Von leuchtenden Lettern, Hip-Hop und Kaninchen – Ein Besuch bei Anna Eisenhauer
Die Hamburger Künstlerin zeigt, warum handschriftliche Arbeiten immer Bestand haben werden, Hamburg
Sonos × FvF
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Zwischen Zeitgeist und Individualität – Anna Eisenhauer alias „Anna T-Iron“ hat aus ihrer Jugendliebe – handgemalten, bunten Lettern auf Hauswänden – heraus ihr Lebensmodell kreiert. Ein Besuch.

„Tiere sind super, wenn du viel alleine arbeitest. Die Betonung liegt auf viel. Klar ist man manchmal gestresst, aber da kommen die Vierbeiner ins Spiel. Du guckst sie einfach an, streichelst sie und kriegst allein davon schon ultragute Laune.“ Auf Annas Schoß sitzt Barnie, ein großes beige-grau meliertes Kaninchen. „Normalerweise lass ich ihn hier auch rumlaufen, aber gerade ist Barnie ‚way too horny‘“, erzählt Anna und lacht. Man merkt es gleich: Die Künstlerin genießt ihr Leben mit Tieren in ihrer Einzimmerwohnung in Hamburg-Altona. Ein Zuhause, das für sie zugleich ihr Studio ist.

Unser Besuch bei Anna ist der Auftakt von Wake Up The Silent Home, einer besonderen Zusammenarbeit von FvF und Sonos.

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Ihr Apartment ist Teil eines Miethausensembles aus den Sechzigern. Braune Hauswände, grüne Balkons, drei Stockwerke. Das Wohnatelier einer gefragten Typografin und Künstlerin würde man hier drin nicht gerade erwarten. Kommt sie in ihren eigenen vier Wänden überhaupt zum Arbeiten? „Ich bin zwar schon ein ‘procrastinating king’, aber das war ich auch in unserem Gemeinschaftsbüro, dem WeRunThis Workspace. Da habe ich auch immer eine Aufgabe wie Fensterputzen gefunden, wenn ich mich gerade nicht konzentrieren konnte.“ Anna grinst. Das bisschen Putzen, um dem Produktivitätswahn zu entkommen, kann sie sich leisten, immerhin hat sie konstant viele Aufträge. Mal macht sie ein Logo für eine kleine Plattenfirma oder designt T-Shirt-Motive, ein anderes mal entwickelt sie eine komplette Firmenidentität, malt Murals im öffentlichen Raum oder sie werkelt an größeren Projekten für verschiedenste Kunden. Hand-Lettering, Illustrationen, Typo-Design, Logos – Anna kann alles, was im weitesten mit Buchstaben zu tun hat. „Um Schrift ging es schon immer. Ob als Graffiti oder in Form unzähliger Scribbles, die ich im Schulunterricht lieber anfertigte, als aufzupassen.”

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Betty, Dame Nr. 2 des Hauses, hat genau wie ihre Besitzerin Anna ihren eigenen Kopf.
Tattoo von @iamtheraptor aus Mexiko
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Vorlagen für Fake Tat Studio, 2015
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„Rechts ist Wilhelmshaven, links Leer und dazwischen liegt – 25, 30 Kilometer von der Nordseeküste entfernt – Aurich.” Auch, wenn man das ihrem Zungenschlag höchstens ganz leicht anmerkt: Anna ist Ostfriesin, geboren in der 40.000-Einwohner-Stadt, deren Hauptattraktion eine Skatehalle ist, die eine Zeit lang die größte in Deutschland war. „Es gab in Ostfriesland damals wirklich eine nice Hip-Hop-Szene. Wahrscheinlich gerade, weil es sonst einfach nicht wirklich viel zu erleben gab, hat sich in meiner Generation jeder über Musikkultur identifiziert. Viel Auswahl gab es nicht: Entweder warst du Hip-Hop oder Techno, und ich war eben mehr Hip-Hop als alles andere.“

Es war ein Abend mit Freunden, ein paar von außerhalb waren zu Besuch. Es wurde Bier getrunken und gezeichnet. Dann sollte Anna auch zeigen, was sie kann. „Ich dachte, ich offenbar’ mich sicher gleich als Ultra-Toy, als totale Anfängerin, aber dann hat’s allen gefallen. Die Jungs haben dann für mich ihre Dosen zusammengesucht und am nächsten Tag Platz an einer Wand in der Skatehalle gemacht. Dort entstand dann mein erstes Piece. Ich hab da sicher noch ein Foto davon, wie ich vor dem Bild posiert habe.“

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Nicht jeder Ebay-Fund entpuppt sich als Gewinn.
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Eine Playlist ihrer Lieblingstracks

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Apfelbäume inmitten der Reihenhaus-Romantik
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Wieder muss Anna lächeln. Sie sitzt auf ihrem Schreibtischstuhl, vor ihr liegt ihr Macbook Pro. Auf dem Rest der Arbeitsfläche sind verschiedenste Entwürfe drapiert. Auch die Wände ihrer Wohnung hängen voller grafischer Arbeiten. Die meisten stammen von ihr, ein paar aber auch von befreundeten Künstlern. „Das hier ist zum Beispiel von Bobby Analog, ein guter Kumpel und Hausgrafiker der 187 Straßenbande (momentan Deutschlands erfolgreichste Rap-Musiker, Anm. d. Verf.). Und das hier ist von Felipe Pantone.“ Ein bisschen ehrfürchtig klingt Anna, als sie den Namen dieses vielreisenden Künstlers ausspricht. Pantone verschönert mit seinem charakteristischen Stil Gebäude, U-Bahnhöfe und Autos auf der ganzen Welt. „Ich bin wirklich sein Fan, umso cooler, dass ich ihn kennenlernen durfte. Letztes Jahr schrieb ich ihm wahnwitziger Weise: „Falls Du mal eine Assistentin suchst: Jetzt weißt du wo du sie findest. Seine Reaktion: ‘Are you kiddin’?’ ich entgegnete, fasziniert davon, dass Felipe das für einen Scherz hielt: ‘No, are you kiddin’?’ Ich bin übertrieben gespannt, ob das klappt. Das wäre eine großartige Chance, um neue Techniken, Fachwissen und Erfahrungen auf einem ganz anderen Niveau zu sammeln.”

Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Über den Assistenzstatus ist Anna längst hinaus. Der Weg dorthin war allerdings weit. Seitdem sie mit siebzehn ihr Elternhaus verließ, um an die Fachoberschule in Oldenburg zu gehen, wollte sie im gestalterischen Feld arbeiten. „Ich hätte mir das alles nie erträumt.“ Ihr Lebensweg führte sie in der Rückschau jedoch stringent in Richtung Unabhängigkeit: Nach der Fachoberschule ging sie in Hildesheim zur Uni, danach zog sie nach Hamburg und arbeitete dort zunächst als angestellte Grafikerin für eine Teefirma. Nebenbei arbeitete sie an kleinen Projekten und übernahm zum Beispiel den Auftrag Partyplakate für die Hamburger Trap-Veranstaltungsreihe „Damn Son” zu gestalten. Von diesem Job an führte eines zum nächsten. Langsam, aber stetig und von Auftrag zu Auftrag entwickelte sie sich immer weiter. Heute kann sie sich ihre Kunden aussuchen und auch mal einer großen Marke absagen, um dafür einen kleineres, aber spannenderes Projekt anzunehmen.

Ein Spaziergang entlang Anna T-Irons Arbeiten in Hamburg

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Anna vor ihrem Mural, das 2015 während des Altonaer STAMP-Festivals entstand

Generell ist Anna niemand, der gern mehr als einmal derselben Masche folgt. Vielmehr sucht sie ständig nach neuen Impulsen. Ihrer Ursprungspassion folgt sie heute aber immer seltener: „Graffiti war früher natürlich meine Hauptinspirationsquelle“, sagt Anna. „Mittlerweile bin ich eigentlich Graffiti-Rentnerin.“ Doch wenn ihr jemand eine Fläche zur Verfügung stellt, kehrt sie auch gern nochmal zum Sprayen zurück – allerdings nie aus kommerzieller Motivation. „Das wäre seltsam und verträgt sich nicht. Graffiti hat viel mit Rebellion zu tun.“

Ihre Liebe zur Musik, über die sie damals an ihre ersten Aufträge kam, begleitet sie ebenfalls bis heute, ist ein gewissermaßen nicht ersetzbarer Teil ihrer Arbeitspraxis: „Bei mir läuft immer Musik, außer wenn ich einen Film gucke. Da ist natürlich eine gute Anlage auch nicht unwichtig. Ich nehme über die Musik viel Inspiration auf. Wenn ein Tag so beschissen verregnet ist wie der heute, dann höre ich einfach positive Musik – und dann kommt die gute Laune.“ In den Momenten, in denen sie keinen expliziten Auftrag zu erfüllen hat, fängt sie dann an, an ihrem Schreibtisch vor sich hin zu kritzeln.

Einmal durch Annas Arbeiten geklickt

Hand-Lettering, Illustrationen, Typo-Design, Logos

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Aktuell kommt das allerdings selten vor. Momentan arbeitet Anna unter anderem für einen neuen Hip-Hop-Club, für den sie die gesamte CI, also die komplette visuelle Firmensprache, entwickelt. Außerdem gerade an ihrer Wand: Logo-Skizzen für die Musikerin Ace Tee, die Anfang 2017 mit ihrer irgendwo zwischen Hip-Hop und RnB angesiedelten Single „Bist du down?“ Musikkritikervon Hamburg bis Los Angeles zu Begeisterungsausbrüchen bewegte. „Ich habe Tarin vor zwei Jahren kennengelernt. Nachdem wir dann letzten Sommer eine komplette Nacht bei ihr im familienbetriebenen Afro-Shop verbracht haben, um mir Braids zu flechten, war die Connection da. Da haben wir uns lange über Gott und die Welt unterhalten – und auch über unsere Zukunftsvisionen. Sie erzählte von ihrem Traum als Musikerin arbeiten zu können. Zu diesem Zeitpunkt produzierte Sie bereits Beats und nahm einige Tracks auf. Wir sprachen auch bereits darüber, zusammenzuarbeiten. Nun, wo Ace Tee mit dem Release ihres ersten Tracks nach einer Woche über eine Millionen Plays auf Youtube hatte, wurden wir schnell konkreter und ich bin unglaublich dankbar, ein Teil von dem Ganzen sein zu dürfen“, erzählt Anna grinsend. Angesprochen darauf, wie sie bei einer Auftragsarbeit wie dieser vorgeht, erklärt sie: „Erstmal versuche ich immer, mich persönlich mit meinen Kunden zu treffen, um herauszufinden, was für Vorstellungen sie haben, welchen Style sie sich wünschen und, klar, auch welchen Anforderungen das Logo gerecht werden muss. Ich sage dann immer: Je genauer wir wissen wie der Traumstrand aussieht und wo er liegt, desto eher kommen wir dort an. Im nächsten Schritt gehe ich dann zurück an den Schreibtisch und fange an zu zeichnen.“ Auch wenn sie sich dabei oft an Vorbildern orientiert, das Endergebnis trägt bei ihr immer ihre eigene Handschrift.

Zur Zeit beschäftigt Anna sich viel mit den kantigen, grellen Schriftzügen, die in den Neunzigern im Motorrad-Racing en vogue waren. Es kann aber auch gut sein, dass in ein paar Monaten wieder etwas anderes in ihren Fokus rutscht. „Ich bin mit meiner momentanen Situation wirklich sehr zufrieden”, meint Anna. Sie hat allen Grund dazu, immerhin ist es ihr möglich, ihr (Arbeits-)Leben genauso zu gestalten, wie sie sich das vorstellt: eine Wohnung voller Pflanzen, mit Balkon, zwei Kaninchen und unzähligen Scribbles an den Wänden.

Danke, Anna,

dass du uns die Hamburger Kunstszene aus einem anderen Blickwinkel gezeigt hast (und dass wir deine Kaninchen streicheln und deine Lieblingstracks hören durften). Noch mehr von Annas Arbeiten findet ihr auf ihrer Website oder bei Instagram.

Seit Jahren dürfen wir in die Wohnungen und hinter die Arbeit von Kreativen weltweit schauen. Bei jedem Besuch entdecken wir etwas anderes, doch was wir überall finden, ist Musik. Die Zusammenarbeit mit unseren Freunden von Sonos ist daher eine besondere: Gemeinsam fragen wir die Menschen in unserem Umfeld nach der Rolle, die Musik in ihrem Leben spielt, womit sie aufgewachsen sind und was sie am liebsten hören.

Wie wir Musik hören, ändert sich mit dem technologischen Fortschritt, unabhängig vom persönlichen Geschmack. Sonos ist das Soundsystem für zu Hause. Mehr dazu findet ihr hier.

Text: Sascha Ehlert
Fotos: Daniel Müller