig. Auch Bedenken darüber, ob Smartphones unsere Beziehungen im echten Leben zerstören bereiten ihm keine schlaflosen Nächte. Er ist davon überzeugt, dass der Einfluss dieser Technologien sich immer weiter vergrößern wird – im Büro, in den Medien und in unserem Privatleben. Er ist auch überzeugt davon, dass dies eine gute Entwicklung ist. Besonders gespannt ist Kuhn andererseits auf die Generation Z, die auf Social-Media-Plattformen so chattet, als wären es Messaging Apps. „Sie kommunizieren mit verschiedenen Medien: Bildern, Videoclips, Bitmojis“, sagt er. Den jüngeren Generationen wird die Idee eines Social-Media-Stars nicht mehr fremd vorkommen, sie kennen das von klein auf.

Interessant dabei ist, dass während Kuhn fest damit beschäftigt ist die Zukunft von Social Media und Entertainment zu gestalten, und hierfür auf der ganzen Welt unterwegs ist, wird er wohl zu seinen Meetings weiterhin persönlich erscheinen und den Leuten die Hand schütteln um sich direkt, und ganz altmodisch, mit seinem Gegenüber zu unterhalten.

2017 FvF Nomos Eric Kuhn
2017 FvF Nomos Eric Kuhn

Wie sieht Arbeit heute aus, wie soll sie in Zukunft aussehen? Die Uhrenmanufaktur NOMOS Glashütte und Freunde von Freunde haben mit Unternehmern aus unterschiedlichen Bereichen gesprochen: über Erfolg, Visionen, Status.

Text: Willy Blackmore
Fotografie: Noah Sahady