Roman Arnold
CEO und Gründer von Canyon, Koblenz
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Dass ein erfolgreicher Unternehmer nicht nur gut Zahlen schubsen oder den Markt analysieren kann, sondern auch eine Leidenschaft für das jeweilige Produkt mitbringt, ist nicht immer der Fall. Bei Roman Arnold schon.

In seiner Jugend war er passionierter Rennradfahrer. Seine Leidenschaft für das Radrennen brachte ihn erst ins Geschäft: Mit Canyon hat Arnold in den letzten dreißig Jahren eine stetig wachsende, international erfolgreiche Fahrradfirma mit Fokus auf Rennräder aufgebaut, mit denen auch Profiradsportler bei der Tour de France antreten. Eiserne Disziplin, unermüdliche Kondition, eine ordentliche Portion Durchsetzungsvermögen sowie das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit sind Attribute, die ihm vom Leistungssport geblieben sind – und von denen er heute als Unternehmer profitiert.

Die Geschichte von Canyon ist eine Familiengeschichte. Weil Romans Vater bei den Radrennen seines Sohnes nicht immer nur am Rand stehen und winken wollte, entschloss er sich, in Italien günstig Fahrradteile zu erstehen, um sie während der Touren gewinnbringend weiterzuverkaufen. Daraus entwickelte sich erst ein kleines Garagengewerbe, dann ein Versandhandelvertrieb für Profiräder. Heute entwickelt, gestaltet und montiert Canyon seine eigenen Bikes in der Factory in Koblenz. Dort haben wir den bodenständigen wie herzlichen Zeitgenossen Roman besucht, um mit ihm über seine Liebe zum Rad zu sprechen.

Ich kann mich noch an das Gefühl erinnern, als ich Radfahren lernte: große Freiheit.

Herr Arnold, können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie Fahrradfahren gelernt haben?

Ja, sehr gut sogar. Das war in Löf, als ich drei Jahre alt war. Mit Hilfe meines älteren Bruders Lothar übte ich auf einem gebrauchten Puki-Rad. Er hat mich festgehalten und irgendwann ging es ganz von alleine. Ich kann mich noch an das Gefühl erinnern, als nicht mehr umgekippt bin: große Freiheit.

Als Teenager entwickelt sich meist das Bedürfnis, vom zweirädrigen Untersatz auf einen motorisierten umzusteigen. War das bei Ihnen anders?

Zunächst nicht. Zu meinem fünfzehnten Geburtstag war es mein größter Wunsch, ein Mofa zu bekommen. Zwei Jahre habe ich darauf hingefiebert. Im Sommer kurz vor dem großen Tag sind wir über den Brenner an die Adria gefahren, da habe ich die Fahrradfahrer gesehen. Das hat mich so begeistert, dass ich entschied, mir statt dem Mofa ein Rennrad zu wünschen. Nach dem Urlaub haben wir das Rad direkt gekauft: ein Peugeot PY10.

In Ihrer Jugend sind Sie selbst auch Rennen gefahren. Was schätzen Sie am Rennsport?

Ganz generell gefällt mir am Fahrradfahren das Gefühl der Freiheit – sich aus der eigenen Kraft heraus fortzubewegen, Wind und Wetter zu spüren. Am Rennsport gefällt mir definitiv die Disziplin. Es ist anders, als beim Mannschaftssport Fußball: Beim Rad hängt es an einem selbst, ob man erfolgreich ist oder nicht. Sich auch mal quälen zu können, ausdauernd zu sein, Ziele zu haben und diese auch durchzusetzen, bedeutet für mich extreme Unabhängigkeit.

Warum ist aus Ihnen kein Profirennfahrer geworden, sondern ein Profiradhersteller?

Ich hatte eigentlich eine Einberufung zur Sportkompanie, aber unmittelbar nach dem Abitur ist mein Vater gestorben. Ich entschied mich, nicht weiter Rad zu fahren, sondern unser Garagengeschäft mit meinem jüngeren Bruder weiter zu betreiben. Ich wäre auch kein sehr erfolgreicher Radprofi geworden, weil ich zu groß und zu schwer bin. Viele Eigenschaften, die auch im Leistungssport wichtig sind – Disziplin und Ausdauer und das Vermögen, sich durchzusetzen – haben mir dann im Geschäftsleben geholfen, erfolgreich zu sein. Strategie und Taktik sind auch im Radsport wichtig.

Aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen war für Sie also eine logische Konsequenz?

Angefangen hat es damit, dass mein Vater mich zu meinen Rennen begleiten und nicht mehr einfach nur am Straßenrand zugucken wollte. Wir haben dann gemeinsam Waren in Italien eingekauft und er hat diese aus einem Anhänger heraus weiter verkauft, während ich gefahren bin. Das hat uns beiden viel Freude gemacht und uns sehr verbunden. Als mein Vater starb, war für mich klar, dass ich in diesem Bereich weitermachen möchte. Ich habe dann mit meinem Bruder zusammen bei uns zu Hause in der Garage gearbeitet und eine Ausbildung im Bereich Groß- und Außenhandel, später dann noch zum Zweiradmechaniker, gemacht.

Canyon wurde 1985 gegründet und lief bis 1996 noch unter dem Namen Radsport Arnold. Zu Beginn vertrieben Sie noch Fremdhersteller. Warum entschlossen Sie sich, nicht nur als Händler aufzutreten, sondern auch als Produzent?

Der Wunsch hat sich langsam und stetig entwickelt. Irgendwann wusste ich, dass ich meine Räder auch bei der Tour de France sehen und ein Team sponsern will. Die Einflussnahme auf die Gestaltung eines Produkts bedeutet für mich auch die Verwirklichung eines Traumes: mich über die eigenen Produkte ausdrücken zu können. Wir entwickeln, testen und montieren unsere Räder hier in Koblenz selbst und vertreiben ausschließlich direkt.

Gutes Design ist uns extrem wichtig. Bei uns gilt die Designrichtlinie: simple, precise, dynamic.

Das erste, ganz eigene Bike von Canyon: Was war das für eins?

Ein Mountainbike, Modell FX1000.

Als ehemaliger Radsportler wissen Sie um die Wichtigkeit guter Funktion. Wie steht es um die Form?

Gutes Design ist uns extrem wichtig. Unsere Produkte müssen ästhetisch ansprechend und zeitlos sein. Bei uns gilt die Designrichtlinie: simple, precise, dynamic.

Inwiefern spielen Trends für Sie eine Rolle?

Wir entwickeln unsere Produkte stetig weiter. Bestenfalls können wir damit einen Trend auslösen – das macht uns stolz. Wir springen aber nicht auf jeden Zug auf. Viele Dinge kommen bei uns aus eigenem Antrieb. Wir verkaufen im Moment zum Beispiel keine E-Bikes, obwohl das ein absoluter Branchentrend ist.

Die Sehnsucht nach Natur und der Wunsch nach einem getrimmten Körper sind auch ein wachsender Trend unter Großstädtern. Äußert sich das in der Fahrradbranche?

Wir sehen einen Umschwung in der Gesellschaft: Menschen möchten mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen oder sich vor Freunden als sportlich darstellen. Dazu brauchen wir ein Fahrrad, das unserem Geist entspricht. Wir hatten die Idee, ein solches Freizeitrad nur für unsere Mitarbeiter zu entwickeln. Am Ende ist daraus die Serie „Urban“ entstanden.

Canyon ist offizieller Ausstatter von Spitzen-Radrennsportlern, 2009 holte zum Beispiel der Australier Cadel Evans auf einem Canyon Bike den Weltmeistertitel. Sind Sie darauf stolz?

Ja, stolz wie Bolle!

Was sind Ihre nächsten Ziele im Spitzensegment?

Wir wollen die Tour de France gewinnen – die Gesamtwertung, sobald wie möglich. Das wäre in dem Segment, in dem wir uns bewegen, das Allergrößte. Den Iron Man in Hawaii zu gewinnen, wäre auch nicht schlecht.

Sie fördern auch aktiv den Nachwuchs. Warum?

Als ehemaliger Rennfahrer weiß ich, wie schwer es ist, den Radsport zu finanzieren. Das ist für viele Eltern eine große Herausforderung. Außerdem möchte ich gerne etwas an den Sport zurückgeben, der mir selbst so viel gegeben hat.

Was war der bislang schönste Moment in der Zusammenarbeit?

Ich freue mich sehr, wenn ich sehe, dass einige der Kids heute Radprofis sind und in erfolgreichen Teams fahren: Lucas Liß ist Bahnradweltmeister geworden und Jonas Bokeloh Juniorenweltmeister, um nur einige zu nennen.

Fahren Sie in Ihrer Freizeit eigentlich noch viel Rad?

Ich würde gerne mehr fahren. Das nehme ich mir immer wieder vor. Im Jahr sind es momentan 2000 Kilometer. Früher gab es jeden Dienstag eine Führungsteamrunde bei Canyon, eine Art Feierabend-Rennrunde, für jeden, der wollte. Damit fangen wir jetzt wieder an.

Wie kommen Sie eigentlich täglich zur Arbeit?

Im Sommer etwas häufiger mit dem Rad, aber ich muss die Kinder mit dem Auto in den Kindergarten bringen. Grundsätzlich fördern wir aber das Radfahren unserer Mitarbeiter stark. Wir haben hier mittlerweile einen Pool von etwa 60-70 Bikes, an dem sich jeder Mitarbeiter bedienen kann, zum Beispiel fürs Wochenende.

Welche Fahrradtour würden Sie jedem empfehlen?

Seit Ewigkeiten fahre ich einmal im Jahr mit meinen Freunden zur L’Eroica, wo wir mit alten Rädern über die Naturstraßen der Toscana heizen. Für mich ist das immer wieder ein Highlight – und meine Trainingsmotivation.

Vielen Dank, Roman, für diese spannende Tour durch die Radlandschaft von Canyon. Mehr Informationen zu den aktuellen Entwürfen von Canyon findet man auf www.canyon.com

Dieses Portrait wurde zusammen mit USM produziert und ist Teil der Serie “Personalities by USM“. Mehr Informationen zu Romans Einrichtung sind hier zu finden.

Interview & Text: Celina Plag

Fotografie: Ben Hammer