Wie blickt München in die Zukunft? Ein diskursives Dinner serviert Ideen
The Sooner Now startet sein Programm für 2017 in, Munich
MINI × FvF presents: The Sooner Now
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Zu den urbanen Herausforderungen der Stunde zählen Platzmangel und Ressourcen Verschwendung. Probleme, die nach kreativen Lösungen verlangen. Während FvF und MINIs “Vertical Farm to Table”-Dinner in München kamen nicht nur ein besonderes Menü, sondern auch interessante Zukunftsideen auf den Tisch, die von der Community diskutiert wurden.

Damit eine Stadt für alle funktioniert, muss sie auch von allen gemacht sein. Wie das gehen kann? Ein möglicher Anfang liegt darin, zunächst in einen Dialog zu treten über Wünsche, Hoffnungen, Probleme und Herausforderungen, mit denen uns das urbane Leben konfrontiert. Unter dem Leitgedanken „Sharing Ideas for Life in the City” startete im vergangenen Jahr „The Sooner Now“, eine gemeinsame Initiative von MINI Deutschland und Freunde von Freunden, die es sich zum Ziel gesetzt hat, spannenden Projekten und Personen eine Plattform zu geben, die das Leben in der Stadt verbessern, verschönern oder kurzum lebenswerter machen.

Ein solcher Dialog fand diesen Sommer im Münchener Lovelace statt. Rund 40 Gäste aus den Bereichen Kunst, Architektur, Design und Gastronomie erlebten mehrere Impulsvorträge zu urbanen Zukunftsthemen und sprachen im Anschluss über ihre persönlichen Visionen für ihre eigene Stadt. Darunter vertraute Gesichter, wie die von Niels Jäger und Paul Putzar, die ihre Perspektive auf München bereits auf FvF geteilt haben. The Sooner Now bringt das FvF-Netzwerk, mit jenen Ideen zusammen, für die sich MINI international stark macht. Die Zukunft des städtischen Lebens ist dem Autohersteller bereits seit Entwicklung des ersten MINI 1959 auf die Fahne geschrieben und so versteht sich MINI bis heute als urbanes Unternehmen. Denn insbesondere an Infrastruktur und Mobilität entstehen laufend neue Anforderungen. In ihren Begrüßungsworten erläuterten Christian Ach und Ulrike von Mirbach von MINI Deutschland, dass die Frage „Wie können wir uns weiterentwickeln?” für sie eng an die Frage “Wie entwickelt sich das Leben in den Städten?“ gebunden ist. Die Ernsthaftigkeit dieses Anliegens stellt der Autohersteller in seinen vielfältigen Initiativen unter Beweis.

„Cities have the capability of providing something for everybody, only because, and only when, they are created by everybody.”

— Jane Jacobs

Eine unter ihnen ist das „Urban-X” Programm, ein Start-up-Accelerator für Gründer, „deren Produkte und Services das Leben in der Stadt schöner, effizienter oder lebenswerter machen“, so Eva Becker, die eine der vielen Personen bei MINI ist, die weit über das Automobil hinausdenken. Hinter Urban-X stehen MINI und der Venture Fund „Urban Us“. „Mit den Gründern teilen wir die Idee, dass sich die Zukunft der Städte durch Technologie und Design gestalten lässt – und zwar von jedem einzelnen“, erklärt Becker. Die große kanadische Autorin und Architekturkritikerin Jane Jacobs habe dazu treffend formuliert: „Cities have the capability of providing something for everybody, only because, and only when, they are created by everybody.” Zweimal im Jahr starten etwa zehn Teams. Innerhalb von 20 Wochen entwickeln sie aus ihrer Idee ein realisierbares Produkt, das sie zum Abschluss des Programms am Demoday vor Investoren und potenziellen Partnern vorstellen. Während Urban Us sein Netzwerk zu Städten und urbanen Innovatoren bereitstellt, bringt MINI Design- und Ingenieur-Expertise in das Programm ein.

MINI hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit kreativen Lösungen Mehrwert im urbanen Kontext zu liefern. „Daher fördern wir Gründer mit urbanen Ideen – jenseits des Automobils“, sagt Becker. Für jedes Projekt wird eine Summe von bis zu 100.000 US-Dollar bereitgestellt. Wichtig sei dabei, Ideen bereits in einem frühen Stadium zu unterstützen und die Start-ups intensiv zu betreuen, sagt Becker. „Es gibt viele Überschneidungen zwischen MINI und Gründungsideen, denn wir sehen uns als Design-Company“, erklärt Becker.

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Eines dieser geförderten Start-ups, die das Stadtleben verbessern können, ist beispielsweise WearWorks. Das Unternehmen produziert haptische Devices für blinde Menschen, die ihnen bei der Navigation im urbanen Raum helfen. Ein anderes ist Farmshelf. Der Amerikaner Andrew Shearer hat es sich zur Aufgabe gemacht, „das Feld nach Hause zu bringen“ – und aus dieser Anfangsidee ein modulares Indoor-Farming-System entwickelt, von dem die Gäste in München eine unmittelbare Geschmacksprobe erhalten konnten.

Die Philosophie: Jedem wird es leicht gemacht, sein eigenes Essen anzubauen – also eine Hydrokultur zu züchten, so der Fachbegriff, indem Pflanzenanbau ohne ein Feld möglich wird, weshalb das System auch in dicht besiedelten Städten auf kleinstem Raum möglich ist. So können bereits vorhandene Flächen in Metropolen nachhaltig genutzt werden. Shearers Beweggründe resultieren aus einem offenkundigen Missstand: So legen Lebensmittel in den USA im Durchschnitt eine Strecke von 1500 Meilen zurück, um zum Endverbraucher zu gelangen. Beim herkömmlichen Anbau fallen Kosten für „Arbeitskraft, bewirtschaftete Fläche und Logistik“ an, die beim Indoor-Anbau weitaus geringer sind.

„Am besten kann man die Geschichte erzählen, wenn man das Gemüse direkt vor den Menschen anbaut“, sagt Shearer. „Die Idee ist schön, effizient und macht Spaß.“ Nach Deutschland brachte er die Ausrüstung übrigens in einer Skitasche. In seiner Heimatstadt New York ist das Konzept bereits an verschiedenen Orten präsent: Wer im Restaurant der Grand Central Station isst, sitzt direkt neben einer dieser futuristisch anmutenden Indoorfarmen. Auch auch für Schulen und Krankenhäuser eigne sich Farmshelf hervorragend, sagt Shearer. Der Bedarf an kreativen Ideen für die Nahrungsmittelproduktion wird weiter steigen: Laut der Vereinten Nationen wird bis 2050 eine um 70 Prozent gestiegene Produktion von Lebensmitteln notwendig sein, um die Weltbevölkerung, die zunehmend in Städten lebt, zu ernähren. Was also tun? „Jede Person kann quasi zum Farmer werden.“, sagt Shearer. Damit sind also keinesfalls nur Betreiber von Restaurants gemeint, vielmehr kann jeder zum Indoor-Hobbygärtner werden, in seiner eigenen Küche eine Mini-Farm installieren und die Ernte direkt zum Kochen verwenden. Der Bedarf an Ressourcen ist dabei laut Shearer geringer als beim herkömmlichen Anbau. Dennoch seien Geschmack und Qualität absolut vergleichbar zu jenem von herkömmlich angebautem Gemüse. Ein weiterer Vorteil von Farmshelf: Gesunde Ernährung wird damit für mehr Menschen als bisher verfügbar.

Das System von Farmshelf funktioniert mit LED-Lampen, die das Sonnenlicht ersetzen und ein optimales Wachstum der Pflanzen ermöglichen. So funktioniert das Prinzip auch in geschlossenen Räumen. Zudem sammeln Kameras Daten, mittels derer wiederum der Anbau überprüft und optimiert werden kann. Der Betreiber der Farm kann das Ganze praktisch mittels einer App steuern. Im Zeitraffer sieht er dann etwa, wie der Salat wächst und er kann dies mit Fotos und Videos mit anderen Usern teilen. Das System ist laut Shearer auch deshalb so rentabel, weil die Kosten für LED-Lampen in den letzten Jahren stark gesunken seien. Es ist ökonomisch einfach sinnvoll, die Wege von Lebensmitteln zu verkürzen. „Unser Konzept wird die Internetrevolution langweilig erscheinen lassen“, so seine humorvolle Bemerkung. Auf einer Farmshelf-Einheit können aktuell pro Monat 120 Salatköpfe gedeihen. Shearer will diese Zahl mit weiteren Optimierungen noch auf 180 erhöhen.

Mit ihrer Präsentation trafen Urban-X und Farmshelf einen Nerv: Denn auch in München stellt man sich ähnliche Fragen. Werden wir unser Essen zukünftig selbst anbauen? Wie können wir mit dem verfügbaren Raum in unserer Stadt besser umgehen? Das Dinner in München brachte nicht nur spannende Zukunftsideen ins Gespräch, sondern gastierte auch in einer ebensolchen. Im Spätsommer eröffnet im Herzen der Münchens „The Lovelace – A Hotel Happening“, die Gäste des The Sooner Now Dinners durften das Konzept bereits vorab kennenlernen. Für zwei Jahre wird dort ein ehemaliges Bankgebäude zum temporären Hotel und gleichzeitig ein offener, bespielbarer Raum für die Stadt. Solch ein visionäres Zwischennutzungskonzept hatte man in München bislang vergeblich gesucht.

„Am Ende sind wir alle Menschen mit den gleichen Ängsten, Freuden und Hoffnungen.”

— Paul Putzar

Angetan von neuen Entwicklungen in seiner Stadt ist Gastronom Niels Jäger, der unter anderem den Techno-Electro-Club Bob Beaman und das Flushing-Meadows-Hotel in München betreibt und früher viel als Türsteher und Barkeeper im Nachtleben der Stadt unterwegs war; persönlich wünscht er sich für die Zukunft Hotspots für alle Bürger im urbanen Raum, um so jedem einen kostenlosen Internetzugang zu ermöglichen: „Da sind wir leider etwas hinterher.“ Auch das Thema Mobilität werde zunehmend wichtiger, seiner Meinung nach brauchen Städte wie München „mehr Carsharing-Konzepte und besser ausgebaute Fahrradwege”.

Grafikdesigner Paul Putzar beschäftigt besonders das Thema bezahlbaren Wohnraums: „Wie können auch sozial benachteiligte Menschen in Zukunft einen Platz in den Städten finden, ohne in Brennpunkten zusammengepfercht zu werden? Ich hoffe, hier werden Modelle entstehen, die Menschen aller ethnischen Gruppen und gesellschaftlicher Couleur zusammenbringen. Denn am Ende sind wir alle Menschen mit den gleichen Ängsten, Freuden und Hoffnungen.“
Die vielfältigen Überlegungen der Gäste an diesem Abend in München haben gezeigt, dass Zukunftsgestaltung auch eine Verantwortung mit sich bringt und etwas ist, das alle angeht. Wie wir leben wollen, lässt sich nur gemeinsam entscheiden und den Dialog über das, was wir wollen, sollten wir früh genug beginnen.

The Sooner Now ist eine gemeinsame Initiative von FvF und MINI Deutschland, die sich zum Ziel gesetzt hat, spannenden Projekten und Personen, die einen Beitrag zu einem besseren Leben in der Stadt leisten, eine Plattform zu geben. Im physischen wie übertragenen Sinne: The Sooner Now ist als andauernde Auseinandersetzung über Formate und Städte hinweg gedacht. Mehr in Kürze auf thesoonernow.com.

Wer neugierig geworden ist, findet mehr Infos zu MINIs Accelerator Urban-X auf deren WebsiteDie dritte Bewerbungsphase für Start-ups ist noch bis zum 21. Juli geöffnet. Mehr über Farmshelf, eines der ersten geförderten Start-ups, hier.

TextAnnette Walter
Fotografie: Manuel Nieberle