Wir leben endlich wieder in einer Ära, in der es Gründe dafür gibt, Neues zu entwickeln und visionär zu denken, findet Designer Harald Gründl vom Designstudio EOOS
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Das renommierte Designbüro EOOS und der Leuchtenhersteller Zumtobel beschreiten nach langjähriger Zusammenarbeit nun neue und bedeutsame Wege: Gemeinsam fokussieren sie sich auf nachhaltige Lösungen und definieren so, was es heute bedeutet ein verantwortungsvolles Unternehmen zu sein. Wir sprechen mit Harald Gründl, Gründungsmitglied von EOOS, über die Verantwortung von Design, Krisenzeiten und nachhaltigen Fortschritt.

„Uns rief kürzlich ein Hersteller an, der uns mitteilen wollte, dass er nun einen zehn Jahre alten Entwurf von uns produzieren lassen würde,“ erklärt Harald Gründl und muss lächeln. Seiner Meinung nach war die Arbeit seines Wiener Designstudios EOOS nicht besonders futuristisch – aber offenbar zeitlos genug, um auch eine Dekade später noch relevant zu sein. „Ich glaube, so etwas ist typisch für uns,“ findet er.

1995 gründeten Gernot Bohmann, Martin Bergmann und Harald Gründl ihr Designstudio. EOOS startete als Projekt dreier Studenten der Universität für angewandte Kunst in Wien mit einer Mischung aus unbedingter Ambition und leisen Zweifeln, wie sich Gründl erinnert. „Wir haben damals als naive und übermütige Studenten gewusst, dass wir eigentlich nur für die besten Firmen arbeiten wollen.“ Gleichzeitig war nicht klar, ob EOOS überhaupt das erste Jahr übersteht. Als Newcomer auf dem österreichischen Markt hatten sie anfangs jedenfalls keinen einfachen Start. „Wir bekamen gar keine Jobs von inländischen Kunden,“ erzählt Gründl und zuckt mit den Achseln, „also konzentrierten wir uns eben auf den internationalen Markt.“ Er erzählt, dass die jungen Designer damals auf ganz bestimmte Kunden setzten, sich die Zeit nahmen auf gute Gelegenheiten zu warten und mutig genug waren, auch mal Aufträge, die nicht so gut zu den Dreien passten, abzusagen. „Es ging uns immer darum, zu verstehen, wie ein Unternehmen arbeitet und diese DNA mit dem zu verbinden, was wir gut können. Wir setzen auf nachhaltige und langjährige Beziehungen,“ erklärt Gründl.

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„Es ging uns immer darum, zu verstehen, wie ein Unternehmen arbeitet und diese DNA mit dem zu verbinden, was wir gut können.“

Eine Strategie, die aufgeht: Eines der frühesten Projekte von EOOS ist das grundlegende Neudenken von Shop-Strukturen für Giorgio Armani Cosmetics. Zwischen 1998 und 2005 ist das Team um Gründl dafür verantwortlich, die globalen Stores der Luxusmarke zu gestalten. Die individuelle Shopping-Experience steht im Vordergrund und neue Standards im Bereich des Retails für Beauty-Segmente werden gesetzt. Namhafte Kunden kommen im Laufe der 25-jährigen Firmengeschichte hinzu: Herman Miller, Lamy, bulthaup, Keilhauer, Carl Hansen & Søn, Poltrona Frau, Walter Knoll, Zumtobel oder Adidas gehören unter anderem zum Portfolio von EOOS. Das Designteam wurde mit über 160 Awards ausgezeichnet, darunter der renommierte italienische Compasso d’Oro. Zusammen mit Zumtobel konnte man für die SUPERSYSTEM integral
collection in diesem Jahr zwei Designpreise sichern: Den Red Dot Design Award und den iF DESIGN AWARD. Erst 2019 ging außerdem der Black Bee Award der La Triennale di Milano 2019 für die Ausstellung „Circular Flows: The Toilet Revolution!“ an EOOS.

Vor allem für Harald Gründl sind Sanitäranlagen über die letzten Jahre ein zentrales Thema geworden: EOOS arbeitet seit Jahren mit der Bill & Melinda Gates Stiftung für die „Re-invent the Toilet Challenge“ zusammen. Das Projekt: Die Entwicklung eines Urin-Trenn-WCs für Entwicklungsländer. „Wir haben hier eine sehr spezifische Rolle, weil wir Teil eines Programms sind, in dem lauter Grundlagenwissenschaftler*innen arbeiten. Wir stellen einerseits den Link zum Menschen her und müssen andererseits auch gewisse technologische Voraussetzungen für die Weiterverarbeitung schaffen,“ erklärt Gründl. Der Kern des Projekts ist eine Urin-Separationstechnik, die auf einem einfachen physikalischen Prinzip beruht. Ziel des entstehenden Produkts ist es, das Wohlbefinden und das Gesundheitsniveau in Entwicklungsländern zu verbessern. Gründl erläutert seine Haltung hinter der Arbeit: „Wir arbeiten mit Menschen für Menschen. Wir waren mehrmals in Afrika, um die Feldtests vor Ort mit zu betreuen und um einander zu verstehen. Wir wollen dort eine Toilette schaffen, die wir gerne auch hier verwenden würden. Design speziell für ‚die dritte Welt‘ – das ist nicht unser Zugang.“ Die ganzheitliche und vielschichtige Herangehensweise etabliert sich auch in Europa: Das schweizer Traditionsunternehmen „Laufen“ hat zusammen mit EOOS „save!“ ins Leben gerufen, um nachhaltige WC-Lösungen für eine saubere Umwelt zu entwickeln – und das System der Wasserentsorgung und -säuberung zu revolutionieren.

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EOOS‘ Öffnung zu Designs und Entwürfen, die Ästhetik mit übergreifendem Anspruch, Funktionalität und dem Willen, das Leben der Menschen einfacher und besser zu machen, ist für das Designbüro zwar nicht gänzlich neu. Dennoch ist die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Problemen unserer Gegenwart in den letzten Jahren intensiviert worden. Die Wirtschaftskrise 2007/08 hat EOOS zur Selbstreflektion angeregt. Harald Gründl erzählt davon, wie er seine Rolle als Designer neu betrachtete und sich die Frage stellte, wie er einen Beitrag zur Krise, zu den Problemen unserer Zeit beitragen kann. Die Arbeit mit der Bill & Melinda Gates Stiftung ist ein Resultat aus diesen Gedanken. Aktuell leben wir erneut in krisengebeutelten Zeiten: Die Corona-Pandemie hat zu Beginn des letzten Jahres die gesamte Welt erfasst, welche Folgen aus dem Jahr 2020 noch auf uns zukommen, kann keiner vollständig absehen. Gleichzeitig leben wir nach wie vor in Zeiten einer Klimakrise, einer Umverteilungskrise, kurz: In einer höchst aufregenden Zeit. Ist es da die Pflicht eines Designers, sein Können in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen? „Ich glaube, es haben alle Verantwortung. Gerade jetzt in dieser Zeit, in der sich herausstellt, dass wir nicht in der Lage sind umzudenken,“ merkt Gründl an. „Mich begeistert Design, wenn es transformativ ist. Wenn es uns hilft und unterstützt eine weniger zerstörerische Lebensweise zu haben, die trotzdem nicht dem Verzichtsparadigmen unterliegt aber die einfach bewusster ist und informierter.“ erklärt er weiter. Gründl geht es darum, Möglichkeiten und Chancen zu sehen. „Es ist eine der spannendsten Zeiten als Gestalter zu arbeiten. Ich find es großartig! In der heutigen Zeit gibt es für Designer endlich wieder einen Grund, sich neue Sachen einfallen zu lassen.“

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EOOS ist das perfekte Beispiel für gelingende Balance und fruchtbare Spannungsfelder: Die Designer selbst sprechen von der Poesie des Designs, der sie gerne folgen, gleichzeitig arbeiten Gründl und sein Team an handfesten Lösungen für ganz konkrete Probleme. EOOS investiert mit seinem Start-Up EOOS NEXT in die Zukunft – unsere und die des Designbüros – und pflegt seit seinen ersten Tagen langjährige Partnerschaften. Zumtobel und EOOS etwa arbeiten seit beinahe 15 Jahren eng und erfolgreich miteinander. Erst kürzlich war Gründl für die grundlegende Überarbeitung der VIVO Strahlerfamilie verantwortlich. Der Designer führt aus „Für die Strahlerplattform haben wir konsequent Kreislaufwirtschaftsprinzipien in den Designprozess integriert“ Den Fokus auf nachhaltige Lösungen, Qualität und Vertrauen haben die beiden Unternehmen gemein. Zumtobel wurde letztes Jahr 70 Jahre alt. Der österreichische Marktführer im Bereich Lichtlösungen versteht es, auf erarbeitetem Wissen aufzubauen, sich dabei aber stetig weiterzuentwickeln und innovativ und ganzheitlich neue Standards zu setzen.

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„Wir arbeiten mit Menschen für Menschen.“

„Wir haben uns in den letzten Jahren ja auch verändert und haben uns in unserem Können weiterentwickelt,“ stellt Gründl fest. Genau an dieses Können dockt Zumtobel nun an. Aktueller gemeinsamer Schwerpunkt aus der Zusammenarbeit ist der Aspekt der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, der für das österreichische Licht-Unternehmen nun einen Fokus darstellt. „Ich glaube, dass das jetzt ein spannender Zeitpunkt für die Zumtobel-Gruppe ist. Zumtobel ist dem Klima-Aktivbündnis beigetreten und damit eines der Pionierunternehmen in Österreich, das diese Klimaziele auch sehr glaubwürdig verfolgt.“ Gründl erklärt weiter, dass EOOS bei diesem Pilotprojekt Zumtobels eine ganz spezifische Rolle einnehmen wird, und diesen Wandel begleitet. So setzt Zumtobel nicht nur seine erfolgreiche Firmengeschichte fort, sondern verdeutlicht, dass nur eine holistische Denkweise und das Zusammenspiel aus Innovationsgeist und bewusster Verantwortung tatsächlichen Fortschritt bedeuten.

„Es ist eine der spannendsten Zeiten als Gestalter zu arbeiten.“

Die große Zukunft EOOS und Zumtobels dürfte also spannend bleiben. Wie aber soll es in diesem noch jungen Jahr bei EOOS weitergehen? „Wir arbeiten weiter an den guten Partnerschaften, die wir etabliert haben,“ sagt er. Ihm ist es wichtig, das bestehende Projekte, wie die mit Zumtobel und deren Bestrebungen, ein gesellschaftlich besseres Unternehmen zu werden, exzellent laufen. Außerdem hofft er, 2021 wieder mehr reisen zu können: „Für unser Toiletten-Projekt bei EOOS NEXT müsste ich nach Indien und Südamerika, um die Feldtests voranzutreiben,“ erklärt er. „Und zwischendurch gehts dann auch mal wieder nach Dornbirn“, er lächelt. Dahin also, wo Zumtobel seinen Hauptsitz hat.

Harald Gründl ist Designer und Gründer des Design- und Architekturbüros EOOS – ein langjähriger enger Partner von Zumtobel. Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem Lichtplanungsunternehmen Zumtobel konzipiert und umgesetzt. Der Fokus auf nachhaltige und innovative Projekte, der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, Qualität und Vertrauen vereint die beiden Unternehmen und schafft ein starkes Bündnis.

Als Partner von Friends of Friends hat Zumtobel auch zum Lichtkonzept des Berliner Büros und dem dazugehörigen Friends Space in Berlin-Kreuzberg beigetragen. Seit 2018 produziert Friends of Friends gemeinsam mit Zumtobel Inhalte in den Themenbereichen Licht, Architektur, Design und kreativer Arbeit.

Text: Silvia Silko
Fotografie: David Payr