Mehr Leben mit weniger Platz. Das Umdenken in der urbanen Architektur.
The Sooner Now fragt, wie Wohnraum in Großstädten anders organisiert werden kann und welche neuen Anforderungen sich an ihn stellen, Hamburg
MINI × FvF presents: The Sooner Now
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Drei Zimmer, Küche, Bad? Für viele Menschen in Großstädten bleibt die geräumige Wohnung ein Traum – andere entscheiden sich ganz bewusst dagegen. Denn Fakt ist: Es wird eng! Der Platz in den Metropolen ist begrenzt und es braucht neue Lösungen um ihn anders, besser und vor allem vielseitiger zu nutzen.

Wie können solche Lösungen aussehen? Wer sollte bestenfalls damit anfangen? Und ist Effizienz ein sozialverträgliches Gestaltungsprinzip? Um sich mit der Hamburger Community über diese und andere Fragen auszutauschen, haben MINI und FvF im Rahmen der gemeinsamen Initiative The Sooner Now sechs Expertinnen und Experten aus Hamburg, Berlin, München und Leipzig eingeladen. Schnell war klar: Urbane Raumlösungen sind ein Thema, das die Menschen städteübergreifend beschäftigt.

„Nachdem sie bis in die Neunzigerjahre hinein stagniert haben, wachsen die Städte aktuell ganz extrem“, erklärt Stadtplaner und Urbanist Julian Petrin von NextHamburg in der Panel-Runde zum Thema „Rethinking Living Spaces“. „Man kommt gar nicht mehr so schnell hinterher neuen Wohnraum zu schaffen, wie neue Menschen zuziehen.“ Das Resultat, kaum freie Appartements und ständig steigende Preise, bekommen Mieter und Mieterinnen wie Caroline Kurze zu spüren. Die Redakteurin des Berliner Gestalten Verlags hat kürzlich das Buch „Raumwunder – Große Ideen für kleine Wohnungen“ mitherausgegeben.

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Wohnung von Silvia Allori, 
Fotografie: Simone Bossi
, aus Raumwunder, Gestalten
Mit diesem Townhouse haben Elding Oscarson im schwedischen Landskrona auf kleiner Grundfläche maximalen Raum geschaffen. Im Zentrum des Geschehens: die Küche. Fotografie: Åke E:son Lindman, aus Raumwunder, Gestalten
Oft verschenkt: Der Platz unter der Treppe. Nicht bei Interface Studio Architects, die eine Aufhänglösung für Fahrräder entwickelt haben. Fotografie aus Raumwunder, Gestalten
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Treppe und minimalistische Schrankwand in einem Von Workstead, Fotografie: Stefanie Brechbuehler, aus Raumwunder, Gestalten
Aus der Not eine Tugend machen: Statt weiter auf dem Berliner Wohnungsmarkt nach einer größeren Wohnung zu suchen, holte Caroline Kurze lieber mehr aus ihrer kleinen Wohnung heraus. Welche platzsparenden Raum- und Möbelkonzepte es gibt, zeigt das Buch Raumwunder, das von diesem Umdenken inspiriert war.
Effizienz muss nicht ungemütlich sein. Das Kollektiv IR Arquitectura hat in Buenos Aires einen Community-Wohnkomplex umgesetzt, der individuelle und nachbarschaftliche Bedürfnisse vereint. Fotografie: Federico Cairoli, aus Raumwunder, Gestalten

„Nachdem sie bis in die Neunzigerjahre hinein stagniert haben, wachsen die Städte aktuell ganz extrem.“

— Julian Petrin, NextHamburg

Die Idee zum Buch entstand quasi aus der Not. „Mein Freund und ich haben eine sehr schöne aber sehr kleine Zweizimmerwohnung“, erzählt Caroline. Auf der Suche nach nur einem zusätzlichen Zimmer mussten sie feststellen, „dass zu jeder Besichtigung noch mindestens hundert andere kommen.“ Die Lösung: Den vorhandenen Wohnraum optimieren, also aus dem faktisch wenigen Platz zumindest gefühlt mehr herauszuholen. Dazu inspirieren auch das Buch und die unterschiedlichen Lebensmodelle, die darin gezeigt werden. Wie wir wohnen wollen ist nämlich unmittelbar an die Frage geknüpft wie wir leben und wie viel wir arbeiten wollen: „Es gibt auch Menschen, die sich ganz bewusst dazu entscheiden, den Luxus von Raum gegen den Luxus von Zeit einzutauschen“, so Caroline. Denn wer in eine größere Wohnung ziehen will, muss häufig umso mehr arbeiten, um sich diese zu leisten.

Was vielen heute im Weg steht, ist die über lange Zeit anerzogene Überzeugung unserer Gesellschaft, dass Wohnraum möglichst großflächig sein muss. „Und dass Dinge nun mal einen Wert haben und deshalb bleiben müssen“, erklärt Rednerin Nummer drei, Innenarchitektin Lea Korzeczek vom Leipziger Studio Oink. „Aber man muss eben auch sehen, dass das Leben im Fluss ist – und man selbst auch. Ich glaube es braucht einfach Menschen, die auf sich verändernde Wohnmodelle Lust haben und sich selbst sagen, ok, das Leben ist eben nicht statisch.“ Im Gegensatz zu vielen Vorstellungen und Richtlinien, die von Stadtplanung und Politik vorgegeben werden.

So werden vermeintlich kostengünstige Lösungen, wie beispielsweise der Soziale Wohnungsbau, bisher nach sehr rigiden Mustern geplant, Lebensmodelle über einen Kamm geschert, wo sie eigentlich flexibel gehalten werden sollten. „Viele gute Ideen scheitern an systemischen Problemen, sodass ein Umbau oder eine Erweiterung zum Beispiel oft gar nicht erlaubt ist“, sagt Julian. Da gelte es, neue Energien frei zu machen und neue Denkansätze zuzulassen – auch was die Einteilung von Räumen angeht. Denn die, da sind sich alle drei Panelisten und Moderatorin Anna Schunck einig, könnte durchaus generell offener gestaltet werden. So könnten Waschküche, Hobbyräume und sogar Gästezimmer durchaus als sogenannte Shared Spaces nutzbar gemacht werden. Die Frage, was eine Community jeweils letztlich braucht, sollte im Zentrum stehen, so Julian.

(EN)

„Es gibt auch Menschen, die sich ganz bewusst dazu entscheiden, den Luxus von Raum gegen den Luxus von Zeit einzutauschen.“

— Caroline Kurze, Gestalten

Vielfältige Antworten und neue Impulse dazu liefern Corinna Natter und Oke Hauser von MINI Living. Seit über zwei Jahren beschäftigt sich die Initiative mit Fragen des urbanen Lebens. Die vorgestellte Urban Cabin ist das aktuellste Projekt, welches sich städtische Freiräume zunutze macht und danach fragt, wie viel Wohnfläche wir wirklich brauchen, um uns ein Zuhause zu schaffen. Auf dem diesjährigen London Design Festival präsentierten die Architekten die containergroße Cabin inklusive zweier individuell gestalteter Module: einer ausziehbaren Community-Küche und einer Mikro-Bibliothek. Beides sind Add-Ons des Architekten Sam Jacob, der eingeladen war, die Urban Cabin für das Leben in London auszurichten. Mit der Cabin, die in ganz unterschiedlicher Ausführung anschließend in New York vorgestellt wurde, hat MINI Living ein langfristiges Entwicklungsprojekt kreiert, das sich mit der Zukunft urbaner Wohn- und Gemeinschaftsformen beschäftigt – und mit der Frage, wie innovatives Design sich nahtlos in unterschiedlichen Städten integrieren kann. Neben dem Konzept für die Urban Cabin stellten Oke und Corinna das erste tatsächliche Wohnprojekt der Marke vor, das 2018 in Shanghai eröffnet wird.

Dass sich, gerade in einer Stadt wie Hamburg, nicht nur die Flächen in der Peripherie zum Bauen und Wohnen anbieten, verdeutlichte die Hamburger Architektin Florentine-Amelie Rost in ihrem Vortrag zu schwimmenden Architekturen und deren Potenzial als Instrument der Stadtentwicklung. Dabei greift sie auf Erfahrungen aus der Praxis zurück: 2008 hat sie gemeinsam mit Jörg Niderehe erfolgreich am Wettbewerb „Hausboot auf dem Eilbekkanal“ teilgenommen, woraufhin die beiden ihr gemeinsames Architekturbüro Rost-Niderehe gegründet haben, das – selbstverständlich – auf dem Wasser liegt.

Zusammengenommen gab der Input des Tages allen Zuhörern, die auch immer wieder engagiert mitdiskutierten, viele neue Ideen mit auf den Weg – und fungierte im Resümee als eine Art Plädoyer für mehr Mut zum Um-die-Ecke-Denken und zum allgemeinen Öffnen in Richtung mehr Miteinander. „Allerdings kann man nicht davon ausgehen, dass ausnahmslos alle mehr Miteinander wollen, es wird immer auch diejenigen geben, die Abends in Ruhe vor dem Fernseher sitzen wollen“, so Lea. „Vielleicht ist es aber auch so, dass erst der Raum da sein sollte, um dann gefüllt zu werden“, so Caroline. „Der Raum heilt sicher nicht alle gesellschaftlichen Probleme“, erinnert uns Julian. „Aber ja: Wenn es ihn gibt, passiert dort auch etwas – es entsteht Nachbarschaft.“ Eine gute Voraussetzung, um Stadt zusammen zu gestalten

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MINI Living Breathe Installation, Mailand
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MINI Living Urban Cabin, London
Fotografie: Andy Stagg
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Die Architektin Florentine-Amelie Rost forscht an der HCU in Hamburg zu schwimmenden Architekturen.

Dass sich, gerade in einer Stadt wie Hamburg, nicht nur die Flächen in der Peripherie zum Bauen und Wohnen anbieten, verdeutlichte die Hamburger Architektin Florentine-Amelie Rost in ihrem Vortrag zu schwimmenden Architekturen und deren Potenzial als Instrument der Stadtentwicklung. Dabei greift sie auf Erfahrungen aus der Praxis zurück: 2008 hat sie gemeinsam mit Jörg Niderehe erfolgreich am Wettbewerb „Hausboot auf dem Eilbekkanal“ teilgenommen, woraufhin die beiden ihr gemeinsames Architekturbüro Rost-Niderehe gegründet haben, das – selbstverständlich – auf dem Wasser liegt.

Zusammengenommen gab der Input des Tages allen Zuhörern, die auch immer wieder engagiert mitdiskutierten, viele neue Ideen mit auf den Weg – und fungierte im Resümee als eine Art Plädoyer für mehr Mut zum Um-die-Ecke-Denken und zum allgemeinen Öffnen in Richtung mehr Miteinander. „Allerdings kann man nicht davon ausgehen, dass ausnahmslos alle mehr Miteinander wollen, es wird immer auch diejenigen geben, die Abends in Ruhe vor dem Fernseher sitzen wollen“, so Lea. „Vielleicht ist es aber auch so, dass erst der Raum da sein sollte, um dann gefüllt zu werden“, so Caroline. „Der Raum heilt sicher nicht alle gesellschaftlichen Probleme“, erinnert uns Julian. „Aber ja: Wenn es ihn gibt, passiert dort auch etwas – es entsteht Nachbarschaft.“ Eine gute Voraussetzung, um Stadt zusammen zu gestalten!

Weitere Anregungen für den kreativen Umgang mit begrenztem Platz hält das Buch Raumwunder aus dem Gestalten Verlag bereit. Darin auch vertreten: Das Inneneinrichtungsbüro von Lea Korzeczek and Matthias Hiller, Studio Oink. Wie sich Bürgerinnen und Bürger in die Stadtentwicklung einbringen können, wissen die Raumforscher von urbanista und Nexthamburg. Und wer Ratschläge zum Bauen auf Wasser braucht, wendet sich am besten an Florentine-Amelie Rost.

Freunde von Freunden begleitet die Projekte von MINI Living seit geraumer Zeit. Unsere drei letzten Stationen: Mailand, Berlin, London.

The Sooner Now ist eine Initiative von MINI und Freunde von Freunden, die sich als Plattform für herausragende Zukunftsideen versteht. Die Reihe ist ist als andauernder Austausch und Inspiration gedacht, über Städte und Veranstaltungsformate hinweg. Im Fokus stehen persönliche Geschichten und leidenschaftliche Projekte – sie ebnen den Weg für gemeinsame Lösungsansätze und ein besseres Leben in der Stadt. The Sooner Now geht weiter: Alle Informationen zu den nächsten Stationen hier.

Ein großes Dankeschön geht an unsere Speaker, unser Netzwerk in Hamburg und an das Team von PLY für ihren Support. Wir bedanken uns außerdem bei Mono Tee und Mission More für die köstliche Verpflegung.

Fotografie: Robert Rieger
Text: Anna Schunck
Header Image: Lisbeth Grosmann, Raumwunder, Gestalten