Zusammenarbeit in der Cloud: Wie neue Anwendungen das Design revolutionieren
Birgit Palma und Daniel Triendl über ihre kreative Kollaboration und 1800 Kilometer Entfernung, Berlin
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Entwicklungen im virtuellen Raum versprechen eine spannende Zukunft für kreative Kollaborationen, die nicht nur Arbeitsstrukturen verändern, sondern auch neue Stadt- und Bürokonzepte entstehen lassen.

(EN)

Grundstein für die Veränderungen in der Arbeitswelt ist ganz klar das Internet. Durch die stetig voranschreitende globale Vernetzung und die immer vertrautere Integration von Online-Anwendungen in den Alltag verlagern sich in zunehmender Geschwindigkeit Arbeitsprozesse und Dokumentenarchive ins Netz. Wo eine Programminstallation per CD-Rom inzwischen schon archaisch ist und sogar das virtuelle Installieren veraltet, drängt sich die Zukunft mit ihren vielversprechenden Cloud-basierten Programmen immer stärker ins Jetzt. Von Screensharing wie bei Skype, bis hin zu Cloud-basierten Programmen wie die Adobe Cloud, Google Drive oder Dropbox, Pinterest, Evernote und Slack; der ‚süße Brei‘ der virtuellen Entwicklungen quillt unaufhaltsam weiter und bietet nicht nur eine Hardware-freie Lagerung von Daten, sondern befördert eben auch neue Formen der Zusammenarbeit.

Birgit Palma und Daniel Triendl während ihres Modular Lettering Workshops im HWK Berlin

So wird dezentrales Arbeiten anhand digitaler Kommunikationstechniken und der fortschreitenden Konnektivität immer selbstverständlicher. Gerade kreative Tätigkeiten verlassen sich zunehmend auf Online-Tools. Kollaborationen können über weiten Raum ausgeführt und Ideen orts-entbunden umgesetzt werden. Und weil kreative Eingebungen oft nicht auf Abruf kommen, ist der hohe Grad an Vernetzung von besonders großem Nutzen. Ob von einem sonnigen Strand im Süden oder einem urbanen Coworking Space, ‚New Work‘ kann zeitlich flexibel und von überall aus stattfinden. Besonders bei der gewöhnlich isolierten Computerarbeit, wie z.B. im Design, eröffnet die digitale Welt einen spannenden Raum für direkte Zusammenarbeit. So ermöglichen Online-Tools, zum Beispiel die Creative Cloud, den Designern Birgit Palma und Daniel Triendl über 1800 Kilometer Entfernung, in Echtzeit an gemeinsamen Entwürfen zu arbeiten. Der Schaffensprozess, der traditionell durch ‚Abarbeiten und Abgeben‘ definiert wurde, wird somit durch eine neue, parallele Art der Handhabung abgelöst. So wird nicht nur der Entstehungsprozess schneller, er entledigt sich auch der klar definierten Urheberschaft. Von Barcelona und Wien aus können die beiden gebürtigen Österreicher anhand von Cloud-Programmen gleichrangig und gleichzeitig an Designs arbeiten. Der Input des Einen zeigt sich sofort auf dem Bildschirm des Anderen. Laut Daniel war die Lebendigkeit des gemeinsamen Schaffens in dieser Form und Direktheit vorher nicht spürbar.

In ihrem letzten gemeinsamen Projekt, ein durch Workshops kreiertes modulares Alphabet, haben Birgit und Daniel erstmalig die gesamte Bandbreite der vorhandenen Cloud-Tools erprobt. Angefangen von der Konzeption, über die Ausarbeitung, bis hin zur Finalisierung, konnte das Projekt, gemeinsam mit 30 Workshopteilnehmern, virtuell ausgearbeitet werden. Das Resultat war eine multi-autorisierte Typographie, die sich aus Elementen des Stock-Archivs der Adobe Cloud zusammengesetzt hat.

Die Zeiten, in denen digitale Zusammenarbeit auf einer linearen Abfolge von Eingriffen basierte, nähern sich dem Ende. Gerade für Freelancer und größere kollaborative Projekte werden virtuelle Arbeitswelten immer attraktiver. Fernab von Büroalltag und starren 9-to-5 Arbeitszeiten, lösen digitale Neuerungen die rigiden Arbeitsmodelle des Fließbandzeitalters ab und bringen ein endloses Maß an Möglichkeiten und Freiheiten mit sich. Das zunehmende Verständnis für Begriffe wie New Work, Digitalnomaden und Telearbeit reflektiert, wie weit dieser gesellschaftliche Wandel schon vorangeschritten ist.

30 Designer, eine Datei

Modular Lettering Workshop im HKW Berlin

Auch bei größeren kreativen Unternehmen machen sich die positiven Auswirkungen des Netzwerkdenkens bemerkbar. Mit Konzepten wie Holacracy, Crowdsourcing, Co-Creation und Open-Source gliedert sich das individuelle Spezialistentum immer mehr in ein lebendiges, allgemeines Wissenskollektiv ein. Als Pixar 1995 an dem weltweit ersten computergenerierten Film, Toy Story, arbeitete, erkannte Co-Founder Ed Catmull, dass der kreative Entstehungsprozess und die damit verbundene Zusammenarbeit für diesen Film stark von dem klassischen Animations-Workflow abwich. Anstelle von klar definierten Rollen und dem Überreichen von vollendeten Einzelteilen an verschiedene Abteilungen, entwickelte sich bei Pixar ein neuartiges und ganzheitliches Arbeitsmodell. Ähnlich wie bei den heutigen digitalen Netzwerken verlangte der komplexe, digitale Animationsprozess eine neue Art von Kollaboration, in die sich Einzelrollen aufgelöst und kollektive Ideen des 200-köpfigen Teams umgesetzt haben.

Die Feststellung, dass geteiltes Wissen Innovation fördert, ist schon lange ein offenes Geheimnis. So erklärte Platon 347 vor Christi schon: „Wenn zwei Knaben jeder einen Apfel haben und diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen. Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei Gedanken.” Auch Birgit Palmer hebt hervor, dass die virtuelle Zusammenarbeit eine motivierende Komponente hat, die hilft, aus den gewohnten Denkansätzen auszubrechen. Wo früher von Null begonnen werden musste und Talent und Bildung eine essentielle Grundlage waren, ist es durch allgemein zugängliche Online-Ressourcen möglich, auf eine vorhandene Basis aufzubauen und auch in einem höheren Grad autodidaktisch zu arbeiten und lernen. Der Universitätsabschluss allein ist nicht mehr ausschlaggebend für den Erfolg in einem kreativen Beruf.

Gefragt nach Hindernissen im digitalen Zusammenarbeiten betonen Birgit Palmer und Daniel Treindl, dass genaue Zeitpläne und gute Kommunikation noch wichtiger werden als bei der Zusammenarbeit im gleichen Büro. Auch heben sie hervor, dass es bei dem Überangebot von digitalen Tools wichtig ist, eine Selektion für den eigenen Bedarf zu machen. Sinnvoll eingesetzt, ersparen virtuelle Angebote Zeit und Arbeit, helfen effektiv, große Distanzen zu verkleinern und Zusammenarbeit zu vergrößern. Auch ist nicht zu verkennen, dass die Vereinfachung der selbständigen Arbeit durch Online-Netzwerke und Tools, die Unsicherheiten des Freelancer-Daseins nicht mindern. So kann man generell nicht, wie bei einer traditionellen Anstellung, von festen Monatsgehältern, bezahlten Urlaubs- und Krankheitstagen und einer automatisch abgesicherten Rente ausgehen. Hier sind Selbstinitiative und Organisation gefragt. Auch verschwimmt durch die ‘always on’ Mentalität des Vernetztseins zunehmend die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Der Mangel an Gemeinschaftsgefühl, der den digitalen Kreativberuf bisher auch stetig begleitet hat, wird allerdings gerade durch die neuen Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit und der neuen Arbeitsstrukturen umgekehrt.

Wie sehr sich klassische Arbeitskonzepte bereits verändert haben wird dann klar, wenn man sich die Anzahl an Coworking Spaces anschaut, die in jeder größeren Stadt rund um den Globus aus dem Boden schießen. Der Grundgedanke dreht sich hierbei nicht nur um flexible Räumlichkeiten, sonder vielmehr um die Erschaffung einer gemeinschaftlichen Sphäre in der Ideen, Erfahrungen und Kreativität ausgetauscht werden können. In dieser Form repliziert die reale Welt die Offenheit, die Ungebundenheit und die Vernetztheit der virtuellen Welt und wird dadurch viel inklusiver. Personengruppen, die bei traditionellen Ansätzen oft nicht voll in den Arbeitsmarkt integriert waren, wie zum Beispiel Pensionäre, Frauen mit Kindern, ausgebildete Einwanderer erhalten durch die, von der Netzwerkmentalität ausgehende, Liberalisierung ganz andere Chancen. Sie können sich in dem für sie richtigen Maß in die Arbeitswelt einbringen und müssen sich nicht mit den alten Hierarchien abfinden.

Durch die Vernetzung des Internets und die darauf folgenden Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit und der offenen Wissensquellen, setzt sich zunehmend ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel durch. Der Einzelne wird Teil eines Ganzen, Wissen fließt zusammen und rigide Arbeitsformen öffnen sich. Die Wandlung, die schon jetzt im kreativen Bereich drastische Vorteile beweist, wird sich über die Jahre auch immer häufiger in anderen Arbeitssphären durchsetzen. So werden starre Berufsbilder und streng regulierte Beschäftigungen immer häufiger flexiblen und teamorientierten Arbeitsformen weichen und die Umsetzung von individuell angepassten Tätigkeiten immer gängiger werden.

Adobe arbeitet eng mit Designerinnen und Designern zusammen, um zu verstehen, welche Tools diese in ihrer Arbeit einsetzen und welche Ansprüche sie an Programme und Anwendungen haben. In Zeiten, in denen der kreative Output stetig steigt, während wir von wechselnden Orten arbeiten, braucht es immer fluidere Lösungen. Die Adobe Creative Cloud wird stetig um neue Funktionen erweitert. Ein Überblick über alle Neuerungen hier.

Mehr zum Modular Lettering Workshop und der Zusammenarbeit zwischen Adobe und den beiden Designern auf dem Adobe-Blog.

Danke Birgit und Daniel, dass wir euch beim Workshop im HKW über die Schulter schauen durften. Zu den Portfolios der beiden geht es hier: Birgit Palma und Daniel Triendl.

Text: Anna von Stackelberg
Fotografie: 
Daniel Müller