Ein Leben nach Maß: Der Modedesigner Hien Le über Ruhe und Inspiration in seiner Kreuzberger Nachbarschaft
Der Berliner Designer spricht über Meditation, Rückzugsorte und deren Einfluss auf seine Designs, Berlin
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Ein Nachmittag in Begleitung von Designer Hien Le kann die manchmal hektische und zickige Hauptstadt plötzlich in ein Meer von erholsamen und positiven Orten verwandeln, die man vorher nie als solche wahrgenommen hat.

Eine inspirative Tour mit dem Mann, der Plisseefalten in Tenniskleidern so erklären kann, als sei es Haute Couture und dabei vollkommen entspannt bleibt. Das Wort „Kreuzberg” kommt einem bei Hien Le nicht in den Sinn. An ihm ist nichts ‚anti‘, er trägt weder sorgfältig ruinierte Kleidungsstücke, noch die üblichen Kreuzberger Atzensonnenbrillen mit Spiegelglas.

Der Mann aus Laos interessiert sich für andere Dinge. Zum Beispiel für schillernde Farben. Oder wie er den Rückzugsfaktor seiner Lieblingsorte bemessen kann. Braucht er einen Tag Urlaub, geht es in den botanischen Garten. Braucht er nur ein Eis zur Ablenkung, fährt er in die Eismanufaktur wegen der verschiedenen Sorbet-Sorten. Der Mann braucht es übersichtlich. Kein Chaos. Seine Wohnung liegt beispielsweise vom Atelier und seiner Produktionsstätte kaum entfernt. Das Hien Le Leben funktioniert so: je größer die Sicherheit und Geborgenheit um ihm herum, desto größer der Mut, der in seiner Arbeit durchkommt, desto zukunftsfreudiger seine Mode und desto stärker seine eigene Vision von Kleidung.

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Eine eindeutige Inspirationsquelle für Hien’s Ideen gibt es nicht. Die Kollektionen können sich äußerlich stark voneinander unterscheiden, je nachdem, welchen Einflüssen er sich aussetzt oder ausgesetzt ist. „Der Kreativprozess kann schnell und durch eine kleine Sache ausgelöst werden. Ein Film, ein Musikstück oder auch ein Objekt. Die eigentliche Entwicklung der Idee zieht sich dafür und ist viel technischer. Von einer Farb-Idee zum Beispiel leitet sich das gesamte Farbkonzept ab, bis hin zum Stoffkonzept. Und dann fängt der eigentliche Designprozess an.”

Die „Negativform”, so beschreibt es Hien, ist seine Inspiration für die diesjährige S/S 17 Kollektion. Stichworte: Transparenz und Kontrast. Er mag es mit Gegensätzen zu spielen, von Form und Material bis hin zu den Details. Abgeleitet von der Kollektion, beschreibt Hien die Entstehung des Sweatshirts, das er für die MINI Fluid Fashion Capsule Collection designte: „Das Sweatshirt als Kleidungsstück ist zeitlos, wie auch meine Mode. Auch ist das Sweatshirt in seiner Form ‘genderless’ und wird es immer bleiben. Es ging mir auch darum Grenzenlosigkeit, Mut, Kommunikation und vor allem Liebe in dem Entwurf zu vereinen. Daher die Wahl der Form und Sprache des sich verwandelnden Emoji-Herzens. Zeitgeist verpackt in einem zeitlosen Teil.”

Hien's wichtigste Orte in Berlin

Der Ort, an dem Hien’s Designträumen Leben eingehaucht wird

Wir laufen also zunächst Hien Le’s basecamps ab, um ihn besser zu verstehen. Das helle Atelier im Hinterhof, dass er sich mit ein paar Kollegen teilt, liegt unmittelbar in der Nähe seiner Produktionsfirma „110prozentig”, in der wir zwei Minuten warten müssen, bis Hien Le und die Chefin sich fertig umarmt haben.

„Ohne sie und ohne diesen Ort hätte ich viele Dinge nicht entwickeln können.” sagt er. Der Mann vertraut seiner alten Hood, wie man heute so schön sagt, in der er aufwuchs, auch in Sachen Inspiration. „Ich schaue mir oft die älteren Kreuzberger Herrschaften an. Die wissen gar nicht wie gut sie aussehen und wie toll ihre Garderobe ist. Und erst die türkischen Männer! In meiner Nachbarschaft lebt einer, der trägt jeden Tag Weste, Hemd und eine gute Bundfaltenhose. Darüber freue ich mich.”

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Hien’s Geschichte als Designer beginnt jedoch nicht in Kreuzberg, sondern in seinem international ausgerichteten Teenage-Gehirn unter dem Einfluss von MTV. „Ich saß mit 12 vor dem Fernseher und schaute ‚House of Style’ mit Cindy Crawford. In einer der Sendungen war Karl Lagerfeld zu Gast und von da an hatte ich totale Fantasien über das Modedesignerleben”, erzählt Hien Le über einer Tomatensuppe und einem veganem Sandwich im „Louis Pretty”, einem der neuen Kreuzberg-Hotspots, den er gern wegen der Tische in „David Hockney Farben“ besucht. Hien Le’s Mode hat allerdings wenig von Karl Lagerfeld, noch vom Geschmack der Menschen, die für gewöhnlich „Hotspots” besuchen und Dingen, wie dem „man bun” gegenüber nicht abgeneigt sind.

Hien Le’s Modesprache ist ruhig bis meditativ. Sie hat nichts Plakatives und hört eher auf den Namen „sophisticated”. Hien Le würde das selbst niemals so erklären und freut sich über jedes Interview, „in dem ich meinen Stil nicht selbst erklären muss. Denn das ist unmöglich”, sagt er, während er im VOO Store in der Oranienstraße, einer seiner liebsten Kunden, den Faltenschwung eines Plisseerocks aus der neuen Kollektion mit seinem Telefon filmt. Und nein, der Film landet nicht auf Instagram. “Ich bin nicht besessen davon. Ich habe Gott sei Dank Leute, die das für mich machen.”

“Trotzdem, ich habe viele erfolgreiche Labels gehen sehen. Das hat mir Angst gemacht, aber ich wollte nicht aufgeben.”

Dass es die braucht, weiß Hien Le natürlich, so wie er sich in den letzten Jahren alles beigebracht hatte, was es braucht, um ein Label richtig zu starten. Schneiderlehre, Studium, Assistenz für Veronique Branquinho, Leben in Frankreich, Sales-Job für die Agentur V und 2011 die erste Teilnahme an der Berliner Fashion Week. Schließlich wählen MINI und die italienische Vogue ihn für das Projekt MINI Fluid Fashion aus und längst ist Hien Les Biografie auf Vogue.de zu finden. „Trotzdem, ich habe viele erfolgreiche Labels gehen sehen. Das hat mir Angst gemacht, aber ich wollte nicht aufgeben.” Wie hält er durch? Ein Rezept heißt sich ab und zu ins “Abseits” zu begeben. Orte suchen, an denen niemand unter Strom steht. So wie das Hallesche Haus, in dem Hien Le regelmäßig wegen Kokoswasser und Crunchkeksen auftaucht. Wichtiger als Kekse: Vinyasa Flow am Südstern, Bikram-Sessions und Aerial Yoga. „Drei bis viermal die Woche.” Sonst funktioniert das Hien Le -Leben nicht. Übrigens genauso wenig ohne die richtig Dosis Kreuzberg. „Wenn ich am Kotti aussteige, fühle ich mich gleich zu Hause und zurück in der Normalität. Ich weiß, für die meisten ist das einer der verrücktesten Orte Berlins.”

In Kreuzberg’s Mode-Mekka

“Voo Store, einer meiner ersten, liebsten und größten Kunden und einer der besten Concept Stores in Berlin.”

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Zwischenstop für Pastrami in pastelligem Interior

“Louis Pretty – (m)ein neuer „Hotspot“ zum lunchen. Ich persönlich finde die Neuentwicklung in Kreuzberg super. Klar, gefällt mir nicht alles was sich in den letzten Jahren hier entwickelt hat, aber über schöne und qualitativ hochwertige Lokale, wie dieses oder auch das ORA, bin ich sehr froh.”

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Entschleunigung in Dahlem’s Botanischen Tropenhäusern

“Botanischer Garten, immer ein schöner Rückzugsort für „Urlaub für einen Tag“, vor allem im großen Tropenhaus.”

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Aus einer Hand: Lokales Eis in der Eismanufaktur

“Ich liebe Eis. Ich esse jeden Tag eins und mein erstes und letztes der Saison am liebsten in der Eismanufaktur. Es ist lokal, aus eigener Herstellung und sie haben einfach die besten Sorbet Sorten.”

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Danke Hien, dass du uns mit in dein Atelier genommen hast und uns “dein” Kreuzberg gezeigt hast. Weitere Eindrücke von Hien’s Designs kann man hier bekommen.

Das Portrait des Designers Hien Le ist Teil der Zusammenarbeit zwischen MINI und Freunde von Freunden. Der Berliner Hien Le ist einer von fünf internationalen Designern, die in Kollaboration mit MINI ein Sweatshirt für die MINI FLUID FASHION Capsule Collection gestaltet haben. Die Kollektion wird auf der PITTI Uomo 90 in Florenz gelauncht. Das FvF Portrait mit persönlichen Anekdoten und Einblicken in den kreativen Schaffensprozess des jungen Designers und seine urbane Lebenswelt, erläutert die Verbindung seiner Arbeit im Kontext von MINI und PITTIs gemeinsamer Passion für Innovation und Kreativität.

Für einen tieferen Fashion-Einblick in Hien’s Welt, schaue bei Vogue Deutschland vorbei.

Fotografie: Daniel Müller
Text: Anne Philippi