Freunde von Freunden

(EN) Yves Schulz
Manager of Sektor 5, Apartment & Coworking Space, Magareten, Vienna
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Neue Ideen entwickeln, kreative Menschen zusammenzubringen und einen flexiblen Arbeitsplatz für sie schaffen – das wollte der aus Leipzig stammende Yves Schulz schon immer gerne machen. Sein Job als IT-Manager brachte ihn aber erstmal nach Österreich. Als er einige Jahre später dort dann einen Artikel über Coworking Spaces in Berlin las, beschloss er einen solchen in Wien ins Leben zu rufen: den sektor5.

In einem versteckten Innenhof im fünften Bezirk der österreichischen Hauptstadt befindet sich das rund 600 Quadratmeter große Loft. Mit den bunt zusammengemischten Vintage Möbeln strahlt es eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre aus; gleichzeitig herrscht eine inspirierend offene Dynamik. Wer Berührungsängste hat ist hier fehl am Platz, denn die aufgeschlossenen Coworker teilen sich nicht nur die Räumlichkeiten, zu denen auch eine große Gemeinschaftsküche und Terrasse gehören, sondern kollaborieren auch inhaltlich, indem sie Ideen entwickeln und sich austauschen.

Wir haben Yves in seinem Coworking Space sektor5, dem österreichischem Pendant zum betahaus in Deutschland, besucht. Dort redeten wir mit ihm über die anfänglichen Schwierigkeiten und wie er es letztendlich geschafft hat eine neue Community-Form zu kreieren. Für Yves ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, denn er kann in eigener Regie tun, was ihn glücklich macht.

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Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Coworking Space zu eröffnen?

Früher habe ich als IT-Manager für einen Konzern gearbeitet und hatte immer mehr das Gefühl dort nicht reinzupassen. Dann habe ich einen Artikel über die neue Arbeitswelt gelesen, in dem es hauptsächlich um Coworking Spaces, wie das betahaus, in Berlin ging. Ich recherchierte mehr und mir wurde klar, dass ich das auch machen will. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Und wieso ausgerechnet in Wien?

Weil es in Graz aufgrund der Stadtgröße nicht geklappt hat. In Deutschland gab es das schon und da ich vor vielen Jahren nach Österreich gekommen bin, wollte ich es dort probieren.

Du kommst also ursprünglich gar nicht aus Österreich?

Nein, ursprünglich bin ich aus Leipzig. 2004 bin ich für meinen damaligen Job als IT-Manager im Auftrag eines amerikanischen Großunternehmens nach Österreich gezogen. Bis 2010 habe ich in Graz gelebt.

Wie funktioniert sektor5 genau?

Es gibt Tages-, Wochen- oder Monatstickets mit denen sich Selbständige oder ganze Agenturen sehr günstig und flexibel einmieten können. Dabei stellen wir ihnen die Infrastruktur, sprich Tische, Stühle, Internet zur Verfügung. Seinen Rechner muss jeder selbst mitbringen. Es gibt keine Mindestmietdauer und es besteht die Möglichkeit, von einem Monat auf den anderen auszuziehen. Der Platz ist der Fixpunkt, aber das Wichtigste ist die Community. Die Menschen, die hier gemeinsam arbeiten, kennen sich auch und befruchten sich gegenseitig. Inzwischen arbeiten sie auch gemeinsam an Projekten. Wer bei uns arbeitet, darf keine Berührungsängste haben. Wenn jemand Angst hat, dass jemand ihm auf den Monitor schaut, dann ist das hier nicht das richtige Umfeld.

Hast du dich am Anfang mit anderen Coworking Spaces ausgetauscht?

Ja, wir haben sehr vom Wissenstransfer mit dem betahaus in Berlin profitiert. Sie haben uns geholfen, nicht die gleichen Fehler zu machen. Mittlerweile tauschen wir uns aktiv über Projekte aus und organisieren gemeinsam Veranstaltungen. Die Berliner sagen, dass sektor5 das betahaus Wiens ist. Dort wird es auch kein betahaus geben, da es uns gibt und wir sind so eng mit dem in Berlin verbunden, dass wir auch als einziges Nicht-betahaus zu ihren Summit eingeladen werden.

Gibt es denn noch andere Coworking Spaces in Wien?

Im siebten Bezirk gibt es The HUB, das sich auf Social entrepreneurship spezialisiert hat. Dann gibt es die Jungs von der Schraubenfabrik im dritten Bezirk mit denen wir freundschaftlich verbunden sind. Sie haben ein anderes Modell als wir, es ist längerfristig ausgerichtet, es gibt eine Mindestmietdauer und man muss seine eigenen Möbel mitbringen.

Apropos Möbel, woher stammen eure?

Alle von einem österreichischen Online-Flohmarkt. Das ist zwar mit einem gewissen Maß an Stress verbunden, da man viel Zeit vor dem Computer verbringt und bei Privatpersonen direkt anrufen muss. Aber in einem Vintage Laden würden die Möbel dreimal so viel kosten. Außerdem haben sich schon einige lustige Geschichten ergeben. Beispielsweise haben wir eine Couch hier und derjenige, der sie uns online verkauft hat, hat uns angerufen und meinte, dass er die Couch für Filmaufnahmen bräuchte und sie dann wieder zurückbringen würde. Es stellte sich heraus, dass die Couch für Aktszenen verwendet wurde.

Und bei den Räumlichkeiten, was war dir dabei das Wichtigste?

Eine große Fläche, die Räumlichkeiten sollten mindestens 500 Quadratmeter groß sein, das wurde uns vom betahaus empfohlen. Denn für die Diversifikation einer Community braucht es eine gewisse Größe. Es sollte mindestens 50 Arbeitsplätze geben, aktuell haben wir 65 . Wenn man eine Bürogemeinschaft mit nur zehn Tischen hat, entsteht nicht dieselbe Vielfalt, die wir besitzen. Durch die Fluktuation erreichten wir eine größere Community. Der Mietpreis war natürlich auch wichtig, denn es war nicht leicht, etwas zu finden, das halbwegs zentral liegt und vom Preis her stimmt.

Wie hast du dann diese Räumlichkeiten gefunden?

Ganz profan über eine Immobilen-Plattform im Internet, es war das zweite Objekt, das wir uns angeschaut haben und zwischen der Vermieterin und uns war es Liebe auf den ersten Blick. Die Räumlichkeiten standen drei Jahre leer, nachdem Greenpeace ausgezogen war. Es gab einige Interessenten, aber als die Vermieterin hörte, was wir machen, war sie begeistert. Ohne sie wäre das, was wir hier tun, nicht möglich gewesen. Sie kommt uns sehr entgegen. Bei einem normalen Mietverhältnis hätten wir größere Probleme, denn es gibt immer Höhen und Tiefen und mit ihr können wir diese besser ausgleichen.

Was war am Anfang die größte Herausforderung?

Die finanzielle Seite. Meine ’Tour de Bank’ war wirklich großartig, da habe ich Einblicke in die tiefsten Abgründe der Bankberatung bekommen und wirklich die verrücktesten Sachen erlebt. Man muss sich da wirklich ein dickes Fell zulegen. Am Ende haben wir dann eine gute Bank gefunden, die super ist und zu uns passt. Sie hat uns sogar gleich am Anfang sehr geholfen, indem sie uns einen relativ hohen Kredit gab, nachdem uns kurz vor der Eröffnung eine wichtige Förderung weggebrochen war. Das ist sehr ungewöhnlich für eine Bank und hat uns das Projekt letztlich erst ermöglicht.

Inwiefern unterstützt euch departure?

Mit departure haben wir ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis. Wir unterstützen uns gegenseitig. Neben der Förderung werden unserer Veranstaltungen über die Kanäle von departure angekündigt. Umgekehrt finden hier Veranstaltungen von departure statt, die wir durch unsere Kanäle verbreiten. Die Hilfe von departure bestand unter anderem in der Vermittlung von Kontakten. Wir profitierten von der Konsultation ihrer Experten, insbesondere im Bereich Webdesign.

Wie kommen die Leute sonst zu euch?

Durch Mundpropaganda, denn wir machen keine Werbung. Wir haben das einmal versucht, aber kaum Feedback bekommen deswegen machen wir das nicht mehr. Wir versuchen Menschen zu erreichen, die ein ähnliches Denken haben und zu unserer Community passen. Deswegen organisieren wir hier öfters Veranstaltungen, wo sich die Leute direkt für unsere Räumlichkeiten interessieren und ihren Freunden davon erzählen.

Wer sind eure Coworker?

Wir haben Buchhalter, Fotografen, Filmemacher, Programmierer, Startups, eine Web- und Kommunikationsagentur- alle Sparten sind hier vertreten. Ein großes Softwareunternehmen, das sich gerade bei uns eingemietet hat, arbeitet zwei- oder dreimal im Monat hier und probiert aus, wie es sich in dieser Umgebung arbeiten lässt. Sie wollen, wie die meisten hier, ihre Leute aus dem normalen Büroumfeld herausreißen und hoffen auf kreative Anstöße bei uns.

Ist es denn wirklich ein anderes Arbeitsumfeld?

Viele sagen in der Tat, dass sie hier viel effizienter arbeiten. Und ein großes Plus ist definitiv, dass die Leute sich hier austauschen. Das passiert natürlich hauptsächlich informell auf der Terrasse und in unserem Kaffeebereich während der Mittagspause. Da kommen die Leute miteinander ins Gespräch. Gerade wenn wir neue Coworker haben, ist viel Interesse da. Manchmal gibt es auch spezielle Anfragen, zum Beispiel dass ein Graphikdesigner gesucht wird oder so.

Was gefällt dir daran bei sektor5 zu arbeiten?

Das ganze Zusammenarbeiten und Zusammenleben hier. Es ist ein ganz wichtiger Aspekt in meinem Leben, der mir auch gewisse Freiheiten gibt. Es ist super, dass ich mich auf mein Team verlassen kann und frei entscheiden kann. Außerdem liebe ich die Vielfalt der Menschen hier, die teilweise ganz schön verrückte Sache machen. Das erweitert den Horizont, ganz anders als wenn man bei einem Konzern arbeitet. Wir haben zum Beispiel eine Veranstaltung namens ’Pitch your Passion’ bei der es darum geht fünf Minuten etwas Privates zu erzählen, etwas was einen in seinem Leben beschäftigt oder was man für Hobbys hat. Es ist ein richtiges Geschenk!

Wo wollt ihr in Zukunft hin?

Also jetzt im Moment stabilisieren wir das Ganze. Seit wir angefangen haben, hat sich sehr viel geändert, wie der Business Plan und die Zielgruppen. Ursprünglich dachten wir, dass Coworking Spaces vor allem für Studenten geeignet sind, aber stellten fest, dass es für die meisten Studenten zu teuer ist. Es ist schwer zu sagen, wo wir in fünf Jahren stehen möchten. Aber wir wollen das Potenzial, das wir mit der Community aufgebaut haben, definitiv nutzen.

Und Wien – lebst du gerne hier?

Ich liebe es. Ich mag, dass Wien eine Großstadt bzw. Hauptstadtmetropole ist und trotzdem sehr entschleunigt. Hinzukommt die architektonische Schönheit und die großartige Lebensqualität.

Wo lässt es sich denn in Wien am besten aushalten?

Ich liebe das asiatische Restaurant Ramien, wo ich regelmäßig mit einem Freund anzutreffen bin. Empfehlenswert ist außerdem der feinkoch, eine Art Lebensmittelgeschäft, der Besitzer hat das Konzept hier entwickelt und ist ein Freund von mir. Dort kann man sehr gemütlich sitzen, in aller Ruhe ein Bier trinken und dem Treiben zuschauen. In Clubs gehe ich selten, da ich keine Zeit habe, aber wenn ich ausgehe, dann empfehle ich das Tanzcafé Jenseits. Für Besucher ist das MuseumsQuartier eine gute Adresse. Von dort zu Fuß geht man dann in Richtung des Kunsthistorische Museums, die Hofburg durch quer zum Palmenhaus, damit die Leute einen Eindruck davon bekommen, wie schön Wien ist. Das Schloss Schönbrunn kann ich auch sehr empfehlen.

Vielen Dank Yves Schulz für deine Zeit und das schöne Gespräch! Alle Informationen zu dem Coworking Space sektor5 in Wien, findet ihr hier.

Dieses Porträt ist in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien und ihrem Kreativzentrum departure entstanden. Mehr Porträts und Berichte zu der Wiener Kreativszene gibt es hier

Fotos: Lukas Gansterer

Interview & Text: Nathalie Halgand

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