Eine Frage der Willenskraft: Wie Allan Spiegel sein Einfamilienhaus selbst entwarf und eigenhändig baute
Der schwedische Einrichtungsberater, der die Welt des Bauens erkundete und dabei die Natur entdeckte, Stockholm
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Ein dreistöckiges Gebäude steht auf einem von der letzten Eiszeit geprägten Grundstück und wird von einer Dachterrasse gekrönt. Während für den Bau der meisten schwedischen Häuser das Grundgestein mithilfe von Sprengstoff ausgeglichen wird, ließ Allan Spiegel den Boden in Sollentuna, im Norden Schwedens, unberührt.

„Ich bin kein Architekt“, sagt Allan Spiegel, während er sich in seiner hell ausgeleuchteten, geräumigen Küche eine Tasse Kaffee eingießt. „Ich zeige diese Räume lediglich als kleine Gefälligkeit für meine Freunde, diejenigen, die für die Zeichnungen verantwortlich sind.“ Und schon beginnt die Geschichte seines wunderbaren Einfamilienhauses, das er beinahe alleine, von Grund auf und mit bloßen Händen baute.

Dieses Portrait ist Teil von Home Stories – einer Kollaboration von Freunde von Freunden mit Siemens Hausgeräte. Mehr über Allans Projekte im Portrait auf Home Stories.

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„Wenn man geschickt ist, kann man sich während des Prozesses alles aneignen.“

Gemeinsam mit befreundeten Architekten vom Studio The Common Office entwickelte er erste Zeichnungen nach einem Tetris-Prinzip, das sich an die natürliche Topografie anpasst. Auf diese Weise teilt sich das Haus in vier verschiedene Ebenen und unregelmäßige Formen, ohne die umliegende skandinavische Fauna zu beeinträchtigen. Im Inneren weist es einen transluzenten Effekt auf: zum einen durch ein großes Dachfenster im Zentrum, das den Raum buchstäblich mit Licht flutet, zum anderen durch Verzicht auf Innenwände. „Die Idee war es, einen geselligen Ort zu schaffen”, sagt Allan, „und tatsächlich ist das Haus, aufgrund seiner Offenheit, ein sehr einladender Ort geworden. Manchmal vielleicht sogar zu offen. Wir haben nicht viel Privatsphäre, doch die Räume erscheinen dank der Helligkeit größer.“ Lediglich drei Abtrennungen sind im gesamten Gebäude zu finden: die Übergänge zu den Badezimmern sowie einige Schiebetüren zu den Schlafzimmern, erklärt Allan. „Wenn alle Türen geöffnet sind, wird das Haus zu einem einzigen enormen Zimmer. Unsere Gäste sind meist überrascht, wenn sie hören, dass das gesamte Haus nur 160 Quadratmeter hat”, erzählt er.

Auch wenn man den Eindruck gewinnen könnte, dass der Bau, der ja buchstäblich in Millimeterarbeit entstand, viel Zeit in Anspruch nahm, so brauchte es doch lediglich 18 Monate bis zur Fertigstellung. Und all das nur mit der Arbeitskraft von Allan und zwei weiteren Personen: Er arbeitete zusammen mit den beiden Bauunternehmern Kenta und Thomas, die vom ersten Stein an abwechselnd Hand anlegten. „Zu Beginn fand meine Frau diesen Plan durchaus merkwürdig, aber nach einer Weile fand sie Gefallen daran und so beschlossen wir, es nicht, wie ursprünglich vorgesehen, zu verkaufen, sondern für uns zu behalten. Unsere Entscheidung, selbst darin zu leben, fiel also schon früh.“

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„Ich genieße es, mit meinen Händen zu arbeiten und Dinge zu konstruieren, übrigens auch aus weichen Materialien wie Textilien. Ich liebe es, zu nähen und im Garten zu arbeiten.“

Wenn man sein ganzes Berufsleben mit der Gestaltung von Möbeln zugebracht hat, wie gelingt dann der Schritt in die Welt der Architektur und des Bauens? Mit einer Menge harter Arbeit. Und viel Entschlossenheit natürlich! Beinahe zehn Kilogramm seines Körpergewichts verlor Allan beim Transport der Baustoffe. Denn diese mussten von der Vorstadthauptstraße, wo man eine Ansammlung unterschiedlich gestalteter Familienhäuser findet, erst einmal in die grüne Oase gelangen. Somit ist klar: Seine Willenskraft war eine der stärksten treibenden Kräfte bei der Vollendung des Projekts. „Als Schreiner ist man in der Lage, ein Haus zu bauen. Beim Bau eines Schranks muss man zwar präziser vorgehen, aber die Logik bleibt die gleiche.“ Und er fährt fort: „Die Leute werden immer sagen, das sei unmöglich! Aber ich habe es gemacht! Wenn man geschickt ist, kann man sich während des Prozesses alles aneignen, entweder übers Internet oder durch andere Menschen. Alles ist realisierbar.“

Der Idee, sich einem Stück Land anzunähern und mit ihm zu arbeiten, statt dagegen anzukämpfen und in eine standardisierte Form zu pressen, liegt eine gewisse Poesie zugrunde. Im Hinterhof, der von einem großen Fenster in der Küche einsehbar ist, liegt ein umgefallener Baum aus dem Vorjahr. „Wir lassen alles so, denn wir wollen die umliegende Landschaft natürlich halten”, erklärt Allan. Ein idealistischer Ansatz, der sich auch in seiner Arbeit mit Innenräumen beobachten lässt. Seine Lieblingsgestalter wie Patricia Urquiola, Jaime Hayon und das Büro BD Barcelona Design entwerfen Stücke, die „fast zu viel sind für den schwedischen Markt“. Allan jedoch empfindet sie als lebendig und schön: „Japanische Ästhetik ist sehr poetisch, aber ich denke, man muss damit zurückhaltend umgehen. Bei den Spaniern kann man ebenso poetische Entwürfe finden. Sie müssen aber nicht unbedingt als Teil eines Stillebens inszeniert werden, sondern funktionieren auch in einem normalen Lebensraum.“

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Entwürfe von Allans Haus in Sollentuna

Die exakte Umsetzung dieser Gedanken scheint das Bücherregal zu sein. Darin steht eine rosafarbene phallisch geformte Vase aus Barcelona, ein häufig genutztes Kochbuch mit dem Titel „Det Franska Köket“ („Die französische Küche“) und eine komplett weiße Kuckucksuhr, die alle fünfzehn Minuten ertönt. Hinter ihm befindet sich eine langgezogene Küchenzeile aus Edelstahl, minimalistisch, aber ein klein wenig unaufgeräumt. Hier, in seinem Lieblingsraum, umgibt Allan eine eklektische, aber auch geradlinige und praktische Mischung von Elementen. „Ich habe festgestellt, wenn man zu Besuch bei jemandem ist, bleibt man immer in der Küche. Ebenso, wenn du auf eine Party gehst, triffst du alle in der Küche. Es ist doch immer so. Daher, meine ich, braucht das Wohnzimmer eigentlich nicht den gleichen Raum. Es ist ein Zimmer, das man normalerweise nur nutzt, wenn man alleine oder mit seiner Familie zusammen ist. Die Küche hingegen ist der Ort, wo wir 70 Prozent unserer Zeit verbringen“, sagt Allan, und macht deutlich, dass das Wohnzimmer in „Villa Altona“ bewusst die gleiche Fläche wie die Küche einnimmt – eine weitere Tatsache, die seine Besucher zunächst erstaunt.

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„Ich kann mein Herz nicht in all die kleinen Projekte geben. Es schlägt zwar für deren Umsetzung, aber nicht für die Zeichnungen.“

Prozesse sind ein maßgeblicher Faktor für die Inspiration in Allans Leben und Arbeit, mehr noch als Kunst oder die Ansätze anderer Designer. Mit einer fast kindlichen Faszination dafür, wie Dinge gemacht werden, entstehen Allans Interieurkreationen nicht selten in Fabriken. Hier werden seine Ideen für künftige Projekte förmlich zum Leben erweckt: „Wann immer ich einen neuen Kunden oder Hersteller besuche, bitte ich darum, mir seine Anlagen ansehen zu dürfen. Ich bin da wie ein Kind! Und wenn ich eine Maschine sehe, die ich noch nicht kenne, frage ich, ob ich einen vollen Tag daran arbeiten kann, um zu sehen, wie sich alles zusammenfügt. Das macht mir große Freude.“ Eine Freude, der vermutlich Allans autodidaktischs Naturell zugrunde liegt. Schon zu Beginn seiner Karriere hatte er sich zum Ziel gesetzt, alle Arbeitsschritte selbst zu erlernen und auch, wenn es um die Vermittlung zwischen Kunde und Architektenvision geht, engagiert er sich. „Nicht, dass ich jemals die Ästhetik der Architekten hinterfragen würde, aber sobald es ein Problem mit Qualität oder Funktionalität gibt, gehe ich zuerst zu ihnen. Selbstverständlich könnte ich die Projekte selbst ausführen, doch ich ziehe den Prozess vor. Ich kann mein Herz nicht in all die kleinen Projekte geben. Es schlägt zwar für deren Umsetzung, aber nicht für die Zeichnungen.“

Als Allan zum vierten Mal von seiner Kuckucksuhr unterbrochen wird, ist die Sonne schon am untergehen. Man sieht sie im Fenster, das zur städtischen Seite des Grundstückes zeigt, hin zu Straße und Garten. Diese Fenster nach Nordwesten geben die einzigen Anzeichen dafür, dass sich die „Villa Altona“ in einer vorstädtischen Siedlung befindet. Bevor Allan ­die Grundstücksanzeige entdeckte, hätte er es sich nicht erträumt, eines Tages einmal fast auf eigene Faust ein Haus zu konstruieren. Dreht man die Uhr zum Anfang seiner Karriere zurück, lässt sich eine glückliche Fügung erkennen. „Hättest du mich damals gefragt, ich hätte es nicht kommen sehen. Mein größtes Talent ist mein Verkaufsgeschick, deshalb ging ich immer davon aus, später ausschließlich im Vertrieb zu arbeiten. Eine Werkstatt zu haben oder eine ganze Produktion zu betreuen, wäre mir nicht in den Sinn gekommen.“ Heute leitet Allan eine Reihe von Möbelproduktionen, besitzt eine Werkstatt und blickt auf einen eigenständigen Hausbau zurück. „Wenn du startest, weißt du doch nie, wo du einmal landen wirst. Im Moment zählt für mich nur, dass ich mich gerne mit handwerklichen Tätigkeiten beschäftige. Ich genieße es, mit meinen Händen zu arbeiten und Dinge zu konstruieren, übrigens auch aus weichen Materialien wie Textilien. Ich liebe es, zu nähen und im Garten zu arbeiten. Wenn ich noch einmal anfangen würde, wäre ich wahrscheinlich Gärtner.” Wobei, wären die Arbeitszeiten nicht so unregelmäßig, wäre er natürlich Koch, fügt er wenige Augenblicke später hinzu. Und dann kommt er wieder zurück zu seiner Leidenschaft für die Gestaltung. Und dazu, dass er auf gar keinen Fall Architekt ist.

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Vielen Dank, Allan,

dass du uns dein einzigartiges Haus gezeigt hast und wir dich auf deiner beruflichen Reise begleiten durften.
Werft hier einen Blick auf die „Villa Altona“ oder schaut euch Allans Innenarchitektur an.

Dieses Portrait ist ein Teil von Home Stories, eine Zusammenarbeit von Freunde von Freunden
und
Siemens Home Appliances. Durch die Augen ausgewählter Bewohner moderner,
globaler Städte erforscht
Home Stories zeitgemäßes, urbanes Leben. Wir präsentieren
ungewöhnliche Räume, zeigen ihre ästhetischen sowie technologischen Qualitäten
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Text: Helena Öhman
Fotografie: Felix Odell