Freunde von Freunden

Joachim Sauter
Media Artist, Apartment, Berlin
Interviews > Joachim Sauter

Joachim Sauter gilt als Pionier der neuen Medien. Lange bevor die meisten Menschen einen PC besaßen, verstand der Berliner schon, dass Computer nicht nur nützliches Arbeitsmittel auch für das kreative Arbeiten sind, sondern dass die digitale Technologie als solche ein neues Medium neben den klassischen Print- und den Broadcastmedien ist.

Der Gedanke, Gegenstände aus ihrem Kontext zu lösen, für Interaktion zu sorgen, Grenzen auszudehnen sowie der Prozess der Verwandlung durchziehen konsequent seine Arbeiten. Das Spektrum seines gestalterischen und künstlerischen Schaffens ist breit und lässt sich nicht in Kategorien ordnen. Vielleicht lässt sich diese Vielfalt und die Arbeit jenseits aller Disziplinen damit erklären, dass Joachim zusammen mit seinen Kollegen, die Arbeit mit und in den neuen Medien miterfand und bis heute mitdefiniert.

Ende der 80iger Jahre gründet er mit anderen Visionären ART+COM als eines der ersten Studios in Deutschland, das sich mit den neuen Medien beschäftigt. Obwohl es heute, 25 Jahre später zu den Ältesten der Szene zählt, ist es noch immer ein Vorreiter, was den kreativen Umgang mit den neuen Medien betrifft. Neben seiner praktischen Tätigkeit ist Joachim Sauter Professor an der UdK in Berlin und an der UCLA in Kalifornien.

Wir haben ihn in seiner Wohnung in Berlin-Mitte besucht und haben uns gemeinsam eine Ausstellung mit einigen seiner Prototypen angeschaut. In unserem Interview unterhalten wir uns mit ihm über die Digitale Revolution, Qualitätserhalt, Diskrepanzen und Analogien sowie Berlin als angeblich kreatives Zentrum Europas.

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/

Freunde von Freunden — Joachim Sauter — Media Artist, Apartment, Berlin  — https://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/joachim-sauter/


Ist das ein MacIntosh?
Ja, aus der ersten 10.000er Serie. Der hätte damals, 1984, 12.000 DM gekostet, aber ich musste ihn glücklicherweise nicht bezahlen, da Apple von Anfang an in den Kreativmarkt wollte.

Dann hast du ja die komplette Desktop Publishing Revolution mitgemacht.

Nach meinem Grafik Design Studium und dem Filmstudium an der Deutschen Film und Fernsehakademie in Berlin stand plötzlich dieser grau-beige Kasten auf meinem Tisch und ich dachte: Wahnsinn, das wird unsere Zukunft verändern. In welcher Form wusste ich selber nicht; ich habe also die gelernte Praxis in Film und Grafik erst einmal zur Seite gelegt und versucht auszuloten, wie diese Technologie unsere Kommunikation, das Design und die Kunst verändert – und das bestimmt mein Arbeiten bis heute. Da man ein solches Unterfangen nicht alleine und aus einer Disziplin heraus angehen konnte, habe ich mich mit anderen Gestaltern und Künstlern aus dem Umfeld der damaligen Hochschule der Künste und Programmieren und Hackern aus dem Umfeld des ChaosComputerClubs zusammengetan und 1988 ART+COM geründet.

Sind alle Gründungsmitglieder noch dabei?

Auch wenn viele der damals 12 Gründungsmitglieder lange Zeit dabeigeblieben sind, bin ich der letzte der die 25 Jahre in Gänze mitgemacht hat.

Ihr wart ganz am Anfang mit dabei und habt es bis heute geschafft Relevanz zu bewahren und mitzuwirken bei den Technologien, die wichtig sind. Das ist beeindruckend!

Relevant zu sein, es zu bleiben und immer an der Kante zu surfen, war und ist unser Ziel.
Anfangs waren wir zehn Jahre voraus, heute sind wir vielleicht noch ein Jahr voraus. Aber immerhin ist man immer noch an der Kante. Vielleicht überholt sie einen aber auch eines Tages. Diese Möglichkeit hält mich wach.

Wie habt ihr es geschafft über die Jahre die Qualität hochzuhalten?

Es ist immer relativ einfach, irgend etwas Neues erfolgreich anzufangen, aber schwierig wird es dann nach 10, 15, 20 Jahren. Unsere Erfolgsfaktoren, aus heutiger Sicht betrachtet, waren: Interdisziplinarität, Risikobereitschaft, Offenheit nach Innen wie Außen, die Bereitschaft sich immer wieder neu zu erfinden, ohne die eigene Haltung aufzugeben, und natürlich die besten Leute um sich zu haben. Als wir 1988 den Verein gegründet haben, taten wir das aus echter Neugier und Forschergeist, Wir wollten etwas finden und schaffen, das es so noch nicht gab, in die Zukunft dieses neuen Mediums, des Computers, schauen und sie mitgestalten. Auch wenn seitdem 25 Jahre vergangen sind und viele Bereiche der damaligen Terra Incognita kartographiert sind, ist diese Suche noch lange nicht beendet. In dem Feld, in dem wir uns bewegen, der Gestaltung im Raum mit neuen Medien, führt uns unsere Neugier immer wieder zu neuen Ausdrucksformen und technischen Innovationen. Oft zitiert aber immer noch gültig für uns ist der Visionär und Informatiker Alan Kay der einmal gesagt hat: „Look, the best way to predict the future is to invent it.“

Ihr seid international bekannt, wie nehmen euch die Leute wahr? Als Künstler, als Designer? Ihr habt die Diskrepanz ja schon im Namen.

Da wir die so genannten neuen Medien praktisch erforschen und dies sowohl in der Kunst, dem Design als auch auf der technologisch-wissenschaftlicher Ebene tun, wir uns also nicht um Sortenreinheit in Bezug auf Disziplinen scheren, ist es für Viele schwierig uns einzuordnen. Auf der Biennale in Venedig ausgestellt zu werden, aber gleichzeitig Installationen für einen Fahrzeughersteller oder ein Naturkunde-Museum zu machen, sowohl an einem medialen Bühenbild zu arbeiten und dazu noch ein Patent druchzufechten, ist schwierig zu kommunizieren. Für die Designcommuity sind wir oft zu „arty“, für die Künstler zu werblich und für die Wissenschaft zu angewandt. Das Ganze ist aber eine hervorragende Ausgangsposition, um immer wieder mit unabhängigem Blick die Welt zu betrachten.

Wo seht ihr die Grenzen zwischen den verschiedenen Disziplinen?

Eine klassische Trennung zwischen Design und Kunst nehmen wir selbst im täglichen Machen gar nicht vor. Im Endeffekt ist es der Kontext in dem eine Arbeit später steht und wer sie mit welcher Intention beauftragt hat oder ob sie ein Selbstauftrag ist. Es passiert aber auch schon mal, dass eine im Designbereich beauftragte Arbeit später dann vom Kunstbetreib vereinnahmt wird und vice versa.

Siehst du im Aufkommen der digitalen Technologien eine Analogie zur Erfindung der Fotografie und deren Auswirkungen auf die Malerei?

Eigentlich nicht. Die Fotografie hatte einen massiven Einfluss auf die Malerei. Als Gegenreaktion auf die Möglichkeit, jetzt alles realistisch mit der Fotografie darzustellen, ist der Kubismus und die Abstraktion im Allgemeinen entstanden. Natürlich haben auch die digitalen Medien einen deutlichen Einfluss auf die zeitgenössische Kunstproduktion, aber die eigentliche digitale Revolution spielt sich im Alltag ab. Der Kunstmarkt heute behindert große Veränderungen in der Kunst eher als dass er sie fördert. Was wir machen, findet außerhalb dieses konservativen Markts statt, und hat, hoffe ich, auch eine andere Relevanz.

Muss man heute provozieren, um mit Kunst gesellschaftlich etwas zu verändern?

Nee, man muss sogar provozieren um im Kunstmarkt existieren zu können! Provokation hilft natürlich, wenn man Aufmerksamkeit will, ist aber kein Garant für Veränderung. Die Art Basel hat mir wieder einmal gezeigt, dass es in der Kunst nicht länger hauptsächlich um gesellschaftliche Werte geht, sondern immer mehr um den ökonomischen Wert. Wenn Provokation zur ökonomischen Strategie wird, funktioniert die irgendwann aber auch gesellschaftlich nicht mehr.

Seht ihr euch in der Verantwortung? Gesellschaftlich oder Sozial?

Immer wenn man sich mit Dingen beschäftigt, die unsere Gesellschaft so stark beeinflussen wie die neuen Medien in den letzten drei Dekaden, und dies zudem noch aktiv vorantreibt, trägt man gesellschaftliche Verantwortung. Wir machen viel im öffentlichen oder halböffentlichen Raum. Natürlich tragen wir dann Verantwortung, nicht nur für den Raum, sondern versuchen vor allem für die Menschen darin. Wir verbreiten aber keine eindimensionalen, lauten Messages, sondern versuchen eher subtil und zuweilen auch poetisch zu kommunizieren. Mit unseren Arbeiten versuchen wir, die Menschen wieder mehr wahrnehmen zu lassen, ihre Augen für ihre Umgebung zu öffnen und sich selbst als wichtigen Teil eines Ganzen bewusst zu werden.

Ihr wart von Anfang an in Berlin: Wie hat sich die Stadt verändert, insbesondere im Bezug auf kreatives Arbeiten? Welche Stadt käme für dich als Arbeits- und Wohnort noch in Frage?

Die Stadt ist nicht nur in den 23 Jahren nach der Wiedervereingung durch eine unglaubliche Veränderung gegangen. Prozess und Veränderung ist das Wesen Berlins. Es gibt keine andere Metropele die im letzten Jahrhundert fünf unterschiedliche politische Regime erlebt hat: Die preußische Monarchie, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, den DDR-Sozialismus und schließlich, nach dem Mauerfall, die Demokratie. Jedes Regime, das an der Macht war, hat zu großen Teilen zerstört, was seine Vorgänger errichtet haben, und darauf aufgebaut. Das zieht sich bis heute durch; siehe die Untat mit dem Palast der Republik. Berlin ist in sich Veränderung, Prozess und Aufbau – eine klare Analogie zu den neuen Medien, deren Wesen das Prozessuale ist. Desshalb kann ich mir nicht vorstellen in einer Stadt wie London, Paris oder Rom zu leben, die ihre ganze Energie auf die Erhaltung ihres Erbes investieren müssen und in der starre Strukturen herrschen – obwohl ich diese Städte liebe und natürlich gerne besuche.

Wie siehst du Berlin als Standort für junge und kreative Unternehmen?

Da gäbe es jetzt die Standartantworten in Bezug auf die niedrigen Lebenshaltungskosten, die Professionalisierung der Subkultur, die Dichte an Universitäten und Hochschulen, das Fehlen klassischer Industrie und das dadurch entstehende Vakuum, den Möglichkeitsraum. Ich glaube aber, das es hauptsächlich die vorhin angesprochene Geschichte Berlins im letzten Jahrhundert war, die die Stadt zu einer „City of Process“ gemacht hat. Und das ist die Basis für Erneuerung und damit perfektes Umfeld für Startups.

Du lebst im Osten, arbeitest im Westen – ist die damalige Trennung aus deiner „täglichen“ Perspektive noch spürbar und wenn ja, in welchen Punkten?

Innerhalb des S-Bahnrings hat sich alles weitestgehend nivelliert. Geht man darüber hinaus sieht das noch ganz anders aus.

Worauf hast du bei der Einrichtung deiner Wohnung am meisten Wert gelegt?

Meine jetzige Wohnung ist ein geliebtes Auslaufmodell. Beim Einzug vor 10 Jahren habe ich versucht meinem naturell entsprechend, reduziert und funktional, mich mit Einrichtungsgegenständen, angelehnt an die klassische Moderne einzurichten. Die meisten Gegenstände sind nachhaltig im besten Sinne: Sie begleiten mich seit langer Zeit. Ich fühle mich hier noch wohl, habe aber im letzten Jahr einen Dachrohling in der Hasenheide gekauft, wo hoffentlich bald Baubeginn sein wird. I am leaving the comfortc zone Mitte und es geht dahin zurück, wo ich vor 30 Jahren in Berlin angekommen bin und lange gewohnt habe. Dieser Rohling ist in seiner Kubatur mit sieben Meter Deckenhöhe kathedralenhaft und wird dann diesen Gegebenheiten nach auch anders eingerichtet werden.

Kannst du einige deiner Lieblingsgegenstände und Kunstwerke nennen, die in deiner Wohnung zu sehen sind?

Auffällig ist, dass ich sowohl mehrere Sciolari Spiegellampen als auch Braun Radios aus Dieter Rams’ Hochzeit in den 60ern habe. Wer meine Arbeiten kennt, wird den Einfluss sowohl von Sciolari als auch Rams sehr deutlich sehen.

Fotografie: Dan Zoubek
Interview & Text: Karolin Langfeldt

Privacy Preference Center

Close your account?

Your account will be closed and all data will be permanently deleted and cannot be recovered. Are you sure?