Freunde von Freunden

Fons Hickmann
Designer and Professor, Apartment & Agency, Kreuzberg, Berlin
Interviews > Fons Hickmann

Der Mariannenplatz im Herzen von Kreuzberg 36 war lange so etwas wie ein linker Wallfahrtsort. Das ehemalige Bethanien-Krankenhaus dort ist als Georg-von-Rauch-Haus nicht nur in die deutsche Popgeschichte eingegangen, sondern steht als Denkmal exemplarisch für den gesellschaftlichen Wandel nach 1968.

Heute zieht die Gegend zwischen Moritzplatz, Görlitzer Bahnhof und Landwehrkanal wieder Menschen aus aller Welt an, die die Zukunft mitgestalten wollen. Einer von ihnen ist Grafikdesigner und Professor Fons Hickmann. Er lebt und arbeitet in einem roten Backsteingebäude am Mariannenplatz, das er sich mit seiner Familie, der eigenen Agentur ‘Fons Hickmann M23’ und anderen Mitbewohnern teilt.

Bevor der Gestalter vor zwölf Jahren einzog, beherbergte das Haus eine türkische Moschee. Die Gebetsteppiche sind mittlerweile dem Hamsterkäfig der Kinder gewichen und in der Agentur im Stockwerk darunter entwickeln sich nicht nur aufstrebende Designer unter der Regie von Hickmann, sondern auch exzellente Tischtennisspieler.

Davon, dass die zwischenmenschliche Ebene bei der Zusammenarbeit mindestens so wichtig ist wie die inhaltliche, ist Hickmann überzeugt. Die genuine Neugier an Menschen und Dingen macht ihn nicht nur zu einem der erfolgreichsten Gestalter der Gegenwart, sondern auch zu einem der Sympathischsten.

Dieses Portrait ist Teil einer Kollaboration mit FormFiftyFive. Zu der individuellen Bildauswahl geht es hier.

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Wie lange lebst du schon am Mariannenplatz?

Ich habe mein Büro m23 seit zwölf Jahren hier und wohne mit meinen Kindern seit zwei Jahren im gleichen Haus. Unsere Nachbarn sind bunt gemischt: über uns wohnt ein Maler, darunter eine Landschaftsarchitektin und dann gibt es noch eine WG direkt unter dem Dach. Dort lebte früher tatsächlich ein alter Mann mit seinen Ziegen, die er jeden Morgen durchs Treppenhaus hinunter auf den Mariannenplatz zum Grasen geführt hat.

Was war in dem Gebäude bevor ihr eingezogen seid?

Das Atelier war ursprünglich eine türkische Moschee. Als ich das Gebäude das erste mal betreten habe hingen überall Orientteppiche und die Wände waren mit grünem Plastikholz vertäfelt. Im Badezimmer gab es nur Fußwaschbecken.

Hast du Lieblingsmöbel oder Gegenstände in der Wohnung?

Ich mag meine Action-Figuren sehr gern. Die Salamander-Figuren kommen aus dem Schuhgeschäft meiner Eltern. Dort habe ich als Kind im Schaufenster mit ihnen gespielt. Außerdem sind mir meine Bücher sehr wichtig. Sowohl die Fachliteratur als auch die Romane, die ich gerne mehrmals lese. Bücher verändern sich mit den Jahren. Sie leben. Und tatsächlich verändern sich sogar die Geschichten darin, der Inhalt wendet sich. Man kann ja laut Heraklit niemals zweimal in denselben Fluss steigen, weil dieser schon weiter geflossen ist.

Was hat dich zu dem Designer gemacht hat, der du heute bist?


Ich sehe mich nicht nur als Designer. Ich habe ja auch Philosophie studiert, was mich immer noch beeinflusst. Während meines Studiums habe ich hauptsächlich künstlerisch gearbeitet, obwohl ich mit den Etiketten, was Kunst und was Design ist, nicht umgehen konnte und wollte. Mein Diplom habe ich dann bei dem Maler Dieter Glasmacher gemacht. Dieser Typ hat extrem viel Leben in seine Lehre gebracht. Er hat mir gezeigt, wie wichtig Leidenschaft für die Arbeit ist und dass man dafür wirklich brennen muss. Im Endeffekt war es egal, in welchem Medium man sich ausdrückt – ich kann zum Beispiel bis heute nicht malen. Die Arbeit muss etwas, das du fühlst, ausdrücken – quasi eine Brücke zwischen Herz und Hirn schlagen. Es war ein langer Weg, bis ich verstand, dass ich mich im Design am besten ausdrücken kann. Außerdem war es toll zu merken, dass Leute verstehen, was ich mache. Gestaltung ist nicht etwas Hermetisches, das ich nur für mich mache, sondern sie kommuniziert über Worte hinaus. Natürlich hat mich auch Uwe Loesch beeinflusst, bei dem ich in Wuppertal studiert habe. Bis heute einer der klügsten Gestalterpersönlichkeiten, die ich kenne.

Wann merkst du, dass dein Beruf als Designer auch dein Privatleben beeinflusst?


Jederzeit. Ich weiß nicht wann sich die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem vermischt haben. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass es Menschen gibt, die ihre Arbeit leben. Vielleicht bin ich einer von diesen Menschen. Die Beeinflussung geht in beide Richtungen.

Was hat es mit deiner Leidenschaft zu Tischtennis auf sich?

Ich habe damit in meiner Zeit in Wien angefangen, als ich an der Universität für Angewandte Kunst gearbeitet habe. Dort gab es eine runde Tischtennisplatte von der Designagentur Walking Chair. Das Netz in der Mitte hat sich gedreht, was den Spieltrieb in mir angesprochen hat und so haben wir angefangen regelmäßig zu spielen. Sport und Arbeit zu verbinden lag mir schon immer. Das führte an der Wiener Uni auch dazu, dass wir im Hörsaal Fussball spielten. Es begann mit einer Hand voll Studenten, einem Softball und zwei Tischen, welche die Tore bildeten. Daraus wurde dann ein Event, an dem die ganze Uni und schließlich halb Wien mitkickte. So veranstalte ich jedes Jahr im Sommer das Turnier für angewandten Fußball, einen Tag und eine Nacht lang.

Für welche Art von Kunden arbeitest du am liebsten?

Ich arbeite sehr gerne für Kunden aus kulturellen und sozialen Bereichen: Semperoper, Theater Festivals, Musiklabel, Amnesty International… Mit Kulturmenschen zusammenzuarbeiten, die das respektieren und verstehen was wir machen, ist eine große Bereicherung. Es war ein hartes Stück Arbeit da hinzukommen, wo wir heute stehen und wählen zu können, für wen wir arbeiten. Aber es hat sich gelohnt und lohnt sich weiter. In gegenseitigem Respekt mit Klienten zu arbeiten, bedeutet, dass sich alle Seiten einbringen, befruchten und voneinander lernen können. Ich mag die Idee: Arbeite niemals mit Arschlöchern.

Ihr seid also eine AFC – Arschlochfreie Company?

Noch nie gehört – ist das ein feststehender Begriff?

Das hab ich letztens bei einem Talk in Hamburg von Michael Politzer gelernt.

Ja, macht Sinn. Man möchte sich ja mit Menschen umgeben, mit denen man auch entspannt ein Bier trinken möchte oder mit denen man Gespräche über die Arbeit hinaus vertiefen kann. Menschen, die ein Leben mitbringen und etwas zu erzählen haben. Die nicht nur so tun, als sei das Leben ein einziger Freudentaumel ohne Tücken und Probleme. Mich interessieren Leute, die Brüche haben, Höhen und Tiefen kennen und bereit sind das zuzugeben.

Wann bist du nach Berlin gekommen?

Das war 2000. Vorher hab ich in Düsseldorf studiert, dann hatte ich eine Gastprofessur in Dortmund und einen Lehrauftrag in Essen angenommen und dann ging’s nach Wien an die Uni für angewandte Kunst. Aber nach einiger Zeit kamen die Kinder und das Hin- und Herjetten wurde anstrengender. Auch körperlich. Die ständige Klimaanlage im Flugzeug, die trockene Luft – das ist die Hölle. Ich hasse Fliegen mittlerweile. Also habe ich beschlossen, dass sich alles in Berlin konzentrieren soll und bin an die UdK gegangen.

Was bedeutet es für dich Wissen weiterzugeben?

Ich unterrichte total gerne und habe ja schon ziemlich früh angefangen. Ich bin jetzt seit 12 Jahren Professor und hatte vorher schon Lehraufträge. Aus der Uni bin ich also nie wirklich rausgekommen und meine Lehrtätigkeiten haben mich um die halbe Welt gebracht. Meine Philosophie dabei war stets, dass derjenige der spricht der Lehrer ist. Egal, wer in dem Moment das Wort hat. In meinen Veranstaltungen sitzen wir im Kreis, gleichberechtigt. Alle sollen sich jede Woche mitteilen und darüber wird dann gemeinsam gesprochen und diskutiert. Ich moderiere diese Runden und gebe Impulse, dabei kommt mir meine Erfahrung zur Hilfe, da ich ja neben der Lehre weiterhin als Gestalter arbeite. Aber ich bekomme auch sehr viel Input zurück, sehe dabei, wo es grade brennt und was die Studierenden bewegt. Gestaltung ist ein Prozess, der keinen Stillstand kennt. Design ist ja neben der Musik die direkteste Ausdrucksform des jeweiligen Zeitgeistes.

Was schätzt du heute an Berlin?

Nach Berlin kommen Leute, um sich zu verwirklichen. Arbeit gibt es zwar in Berlin, aber die Bezahlung ist oft miserabel und die Kreativszene steht sich selbst auf den Füßen. Also muss es was anderes sein, was Berlin so anziehend macht. Ich glaube es ist die Toleranz, das zu machen, was du willst und niemand bewertet es. Berlin bedeutet für mich, die Freiheit so zu sein, wie man sein möchte.

Danke Fons für diese interessanten und unterhaltsamen Einblicke in deine Arbeit und dein Leben!
Wer sich einen Überblick über Fons Hickmann’s Projekte verschaffen möchte, sollte sich die Website seiner Agentur “m23” hier anschauen.

Fotos: Luke Abiol
Text: Sarah Weinknecht
Interview: Frederik Frede

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