Max von Senger
Fahrrad-Designer und Inhaber des Standert Bicycle Store & Café, Berlin
MINI × FvF
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„Standert“ sagt der Berliner, wenn eine spannende Sache eigentlich ganz normal ist. Standert, so heißt auch Max von Sengers Bicycle Store in Berlin Mitte.

Für ihn ganz klar, denn: hier werden nicht nur die von Max designten urbanen Fahrrad-Rahmen samt Zubehör feilgeboten – sondern auch frischgebrühter Filterkaffee und Super Pops, sein eigenes Eis am Stiel.
Ein einzigartiges Konzept, das über die Grenzen Berlins hinweg und nicht nur unter Fahrrad-Fans Freude verbreitet.

Max' Lieblingsorte in Berlin

Berlin. Die trubelige deutsche Hauptstadt erobert man am Besten auf dem Rad – oder in einem komprimierten wendigen Wagen wie mit einem MINI. Max von Senger macht es vor und nimmt uns mit auf eine Spritztour durch die City, bei der wir seine ganz persönlichen Lieblingsorte kennen und lieben lernen.

Max' Wohnung in Kreuzberg

Wer sein Fahrrad verehrt, der montiert es an die Wand. Gleich einem Kunstwerk, an dessen Aura man sich auch in seinen eigenen vier Wänden immer wieder erfreuen möchte. „Urbane Rennräder“ nennt Max seine fahrbaren Schönheiten, bei denen Form und Funktion fantastisch harmonieren.

Berlin-Kreuzberg. Hier wohnt Max gemeinsam mit seiner Freundin und Geschäftspartnerin Anna. Und sein Rennrad hängt direkt im Eingangsbereich – der erste Blickfang, als wir Max vor unserer gemeinsamen Berlin-Tour in seiner Wohnung treffen.

Max, wie hats Dich hierher verschlagen? Bist Du einer von den Neu-Kreuzbergern oder ein Urgestein?

Ich bin tatsächlich hier geboren und aufgewachsen. Ich gehöre zu der kleinen Minderheit an Ur-Berlinern in dieser Stadt. In den Achtzigern war das hier aber ein ganz anderes Pflaster. Meine Eltern lebten damals noch in einer Studenten-WG in Kreuzberg, gleich um die Ecke von meiner jetzigen Wohnung. In einer Fabrik-Etage direkt hinter der Marheineke-Markthalle – das muss ziemlich cool gewesen sein, aber auch ziemlich rau.

 Aufgrund der Arbeit meines Vaters sind wir allerdings viel umgezogen, mit 15 bin ich auf ein Internat im Schwarzwald gekommen – und erstmal im Süden hängengeblieben. In Bayern und Österreich habe ich Marketing und BWL studiert und dann hat es mich zurück nach Berlin gezogen – für ein Design-Studium an der Universität der Künste.

Und wie kamst Du auf die Idee, ausgerechnete Fahrradrahmen zu designen?

Das war die logische Antwort auf die Frage: “Was will ich als Designer entwerfen und was ist meine Passion?” Das Fahrradfahren war mir schon zu Studentenzeiten wichtig. Während meiner Internatszeit im Schwarzwald habe ich  angefangen Mountainbike zu fahren. Und um mir mein Studium zu finanzieren, habe ich als Fahrradkurier gejobbt.

Worin liegt für Dich der Reiz beim Gestalten von Fahrrädern?

Das Fahrrad als ästhetisches Objekt ist erst in den letzten Jahren in den Fokus gerückt. Was mich gereizt hat, war die Vorstellung von einem Rad, das schön und funktional zugleich ist. Unsere sind schnell und leicht, aber je nach dem wie man sie aufbaut, können sie auch richtig bequem sein. Wir entwerfen die Rahmen, aber der Kunde kann sich im Laden sein Bike nach seinen Wünschen zusammen stellen – letztlich ist dann jedes Fahrrad ein Unikat.

STANDERT ist ein Bike-Store mit Café. Außerdem gibt es dort auch noch die Super Pops – dein eigenes Eis am Stiel. Wie passt das alles zusammen?

Stimmt. Aber Idee, eigenes Eis zu lancieren, kam ganz unabhängig von der Fahrrad-Idee. Wenn man an einer Design-Uni ist, ist man in einem krassen permanenten Produktideen-Entwicklungs-Modus. Und dann sieht man ständig etwas, bei dem man denkt: daraus könnte man ja was machen. Bei mir wars auch so: Auf einer Latein-Amerika-Reise war das Eis am Stiel in tausend unterschiedlichen Geschmacksrichtungen eine große Sache. Ich dachte mir: cool. Frisches Eis, frei von Zusatzstoffen, das bring ich mit nach Hause.  Und dann dachten wir uns, warum kein Fahrraf-Eis-Café in Berlin? Für das Eis ist allerdings Anna die Spezialistin.

So eins wollen wir auch! Sollen wir fürs Eis gleich in Deinen Laden? Der STANDERT ist nicht weit, oder?

Nee, der Store liegt ganz zentral in Mitte.

Standert Bicycle Store & Café

Wir machen uns auf den Weg und springen in den Wagen. Am Hackeschen Markt angekommen tummeln Shopping-wütige Touristen, aber meistens dringen nur die sympathischeren unter ihnen bis in die etwas abseits gelegene Straße vor, wo auch unser Ziel liegt.

Irgendwo zwischen entspannten Restaurants und Delis taucht der rot geklinkerte Standert Store auf. Bei gutem Wetter werden die großen Fenster der Schaufassade einfach geöffnet, dann kann man auf kleinen Hockern vor dem Laden sitzen, literweise Kaffee trinken – oder SuperPops schlecken.  Zum Beispiel in Erdbeere Minze, Pfirsich-Caramel, Brombeere-Joghurt.

Wer kommt alles hierher?

Ganz unterschiedlich. Zum einen natürlich neugierige Laufkundschaft, zum anderen Leute, die von uns gehört haben oder ein ganz bestimmtes Produkt suchen. Aber es kommen inzwischen Leute aus der ganzen Welt, die im Internet über uns gelesen haben und die das Konzept spannend finden.

Tommi's Burger Joint

Übers Radfahren zu reden macht fast so viel Appetit wie selber fahren. Max empfiehlt uns seinen Lieblings-Lunch-Spot: Tommi’s Burger Joint.

Tommi’s Burger Joint ist ein Isländisches Konzept aus Reykjavik, mit Ablegern in London, Kopenhagen – und jetzt auch in Berlin.

Mal abgesehen von der Lage in Standert-Store-Nähe: Hast Du eine besondere Beziehung zu Tommi’s Burger Joint – oder findest Du die Burger einfach nur lecker?

Auf der Invalidenstraße haben in den letzten zwei Jahren einige nette Restaurants aufgemacht. Aber die Geschichte von Tommi’s Burger Joint ist schon speziell. In Island gibt es erstaunlicherweise kein Mc Donalds. Da hat so ein Burger schon mal eine ganz andere Tradition. Und in Berlin liegt ein echtes Martyrium hinter denen: Fast ein halbes Jahr gab es den fertigen Store, aber noch keine Genehmigung zum Öffnen. Allerdings gingen bereits die Lebensmittel-Lieferungen los. Also sind praktisch alle, die dort in der Nähe arbeiten, schon mal in den Genuss einer Privat-Verköstigung gekommen. Der Nebeneffekt: Das war tolles Community-Building. Als sie dann endlich aufmachen konnten, hatten sie schon so etwas wie einen festen Kreis an Stammkunden.

Hello World Berlin

Jeder Fahrrad-Freund hat Fahrrad-Freunde. Und so stellt uns Max dann auch seinen Kumpel und Geschäftspartner Sdoe vom Fahrrad-Online-Store Hello World Berlin vor. Mit dem Auto geht es von Mitte einmal den Hügel hoch: in den Prenzlauer Berg.

Früher war Hello World Berlin ein Fahrrad-Verleih für Vintage-Räder. Und das sieht man noch heute: Der Laden ist kunterbunt, mit bekritzelter Wand und schönem Design – manchmal mit zwei Rädern, manchmal ohne. Und der Keller, der lässt das Herz jedes Bastlers höher schlagen. Willkommen im wahrscheinlich hippsten Hobby-Keller von Berlin.

Erzähl mal Max, woher kennst Du Sdoe und Hello World Berlin?

Als Sdoe noch seinen Fahrrad-Verleih hatte, haben wir regelmäßig  seine Bikes gewartet.

Außerdem ist er ein dufter Typ. Mit unseren Bikes gehen wir recht viel zusammen auf Trainingsfahrten, mal raus aus Berlin. Wir haben eine kleine Hobby-Mannschaft und waren schon auf einigen Rennen.

Gibts in Berlin eigentlich eine richtige Fahrrad-Szene?

Auf jeden Fall! Eigentlich gibt es sogar verschiedene Szenen – zum Beispiel die Fixie Fahrer, die BMXer, Mountain-Biker oder Rennrad-Fahrer. Und es werden immer mehr!

Michelberger Hotel

Weiter geht’s. Wir wollen Max Freundin Anna im Michelberger Hotel an der Warschauer Straße  treffen. Das Michelberger ist kein klassisches Hotel, sondern Restaurant,  Konzertsaal und entspannt-kreativer Rumlümmel-Ort in einem. Berühmt sind ihre unter Eigenmarke laufenden Getränke: Kräuterschnäpse namens „Booze“ und Kokoswasser in Dosen, genannt  „Fountain of Youth“. Schmecken nicht nur gut, sondern sehen auch gut aus.

Was macht das Michelberger für Dich zu einem Lieblingsort?

Ich bin ein Fan-Boy (lacht). Anna sagt immer: Das Michelberger ist ihr liebster Ort, was kreative Vibes angeht. Sie findet das schon seit Jahren toll. Irgendwann hat sie mich mal mitgenommen. Dann hat mich auch die Atmosphäre hier gepackt. Hier passiert immer irgendwas. Sei es ein Mini-Festival oder ein Design-Weihnachtsmarkt. Manchmal läuft einfach nur gute Musik. Und mittlerweile arbeiten wir auch zusammen: Unsere SuperPops gab es hier während der WM in einer limitierten Sorte: gemacht aus deren Kokoswasser “Fountain of Youth” vom Michelberger Hotel.

Wie kam es dazu?

Irgendwann kamen die bei uns im Standert vorbeispaziert und fragten, ob wir ihr Kokoswasser nicht bei uns im Laden verkaufen wollten. Kurt darauf entstand dann die Idee,  gemeinsam ein Eis zu machen. Für uns ist das eine kleine Ehre!

Fahhrad oder Auto?

Würdest du sagen, dass Radfahren deine größte Leidenschaft ist?

Es ist auf jeden Fall mit Abstand meine liebste Beschäftigung! Darüber zu reden und es zu tun! Ich liebe diese Art der Fortbewegung. Man ist wahnsinnig frei und mobil und kommt überall schnell hin.

Gibts Momente, in denen Du trotzdem lieber Auto fährst?

Naja, logisch. Wenn es was zu transportieren gibt, dann kommt unser alter VW-Bus zum Einsatz. Die Parkplatzsuche ist allerdings schwierig. Deshalb nutzen wir auch oft den MINI. Für den gibts mittlerweile auch Fahrradträger, die nutzen wir um mit Fahrrad ins Berliner Umland zu kommen – zu den schönsten Fahrradwegen.

Five Elephant

Den besten Cheesecake, den New York zu bieten hat, gibt es übrigens in Berlin. Also machen wir uns auf den Weg zum  Kreuzberger Café Five Elephant.

Das Five Elephant liegt halb versteckt am letzten Ende der Reichenberger Straße. Von außen wirkt das Café wie eines von vielen, die sich in den letzten Jahren rund ums Kottbusser Tor, den Görlitzer Park und das nahe Kanalufer angesiedelt haben – viele davon sind einen Besuch wert. Das Five Elephant besticht aber neben fantastischem Kuchen noch mit einer Berliner Rarität: mit richtig freundlichem Personal.

Mit dem Cheesecake vom Five Elephant hat jeder sowas wie ein „erstes Mal“. Wie war deins?

Fantastisch! Aber ehrlich gesagt stehe ich noch mehr auf den Kaffee (lacht). Anna und ich haben früher gleich um die Ecke gewohnt. Wichtig wurde das Five Elephants für uns, als wir für den Standert-Store eine kleine Kaffee-Tour durch Berlin gemacht haben: Wir waren auf der Suche nach der besten Bohne und genialsten Röstung, die wir auch bei uns brühen könnten.

Tempelhofer Feld

Nach Burger, Eis und Kuchen brauchen wir Bewegung. Wir machen uns auf dem Weg zum Tempelhofer Feld, wo Max endlich auch ein paar Runden auf seinem Rad drehen möchte.

Das Gelände des stillgelegten Flughafen Tempelhof ist eng mit der Geschichte Berlins verknüpft – zur Zeit der Berliner Luftbrücke landeten hier die Alliierten mit ihren Rosinenbombern. Heute ist die Fläche ein Naherholungsgebiet – und seitdem alle Bebauungspläne per Volksentscheid gekippt wurden, steht die Fläche für den Gemeinschaftssinn der Berliner. Sie lieben die „Tempelhofer Freiheit“ – nirgendwo sonst in der Stadt hat man so einen Weitblick, nirgends sonst weht eine so kräftige Brise. Beinahe so, als wäre man am Meer. Nur, dass die Luft nicht salzig schmeckt.

Die einen kommen zum Sport, andere lassen Drachen steigen und manche bauen sogar Kräuter an. Was zieht Dich hierher?

Ist doch klar: auf den ehemaligen Start- und Landebahnen kann man fantastisch Fahrradfahren! Und man kann seinen Blick schweifen lassen und in den Sonnenuntergang spazieren… Mittlerweile übrigens sogar picknicken. Schau, da drüben!

Weißt Du eigentlich noch, wie Du Fahrrad Fahren gelernt hast?

Daran kann ich mich tatsächlich nicht mehr erinnern, wie schade! Ich glaube, mein erstes starkes Erlebnis mit einem Bike hatte ich ungefähr mit acht Jahren. Damals bekam ich zur Kommunion ein schickes Mountainbike für Kinder geschenkt – da war ich stolz wie Oskar!

Picnic Berlin

Picknicken ist toll, nur meistens vergisst man, eins vorzubereiten. Auf dem Tempelhofer Feld lässt sich das Picknick seit kurzem auch noch in letzter Minute organisieren –  dank Picnic Berlin. Ein Picknickkorb-Verleih, bei dem man sich einen Korb direkt an der kleinen, rot-weiß-gestreiften Bude mit Leckereien (oder sogar mit Brettspielen) füllen lassen kann. Von der Betreiberin Lena werden wir mit einem strahlenden Lächeln begrüßt – kein Wunder, dass Max und Anna hier gern vorbeischauen.

Wie habt ihr Picnic Berlin entdeckt?

Während meiner Feierabend-Fahrrad-Runden ist mir aufgefallen, dass sich in dem putzigen Häuschen was tut. Genau so etwas wie Picnic Berlin hat auf der Tempelhofer Freiheit noch gefehlt. Lustigerweise hat sich herausgestellt, dass Lena, die den Laden betreibt, auch eine Kundin im Standert Store ist. Wie klein Berlin manchmal sein kann! (lacht)

Ban Ban Kitchen

Mit dem Auto geht es zu unserer letzten Etappe: Ban Ban Kitchen, dem kleinen Imbiss für koreanisches Soulfood mitten auf der Hermannstraße. Hier im Neuköllner Schillerkiez,  zwischen Dönerbuden, orientalischen Brautmodengeschäften und zwielichtigen Auto-Umschlag-Plätzen, fühlt sich die kreative Berliner Szene offenbar immer wohler.

Die Betreiber von Ban Ban Kitchen, Linh Vu und Mark Roth, haben sich im Architekturstudium kennen gelernt – und dann beschlossen, vietnamesisch-koreanische Leckerbissen zu verkaufen statt Häuser zu bauen.

Langsam kommen wir uns vor wie auf einer Berlin-Food-Tour. Was macht Ban Ban Kitchen  zu einem Deiner Lieblingsorte in der Hauptstadt?

Als wir hier gewohnt haben, waren wir so glücklich, als das aufmacht hat – für uns bedeutete das kulinarisch eine starke Verbesserung der Wohngegend. Lange gab es im Prinzip nur Döner – aber dann kamen immer mehr kleine nette Restaurants.

Gute Verpflegung im Berliner Kiez – das ist Dir wichtig, oder?

Unbedingt. Und ich finde auch, dass das etwas ist, was Berlin ausmacht. Der Berliner organisiert sich eben am liebsten in seinem Kiez – dort lebt er, den verlässt er höchstens, um zur Arbeit zu gehen. Man merkt am eigenen Leib, wie in der Stadt die Lebensqualität steigt, wenn es auch die Qualität des Essens tut. Essen und Berlin, das gehört für mich definitiv zusammen.

Thanks!

Dieses Porträt ist die zweite Episode einer monatlich erscheinenden City Guide Serie, die Freunde von Freunden zusammen mit MINI produziert hat. Das Konzept stellt Städte und Locations aus der persönlichen Sicht von Kreativen vor.

Hier geht es zur Übersicht aller City Guides auf Freunde von Freunden.

Fotografie: Dan Zoubek
Interview & Text: Celina Plag