Freunde von Freunden

Karena Schuessler
Design Art Gallerist, Apartment & Gallery, Charlottenburg & Wilmersdorf, Berlin
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Die Ernsten, Verschwiegenen mit den schwarzen Brillen und den streng minimalistisch eingerichteten Behausungen – so stellt man sich oft die Galeristen vor. In Karena Schuessler’s Charlottenburger Altbauwohnung öffnet sich die Tür zum genauen Gegenteil: Ein Flur ohne Garderobe, dafür eine Küche mit Kamin. Im Arbeitszimmer kommt der unachtsame Gast ins Straucheln, weil er über die Mähne eines echten Zebrafells stolpert oder gegen das an der Wand lehnende, knallgrüne Rennrad stößt. Aber was nach schrulliger Safarikollekte klingt, ist eine sehr distinguierte und dabei gemütliche Mischung echter Interior-Juwelen in der die Inhaberin der „Karena Schuessler Gallery Contemporary Design Art“ lebt.

Geboren in Hannover, zog es Karena schnell in die Metropolen der Welt hinaus. Den ersten Stop machte sie in Florenz, wo sie ihre Liebe zu hochwertigen Schuhen auslebte und eine Schumacher Lehre absolvierte. Kurze Zeit später siedelte sie nach Paris um, und arbeitete 13 Jahre in der Modebranche bevor sie mit Anfang 40 genug hatte von den Kompromissen, die der eigentlich kreative Job in einem großen Unternehmen mit sich brachte, und fokussierte sich fortan auf ihre zweite große Leidenschaft – die Möbel und Designgegenstände.

Ihre Liebe zu Jean Prouvé spiegelt sich noch heute in ihrer Wohnung wider und sie ist ganz in ihrem Element, wenn sie mit erstaunlichem Detailwissen von der Herkunft ihrer Lieblingslampe aus dem Air France Bürogebäude in Brazaville im Kongo berichtet, und erklärt, warum dieses Stück die Initialzündung für ihre Sammlerleidenschaft war. Die Geschichten die sich um jeden Gegenstand in Karenas Heim entspinnen, legen ein angenehmes Netz aus Vergangenheit und Gegenwart über die hellen Räume im Berliner Westen.

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Wo kommst du ursprünglich her?

Aus Hannover. Dort habe ich die Zeit bis zum Abitur verbracht, um danach gleich meine Koffer zu packen, alles in mein Auto zu stapeln und für eine Zeit nach Florenz zu ziehen. Da habe ich Italienisch gelernt und wollte eigentlich auf eine Schuhmacher Schule gehen. Das hat dann aber organisatorisch nicht geklappt und so bin ich weitergezogen nach Paris.

Du hast dann auch in Paris studiert?

Ja, genau. An der Ecole Chambre Syndicale de la Couture habe ich drei Jahre lang Couture gelernt und habe dann sofort ein Volontariat bei der Schuhlinie von Stephane Kélian bekommen. Dort bin ich dann anderthalb Jahre geblieben und habe anschließend frei in Paris gearbeitet.

Schuhe haben dich immer schon interessiert?

Ja, immer! Das war mein Ding. Ich habe immer Unmengen Schuhe gekauft und hatte schon früh ganz konkrete Vorstellungen wie die auszusehen haben. Ich wollte erst freie Kunst in Berlin studieren aber meine Mutter hatte Einwände und befürchtete, dass sie mich dann durchfüttern müsste. Sie schlug mir Schuhdesign vor, weil das meine Leidenschaft war und nahe lag. Ich habe auch heute noch riesige Schränke voller Schuhe. Es hat sich also durchgezogen. Und dann war ich 13 Jahre in Paris, hatte meine eigene Firma mit Laden auf der Rue Saint Honoré aber das habe ich nach einigen Jahren aufgegeben. Wir haben zwar gut verkauft, aber die Modebranche hat sich so stark verändert, dass das eigene Label zu aufwendig wurde. Ich habe dann wieder für große Firmen freischaffend Schuhe und Taschen designt.

Hat dich Paris damals als Stadt interessiert oder war das eher eine praktische Entscheidung wegen deiner Arbeit?

Ich glaube man entscheidet sich zwischen London und Paris und ich habe die 13 Jahre wahnsinnig gerne in Paris gelebt. Paris veränderte sich zu der Zeit aber enorm, es wurde sehr anstrengend und als Schuhdesigner fliegt man sowieso die ganze Zeit zwischen Italien und Paris hin- und her. Die Prototypen werden alle in Italien gefertigt. Also bin ich für fünf Jahre nach Mailand gezogen, aber es hat keinen Unterschied gemacht. Ich saß trotzdem die ganze Zeit im Flieger. Ich habe dann beschlossen, die Modebranche an den Nagel zu hängen.

Warum so ein radikaler Bruch?

Als ich angefangen habe, konnte man noch sehr frei arbeiten. 20-25% von jeder Kollektion konnte man frei gestalten. Aber dann hat man Merchandiser vor die Nase gesetzt bekommen und kreative Prozesse wurden in Gruppen beschlossen…

Konsens-Arbeit…

Ja, genau. Und das war nicht mehr der Beruf den ich machen wollte. Also habe ich mit 40 gesagt: Jetzt reichts!

Und bist dann zum Sammeln von Designgegenständen gekommen.

Ja. Ich habe immer schon privat gesammelt, ob auf Flohmärkten oder in Galerien die grade aufmachten. En Attendant les Barbares handelten mit den ganzen neobarocken Geschichten… André Dubreuil, Elizabeth Garouste und Mattia Bonetti… Da habe ich schon angefangen kleine Objekte, beziehungsweise Möbel zu kaufen. Alles was mein Portemonnaie so hergab. Als ich meine eigene Linie in Paris hatte, habe ich angefangen Jean Prouvé zu sammeln. Für den hat sich damals keiner interessiert. Aber ich hänge heute noch sehr an ihm und habe auch einige Stücke hier in der Wohnung. Vielleicht kommt meine Leidenschaft für Möbel und Vintage auch von meinem Schuh-Background. Ein Schuh ist ja kein Kleidungsstück, sondern etwas Skulpturales. Man entwirft den Absatz, die Form…andere Leute sehen Skulpturen als Platzfresser und sammeln lieber Malerei oder Photographie. Ich habe immer einen Hang dazu gehabt. Und daraus ist dann die Idee entstanden, eine Galerie zu eröffnen. Um Objekte zu zeigen, die den Zwischenschritt zwischen Design und Kunst machen.

Den Begriff „Design Art“ finde ich sehr spannend. Was bedeutet er für dich?

Den Begriff habe ich nicht geformt, er hat eine Geschichte. Früher gab es ja nur Kunstmessen, bis einige Galerien angefangen haben Vintage Möbel mit auf die Stände zu bringen. Die ersten waren Patrick Seguin und Philippe Jousse. Es gab den Objekten eine andere Wertigkeit – auch weil sie als Unikate oder in kleinen Editionen erschienen. Design kann ja alles sein, der Alessi Kessel, ein normaler Küchentisch… Design wird in großen Auflagen über Jahre en Masse produziert. Bei Design Art geht es um kleine Editionen oder Einzelstücke was sie in den Kontext der Kunst rückt.

Ist die Ausstattung deines privaten Wohnraums ein wichtiges Thema für dich oder geht es eher um die Objekte unabhängig vom alltäglichen Gebrauch?

Nee, ich sammle nicht um einzulagern, sondern für mein Wohnen. Mein Apartment ist mein größtes Heiligtum. Es macht ja auch wahnsinnig Spaß die Dinge in verschiedenen Räumen zusammenzustellen. Es geht ums Wohnen, ganz klar.

Was hat dich nach Berlin gezogen?

Ich wollte nach 18 Jahren wieder ins eigene Land zurück. Mein Bruder hat hier gelebt und ich mochte die Stadt schon immer. Außerdem gab es keine Alternative, nach Hamburg oder München wäre ich nicht gezogen. Ich war dann sehr überrascht über die vielen guten Galerien in der Stadt und den guten Kunstaustausch.

Hast du eine starke Veränderung der Gegend wahrgenommen, seitdem du hier wohnst?

Ja, sehr. Ich bin vor fünf einhalb Jahren hergezogen. Nachdem Mitte jetzt komplett saniert ist, bekommt Charlottenburg auch ein paar Highlights. Die ansässigen Boutiquen und Restaurants putzen sich etwas raus. Filetstück ziehen zum Beispiel gegenüber von meiner Galerie ein, was ich ein tolles junges Konzept finde. Es bewegt sich viel, nicht immer in die richtige Richtung aber generell in eine gute. Ich werde erstmal hier wohnen bleiben. Der Grund nach Charlottenburg zu ziehen war, dass ich einen Baum vor der Tür habe. Das hatte ich weder in Mailand noch in Paris. Und es gibt die kleinen Läden noch, alte Schneider oder Geschäfte die Knöpfe verkaufen, das erinnert mich an Paris.

Hast du noch eine große Affinität zu Paris oder ist das Kapitel abgeschlossen?

Nee, wenn ein Kapitel abgeschlossen ist hänge ich nicht mehr dran. Ich habe natürlich noch Freunde in Paris und Mailand, aber keine Nostalgie diesbezüglich. Eher umgekehrt: was kommt als Nächstes? Ich fühle mich im Moment sehr wohl in Berlin.

Was war der größte Schritt in deiner Karriere bis jetzt? Gab es da große subjektiv empfundene Brüche oder hat sich alles organisch entwickelt?

Nee, organisch war da nichts! Immer auf zu neuen Ufern. Meine eigene Linie in Paris zu machen war sicher ein großer Schritt, aber auch die Entscheidung überhaupt in so ein kreatives Berufsfeld einzusteigen oder die Galerie zu eröffnen sind große Schritte. Oft haben mich Ideen angeflogen, sind ein bisschen gereift und dann kam die Zeit in der ich mir gesagt habe „das mach ich jetzt“. Das sind alles große Schritte, aber ich mache das gerne so.

Wie findest du neue Künstler bzw. Designer für deine Galerie?

Über das Internet kann man ja sehr schnell Arbeiten anschauen. Viel wird mir von Freunden und Bekannten empfohlen, einige Künstler fallen mir in Zeitschriften oder Büchern auf und die recherchier ich dann. Manchmal habe ich auch ein Thema im Kopf und suche mir dann die Künstler dazu. Ich unternehme aber auch viele Reisen. Alle meine Künstler besuche ich. Ob Korea oder Belgien- ich finde es wichtig sie in ihren Ateliers zu treffen bevor man zusammen arbeitet.

Die von dir vertretene Designerin Judith van den Boom hast du ja soweit ich weiß regelrecht überzeugt, ihre Porcelain Topographies zu machen… Gibt es immer so einen starken Austausch?
Ich habe ihre Abschlussarbeiten in Eindhoven gesehen und sie einfach kontaktiert. Sie hatte zu den Zeitpunkt aber nur drei Hocker gefertigt und die hatte ich dann schon, bevor meine Galerie überhaupt eröffnet war, verkauft. Daraufhin habe ich mit ihr besprochen dass sie eine Edition extra für meine Galerie macht. Sie ist dann nach China gefahren um die Sitzflächen zu fertigen. Das ist schon sehr spannend, so ein großes Format zu brennen und Porzellan so zu bearbeiten dass man wirklich drauf sitzen kann… und in Holland wurden die Holzbeine gemacht und im September letzten Jahres konnten wir die dann ausstellen hier. Ich hätte grundsätzlich gerne mehr Zeit um mit allen so intensiv zusammen zu arbeiten, aber das geht leider nicht.

In der A&W gab es einen schönen Artikel über die „Editeure des Geschmacks“ und du wurdest als eine solche betitelt.

Das ist ein großes Kompliment. Und ja, bei der Zusammenarbeit mit Judith van den Boom bin ich ja wirklich Editeurin. Andere Galeristen kaufen nur an, oder betreiben nur einen Handel und machen gar keine galeristische Arbeit…

Hast du Freunde mit schrecklichem Geschmack?

Ja, absolut. Ich habe Freunde von denen lasse ich mir nicht mal ein Restaurant empfehlen (lacht). Das ist aber nicht schlimm, man kann ja nicht von jedem einen künstlerischen Geschmack erwarten. Ich kann mich auch wunderbar mit Menschen streiten, über Kunst zum Beispiel. Ich kenne Leute mit herrlich schlechtem Geschmack, das belebt die Diskussion.

Gibt es den typischen Berliner Design Sammler der zu dir in die Galerie kommt?

Nein, das ist wirklich international und unterscheidet sich nicht so stark zu anderen europäischen Städten. Es wird noch sehr viel Vintage gesammelt…die zeitgenössischen Arbeiten zu vermitteln macht mehr Arbeit, aber das mache ich extrem gerne. Im letzten Jahr haben wir zwei Messen gemacht, Design Miami und Cologne Fine Arts, und dadurch konnten wir unseren Kundenstamm ziemlich erweitern.

Teilst du die Klage vieler Berliner Galeristen, dass Berlin ein guter Ausstellungsort ist man hier aber nichts verkauft?

Das stimmt. Wenn man sagt, Paris ist die Modehauptstadt würde ich sagen, Berlin ist die Kunsthauptstadt. Aber das heißt nicht, dass diese Leute auch kaufen. Meine Preissegment ist ja auch eher höher, das hält Berlin noch nicht aus. Aber das kommt noch.

Vielen Dank, Karena für deine Zeit und das spannende Interview. Zur Website ihrer Galerie geht es hier.

Interview & Text: Sarah Weinknecht
Photos: Ailine Liefeld