Freunde von Freunden

Pascal Grob
Photographer, Atelier, Seefeld, Zürich
Workplaces > Pascal Grob

Zürich, Kreis 8. Pascal Grob sitzt in seinem Atelier im Zürcher Seefeld. Eigentlich eine noble Gegend der größten Schweizer Stadt – doch Pascal ist wie rund 50 andere junge Kreative in ein altes Verwaltungsgebäude eingezogen, das zu günstigen Konditionen für die Zwischennutzung gemietet werden kann. Ein befristeter Ort des Schaffens und des Austausches – eher selten für Zürich. In seinem Atelier hat sich Pascal eingerichtet, um konzentriert seiner Tätigkeit als Fotograf nachzugehen.

Pascal Grob hat 2009 mit knapp 20 Jahren den Fashionblog fashionbitsandbobs.com gegründet. Als einer der wenigen Männermodeblogs mit tragbaren Outfits erlangte er damit über die Schweizer Grenze hinaus Bekanntheit und wurde von Vogue und anderen Magazinen gefeatured. Pascal entschied sich schließlich Fotografie an der Zürcher Hochschule der Künste zu studieren. Durch sein Netzwerk, das er mit dem Bloggen erlangte, hat er sich während und nach dem Studium einen Namen als Fotograf machen können. Für sein junges Alter hat Pascal bereits ein großes Wissen über Design, Food, Mode und Interior erlangt. Neben dem Fotografieren arbeitet er zudem einen Vintage-Interior-Shop als Kommunikationsberater und hat nebenbei Fotografie- und Beratungsmandate im Bereich Design und Möbel. Als Digital Native mit einem Auge für ansprechende Fotografie ist Pascal auf jeden Fall für die Zukunft gerüstet.

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Pascal, du bist mit deinem Fashion-Blog bekannt geworden, jetzt bist du Fotograf. Was hat sich in den letzten Jahren bei dir geändert?

Ich vermarkte nicht mehr mich selbst, sondern meine Tätigkeit. Dabei stelle ich fest, dass ich mich jetzt mehr unter Druck setze mit meiner Arbeit als Fotograf als früher mit meinem Fashionblog. Ich vergleiche mich auch mit älteren Fotografen – und vergesse dann, dass sie über mehr Erfahrung und ein größeres Netzwerk verfügen. Nur weil ich jünger bin, muss meine Arbeit aber nicht weniger bewertet werden.

Was machst du lieber – Editorials oder Werbung?

Was mir auffällt ist, dass Werbekunden einen Fotografen buchen, der bereits schon ähnliche Kampagnen gemacht hat wie der Auftrag dann selbst ist. Damit suchen sie eine Sicherheit. Das bringt aber eine Einbuße in der Kreativität und der Abwechslung mit sich. Es ist immer das Gleiche: Bei Editorials verdient man weniger, ist aber freier. Bei Werbung redet der Kunde immer mit – manchmal auch zu viel. Dabei beobachte ich auch eine zunehmende Vermischung von Editorials und Advertorials. Was ist Werbung, was ist eine freie Bildstrecke, was sind die Interessen dahinter? Ich finde Werbung spannend, aber möchte dabei nicht einfach ein Bild liefern, bei dem der ganze Rahmen abgesteckt ist.

Ist das heute überhaupt noch möglich – mit schrumpfenden Budgets bei Verlagen und steigenden Ausgaben bei Unternehmen für Content?

Ein gutes Beispiel dafür ist der Londoner Fotograf Jamie Hakesworth. Er hat am Anfang seiner Karriere Teenager in Boarding Schools fotografiert. Mit einem dokumentarischen Approach, mit Porträts von Jugendlichen. Modeunternehmen wie J.W. Anderson haben diese Bilder entdeckt und ihn für ihre Modekampagnen gebucht. Nachher hat er beispielsweise auch Ai Weiwei für Dazed & Confused fotografiert. Hakesworth ist dabei seinem Stil treu geblieben. Bei den Kampagnen hat er genau das Gleiche gemacht wie vorher, außer dass die Teenagers nachher teure Kleider getragen haben. Hakesworth ist erst 26 Jahre alt, aber er wird aufgrund seines Stils gebucht, ist sich treu geblieben und verdient damit sein Geld. In der Schweiz gibt es diesen Gedanken nicht wirklich. Der Werbekunde hat eine genaue Vorstellung der Kampagne und der Bilder – und möchte das Resultat immer gleich am Bildschirm sehen. Wenn es nicht seinen Vorstellungen entspricht, wird er nervös. Aber vielleicht gibt es auch neue Formen.

Welche neuen Formen meinst du?

Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss hat kürzlich einen Wettbewerb ausgeschrieben, der „The Swiss Explorer“ heißt. Das ist ein Blog, bei dem eine Person für die Swiss reisen kann und Bilder aus anderen Ländern postet, über Städte und Länder anhand von Fotos und Videos berichtet. Ich wollte das immer vorschlagen, weil der Swiss-Blog vorher nicht ansprechend war. Das wäre toll, wenn man dafür bezahlt wird, das zu zeigen, was man selber gut findet, welche Restaurants man mag, welche Shops man bevorzugt. Wenn ein Unternehmen dahinter steckt und trotzdem die Freiheit hat, einen solchen Blog cool zu machen, ist das toll. Dafür müssen die Unternehmen mutiger sein.

Das geht schon in Richtung Trendforschung…

Ich interessiere mich stark für Design, Mode, Möbel und Gastronomie. Ich habe auch ein Netzwerk in diese Richtung. Ich weiß nicht, was ein Trendforscher genau macht. Aber diese Bereiche immer mehr zusammen. Es geht doch letztendlich darum, jemanden zu finden, der Geld zur Verfügung stellt und überzeugt ist, dass man mit seiner Ansicht einen Mehrwert für ihn schaff. Unternehmen müssen ihre Ausgaben für Werbung und Marketing natürlich skalieren – und solche Projekte lassen sich eben nicht immer in Zahlen messen. Ich würde diesen „Job“ eher als lebendigen Bonvivant bezeichnen (lacht). Man reist herum, sucht sich die schönsten Dinge aus und zeigt sie den Lesern. Einen solchen Job möchten wahrscheinlich viele machen. Man muss sich aber auch reinhängen, da man auf ständige Inputs von seinem Netzwerk angewiesen ist.

Du arbeitest nebenbei in einem Vintage-Möbel-Laden und machst die Kommunikation mittels Blogs und Social Media dafür. Wie bist du zu dieser Tätigkeit gekommen?

Es gibt mir einerseits finanzielle Sicherheit, aber anderseits finde ich diese Welt sehr spannend. Ich habe großes Interesse an Möbeln und das Umfeld des Shops ist toll. Viele Kunden kommen aus dem Kunstbereich. Ich will selber kein Künstler sein, aber fühle mich wohl in dieser Welt. Ich kann mich aus einem anderen Blickwinkel mit dem Thema Kunst auseinandersetzen und an unabhängig an diese Galeristen, die bei uns einkaufen, herantreten.

Wieso möchtest du selber nicht Fotokünstler werden?

Ich fühle mich in diesem sehr personenfixierten Galerie/Künstler-Umfeld und dem ganzen Kosmos nicht so wohl. Mir gefällt die Welt, aber nicht, wenn ich im Mittelpunkt stehe. Ich arbeite gerne für Auftraggeber und will mit ihnen zusammen etwas kreieren. Mir fehlt glaube ich diese Attitude eines Künstlers. Kunst muss authentisch sein und der Künstler muss dahinter stehen. Ich habe in der Kunstschule kein Gebiet gefunden, dass mir wirklich entspricht. Ich bin mehr mich selber, wenn ich Auftragsfotografie mache. Nur weil man kreativ ist, sollte man sich aber noch lange nicht als Künstler bezeichnen.

Wann hast du angefangen zu fotografieren?

Mit 18 Jahren. Ich hatte die Wahl zwischen einer Kamera und einer E-Gitarre. Meine Eltern meinten, ich solle die Gitarre nehmen, weil ich davor noch nie fotografiert hatte, aber schon Gitarre gespielt habe. Vielleicht wäre ich dann Musiker geworden (lacht). Aber das entspricht nicht meinem Naturell. Ich habe dann die Kamera gewählt und bin jetzt ganz froh darüber. Zwei Jahre später habe ich dann meinen Blog gegründet, weil ich mich vorher auch immer auf dem Internet herumgetrieben habe.

Pascal, du bist kein sonderlich extrovertierter Mensch. Wie kommt es dazu, dass man mit 20 Jahren anfängt, Selbstportraits mit Outfits, geschossen im Garten des Elternhauses, ins Netz zu stellen?

Das ist der Vorteil des Internets. Man kommuniziert und interagiert indirekt. Der Computer und das Internet stehen zwischen dir und dem Publikum. Das ist anders als bei einem Musiker auf der Bühne. Ich habe die meisten Fashion-Fotos im Garten meiner Eltern geschossen. Auch das war ein geschützter Rahmen. Ich habe meinen Blog wohl auch zur richtigen Zeit lanciert und war einer der wenigen Männer, die sich dem Thema Mode annahmen. Durch das Bloggen habe ich viele Leute und auch mich selbst besser kennengelernt. Viele Leute haben mir Einblicke in ihr Leben, in ihre Tätigkeit gegeben. Das ist mein Ziel: Diese Dinge, die mich interessieren und weiterbringen auch in meinen Job integrieren zu können und damit Geld zu verdienen.

Warum hast du mit dem Blog eingestellt?

Ich war zu sehr im Rampenlich und wollte nicht als Blogger bekannt sein.

Aber Bloggen ist doch der Traumjob unserer Generation?

Nicht meiner. Ich möchte dafür bekannt sein, für das, was ich mache, nicht wer ich bin. Aus ökonomischer Sicht war es natürlich Schwachsinn, den Blog zu beenden. Ich hatte mit dem Blog ziemlich viele Leser und konnte von der Werbung einigermaßen leben. Mir wurde aber irgendwann klar, dass ich mich nicht als Blogger in den Mittelpunkt stellen sollte, wenn ich als Fotograf ernst genommen werden möchte. Jetzt buchen mich die Leute, weil ihnen meine Bilder gefallen. Das passt mir besser. Ich kann heute verschiedene Genres miteinander kombinieren.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich mache viele Porträts im Zusammenhang mit einem gewissen Reportage-Stil. Ich fotografiere meist Menschen, manchmal auch Orte. Ich arbeite mit natürlichem Licht und bearbeite die Bilder kaum. Meine Fotos haben eine gewisse Ruhe – ich blitze nicht. Meine Fotografie ist meist eine Bebilderung von etwas, verbunden mit Text.

Als Blogger warst du ein Digital Native, jetzt fotografierst du für Printmagazine. Was passt dir besser?

Ich habe keine emotionale Bindung zu einem Medium. Jedes Medium erfüllt seinen Zweck. Eine gut programmierte Website mit Platz für Bilder kann genauso schön sein wie ein toll gemachtes Magazin. Ich habe keine Präferenzen – es muss einfach gut sein! Aber ich stelle fest, dass ich selten eine toll gemachte Website sehe. Bei Magazinen sehe ich häufiger gute Strecken oder Bilder.

Aber es kann doch nicht sein, dass ein 25-jähriger nostalgisch wird…

Das ist tatsächlich witzig – vor allem weil ich aus dem Digitalen komme. Es hat nichts mit Nostalgie zu tun, sondern wie Websites kuratiert werden. Ein Magazin ist bedacht voller zusammengestellt. Ein Magazin, es heißt Hot & Cool aus London, mag ich sehr. Und das The Gentlewoman kann ich auch nur empfehlen.

Wer inspiriert dich?

Ich finde den Schweizer Art Director Beda Achermann toll. Er hat seine Vision und die Kunden setzen diese mit ihm um. Ohne Kompromisse. Das finde ich beeindruckend. Und das mit einer großen Vielfalt an nationalen und internationalen Kunden aus Mode, Kultur, Design, Retail und Medien.

Was gefällt dir an Zürich? Hast du dir schon überlegt, in eine andere Stadt oder ein anderes Land zu ziehen?

Ich wohne zwar schon das ganze Leben lang hier, aber ich mag Zürich. Zürich ist eine gemütliche und doch internationale Stadt. Die Stadt ist bildhübsch und man kann vieles zu Fuß erreichen. Mit dem Fahrrad ist man in 15 Minuten überall. Die Lebensqualität ist hoch und es liegt in der Mitte von Europa. Man ist schnell in London oder Paris. Die verschiedenen Stadtkreise hier haben all ihre eigenen Vibes. Und ja, all die alten Holz-Freibäder aus dem 19. Jahrhundert! Wo gibt es denn so was schon!

Zudem hat Zürich ein fantastisches kulturelles Angebot mit Theater, Oper, Kinos, Museen und Galerien. Die Straßen sind sauber und die Verkehrsmittel pünktlich. Da bin ich auch sehr schweizerisch. In Zürich lebt man in einer Stadt ohne die erdrückende Hektik einer Großstadt. Ich kenne London und Istanbul sehr gut, bin aber auch immer gerne nach Zürich zurückgekommen. Es ist ein guter Hub und ja, als Kreativer kann man hier noch einigermaßen etwas verdienen.

Wofür gibst du dein Geld aus?

Ich würde mir gerne noch ein paar Möbel kaufen, besonders jetzt hier in meiner neuen Wohngemeinschaft. Möbel faszinieren mich. Und ja, ich gehe gerne essen! Ich verbinde auch das Reisen mit dem Essen. Ich würde gerne in die italienische Provinz fahren und dortdas Essen probieren. Mich interessieren kulinarische Gebiete, auch Japan. Oder eher Südfrankreich und nicht immer nur Paris.

Danke Pascal für dieses spannende Gespräch.

Fotograf: John P. Walder
Interview & Text: David Torcasso

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