Möbel als Mitbewohner: BUCHHOLZBERLIN verarbeitet geschichtsträchtiges Holz zu Objekten mit Charakter
Designerin Katja Buchholz und ihr Mann Alex Meschkowski über ihre Liebe zu einem ganz besonderen Werkstoff, Berlin
ZEIT × FvF
Interviews > Möbel als Mitbewohner: BUCHHOLZBERLIN verar…

Die Wohnung von Möbel- und Objektdesignerin Katja Buchholz und ihrem Mann Alexander Meschkowski ist urbane Oase und Versuchslabor zugleich.

In ihrem Apartment mit dem hellen Betonboden und der atemberaubenden Dachterrasse testen die beiden Macher der Möbelmanufaktur BUCHHOLZBERLIN die Prototypen von Katjas Entwürfen auf Funktionalität und Beständigkeit. Manchmal über Monate hinweg. Denn am Ende soll alles dem gemeinsamen Leitgedanken gerecht werden: Die Möbel und Gebrauchsgegenstände sollen nicht nur ihre Funktion erfüllen und lange halten, sondern mit dem Alter noch besser werden.

Produzieren lassen Katja und Alex einen großen Teil der Produkte in betreuten Werkstätten in Brandenburg. Verkauft wird alles im LADEN in Berlin-Mitte, wo BUCHHOLZBERLIN zusammen mit dem LOKAL einen Hybrid aus Showroom und Restaurant betreibt. Wo früher ein Ballhaus stand, ist es dem Paar gelungen, ein warmes Ambiente zu schaffen, das dem geschichtsträchtigen Erbe gerecht wird: High-End-Design trifft auf Gasthof-Feeling und fast schon urigen Charme. Alles, was hier von den Gästen während des Mittagessens oder dem Wein am Abend genutzt wird, kann auch gekauft werden. Doch es gibt noch mehr: Viele Möbel, die Katja gestaltet, sind Spezialanfertigungen, welche die gelernte Architektin unter anderem für prominente Kunden entwirft.

Wir haben mit Katja und Alex über ihre Leidenschaft zum Werkstoff Holz gesprochen und gemeinsam mit ihnen die Geschichte von BUCHHOLZBERLIN Revue passieren lassen. Danach gaben uns die beiden die Möglichkeit, Katjas Werkräume in Großbeeren in Brandenburg zu besuchen. Hier wird alles hergestellt, an was die Designerin selbst Hand anlegt. Zur Zeit lagert dort ein besonderer Schatz: Fichtenstämme aus David Chipperfields eindrucksvoller „Sticks und Stones“-Ausstellung, die im Winter 2014 in der Neuen Nationalgalerie gezeigt wurde. Die daraus gewonnenen Bohlen sollen zu einer limitierten Edition von Tischen verarbeitet zu werden.

Freunde-von-Freunden-Katja-Buchholz-112
Freunde-von-Freunden-Katja-Buchholz-083

Katja, bevor wir über BUCHHOLZBERLIN sprechen, würde mich interessieren, was dein Hintergrund als Designerin und Künstlerin ist.

Katja: Ich habe erst Architektur studiert, hier an der Hochschule der Künste in Berlin. Ich habe mich aber auch schon immer für Restaurierung interessiert und wollte ursprünglich Restauratorin werden. Im Nachhinein bin ich sehr froh, den kreativen Weg gewählt zu haben – Restaurierung ist ein wahrer Knochenjob, man macht alles um des Objektes Willen. Aber es war trotzdem ein großes Glück, dass ich vor dem Architekturstudium Praktika bei Restauratoren gemacht habe. Denn als ich mit dem Studium fertig war, habe ich gleich am ersten Tag danach gehört, dass im Büro von David Chipperfield Leute gesucht werden, die sich auch mit Restaurierung auskennen. David war gerade für den Wiederaufbau des Neuen Museums nach Berlin gekommen. Einen Tag später hatte ich dort einen Job!

Wie hat es sich angefühlt, plötzlich bei einem derartig prestigeträchtigen Projekt mitzumachen?

Katja: Das war natürlich gigantisch, ich habe Davids Arbeit schon immer bewundert. Ich habe dort 6 Jahre lang gearbeitet – hauptsächlich am Wiederaufbau des Neuen Museums. Es war ein super Job,  denn es ist eines der schönsten Häuser der Welt. Ich habe dort unter anderem für das Büro im Museum Feste organisiert, zu welchen Leute aus aller Welt eingeladen wurden. Die kamen dann in langen Gewändern und es wurden zum Teil sogar Flügel reingehoben. Wir haben riesige Tafeln aufgestellt und üppige Blumendekorationen, dann wurde getanzt und gefeiert (lacht).

Freunde-von-Freunden-Katja-Buchholz-123
Freunde-von-Freunden-Katja-Buchholz-125
Freunde-von-Freunden-Katja-Buchholz-127
Freunde-von-Freunden-Katja-Buchholz-230

Was hat dich dazu bewogen, den Job aufzugeben und etwas Eigenes zu starten?

Katja: Die Arbeit am Neuen Museum war eine Herausforderung. Wir haben Restaurierungspläne erstellt, die teilweise erst nach Jahren baulich umgesetzt wurden. Ich hatte Sehnsucht danach, etwas mit den Händen zu machen, und die kreative Umsetzung unmittelbarer zu erfahren. Als das Neue Museum fertig war, habe ich deswegen mehr Interiorprojekte gemacht und bereits selbst erste Tische gebaut. Irgendwann gab es dann die Entscheidung, es einfach zu tun.

Vor 1-2 Jahren kam dann ein Anruf von David [Chipperfield], ob ich nicht auch ein paar Möbel für sein neues Haus in der Joachimstraße machen könnte. Wir haben dann zusammen gesessen und Sachen zusammen entworfen – aber ich habe auch allein entworfen und dabei sind ein paar tolle Stücke entstanden. Unter anderem ein großer Tisch, den wir aus Holzpfählen gebaut haben, die unter dem Stadtschloss in der Erde steckten.

Freunde-von-Freunden-Katja-Buchholz-159
Freunde-von-Freunden-Katja-Buchholz-139

Das klingt so, als sei deine Arbeit für das Büro fast nahtlos in deine freie Arbeit übergegangen…

Alex: Da komme ich dann ins Spiel. Ich bin Wirtschaftsanwalt und berate Unternehmen auch in der Startphase. Die Entwicklung von BUCHHOLZBERLIN – es sind ja jetzt fast 10 Jahre – ist aber nicht am Reißbrett entstanden. Viel wichtiger waren persönliche Kontakte und Gespräche und unser Netzwerk aus Freunden und Bekannten.

Ich kann Dir ein gutes Beispiel geben aus der Zeit, in der wir noch einen Showroom hier in der Münzstraße hatten. Wir fanden es bereits damals nicht wirklich zu uns passend, einen Laden zu haben, der immer geöffnet ist. Also hat Katja gesagt: ‘Okay, ich mache Samstags zwischen 12 und 14 Uhr den Showroom auf’. Aber immer, wenn es dann Samstag kurz vor 12 war hatten wir andere Prioritäten, als den Showroom zu besetzen. Vier Wochen später wurde uns dann gesagt: “Mensch, da war einer, der würde so gerne mit Katja sprechen und niemand war da.“ Am Ende stellte sich heraus: Es war Herbert Grönemeyer, der vier Wochen lang vergeblich versucht hat, mit Katja zu sprechen (lacht). Es ist dann ein sehr schöner Tisch für ihn entstanden.

Klassisches Marketing ist also nicht so ganz euer Ding…

Alex: Die besten Marketingstrategien haben manchmal überhaupt nichts mit Marketing aus dem Lehrbuch zu tun. Es muss etwas sein, das zum eigenen Leben passt. Gleichzeitig darf man natürlich nicht unterschätzen, dass wir uns in einem Markt bewegen, in dem man sich Gehör verschaffen muss – gerade, wenn man wie Katja sehr zurückhaltend und minimalistisch designt. Wir haben nicht das eine Signalstück, das direkt ins Auge springt. Unsere Stücke sind sehr zurückhaltende Mitbewohner.

Das FvF-Team zu Gast bei BUCHHOLZBERLIN

Wir kamen in den Genuss eines saisonalen Dinners aus regionalen Zutaten

Katja, woher kommt dein Interesse an der Fertigung von Objekten – und woher das Interesse für Holz als Werkstoff?

Katja: Viel kommt von meiner Großmutter. Die war eine pragmatische Frau und hat alles selbst gebastelt, genäht und die tollsten Sachen gesammelt. Ich war als Kind viel bei ihr und mit ihr in der Natur, ich bin ja hier in der Nähe des Schlachtensees groß geworden. Wir haben Pilze gesammelt und sie kannte wirklich jeden Baum. In der Natur zu sein und dort Energie und Inspiration zu bekommen hat für mich also von Anfang an dazu gehört. Holz ist ein toller Werkstoff weil er warm ist, schöne Farben hat und sich relativ leicht bearbeiten lässt. Es bringt seine eigene Geschichte mit, die ich bei der Gestaltung respektiere – so wird jedes Stück einzigartig. Deswegen ist es oft gar nicht so leicht, vorher pauschal zu sagen, wie ein Tisch später aussieht. Ich entscheide meist erst in meinem Arbeitsraum, wo die Beine stehen oder wo die Platte zusammengesetzt wird.

Alex: Wenn man mit der Hand über so einen Tisch fährt, merkt man, dass es da eine Lebendigkeit gibt. Ein Tisch wie der in unserem Wohnzimmer bekommt über die Jahre Spuren, gerade wenn man Kinder hat. Jahre später kann man sich dann daran zurück erinnern. Es ist sehr befriedigend, so etwas zu bauen.

Ihr produziert in betreuten Werkstätten, wo Menschen mit Handicaps oder psychischen Erkrankungen arbeiten. Wird dort alles produziert?

Katja: Die Stücke, die einen ganz besonderen Anspruch haben und sehr arbeitsintensiv sind, – wie vor allem Prototypen – bauen wir in Großbeeren. An diesen Stücken arbeite ich oft selbst mit. So wie beispielsweise der 7 Meter lange Tisch, den wir für die Berliner Agentur M&C Saatchi gebaut haben.

Ihr habt einen 7 Meter langen Tisch gebaut?

Alex: Ja, und das war eine große Herausforderung, auch vom Transport her. Der Kundenwunsch war, dass der Tisch in einem Stück designt ist, aber in der Mitte auseinander genommen werden kann. Er besteht daher aus zwei fast 6 cm starken Eichenplatten zu je 3.50m und hat ein anthrazitfarbenes Metalluntergestell. Wir mussten den Tisch irgendwie in den dritten Stock bekommen. Das hat uns wirklich alles abverlangt.

Danke Katja und Alexander,

für das offene Gespräch, das leckere Essen in Eurem LADEN und für Eure Standfestigkeit während des eisigen Shootings. Mehr Informationen zu BUCHHOLZBERLIN und einen Überblick über die Produktpalette gibt es auf der Webseite des Labels.

Unser Dank geht außerdem an OUR BERLIN, Monkey 47, Vöslauer, Carpe Diem, BRLO und Geile Weine, die uns bei unserem Teamevent bei BUCHHOLZBERLIN mit dem einem perfekten Mix an Getränken versorgt haben.

Dieses Portrait ist Teil unser Zusammenarbeit mit Zeit Online, bei der regelmäßig ausgewählte Fotos auf Zeit Magazin Online erscheinen.

Interview & Text: Hanno Stecher
Fotografie: Robert Rieger