Man in Black: Wie Dennis Pfisterer Innovation schafft
Egal, ob er digitale Konzepte entwickelt oder mit seinem Landrover durch die Stadt kurvt: Dennis Pfisterer sucht den Kontrast, Berlin
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Wenn Dennis Pfisterer einen filmreifen Auftritt hinlegen will, muss er eigentlich nur eine Spritztour auf vier Rädern machen: Sein schwarzer Landrover sieht aus, als sei er einem Achzigerjahre-Actionstreifen entsprungen und zieht so nicht nur die Aufmerksamkeit von Autofans auf sich.

Man sollte jedoch nicht vorschnell von dem massigen Wagen auf den Mann am Lenkrad schließen. Denn der Gründer der Berliner Niederlassung der Agentur Saint Elmo’s beherrscht auch die feinen Töne: Mit großem Fingerspitzengefühl erschließt er sich tagtäglich neue Themenfelder und schafft Innovation dadurch, dass er sonst voneinander getrennte Bereiche zusammendenkt. So, wie er es mit dem vom ihm mitbegründeten Concept Store “Bazar Noir” gemacht hat, mit welchem er sich einen Lebenstraum erfüllt hat. Der Shop ist einer von mehreren Stationen aus Dennis’ Leben, die wir mit ihm bei unserem Ortstermin besuchen.

Zuerst treffen wir ihn jedoch in seiner Wohnung, einem dreistöckigen Altbau im Stil eines englischen Townhouse in Berlin-Kreuzberg. Strenge weiße Wände stehen hier in auffälligem Kontrast zu dunklen Möbelstücken wie einem schwarz vertäfelten Kamin, schwarzen Küchenschränken und einem schwarzen Klavier. Dennis hat sich bewusst für das dominante Schwarz als tongebendem Element entschieden, um den Räumen mehr Profil zu verleihen: “Das hier ist im wahrsten Sinne des Wortes das Kontrastprogramm zur klassischen skandinavisch-weißen Einrichtung. Schwarz macht Dinge dramatischer und spürbarer. Ohne das Schwarz fehlt für mich die Tiefe, das Mysteriöse.”

Eine weitere von Dennis’ Leidenschaften ist seine Kollektion von Kunst- und Designobjekten aus der ganzen Welt. So wie sein persönliches Prunkstück – eine antike Holztür aus Marokko, die er zusammen mit seiner Frau Cathie als “Found Object“ in Marrakesch erstanden hat und die mit Ornamenten und Maserungen verziert ist. Stolz präsentiert uns Dennis das sicherlich mehr als hundert Jahre alte Objekt, in dessen Ritzen sich immer noch Spuren von Wüstensand befinden.

Dieses Portrait ist Teil von “Friends Of Cars”, unserer gemeinsamen Serie mit Spiegel Online. Unter dem Titel “Das Aggro-Accessoire” gibt es dort mehr über Dennis und eine Tour mit seinem Landrover.

Der 36-jährige ist als gelernter Grafiker und Mediendesigner nicht nur ein visuell denkender Mensch, sondern hat auch eine Schwäche für die dreidimensionale Seite der Gestaltung: “Ich finde Räumlichkeit einfach super spannend. Mein Weg ging zwar in Richtung digitales Design, aber ich merke oft, dass mir da das Greifbare, das reale Erlebnis fehlt. Deswegen finde ich es wichtig, Räume selbst mit auszubauen, auch wenn ich kein Interiordesigner bin. Man muss nur mit den richtigen Menschen zusammenarbeiten.”

Seit über fünf Jahren lebt Dennis mit der aus Frankreich stammenden Cathie und seinen beiden Kindern in der Wohnung unweit des Viktoriaparks. Zusammen mit befreundeten Produktdesignern hat das Paar die Räume mitgeprägt und neben der Küche und dem prägnanten Kamin auch die fast schwerelos wirkenden Treppenelemente mitgestaltet, welche die drei Etagen des Hauses miteinander verbinden.

„Egal was man macht, es ist nur dann spannend, wenn man es auch auf eine tiefere Ebene bringt.”

„Nichts funktioniert an diesem Auto perfekt, aber es sieht einfach geil aus.“

„Wir wollen einen Mix von Objekten anbieten, den man in Berlin so nicht bekommt.“

Weiter geht es nun zu unserer zweiten Station des Tages – zu Dennis’ Herzensprojekt, dem “Bazar Noir”. Der Concept Store für Interiordesign befindet sich am Kreuzberger Mehringdamm in fußläufiger Nähe zur Wohnung. Er wird von Cathie geführt und steht – ganz im Stil der Einrichtung des Paares – für feinsinnig kuratierte Objekte. Traditionell orientiertes Kunsthandwerk trifft hier auf Schöpfungen von zeitgenössischen urbanen Cutting-Edge-Desigerschmiden. “Wir wollen einen Mix von Objekten anbieten, den man in Berlin so nicht bekommt”, erklärt uns Dennis. “Es geht uns um Exklusivität, um das Besondere – um Objekte, die Freude machen, weil sie eine eigene Geschichte haben.”

Tatsächlich mutet der “Bazar Noir” beinahe wie eine Galerie an. Man spürt sofort, dass alles hier mit einem Blick sowohl fürs Detail als auch fürs große Ganze ausgewählt wurde. Die Einrichtung macht dem Namen alle Ehre: Schwarz dominiert alles und hebt die charakteristische Treppe in der Mitte des Raumes ebenso prägnant hervor wie die verkauften Objekte. Die Auswahl für die nicht selten handgefertigten Produkte treffen Dennis und Cathie zusammen – ganz gleich, ob sie sie auf Reisen, bei Recherchen im Internet oder über ihr eigenes Netzwerk finden.

Dennis lässt es sich natürlich nicht nehmen, uns mit seinem schwarzen, wuchtigen Landrover zu seinem Arbeitsplatz zu kutschieren. Der Wagen, den er mit dem Emblem des “Bazar Noir” verziert hat, ist ein in Metall gegossener Jungs-Traum: Außen mutet er fast schon martialisch an, innen erwarten den Fahrer Gadgets wie ein überdimensionales Panel mit Schaltknöpfen. Über dieses lassen sich Utensilien wie eine ohrenbetäubende Hupe bedienen. Dennis hat den Wagen vor vier Jahren mit diesen Anpassungen übernommen und hat großen Spaß daran, seine “Proll-Karre” – wie er sie augenzwinkernd nennt – weiter zu tunen. Allerdings weniger aus technischem Nerdtum denn aus ästhetischen Gründen, wie er uns grinsend erklärt: “Nichts funktioniert an diesem Auto perfekt und es gibt nicht wirklich einen praktischen Nutzen, aber es sieht einfach geil aus.”

Nach einer kurzen Zwischenstation am Kreuzberger Mariannenplatz, wo wir das Paket mit der ersten Lieferung des “Bazar Noir”-Dufts einladen, geht es nach Mitte. Dort befindet sich die Berliner Niederlassung von Saint Elmo’s. Dennis hat den Standort vor knapp 7 Jahren zusammen mit seinem Geschäftspartner Ben Kögler gegründet und ist Partner und Teilhaber der Agentur. Nach einer kurzen Führung durch die freundlichen, hellen Büroräume erzählt er bei einem Kaffee von seiner neuen Funktion als “Chief Innovation Officer”. Die Position wurde dafür geschaffen, das Agenturmotto “Cross the Line” in die Tat umzusetzen und darüber nachzudenken, wie Saint Elmo’s in digitalen Zeiten modern und interdisziplinär arbeiten kann. Dennis’ wichtigstes Anliegen ist es hier momentan, die Agentur mit spannenden Akteuren zu vernetzen und Kooperationen zu eröffnen. Sein wichtigstes Anliegen ist zur Zeit der “Trendradar”, eine Zusammenarbeit mit der Spendenplattform betterplace.org. Der “Trendradar” ist ein Onlineportal und wurde als Labor für digitale und soziale Innovation geschaffen. Hier werden mitreißende Geschichten zu Projekten gesammelt, welche gesellschaftlichen Wandel durch die digitalen Medien herbeiführen.

„Ich merke oft, dass mir da das Greifbare, das reale Erlebnis fehlt.“

“Egal, was man macht”, sagt Dennis zum Abschluss des Gesprächs, “es ist nur dann spannend, wenn man es auch auf eine tiefere Ebene bringt. Ich denke, da sind alle Kreativen gleich – egal, ob man Mode macht, schreibt oder fotografiert.” Es ist einer von vielen Momenten an diesem Tag, in denen klar wird: Dieser Mann hat eine Mission ist und zieht alles, was er anpackt, auch durch. Doch es gibt noch eine weitere Eigenschaft, die ihn auszeichnet: Seine beinahe kindliche Begeisterungsfähigkeit – gepaart mit dem eisernen Willen, die Dinge zum Laufen zu bekommen. Eine Kombination, mit der eigentlich nicht mehr viel schief gehen kann.

Danke, Dennis, für eine abwechslungsreiche Berlin-Safari mit dem auffälligsten Auto der Stadt. Mehr zur Arbeit von Dennis Agentur gibt es auf der Webseite von Saint Elmo’s. Wer einen genaueren Blick auf die im Bazar Noir angebotenen Objekte werfen will, kann dies auf der Webseite des Shops tun.

Mehr einzigartige Stories aus unserer Heimatstadt gibt es unter der Kategorie “Berlin Portraits“.

Dieses Portrait ist Teil unser Kollaboration mit Zeit Online, wo regelmäßig ausgewählte Fotos erscheinen. 

Fotos: Robert Rieger
Text: Hanno Stecher