Form, Funktion und Nachhaltigkeit: Das Taschenlabel QWSTION
Wie das Schweizer Unternehmen auf globalem Weg Neues schafft, was lange hält, Zürich
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Hier im Zürcher Kreativlabor und Hauptquartier der Schweizer Taschenmarke QWSTION ist zweifelsohne work in progress.

Leise rattern die metallischen Nähmaschinen, deren stetiger Sound sich gemeinsam mit einem murmelnden Netz aus Worten und Stimmen zu einer wahren Geräuschkulisse emporhebt. Vor dessen Hintergrund ist ein Trupp dynamischer Menschen gerade dabei, über Zeichnungen neuer Prototypen zu brüten, auf den Laptops zu tippen oder angeregt zu diskutieren. Die lichtdurchflutete, loftartige Halle, die mit Hilfe weißer Metall- und Spanplatten zu kleineren Arbeitsflächen unterteilt wurde, ist dabei ein wahrhaft passender Hallraum für die hier gestalteten Rucksäcke und Taschen: Jung, pragmatisch, flexibel — und optisch unmissverständlich am Puls der Zeit.

Der Blick hinter die Kulissen von QWSTION ist der Beginn einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Themen Nachhaltigkeit, Funktionalität und Design auf Freunde von Freunden.

„Wir sind keine klassische Modemarke, sondern verstehen uns als Hersteller wertiger Alltagsprodukte.“

— Hannes Schoenegger

„Als wir QWSTION gründeten, wollten wir Allrounder schaffen, die nachhaltig, ästhetisch ansprechend und funktional zugleich sind. Taschen, die man zum Fahrradfahren genauso tragen kann wie im Büro, zum Business Meeting, im Café und am Wochenende zum Spaziergang im Wald“, erzählt ein gut gelaunter Hannes Schoenegger, als wir ihn ganz wo anders, nämlich in Wien treffen. QWSTIONs Co-Founder betreut den österreichischen Standort; neben dem Headquarter mit Atelier in Zürich passiert heute nämlich viel vom operativen Geschäft in Tirol.

2008, als die Idee eines eigenen Taschenlabels gerade erst in den Köpfen der Freunde Sebastian Kruit, Christian Kaegi, Fabrice Aeberhard, Matthias Graf und Hannes Schoenegger Form annahm, waren Rucksäcke und Tote Bags entweder gut zu gebrauchen oder optisch ansprechend. Beides in einem? Noch nicht erfunden! Und so wundert es kaum, dass QWSTION praktisch aus der Not heraus geboren wurde: Taschen, wie sie dem fünfköpfigen Gründungsteam zum Eigengebrauch vorschwebten, konnte ganz einfach keiner von ihnen im existierenden Sortiment anderer Anbieter auftreiben.

Warum nicht also selbst tätig werden? Immerhin hatten sie dank ihrer verschiedenen kreativen Berufe bereits wichtiges Know-How beieinander: Hannes, der sich mit Kommunikation und Zahlen auskannte, Sebastian, der in Fashion Sales und Retail fit war, dazu die Industriedesigner Christian und Fabrice und der Grafikdesigner Matthias. Ein erster Prototyp, rechteckig in der Form, schicker als ein Sport-Rucksack, aber sportlicher als eine klassische Ledertasche, war bald produziert und an Freunde und Bekannte verteilt. „Das Feedback war spitze, was uns in der Idee der Unternehmensgründung noch bestärkte“, erzählt Hannes mit leuchtenden Augen. „Den ersten Backpack gibt es übrigens immer noch in der Kollektion — natürlich haben wir stetig weiterentwickelt und verbessert.“

Kaum verwunderlich eigentlich, dass die jungen Männer damals mit dem „Backpack“ einen echten Nerv trafen. Die Frage, was für eine Art von Gepäck eine immer mobiler werdende Generation braucht, um den Ansprüchen ihres urbanen Nomadendaseins zu genügen, hatte bis dahin eben keiner gestellt. QWSTIONs Taschen beweisen, dass das Team des Zürcher Labels nicht nur die richtigen Fragen stellt, sondern glücklicherweise auch immer wieder die richtigen Antworten auf sich verändernde Lebensstile findet.

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Die erste Adresse für Indie-Bücher in Zürich: Nieves
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Matthias Graf und Christian Kaegi
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Die Taschen von QWSTION sind im Design so zurückhaltend, dass die Marke selbst in ihrem Heimatland oft für skandinavisch gehalten wird.

Für QWSTION bedeutet Wandel jedoch keinesfalls, schnelllebigen Trends hinterherzurennen. Obwohl die Kollektionen konsequent weiterentwickelt werden, sollen alle ihre Modelle dank der Haltbarkeit der Materialien und des zeitlosen Designs primär langfristig funktionieren. Träger und Tasche werden so zu einer beständigen Einheit, ein bißchen so wie in einer guten Partnerschaft, wo man den anderen immer und gerne um sich herum hat, egal in welcher Lebenslage, und einander auch nach mehreren Jahren noch nicht überdrüssig ist — anstatt sich im saisonalen Rhythmus nach neuen Produktliebschaften umzuschauen.

„Wir sind keine klassische Modemarke, sondern verstehen uns als Hersteller wertiger Alltagsprodukte“, bringt es Hannes gut auf den Punkt. Flexibilität und eine solide Kombinierbarkeit mit anderen Protagonisten der Garderobe sind dafür essentiell. Ein Großteil der meist in gedeckten Farben gehaltenen Produkte lässt sich sowohl als Rucksack als auch als Tasche verwenden. Und auch das Design hat eine klare, reduzierte Form: „Es ist schon frappant, dass selbst Schweizer denken, dass wir aus dem skandinavischen Raum kommen“, sagt Hannes lachend.

Und dann wäre da noch die Sache mit der Nachhaltigkeit. Gearbeitet wird mit natürlichen Stoffen wie Baumwolle, Wolle oder Leinen, die mit einer wasserabweisenden Beschichtung versehen werden, damit Hab und Gut nicht irgendwann im Regen stehen. Gurte und Trageriemen entstehen hingegen aus Recycling-Polyester und Nylon, die Griffe aus Leder, das vegetabil gegerbt wird. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass durch diese rein pflanzliche und natürliche Gerbung das Leder mit der Zeit partiell dunkler und weicher wird, sozusagen in den Händen des jeweiligen Trägers reift, und die Taschen dadurch eine individuelle Optik und Haptik bekommen. „Unsere Naturfasern sind außerdem biologisch abbaubar, ohne dabei Schadstoffe zu hinterlassen“, erzählt Christian stolz.

Anfertigung eines Prototypen

„Per se ist nachhaltiges Produzieren nicht ortsbezogen.“

— Matthias Graf

Bei so viel Umweltbewusstsein wundert es auf den ersten Blick, dass die Produktion der Taschen anders als die Fertigung der Prototypen nicht in Zürich passiert — sondern in China! Dabei ist es gemeinhin bekannt, dass das Label „Made in China“ nicht gerade das beste Standing hat, wenn es um grünes Produzieren und Qualität geht. Christian möchte mit diesem Vorurteil aufräumen: „Wir sind dorthin gegangen, wo das Know-How ist. Würden wir in Europa produzieren, lägen die Wege zwischen unseren einzelnen Partnern tatsächlich zu weit auseinander: Unsere Gerberei und alle weiteren Produktionsstätten befinden sich in einem Umkreis von etwa 150 Kilometern innerhalb der Sonderverwaltungszone Hong Kong. Zudem liegt der Hafen in direkter Nähe, um unsere Produkte nach Europa zu schiffen. Ein guter Teil unserer Taschen wird obendrein im asiatischen Markt abgesetzt, wir liefern daher direkt aus Hong Kong.“

„Per se ist nachhaltiges Produzieren nicht ortsbezogen“, fügt Matthias hinzu und erklärt gleichzeitig, wie QWSTION faire Arbeitsbedingungen von der Schweiz aus in Asien garantieren kann: „Nicht nur besuchen wir unsere Partner regelmäßig, sondern sehen es auch als unsere Aufgabe, nachhaltige Standards in Produktionsstätten zu implementieren. So sind unsere Partner beispielsweise alle BSCI-zertifiziert.“ Diese Initiative der EU sichert dank eines vorgeschriebenen Verhaltenskodex neben ökologischer sogar faire Standards in der Behandlung von Mitarbeitern. „Dazu kommt, dass unsere Taschen vom TÜV Rheinland auf ihre Langlebigkeit hin geprüft werden.“

Für eine Produktion der Taschen im Heimatland Schweiz spräche für die QWSTION-Gründer übrigens nichts als Ideologie: „Wir sehen hier für den Träger oder die Produktion keinen Mehrwert. Unsere Taschen sollen doch erschwinglich bleiben! Eine Schweizer Produktion wäre, wer hätte das gedacht, sehr viel teurer“, erklärt Matthias. Und ein gestiegener Preis, resultierend aus einer nachhaltigen Produktion in der Schweiz oder Europa, sei der Kunde ganz einfach auch (noch) nicht bereit zu bezahlen. Denn auch, wenn seit ein paar Jahren praktisch jeder mit seinem ökologischen Bewusstsein prahlt — QWSTIONs unternehmerische Erfahrung lehrt eine andere Weltsicht.

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Alles an einem Ort: Büro und Meetingraum sind mit Designstudio und Shop verbunden.
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An Zuspruch mangelt es der Zürcher Marke allerdings nicht, immerhin konnte sich QWSTION mit dem funktional-ästhetisch-nachhaltigen Konzept seit 2008 langsam aber erfolgreich am Markt etablieren. Neben den eigenen Läden in Wien, Zürich und neuerdings auch in Kopenhagen verfügt QWSTION, mittlerweile von fünf auf 25 Mitarbeiter angewachsen, über ein beachtliches weltweites Standing in Concept Stores von Berlin über Montreal und Sydney bis hin nach Tokio. In Zürich hat, erst einmal temporär bis März 2018, gerade ein weiterer Store eröffnet. Matthias sagt: „Wir haben sehr lange für wenig Geld rein für Idee gearbeitet und vorausschauend gewirtschaftet. Erst als die Logistik unter Kontrolle war, der Markenschutz unter Dach und Fach und die Materialien sich gut einfügten, erschien Wachstum überhaupt vernünftig.“

Im „Dreieck aus Funktionalität, Design und Nachhaltigkeit“ sieht sich QWSTION nach wie vor gut positioniert, auch, wenn sich hier keiner auf den bisherigen Errungenschaften ausruhen mag — zumal auch die Konkurrenz nicht schläft und sich der Taschenmarkt in den letzten Jahren stark gewandelt hat. „Nachhaltige Produktion ist kein statisches Label, denn jedes Jahr ist hier mehr möglich. Das möchten wir weiter vorwärts treiben, um selber jedes Jahr etwas besser zu werden“, ist Hannes Antwort darauf, aber nicht die einzige Idee, wie QWSTION trotz des beständigen Ansatzes auch zukünftig innovativ bleiben möchte.

Da wären zum Beispiel die eigenen Stores, in welche das Zürcher Label neben des eigenen Sortiments auch Produkte anderer Marken mit ähnlichen Werten führt — ein cleverer Schachzug, um ganze Welten zu schaffen, in denen der Kunde nicht bloß Taschen, sondern sämtliche Dinge des modernen Lebens findet. Und dann wären da noch die regelmäßigen Kooperationen mit anderen vorzugsweise Schweizer Marken wie Sibylle Stöckli, Soeder oder D.N.S., mit denen sogar praktisch-schicke, nachhaltige Regenmäntel entstanden, für welche QWSTION 2016 übrigens den deutschen Umweltpreis für ökologisches Design gewonnen hat. Noch so eine clevere Möglichkeit, die Essenzen zweier Labels miteinander verschmelzen zu lassen und so den eigenen Radius zu erweitern.

Der QWSTION Concept Store in Wien

Neben den eigenen Taschen führen QWSTION in ihren Stores eine Reihe anderer Marken
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Die wortwörtlich schillerndste Kooperation von QWSTION kam mit dem Schweizer Modemacher Julian Zigerli zustande. Gemeinsam entwarfen sie Taschen mit herrlich irisierenden Oberflächen, in denen sich das Licht blitzend in vielen Farben bricht, sobald man sie bewegt. Matthias erzählt: „Das Besondere an Collabs ist, dass das, was am Ende herauskommt, nur auf diese Weise entstehen kann.“

Und so ist trotz des beständigen Rahmens von QWSTION immer wieder Abwechslung in Sicht — und das Potential für die Gründer noch lange nicht ausgeschöpft: „Auf dem Arbeitsweg von unseren Wohnungen bis in die Werkstatt in Zürich sehen wir mindestens eine unserer Taschen im Straßenbild“, sagt Matthias. „Das macht uns natürlich ziemlich glücklich, aber dennoch gibt es selbst in der Heimat noch Menschen, die unsere Taschen noch nicht kennen. Es ist spannend zu sehen, dass wir nach neun Jahren Arbeit in gewisser Wiese immer noch am Anfang stehen. Das macht Mut und ist Herausforderung zugleich.“

Mehr von QWSTION?

Wer sich innerhalb von Deutschland für die nachhaltigen Taschen der Schweizer Marke interessiert, findet sie zum Beispiel im VooStore, bei Baerck in Berlin oder bei Thomas i Punkt in Hamburg. Andernfalls verfügen die Schweizer natürlich auch über einen Online-Store. Weitere QWSTION Stores findet ihr hier.

Danke QWSTION, für den gemeinsamen Tag in Zürich! Und überhaupt: Eure beherzte Raison, für eine gute Idee in allen Belangen lange Wege auf sich zu nehmen, hat uns sehr inspiriert.

Mit diesem Unternehmensporträt beginnt eine gemeinsame Reihe, in der QWSTION und Freunde von Freunden ihre geteilte Wertschätzung für langlebiges Design zum Ausdruck bringen und danach fragen, wie Ästhetik und Funktionalität sich die Hand reichen können.

Text: Daniel Sigge
Fotografie: Yves Bachmann (Zurich), Daniel Payr (Vienna)
Video: FvF Productions