Freunde von Freunden

Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser
Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin
Workplaces > Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Walliss…

Berlin, Mitte. Kräne ragen in den Himmel, der dumpfe Lärm eines Presslufthammers dröhnt aus der Ferne. Wohin der Blick auch fällt, überall wird gebaut.
Tobias Wallisser steht auf dem Dach der ehemaligen Königstadt Brauerei, die heute unter anderem seinem Architekturbüro Raum bietet, und lässt seinen Blick über die ewige Baustelle schweifen. „Wenn man hier oben steht, versteht wohl jeder warum ich mich für Berlin entschieden habe.“

Nach Jahren im Ausland ist Tobias mit seiner Frau Leonie vor sechs Jahren nach Berlin zurückgekehrt. Der ständige Wandel der Stadt und die noch vorhandenen Freiräume zogen das Architektenpaar an. Von hier aus arbeiten sie auf lokaler als auch auf internationaler Ebene daran, die Zukunft mitzugestalten.
Sie wollen mitentscheiden, wie sich unsere Städte in den kommenden Jahrzehnten verändern. Denn Zukunft passiert nicht, Zukunft wird gemacht – die Frage ist nur von wem?

Tobias ist Mitgründer des Architekturbüros LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) – einem Netzwerk für kreative Ideen, mit Büros in Berlin, Stuttgart und Sydney. 2007 gründete er die Firma gemeinsam mit Chris Bosse und Alexander Rieck. Die drei haben weder die gleichen beruflichen Erfahrungen, noch leben sie auf demselben Kontinent. Es ist die Faszination für die Verschmelzung von Natur und Technik die sie vereint.
Leonie ist gebürtige Australierin. Nach ihrem Studium der Architektur und Kunstphilosophie an der niederländischen Rietveld Akademie wollte sie etwas Praktisches in Bewegung setzen und das ökologische Bewusstsein und den Umgang mit Natur, insbesondere von Städtern, schärfen. Sie gründete Cityplot, ein urbanes Landwirtschaftskollektiv, das den Anbau der eigenen Bio-Lebensmittel fördert. Ihre Zukunftsvision – eine sich selbst versorgende Stadt.

Wir trafen das Pärchen in der Berliner Dependance von LAVA, in den Räumen der ehemaligen Königstadt Brauerei und führten ein Gespräch, das von Schneeflocken in der Wüste, über Dachgärten in Alt-Hohenschönhausen bis hin zum Berghain, als Teil der Hochkultur nichts ausließ.

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/

Freunde von Freunden — Tobias Wallisser & Leonie Woidt-Wallisser — Architects, Königstadt Brewery, Mitte, Berlin — https://www.freundevonfreunden.com/de/workplaces/tobias-wallisser-leonie-woidt-wallisser/


Von LAVA bist nur du anwesend, Tobias. Alexander ist in Stuttgart und Chris sitzt wahrscheinlich bei 30 Grad in seinem Büro in Sydney. Ihr seid gemeinsam und doch getrennt. Was ist die Idee hinter dieser ungewöhnlichen Form der Zusammenarbeit?

Tobias: Unsere gemeinsame Arbeit beruhte von Anfang an nicht auf der Idee, dass wir zusammen an einem Ort sein werden. Wir sind kein klassisches Büro, sondern vielmehr ein Netzwerk.
So haben wir uns vor sechs Jahren auch kennengelernt. Jeder lebte in einem anderen Land und kam aus einem anderen Bereich.
Auf der Biennale, in der australischen Ecke, haben sich Chris und meine Wege dann gekreuzt. Ich war dort, da damals das Mercedes Museum ausgestellt wurde, das ich mit entworfen habe. Und Chris war da als Entwerfer der Water Cube Schwimmhalle, die in Peking steht.
Wir kamen ins Gespräch und stellten fest, dass wir gemeinsame Freunde haben. Wie das oft so ist.

Alexander und ich kannten uns bereits aus dem Studium und von einem gemeinsamen Praktikum, hatten uns dann aber aus den Augen verloren, bis wir gemeinsam ein Projekt für die Fraunhofer Gesellschaft in Stuttgart entwickelt haben – er als Projektverantwortlicher beim Auftraggeber und ich beim Architekturbüro.

Ein Jahr später kam dann ein Anruf aus Abu Dhabi, bei dem mir die Mitarbeit an einem großen Projekt vorgeschlagen wurde. Dort haben wir uns zu dritt getroffen. Die beste Möglichkeit an Projekten dort zu arbeiten war, selbst ein Architekturbüro zu gründen. Und so haben wir eigentlich über dieses Projekt angefangen als Team zusammen zu arbeiten.

Damals haben Leonie und ich noch in Amsterdam gewohnt. Ich war aber schon lange am Reisen nach Stuttgart. Zuerst für das Mercedes Museum, später zum Unterrichten an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Alexander war in Stuttgart und so haben wir beide ein Büro am Standort Stuttgart aufgemacht und Chris eines in Sydney. Alle vierzehn Tage haben wir uns in Abu Dhabi getroffen.

Wie koordiniert ihr die Zusammenarbeit im Alltag?

Tobias: Unsere Zusammenarbeit ist ein dynamischer Prozess und entwickelt sich ständig anders. Wenn wir beispielsweise an internationalen Projekten arbeiten, mit größerem Budget, dann probieren wir Mitarbeiter aus Sydney und aus Deutschland zusammen kommen zu lassen. So auch in Abu Dhabi. Dort haben wir ein Projektbüro aufgemacht, in dem die Mitarbeiter der beiden Büros gemeinsam das Konzept entwickelt haben. Als das stand, sind die Teams zurück in ihre Stadt gefahren und haben dort weitergearbeitet.

Ansonsten läuft die Kollaboration viel über andere Optionen, wie Videokonferenzen oder z.B den Freitagsreport. Der Freitagsreport gibt den allen Büros die Möglichkeit zu sehen und zu kommentieren, was in den anderen Büros in der vergangenen Woche entstanden ist.

Was sind die Vorzüge bzw. Schwierigkeiten bei dieser internationalen Kollaboration?

Tobias: Eine Schwierigkeit ist sicher die Zeitverschiebung, obwohl man sie auch immer als Vorteil verkaufen kann. Wenn wir viel Arbeit und wenig Zeit haben, können wir immer sagen, wir arbeiten 24 Stunden.

Ein Vorzug ist, dass wir aus unterschiedlichen Einflüssen und Inspirationen schöpfen können.
Chris Philosophie in Australien ist es zu sagen: „Australian Lifestyle, German Engineering,“ Das klingt in Australien besser als in Deutschland – wenn ich gerade aus dem Fenster gucke, kann ich mir den australischen Lebensstil in diesem ganzen Grau schlecht vorstellen….

Der größte Vorzug unserer Kollaboration sind allerdings unsere unterschiedlichen Hintergründe. Jeder von uns dreien hatte zehn Jahre Berufserfahrung als wir gemeinsam starteten. Jedoch waren es Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen. Alexander z.B. war vorher nicht als Architekt tätig, sondern als Forscher bei der Fraunhofer Gesellschaft und hat dort auch promoviert. Eigentlich ist sein Thema „Soft factors“, also der Einfluss der gebauten Umwelt z.b. auf die Kreativität der Menschen, die dort arbeiten.

Wir haben ein gemeinsames Verständnis von dem was uns wichtig ist und wie Dinge zusammenkommen, aber jeder geht die Projekte auf seine Art und Weise an und legt andere Schwerpunkte, so dass wir gemeinsam ein breites Spektrum abdecken. Das liegt zum Teil an unserer beruflichen Herkunft, zum Teil aber auch an den Orten, an denen wir uns aufhalten. Weil Orte natürlich auch die Themen beeinflussen, mit denen man sich beschäftigt.

Abgesehen von der räumlichen Trennung, ist euer Konzept ja auch ansonsten etwas anders, als das gewöhnlicher Architekturbüros. Worin unterscheidet ihr euch?

Tobias: Die Idee ist auch hier, unterschiedliche Dinge zusammenbringen und eine andere Arbeitsweise einzusetzen. Wir haben uns nicht Studio oder Büro sondern ‚Labor‘ genannt, um zu zeigen, dass wir zwar analytisch aber experimentell arbeiten. Zum einen sind wir durchaus Technik affin, auf der anderen Seite haben wir ein ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein. Da hat vor allem Leonie einen großen Teil zu beigetragen.

Wir beschäftigen uns viel damit, wie man Natur und Technik zusammenbringt. Der Mensch steht bei uns natürlich im Mittelpunkt und außerdem immer zwischen Natur und Technik. Eine Frage ist zum Beispiel, welche natürlichen Faktoren braucht der Mensch um sich wohlzufühlen und wie kann die Technik dieses Wohlbefinden noch verbessern.

Unsere Projekte illustrieren diesen Aspekt in unterschiedlicher Art und Weise. Das kann relativ konkret für eine Büroumgebung sein, die Übermorgen fertig sein muss. Oder es können auch Visionen sein, wie so etwas aussehen könnte, die gar nicht den Anspruch haben, dass sie bis 2050 realisierbar wären. Diese Visionen sind für uns insofern besonders wichtig, da wir viel im Mittleren Osten oder auch in China arbeiten. Dort sind Bilder, im Vergleich zu Deutschland, viel wichtiger.

Es hat lange gedauert bis in Deutschland bei Wettbewerben Visualisierungen überhaupt zugelassen worden sind, weil man immer sagte, die gaukeln etwas vor, was in dieser Art überhaupt nicht erreichbar ist. Wir sehen das anders. Man muss doch erstmal einen Möglichkeitsraum aufspannen und sagen, was wäre wenn? Könnte es nicht auch so aussehen? Dadurch entstehen Träume und aus Träumen dann vielleicht auch die Notwendigkeit der Umsetzung. Es geht nicht darum Dinge zu versprechen, die nicht funktionieren. Sondern es geht darum eine gestalterische Freiheit zu entwickeln und zum Nachdenken über Themen anzuregen.

Ein Beispiel ist diese Illustration von der Karl-Marx- Allee, die LAVA entworfen hat. Es ist ein Beitrag, der im Stern erscheinen wird zum Thema „50 Ideen für Deutschland“. Unser Beitrag ist ein Beitrag zur Zukunft der Stadt. Warum sind deutsche Städte so grau? Wie könnten deutsche Städte aussehen? Im Zentrum unserer Idee stehen die drei für uns wichtigsten Themen: die Energiewende, die Agrarwende und die Mobilitätswende.

Die Illustration erinnert an ein Wimmelbild. Überall passiert etwas. Es gibt Windanlagen, Elektroautos, urbane Nutzgärten und Ideen, wie mit kollektiven und wie mit individuellen Raum umgegangen wird. Natürlich haben wir übertrieben. Wir glauben auch nicht, dass die Karl-Marx- Allee 2050 so aussieht. Aber es zeigt was möglich wäre und gibt Denkanstöße.

Bleiben wir noch ein bisschen beim Thema. Was bedeutet für dich „Stadt“ und wie siehst du ihre Zukunft?

Tobias: Die Stadt war eigentlich immer der Versuch von Menschen, ein Paradies zu machen. In der Stadt sind Qualitäten, die in der Natur nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten vorhanden sind, ubiquitär verfügbar. Wenn ich Licht brauche, schalte ich das Licht ein. Wenn ich Wasser brauche, gehe ich zum Wasserhahn.
Darum sind unsere Stadtvisionen natürlich auch geprägt von der Frage nach dem, was wir gerne hätten. Was braucht der Mensch für sein Wohlbefinden? Wie will man leben?

Für unsere Illustration haben wir die Karl-Marx-Allee genommen, weil sie eine vergangene Vision der Stadt verkörpert. Es ist das Ideal der Moderne: eine große Achse, viel Platz für Autos, ordentlich strukturierte Häuser etc. Alles folgt einem Masterplan.

Von dieser starren Struktur haben wir uns entfernt. Heute orientiert man sich viel mehr an der Natur und die bringt ihre eigene viel vielschichtigere Ordnung.

Apropos Natur, hier kommst du ins Spiel Leonie. Inwiefern trägt deine Arbeit als Landschaftsarchitektin zu Tobias Zukunftsvisionen der Stadt bei?

Leonie: Ich vertrete nicht die Ansätze der klassischen Landschaftsarchitektur, meine Arbeit ist eher das Gegenteil davon. Ich bin dafür, dass man die städtische Bepflanzung ein bisschen mehr der Natur überlässt. Trotzdem ist es kontrolliert, in dem Sinne, dass man festlegt, wo es stattfindet.
Auch sollte man das städtische Grün nicht nur unter dem Aspekt der Schönheit betrachten. Es hat eine soziale und ökologische Funktion innerhalb der Stadt und für die Stadtbewohner.

Das Thema von „Food sovereignty“ ist für mich zentral. Nutzpflanzen sollten eine viel zentralere Rolle spielen bei der Bepflanzung. Wenn man das als ökologisches Ganzes betrachtet, können es auch nicht essbare oder nutzbare Pflanzen sein, die aber andere wichtige Funktionen im ökologischen System übernehmen.

Tobias, euer großes Vorbild ist die Natur. Was lehrt euch die Natur?

Tobias: Das ist ein gutes Thema. Es gibt eine Diskussion über Biomimetik und Bionik. Also einerseits die Anlehnung an formale, rein äußerliche Aspekte der Natur, andererseits das Übertragen natürlicher Konstruktions- und Funktionsprinzipien. Ich finde es interessanter die Wirkungsweise von Elementen in der Natur nachzuvollziehen und als Inspiration zu benutzen, als nur die formalen Aspekte. Andererseits sind auch die formalen Aspekte der Natur sehr interessant. Ganz trennen können wir es nicht.

Kannst du ein konkretes Beispiel geben von einem natürlichem Vorbild und wie das dann in der Umsetzung aussah?

Tobias: Dein gutes Beispiel ist der Snowflake Tower, den wir für einen Auftraggeber aus Abu Dhabi entworfen haben. Der Hintergrund war der, dass wir ein Wohngebäude mit 60 Geschossen gestalten sollten. Es sollte unverwechselbar sein. Unverwechselbar wird das Gebäude über die Silhouette. Vielleicht vergleichbar mit einer Cola- Flasche – jeder kennt ihre Silhouette und die Bezeichnung ist eigentlich unnötig.

Dieses Prinzip wollten wir auf ein Hochhaus übertragen. Wir brauchten also eine sehr spezielle und zu gleich wiedererkennbare Form. Trotzdem mussten wir extrem flexibel sein was den Innenraum betraf, weil wir zu dem Zeitpunkt noch nichts über die Mieter, Wohneinheiten etc. wussten.

Diese beiden Vorraussetzungen kann man mit Hilfe von parametrischen Entwurfstechniken zusammenbringen. Man stellt Verknüpfungen zwischen einzelnen Anforderungen, Zahlenwerte und Geometrien auf. Das lässt sich dann ganz gut entwerfen, man braucht aber immer einen Leitrat. Hier kommt die Schneeflocke ins Spiel.

Das Tolle an Schneeflocken ist, dass es Schneeflocken gibt, die eher flächig sind und es gibt Schneeflocken, deren Umriss auf Grund ihrer fraktalen Natur sehr stark artikuliert sind. Wir haben dann die Umrisslinie als Parameter übernommen und auf das Hochhaus übertragen, um das Verhältnis Fassade zur Fläche einer Wohnung zu steuern.Ein geometrischer Steuerungsmechanismus inspiriert von der Schneeflocke!

Apropos Abu Dhabi, ihr seid in dem Mega-Projekt Masdar City involviert. Was passiert da?
Tobias: Wir haben vor ein paar Jahren den Wettbewerb für das Stadtzentrum von Masdar City gewonnen. Das wird aber in dieser Form leider nicht gebaut werden.
Der Wettbewerb war zu früh dran. Man braucht im Grunde erst ein Stadtzentrum, wenn man auch eine Stadt hat. Der Wettbewerb lag noch in der Zeit des Booms, wo man in Abu Dhabi davon ausgegangen ist, dass man in zehn Jahren eine komplette Stadt bauen kann für 40.000 Einwohner und dafür wäre es wichtig gewesen das Stadtzentrum zu haben. Doch bis heute sind erst ganz wenige Wohnungen gebaut worden, man kann im Moment nicht von einer Stadt sprechen.

Wir verfolgen den Plan im Moment nicht weiter. Es war äusserst interessant sich damit zu beschäftigen. Der Masterplan, den Norman Foster konzipiert hat, ist einerseits eine Technik Utopie, andererseits nimmt er formal Anleihen aus historischen Strukturen marokkanischer Städte.

Ein großes Thema bei der Planung von Masdar war Energie. Beispielsweise, dass die Gebäude, die Energie die sie verbrauchen auch selbst erzeugen. Aber auch wie viel Energie brauche ich für den Bau der Gebäude? Wie bringe ich die Baustoffe dahin, wie viel Energie brauche ich, wie viel Energie wird zur Herstellung der Baustoffe verwandt, wie lange sind die überhaupt verwendbar, wie viel Energie verbrauchen die Gebäude im Betrieb?
Der Anspruch war, dass Masdar die erste CO2 freie Stadt wird. Auch wenn die Umsetzung nur teilweise erfolgt ist, war dass der eigentliche Beitrag von Masdar. Es wurden Themen aufgeworfen, die für alle Städte sehr interessant sind.
Da sind wir wieder bei den Themen, die ich vorhin auch schon im erwähnt habe: die Idee der Integration der Energieerzeugung in die Stadt, der Erneuerung von Mobilitätssystemen, der digitalen Vernetzung oder Informationsweitergabe zwischen einzelnen Teilen und, was in der Wüste zwar weniger Thema war, das Grün in der Stadt.

Was können wir in Berlin von Abu Dhabi lernen?

Tobias: Das ist eine spannende Frage. Als ich Anfang der neunziger Jahre in Berlin studiert habe, da war es gang und gäbe Berlin als Labor der Moderne zu begreifen. Frei nach dem berühmten Ausspruch, dass Berlin eine Stadt ist, die nicht ist, sondern immer nur wird.
Ein unglaublich spannendes Konzept! Leonie und ich waren dann länger nicht in Berlin. Als wir zurück kamen hatte sich viel entwickelt.

Im Vergleich mit anderen Städten, gibt es natürlich in Berlin immer noch viel Freiraum. Die Stadt ist heute, immer noch weniger dicht besiedelt, als sie es in den zwanziger Jahren war. Die Infrastruktur wäre eigentlich ausreichend für eine viel größere, also für eine viel dichtere Agglomeration. D.h. es gibt einfach Freiräume. Das ist das Faszinierende an dieser Stadt!

Was schade ist, ist dass wir in Deutschland die Neigung haben dialektisch zu denken. Zum Beispiel denkt man auf der einen Seite stehen die Pioniere, die die Freiräume besiedeln, auf der anderen Seite das Kapital, das eigentlich nur kommerziell die maximale Rendite ausnutzen will. Obwohl man so langsam merkt, so ganz einfach ist es nicht mehr.Mittlerweile kann das kommerziell interessanteste Angebot von Leuten kommen, bei denen man es nicht für möglich gehalten hat, von den ehemaligen Pionieren – von der Subkultur.

Durch die Idee des Labors der Moderne, gab und gibt es in Berlin oft größenwahnsinnige Planungen, die auf eine Stadtkrone zielen, also auf ein Gesamtbild.
Eine Fraktion von Leuten bestimmt was schön ist, was ästhetisch richtig ist und das soll dann umgesetzt werden. Andererseits gibt es eine Subkultur.

Doch was passiert, wenn die Subkultur zur Hochkultur wird?
Das sieht man ganz gut am Beispiel des Berghains. Das Berghain ist nicht der Tresor, wo man sich damals irgendeine Ruine angeeignet hat. Sondern man hat mit großem Aufwand ein ehemaliges Heizkraftwerk umgebaut, wobei man sehr darauf bedacht war den Ruinencharm zu erhalten.Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass das Berghain eine tolle Qualität hat. Aber man sieht ganz gut, dass das romantische Bild von der Hochkultur und der Subkultur – von Leuten, die etabliert sind und denen, die dagegen an arbeiten, überhaupt nicht mehr stimmt.

Beim Städtebau wird aber oft noch in diesen Kategorien gedacht. Ich glaube, es gibt hier viele kreative Pioniere und ganz spannende Architektur, die sich aber immer noch in Opposition verstehen. Die üblichen Wettbewerbsverfahren lassen wenig Raum für Visionen und Ideen, aber das ist vielleicht nicht nur in Berlin so.

Die Idee eines Wettbewerbs, nämlich dass man breite Möglichkeiten schafft für neue Ideen und dass die Beste gewinnt, wird schon lange nicht mehr umgesetzt. Im Moment hat man das Gefühl, es sind gibtVerfahren mit dem Ziel, es allen irgendwie recht zu machen. Es ist eigentlich ein Verwalten von dem was es gibt auf einem hohen Niveau. Und ich glaube die Stadt weiterzubauen ist nicht falsch, aber wir müssen mit dem „weiter“ auch eine Entwicklung anstoßen.

Die Themen der Zeit müssen adressiert werden und da sind wir wieder bei Masdar City. Masdar war für uns eine Ikone des Health Age, in dem wir uns gerade befinden. Vielleicht vergleichbar mit dem Eiffelturm als Ikone des industriellen Zeitalters. Die Menschen haben heute das Bedürfnis nach einem gesunden Leben, einer gesunden Umgebung. Das ist ortsunabhängig, es ist ein zeitgenössisches Bedürfnis.

Darauf muss der Städtebau reagieren und sich mit Fragen beschäftigen, wie schaffe ich eine dezentrale Energieversorgung, wie ermögliche ich Mobilität für Alle, mit weniger Energieaufwand etc.

Welche Ansatzpunkte für Veränderung gibt es in Berlin?

Tobias: Wir arbeiten konkret an einem außergewöhnlichen Projekt mit gemischten Nutzungen in Alt- Hohenschönhausen. Das Konzept heißt, „Life, Nature, Sport.“ Denn die Wohnanlage liegt beim Sportforum, nahe am Volkspark Prentzlauer Berg und dem Orankesee. Trotzdem ist man mit der Tram in nur zehn Minuten am Alexanderplatz.

Das Projekt ist in sich vom Programm her ausgewogen, es hat einen Bezug zu seiner direkten Umgebung und es versucht natürlich auch im Rahmen dessen, was hier in Berlin möglich ist, die formalen Möglichkeiten weiter auszunutzen. Sprich Lichtbedingungen optimal zu nutzen, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, Dachgärten und grüne Elemente zu integrieren und einen Wiedererkennungswert zu kreieren.

Bist du auch involviert Leonie? Entstehen in Alt – Hohenschönhausen urbane Nutzgärten?

Leonie: Ich bin erstmal bei der Beratung dabei. Es ist wichtig, dass man von Anfang an mitentwickelt, damit nicht alles zugepflastert wird und damit die Grünflächen ein Teil von einem Gesamtsystem sind. Was genau angepflanzt wird, kommt dann später.

Ist Berlin als Stadt offen gegenüber Nutzgärten?

Leonie: Ja, auf jeden Fall. Es gibt ja schon viele Urban Gardening Initiativen. Das Schöne ist, man steht nicht in Konkurrenz, viel mehr arbeitet man zusammen. Cityplot ist jedoch insofern ein bisschen anders, als das ich von Anfang an versuche zu schauen, was ich in Verbindung mit Architektur bewegen kann und nicht erst im Nachhinein,

Du hast in Amsterdam angefangen, jetzt bist du in Berlin. Wie erlebst du die Städte im Vergleich?

Leonie: In Berlin wurde Cityplot sehr positiv aufgenommen, in den Niederlanden war das, zumindest am Anfang, anders. Es ist eine sehr andere Kultur. Da wohnen die Leute entweder ländlich oder städtisch seit Jahrhunderten. In der Stadt hatten die Leute deswegen oft sehr wenig Bezug zu Selbstversorgung, Gärtnern etc. und haben auch nicht gesehen wie wichtig das ist. Viele haben sich viel mehr über den sozialen Faktor mit Urban Farming involviert.
Sie haben gemerkt: „Es tut mir eigentlich gut aus dem Büro zukommen und ein bisschen draußen zu sein, frische Luft zu schnappen und gemeinsam mit den Nachbarn etwas zu pflanzen oder zu ernten. Darüber kam dann das Bewusstsein, dass das was sie essen viel zu tun hat damit wie es wächst. Cityplot in den Niederlanden unterstützt Stadtbewohner zum großen Teil via Workshops und als Projekt Mentoren.
Aus meiner Sicht war in Berlin w dieses Bewusstsein schon viel stärker entwickelt. Allein deswegen gibt es hier andere Möglichkeiten.

Letzte Frage, was ist deine Lieblingsgebäude in Berlin, Tobias?

Tobias: Das ist eine schwierige Frage.
Na ja, ich habe zehn Jahre in den Niederlanden gearbeitet. Die holländische Botschaft ist für mich eigentlich schon das spannendste Gebäude aus den letzten Jahren, weil es schafft auf eine ganz besondere Art und Weise Innen mit Außen zu verbinden und die Stadt mit ins Haus zu ziehen.

Leonie, Tobias – vielen Dank für das interessante und inspirierende Gespräch. Falls ihr mehr erfahren wollte, besucht die Lava Seite hier und die Cityplot Seite hier.

Interview & Text: Karolin Langfeldt
Fotografie: Dan Zoubek

Privacy Preference Center