Freunde von Freunden

Anja Plaschg
Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna
interviews > Anja Plaschg

Im ruhigen Wiener Bezirk Penzing befindet sich auf halber Strecke zwischen U-Bahn und Wienerwald ein typischer Gründerzeit-Altbau. Hier draußen wohnt fernab der Großstadthektik die Musikerin Anja Plaschg — besser bekannt als Soap&Skin. Mit ihren 24 Jahren hat sie schon einiges hinter sich: Neben zwei veröffentlichten Studioalben hat Anja bereits als Schauspielerin in Theater und Film gearbeitet und ein eigenes Label gegründet. Außerdem hat Anja 2013 das Plattenlabel Solfo, das österreichischen Musikschaffende einen „360-Grad-Vertrag“ anbietet, mit der Unterstützung von departure gegründet.

Geboren in der Steiermark und aufgewachsen auf einem Bauernhof, zog es Anja früh weg von der ländlichen Idylle. Mit vierzehn Jahren ging sie nach Graz, um an der Kunstgewerbeschule zu lernen. Nur zwei Jahre später begann sie in Wien an der Akademie der Bildenden Künste unter Daniel Richter Malerei zu studieren. Obwohl man den Hang zum Visuellen noch deutlich in ihren Artworks spürt, blieb sie letztendlich dem Wunsch treu, Musik zu machen und veröffentlichte im Jahr 2009 ihr Debüt »Lovetune For Vacuum«.

Von da an ging alles sehr schnell: Wurde sie anfangs noch als Wunderkind verschrien und kurz darauf schon für ihre Zurückhaltung innerhalb der Musikszene kritisiert, hat sich nach zahlreichen Veröffentlichungen und Konzerten ein ausgewogenes Bild von ihr ergeben. Als Sängerin und Künstlerin ist sie aus der österreichischen Szene jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Im Gespräch mit Anja unterhalten wir uns über ihre Jugend auf dem Land, ihren Zugang zur Schauspielerei und darüber, wie sie sich ihr perfektes Konzert vorstellt.

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Freunde von Freunden — Anja Plaschg — Musician & Co-Founder of SOLFO, Apartment, Penzing, Vienna — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/anja-plaschg/

Wie ist es für dich, dein Studio Zuhause zu haben?

Für mich war es immer essentiell, dass der Ort, an dem ich Musik mache, an mein privates Leben angeknüpft ist. Die Versuche in einem Studio aufzunehmen sind komplett gescheitert. Lange habe ich auch ohne Studio gearbeitet. Die erste Platte habe ich auch in meiner alten 40-Quadratmeter-Wohnung im 2. Bezirk aufgenommen.

Was macht deine Wohnung besonders und warum fühlst du dich hier wohl?

Ich kann mir nicht vorstellen, noch einmal woanders hinzuziehen. Schon alleine aus dem Grund heraus, dass ich dieses Haus so faszinierend finde. Zur Zeit stehen hier drei Wohnungen leer und es leben nur drei weitere Personen im Haus. Es ist wahnsinnig privat. Auch der Garten; Es ist so still hier und man ist schnell im Grünen. Daher macht es mir überhaupt nichts aus, eine halbe Stunde bis in die Stadt zu brauchen.

Was wäre ein Stück in deiner Wohnung, auf das du nicht verzichten könntest?

Mein Flügel. Überhaupt bin ich ein Mensch, dem Objekte sehr wichtig sind. Ich sammle und horte alle Erinnerungen. Das nervt mich auch ein bisschen. Ich wäre gerne etwas befreiter.

Was magst du speziell an dieser Gegend, in der du wohnst?

Dass es hier nichts gibt (lacht). Ich glaube es sind nur sehr wenige Wiener mit dem 14. Bezirk vertraut. Das hier kann man schon fast als Vorstadt bezeichnen.Das Stadion von Rapid Wien ist ganz in der Nähe, ich höre fast jeden Samstag die Menschenmassen schreien. Aber man ist hier sehr anonym, das mag ich.

Welche sind deine Lieblingsorte in Wien?

In der Nähe habe ich einen schönen Wald und die Steinhofgründe. Auch Baumgarten, die ehemalige Irrenanstalt, ist auf ihre Art wunderschön. Dort war ich ein paar Mal. Eigentlich verlasse ich aber sehr selten meine Wohnung.

Wo kommst du eigentlich ursprünglich her?

Ich bin in der Steiermark auf dem Land auf einem Bauernhof mit einem Schweinemastbetrieb aufgewachsen.

Wie empfandest du die Kindheit auf dem Land?

Mich hat das Provinzleben und die Tatsache, dass jeder von jedem Bescheid weiß, sehr genervt. In dieser engen Welt herrscht so viel unterschwelliger Neid und Hass. Man darf ja nicht auffallen, sonst wird man ausgeschlossen aus der kleinen Gesellschaft. Unsere Familie war von diesen Zwängen Gott sei Dank etwas befreiter.

Wie hast du dann versucht, daraus auszubrechen?

Ich bin mit 14 nach Graz gezogen. In eine Stadt zu kommen war schon die erste, kleine Erlösung. Dort besuchte ich die Kunstgewerbeschule und habe in einem Mädcheninternat gelebt — was eigentlich noch schrecklicher war. Aber ich war nur zwei Jahre dort, bevor ich mit 16 Jahren nach Wien gezogen bin.

Du hast die Schule abgebrochen, um in der Klasse von Daniel Richter an der Akademie für Bildende Künste zu studieren.

Genau. Ich wäre auch durchgefallen, hatte ganz schlechte Noten. Es war furchtbar frustrierend. Zu Richter zu gehen war das Beste, was mir passieren konnte, auch wenn es nur eine Übergangslösung war.

Hat sich dann auf dem Weg zur erfolgreichen Musikerin viel für dich geändert?

Ich habe mit 14 mein erstes Stück geschrieben. Das habe ich in der Musikschule in meinem Heimatort Gnas aufgeführt (lacht). Parallel dazu habe ich aber in meinem Elternhaus schon Lieder aufgenommen, die auf dem ersten Album sind. Nachdem ich Sir Tralala auf einem seiner Konzerte eine Demo-CD von mir mitgegeben habe, gab ich im rhiz in Wien mein erstes Konzert. Darauf habe ich mich ein halbes Jahr vorbereitet. In dieser Zeit habe ich zehn Kilo verloren. Den ganzen Sommer habe ich mich Zuhause eingesperrt für dieses Konzert. Das war unglaublich. Ich wäre fast verreckt (lacht).

Aber es hat sich gelohnt?

Hoffentlich. Aber es gibt auch Dinge, die ich bereue. Aber ich hasse es, über diese Dinge zu reden. Das liegt mir nicht.

Wie würdest du deine Musik jemandem beschreiben, der sie noch nie gehört hat?

(Lacht) Bei der Frage kriege ich immer die Panik.

Ich sage dann immer: Ich spiele Klavier und singe und schreibe Kompositionen für andere Instrumente und mache Elektronik. Ich liste alles was ich mache auf. Aber ich habe das Gefühl, dass das als Antwort nicht reichen darf.

Was macht für dich Musik als Ausdrucksform aus im Gegensatz zu den anderen Bereichen, in denen du arbeitest?

Für mich ist Musik nach wie vor das stärkste Medium. Klänge sind nicht voreingenommen von anderen Dingen. Also weniger als Bilder und vor allem Worte.

Sind dir manche Ideen zu groß, um sie in einem drei Minuten langen Song unterzubringen?

Ich habe eher ein Problem damit, dass meine Stücke zu kurz sind und tendiere dazu, mich in Momente in der Musik hineinzusteigern, die eigentlich flüchtig sind: ein paar Sekunden in einem Stück, in die ich alles hineinlegen will. Eigentlich ist das eine Illusion. Zwar höre ich so Musik, aber ich denke, es ist unüblich, in einem kurzen Moment so viel zu sehen.

Meine Lieder entstehen oft in der Mitte oder punktuell und das muss ich dann zusammenpuzzeln, weil ich eben nicht so einen natürlichen Verlauf schaffe. Klassisches Songwriting liegt mir nicht.

Du machst sehr viel selbst: Du planst, komponierst, nimmst selbst auf, schneidest deine Videos und gestaltest die Artworks zusammen mit deiner Schwester. Wie wichtig ist es dir, die komplette Kontrolle über den Prozess zu behalten?

Kontrolle war mir immer sehr wichtig. Vor allem, weil ich den Kontrollverlust durch die Medien am eigenen Leib erfahren habe. Deshalb ist es mein innigstes Bedürfnis, alles was ich mache, so gut wie möglich aus meiner eigenen Hand auf den Punkt zu bringen.

Hast du aus dem Grund dein eigenes Label SOLFO gegründet?

Genau. Der Chef von Couch Records, bei denen ich damals war, wollte aussteigen und das Label auflösen, aber mit mir weiterarbeiten. Jetzt ist er mein Manager und wir haben zusammen SOLFO gegründet.

Du hast 2008 im Theaterstück »Nico« von Werner Fritsch und Oliver Sturm gespielt. War das deine erste Schauspiel-Erfahrung?

Ja. Der Regisseur Oliver Sturm meldete sich bei mir, weil er meine Musik kannte und da eine Verbindung zur Sängerin Nico gesehen hatte — was in der Zeit auch gestimmt hat, da sie mir sehr viel bedeutet hat.

Kannst du dir vorstellen, in Zukunft mehr in die Richtung zu arbeiten?

Schauspielerei ist tatsächlich etwas, das mich interessiert, aber ich glaube, ich bin eine schlechte Schauspielerin, weil ich mich schwer in Rollen versetzen kann.

Bis jetzt hatte ich immer Glück. Bei den Arbeiten zum Film »Stillleben« meinte der Regisseur, ich brauche überhaupt nicht das Klischee einer Prostituierten darstellen, sondern man darf ruhig spüren, dass ich mich unwohl fühle dabei. Dann fand ich es auch wieder toll.

Empfindest du eine Art Leere, wenn du nach einer Tour Nachhause kommst?

Die Postdepression nach einer Tour ist der totaler Klassiker. Noch habe ich auch keine Strategie entwickeln können, um sie zu umgehen. Mittlerweile habe ich sie aber in den Ablauf eingeschlossen und akzeptiert.

Was schätzt du denn an Wien besonders, wenn du nach einer Tour wieder zurück bist?

Das ist eine schwere Frage. Ich kann nie sagen, was mich in Wien hält, da ich eigentlich total wenig Bezug habe zu der Stadt und auch so wenig eingebunden in das Geschehen hier eingebunden bin. Ich beobachte alles ganz von außen. Auch in der Musikszene habe ich wenige Connections, die ich halte. Das mag ich einerseits, andererseits habe ich aber das Gefühl, dass ich es der Stadt schuldig bin.

Ich gebe zu, dass es m Wien die letzte Stadt ist, an die ich bei der Tourneeplanung denke. Ich kann nicht einmal sagen warum. Ich empfinde hier eine große Scham und Angst und die Konzerte hier waren auch immer meine schechtesten und hysterischsten.

Wie schätzt du allgemein die Möglichkeiten junger Musiker ein, in Wien Musik zu machen und zu produzieren?

Ich finde es großartig, dass man in Österreich Unterstützung und Kulturförderungen erhält. Das beste Beispiel ist departure, die uns auch bei der Gründung von SOLFO sehr geholfen haben.

Wenn ich jetzt an Deutschland denke, gibt es das so gar nicht — außer man bekommt einen Stempel auf die Platte gedrückt.

Kannst du dir vorstellen, irgendwann wieder auf dem Land zu wohnen?

Ja, aber nicht in Österreich. Das Landleben hier besitzt nochmal eine ganz andere Härte als in anderen Ländern.

In einem Interview hast du einmal behauptet, wenn es dir darum ginge, dich wohlzufühlen, würdest du keine Konzerte spielen. Was bringt dich denn zurück auf die Bühne?

Ich finde es spannend, einen offenen Raum für sich zu beanspruchen und mit allen Elementen zu arbeiten: dem Licht, der Bühne, der Grenze zwischen Bühne und Publikum und deren Auflösung. Bei Konzerten bin ich sehr unfrei und klammere mich wahnsinnig an den Ablauf der Dinge. Die Intimität, die ich mit dem Publikum teile, gleicht einem freien Fall und macht für mich ein Konzert so unerträglich und gleichzeitig wunderschön. Dennoch bewundere ich es, wenn Spontanität bei einem Konzert klappt und eine freie Kommunikation mit dem Publikum hergestellt wird.

Ich bin allerdings das absolute Gegenteil.

Siehst du da Parallelen zu deinem Lebensstil?

Total. Ich bewundere Menschen, die die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Diese spontane Leichtigkeit hat in meinen Augen etwas unglaublich schönes.

Ich habe einen Ordnungszwang und versuche immer das Zufällige zu imitieren. Andererseits bin ich eigentlich sehr chaotisch. Mit diesem Chaos will ich mich selbst aber nicht konfrontieren. Im Endeffekt bin ich auf der ständigen Suche nach dem Mittelweg.

Vielen Dank an Anja für das interessante Gespräch. Wer mehr über ihre Musik und Konzerttermine erfahren möchte, kann sich auf ihrer Facebook-Seite informieren oder ihre Labelseite besuchen.

Dieses Porträt ist in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien und ihrem Kreativzentrum departure entstanden. Mehr Porträts und Berichte zu der Wiener Kreativszene gibt es hier

Video: Nikolaus Sauer

Video Edit: Uljana Andreeva

Fotografie: Lukas Gansterer

Interview & Text: Philipp Daun