Onur Elci
Mobile Chef and Communications Manager at Kitchen Guerilla, Hamburg
MINI × FvF
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Immer unterwegs und im Austausch mit neuen Menschen, denen sie in die Töpfe gucken: das ist der Arbeitsalltag von Kitchen Guerilla. In ganz Deutschland und weltweit erobert das mobile Kochteam glamouröse Orte ebenso wie Baustellen und Landhäuser, um Leute zusammen zu bringen und mit ihnen zu essen. Offen und ohne Vorurteile möchten die Macher von Kitchen Guerilla herausfinden, wer ihnen gegenübersitzt.

Onurs Lieblingsorte in Hamburg

Kitchen Guerilla-Partner Onur Elci nimmt uns in seinem MINI mit auf eine Städtetour durch Hamburg und zeigt uns seine Lieblingsorte, die unsere Sinne erweitern. Seine wachen, lachenden Augen haben einen guten Blick für das Besondere.

Die Kitchen Guerilla Garage

Wir treffen Kommunikationsmanager Onur Elci in einer als Büro und Kochstudio umfunktionierten Hinterhofgarage im Stadtteil Hoheluft. Da die kulinarischen Weltenbummler mit ihrem mobilen Equipment immer an wechselnden Orten arbeiten, genügt dieser Raum für das daily business des Kernteams. Begrüßt werden wir mit einem wohlig duftenden Cafe der Hamburger Rösterei Black Delight und merken sofort: Bei Kitchen Guerilla legt man großen Wert auf Qualität.

Erzähl’ uns ein bisschen mehr von dir, Onur. Wo kommst du her?

Ich bin in Ankara geboren und mit vier Jahren nach Istanbul gezogen. Dort lebte ich bis zu meinem 17. Lebensjahr. Im Anschluss ging ich zwei Jahre nach Spanien, wo ich im Baskenland mein Abitur gemacht habe. Da ich in Istanbul auf einer deutschen Schule war und mein Bruder bereits Produktdesign in Hamburg studierte, zog es mich schließlich im Jahr 2002 ebenfalls dorthin.

Als ich hier ankam, begann ich mit meinem Geschichtsstudium und arbeitete in unserer damaligen Bar, dem Familieneck in Ottensen. Wir haben sehr viel Geld in die Bar gesteckt, ein bisschen was dazuverdient und vor allem gefeiert. Später habe ich Sozialwissenschaften studiert und für eine Agentur in den Bereichen Strategie und Konzeption gearbeitet. Zu der Zeit bin ich zwischen Berlin und Hamburg gependelt.

Wie kam es zu deinem Einstieg bei Kitchen Guerilla?

Die Gastronomie hat mich schon immer wie ein Schatten begleitet und irgendwann startete meine Familie Kitchen Guerilla. Indem ich mit der Zeit immer mehr und mehr mithalf, nabelte ich mich von der Agenturwelt ab. Bei Kitchen Guerilla bin ich jetzt Partner. Ich kümmere mich vor allem um das Thema Vermarktung und Kommunikation. Da das Projekt jedoch von Anfang an ohne Business Plan lief, spielt die Intuition in allen Entscheidungen eine große Rolle. Wir wollen tun, was wir lieben.

Welche Küche ist dir die liebste im Rahmen von Kitchen Guerilla?

 

Das ist eine sehr schwere Frage. Ob nun Französisch, Italienisch, Deutsch oder Türkisch – da setzen wir uns keine Grenzen und das ist auch eine Herausforderung. Es geht gerne mal was schief, aber das ist in Ordnung. Denn wir haben uns bei Kitchen Guerilla seit Anbeginn nie als reine Köche begriffen. Bei unseren Events geht es viel mehr um das Soziale, um das Beisammensein an großen Tischen. Wer bei uns und mit uns einen Abend verbracht hat, soll danach denken: „Wow, das Essen hat gut geschmeckt und ich habe auch ein paar nette Leute getroffen, die ich in einem Restaurant nie kennengelernt hätte.“

Da du bis zum 17. Lebensjahr in Istanbul gelebt hast, hat dich die Stadt und die türkische Kultur sicher sehr geprägt.

Ja, natürlich. Ich bin in Istanbul aufgewachsen und mein Vater ist beispielsweise erst seit 2014 in Hamburg. Die Entscheidung, rauszugehen in die weite Welt, ist in meiner Familie sehr bewusst getroffen worden. Wir wollten was Neues erleben, neue Sprachen lernen, neue Länder sehen. Mein Erwachsenleben spielt sich in Hamburg ab, da ich nur hier als Erwachsener gelebt habe und in Hamburg meine Erfolge, aber auch Misserfolge hatte. Und ich kann hier das Leben führen, das ich in Istanbul niemals führen konnte.

Wie sind deine Erinnerungen an Istanbul?

Wir sind sehr sozialbewusst aufgewachsen und erzogen worden, da meine Eltern alte Linke sind. Sie haben mir und meinen Brüdern entsprechende Werte mit auf den Weg gegeben und uns die Augen geöffnet. Somit hatten wir früh ein Gespür für soziale und politische Missstände, die in der Türkei herrschen. Mit Kitchen Guerilla machen wir seit einiger Zeit auch Events in Istanbul mit einem Team vor Ort. Dadurch sind wir aktuell wieder öfter dort und entdecken die Stadt vor allem kulinarisch neu. Wir kennen viele tolle Händler und wissen, wie man an die besten Produkte kommt. Diese Produzentenkontakte nutzen wir teilweise auch für Deutschland.

Ihr bringt also häufiger mal neue Rezepte von Euren Reisen mit?

Ja und wir dokumentieren sehr viel auf unserem Blog: Fotos, Rezepte, Videos von unseren Reisen und Events.

Kitchen Guerilla Office

Zeigst du uns einige deiner Lieblingsorte innerhalb Hamburgs?

Wir haben neben den zahlreichen Locations, die wir für Kitchen Guerilla kapern, auch bald einen eigenen Raum  in Altona. Diesen können wir auf vielfältige Weise bespielen, zum Beispiel mit Ausstellungen. Früher waren in diesen Räumlichkeiten die Werkstätten des Altonaer Theater. Nicht weit entfernt von hier ist außerdem ein Cafe, das ich sehr gerne mag: das Klippkroog.


 

Café Klippkroog

Wir steigen in den Wagen und fahren Richtung Altona zum Klippkroog, gelegen in der Großen Bergstraße. Es ist eine geschäftige Straße, Menschen schlendern umher, vor dem Café sitzen einige in der Sonne und genießen frischen Kaffee und lecker aussehende Snacks. Das Klippkroog befindet sich in einem wunderschönen, gelb gekachelten Gründerzeithaus und ist sehr geschmackvoll eingerichtet.

Hast du eine besondere Verbindung zum Klippkroog?

Mein Bruder und sein Partner haben den Laden gebaut. Da das Klippkroog einer Freundin von uns gehört, haben wir auch bei der Auswahl der Lebensmittel-Produzenten und mit sonstigen Ideen gerne geholfen. Fast alles auf der Karte wird regional produziert. Ich esse dort immer wieder sehr gerne zu Mittag, wenn ich kann. Das Wort „Klippkroog“ kommt übrigens aus dem Plattdeutschen und bedeutet „kleiner Snack“.

Die Große Bergstraße ist ein Ort der Gentrifizierung. Wir wussten, dass es früher oder später so kommen würde, aber eigentlich ist es auch ganz interessant. Ich mag an ihr das Durchmischte. Es erinnert mich sehr an den Stadtteil Neukölln in Berlin.

Claus Kröger - Kaffee, Tee und Wein

Nach unserem Besuch im Klippkroog machen wir halt vor einem nett aussehenden, blau angestrichenen Laden, über dessen Tür in goldenen Buchstaben „Claus Kröger“ geschrieben steht. Die ineinander übergehenden Räume sind regelrecht überflutet mit Tee, Schokolade, Kaffee und handgemachten Holzprodukten, Opinelmessern und anderen Haushaltsgegenständen, ebenso wie Delikatessen, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Onur erzählt uns begeistert, was es mit dem Geschäft auf sich hat.

Was zeichnet Claus Kröger für dich aus?

Es ist ein ganz großartiger Schoko-Laden, familiengeführt seit vielen Generationen. Das Sortiment ist echt genial. Die haben geschätzt alleine 30 Sorten Grüner Tee und richtig geile Schokoladen – der Hammer! Eine echte Institution.

PLY

Unser nächster Halt ist der Möbelspezialist PLY. Dort werden wir begrüßt von David Einsiedler, einem der PLY-Partner, der uns durch diesen außergewöhnlichen Shop voller Originale begleitet.

Was macht den PLY Store zu deinem liebsten Interiorshop in der Stadt?

PLY hat allem voran eine tolle Auswahl. Sie sammeln und kaufen ihre Sachen oft bei Lagerverkäufen, häufig im Osten bei Auktionen, und sie entwickeln auch eigene Modelle. Es ist also kein reiner Vintage-Laden. Bei PLY bekommt man unter anderem industrielle Originale sowie Möbel und Entwürfe aus den 1920er bis 60er Jahren, zum Beispiel von Jean Prouvé, Alvar Aalto, Egon Eiermann, Friso Kramer und Ilmari Tapiovaara.

Paola Alimentari

Wir fahren weiter zu Paola Alimentari, um die besten Kräuter, den leckersten Wein und das herausragendste Olivenöl inmitten von Ottensen zu finden.

Als wir bei Paola Alimentari ankommen, werden wir von den Besitzern, einem freundlichen Ehepaar, sehr herzlich begrüßt. Wir schnuppern an herrlich duftenden Kräutern und lassen uns von Paola kugelrunde, strahlendgelbe Zitronen zeigen. Im lauschigen Hinterhof fühlen wir uns wie im Herzen Siziliens.

 

Wie hast du diesen besonderen Ort entdeckt?

Diesen Laden habe ich einmal bei einem Spaziergang durch meine Nachbarschaft entdeckt. Ich war sofort begeistert von der ganz besonderen Stimmung und dem Sortiment. Spätestens als Umur und ich feststellten, dass wir beide aus Istanbul stammen, wurde unsere Freundschaft besiegelt. Paola und Umur sind beide Anfang 60 und unglaublich süß. Sie fahren jeden morgen so um vier Uhr zum Großmarkt und kaufen wirklich immer nur das Beste. Mein Bruder war einmal dabei und berichtete mir, wie Umur all seine Lieblingshändler abklapperte, alle Produkte sehr sorgfältig auswählte – wie für eine Apotheke. Paola ist eine sehr gute Köchin und sie lädt uns ab und an zum Essen im Hinterhof ein. Umur ist total verrückt nach Flamenco, er holt dann immer seine Gitarre raus und dann geht’s rund!

Thomas Keil - Maßschuhmacherei

Wir schlendern ein paar Straßen weiter und treffen Onurs Schuhmacher Thomas Keil. Er lädt uns sofort in seine Werkstatt ein. Als wir diese betreten, sind wir beeindruckt und fühlen uns, als seien wir auf Zeitreise gegangen. Überall hängen traditionelle Werkzeuge und jede Menge elegantes Schuhwerk, Leder und andere hochwertige Materialien.

Was schätzt du an den Schuhen von Thomas Keil?

Thomas ist Schuhmachermeister und produziert seine Produkte in Handarbeit mit extra angefertigten Leisten. Er hat einen ungeheuren Sinn für’s Detail und dazu auch noch ein extrem gutes Händchen für Stil und Qualität. Die Schuhe, die ich gerade trage, sind von Thomas und wir arbeiten aktuell auch schon am nächsten Paar. Er hat außerdem unsere Messertaschen angefertigt.

Wie bewegst du dich mit deiner Familie von A nach B?

Wir benutzen zum Beispiel sehr viel DriveNow – das Carsharing-Angebot von BMW und MINI und SIXT. Carsharing ist generell sehr praktisch, weil man die Autos einfach nutzen und dann nach Belieben irgendwo abstellen kann. Überhaupt finde ich MINI ziemlich komfortabel. Zwei Kindersitze passen da locker rein und er hat einen großen Kofferraum, das ist ziemlich wichtig für mich. Außerdem fährt sich das Auto sehr gemütlich. Und ich liebe die Sitzheizung – eine sehr geile Erfindung! Im Sommer hingegen finde ich das offene Dach super. Damit über die Elbchaussee zu cruisen ist schon ziemlich gut.

Wir haben Lust auf eine kleine Pause. Welcher Ort in Hamburg ist vom Zentrum aus innerhalb von 20 Minuten erreichbar und dennoch der perfekte Rückzugsort zum Entspannen?

Ob mit Fahrrad oder Auto, der Jenischpark ist schnell und unkompliziert erreichbar. Sobald man in diesem traumhaften Naturschutzgebiet angekommen ist, fühlt es sich trotz der kurzen Distanz ganz weit weg von allem Städtischen an. Es ist der perfekte Ausflugsort, um den Kopf klar zu kriegen. Hier wachsen übrigens auch viele wilde Kräuter, die man sammeln kann. Es gibt eine Frau, die Kräuterkunde lehrt und Touren dazu anbietet. Die Termine findet man auf der Website. Das ist schon ziemlich cool, wenn auch etwas nerdy.

Jenisch Park

Café Paris

Das Café Paris ist eine der besten kulinarischen Adressen Hamburgs. Doch nicht nur die französische Speisekarte, sondern auch der wunderschön gekachelte Raum ist eine Attraktion. Onur ist, wie an allen Orten, die wir heute ansteuerten, ein bekanntes Gesicht und wird herzlich begrüßt.

Sicherlich gibt es auch hier eine gemeinsame Geschichte?

Ich lernte den Inhaber und Chefkoch Michael Hermes vor ein paar Jahren auf einem Kitchen Guerilla Event kennen. Wir kamen ins Gespräch und irgendwann erzählte er davon, dass er ein kleines Restaurant mit 80 Mitarbeitern in Hamburg führen würde: das Café Paris. Dieser Ort war schon damals einer unserer Lieblingsläden. Seitdem sind wir eng befreundet. Michael ist ein sehr netter Zeitgenosse und quasi unser Koch-Pate. Er hat uns sehr viel beigebracht, denn er kocht schon seit über 30 Jahren und verfügt über ein enormes Wissen. In unserem Kitchen Guerilla Team ist ja niemand als Koch ausgebildet.

Was empfiehlst du uns auf der Karte des Café Paris?

Das Steak-Frites ist fantastisch! Vegetariern empfehle ich den Crêpe oder Le Plat du Jour.

 

Na dann, bon appétit!

Danke, dass wir Hamburg einen Tag lang durch deine Augen erleben durften. Es hat sehr viel Spaß gemacht!

Thanks!

Dieses Porträt ist der Auftakt einer monatlich erscheinenden City Guide Serie, die Freunde von Freunden zusammen mit MINI produziert hat. Das Konzept stellt Städte und Locations aus der persönlichen Sicht von Kreativen vor.

Fotografie: Sarah Bernhard
Interview & Text: Anika Väth