Freunde von Freunden

Fidel Peugeot & Karl Emilio Pircher
Designers and Founders of Walking Chair , Studio, Landstraße, Vienna
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Mehr Revolution braucht die Kunst! Das fordern Fidel Peugeot und Karl Emilio Pircher, die seit mittlerweile zehn Jahren das Designstudio Walking Chair in Wien betreiben, mit dem sie selbst zur bunten Revolution beitragen wollen. Ihre verspielten Designs und farbenfrohen Möbel schlagen die Brücke zwischen durchdachter Gestaltung und einer Formensprache, die viel Spaß verspricht. Ihre bekanntesten Arbeiten ’Ping Meets Pong’, eine runde Tischtennis-Platte, und der ‘Gehende Sessel’, der Namensgeber des Studios, haben es sogar in die Sammlung verschiedener Museen geschafft.

Die beiden sind zwar ursprünglich keine Wiener, haben aber die Designszene der österreichischen Hauptstadt mit ihrem Studio im dritten Bezirk schon ordentlich aufgemischt. In Nachbarschaft zum Barockschloss Belvedere und Parkkomplex, direkt zwischen dem Haus Wittgenstein und dem Hundertwasserhaus gelegen, entstehen in den Räumen eines ehemaligen Kaffeehauses Arbeiten in Produkt- und Grafikdesign, Typografie und Musik. Diese spielt trotz des Designsschwerpunktes immer eine Rolle, weswegen ihr Motto auch “We make things and music” lautet. Zunehmend beschäftigen sie sich auch mit Szenografie sowie Architektur- und Innenarchitekturprojekten. In ihrer eigenen Galerie, der ‘Walking Chair Gallery’, gleich nebenan werden mehrmals im Jahr Werke anderer zukunftsweisender Gestalter und Künstler gezeigt.

Im Gespräch mit Fidel und Karl Emilio stellt sich unter anderem heraus, warum auch verspieltes Design sehr politisch sein kann. Außerdem geht es darum, ob nicht eigentlich jeder, der einen Computer besitzt, ein Grafiker ist. Und welche Überraschungen uns hinter den Wiener Altbaufassaden erwarten.

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Wie und wann hat es euch nach Wien verschlagen?

Karl Emilio: Mich hat das Studium hergebracht. Ich habe acht Jahre an der Universität für Angewandte Kunst studiert, unter anderem Produktdesign in der Klasse von Ron Arad.

Fidel: Ich bin 1992 mit dem Zug aus Paris über Basel hergekommen. Eigentlich nur für einen kleinen Filmdreh, aber dann hat mich diese Stadt einfach nicht mehr losgelassen. Das im Detail zu erzählen, ist allerdings eine eigene Episode.

Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit?

Karl Emilio: Kennengelernt haben wir uns hier 2000 in Wien bei der Lomographischen Gesellschaft.

Fidel: Das war genau die Zeit, in der alle angefangen haben, sich mit mobiler Technologie zu beschäftigen. Wir waren eingeladen, ein Telefon zu entwickeln. Ich habe Karl Emilio – daran kann ich mich noch gut erinnern – im Café Sperl zum ersten Mal gesehen, an einem Donnerstag. Am Freitag haben wir dann schon bei ihm in der Küche seiner Studentenwohnung gesessen und die ersten Strategien für das besagte Telefon besprochen.

Was ist daraus geworden?

Fidel: Leider ist das Projekt durch die Terroranschläge am 11. September 2001 unmöglich geworden. Aber wir haben uns trotzdem entschieden – obwohl wir beide aus völlig unterschiedlichen Designrichtungen kommen – die spontane Zusammenarbeit auszuweiten. 2002 sind wir dann zum ersten Mal als Walking Chair in London beim Designersblock aufgetreten. Ein Jahr später haben wir das Designstudio gegründet.

Was war euer erstes gemeinsames Projekt?

Fidel: Unsere erste Kooperation entstand durch eine Einladung zu einer Ausstellung in Tokio. Dort habe ich an der Action-Sampler-Schrift gearbeitet und Karl an der Super-Sampler-Kamera. Das war eine analoge Kamera, mit der man Mini-Animationsfilme drehen konnte. Der erste richtige Studiojob, nach unserer Gründung, war dann für die Marien Apotheke in Wien. Für sie entwickeln wir seit zehn Jahren vieles, von der Innenarchitektur über das Corporate Design bis zur Produktgestaltung. Unter anderem die Sister-Blister-Lampen aus Verpackungsresten von Medikamenten. Aber auch dieses Projekt ist wieder eine Geschichte für sich.

Was hat sich seitdem an eurer Arbeitsweise geändert?

Fidel: Nichts. (lacht)

Karl Emilio: Es gibt bei uns keine klare Arbeitsweise. Jedes Projekt ist neu und dementsprechend ist auch die Vorgehensweise neuartig. Das Einzige, was sich verändert, ist die Erfahrung, die natürlich auf die Abwicklung schon einen gewissen Einfluss hat. Aber es gibt kein vorgefertigtes Arbeitsmodell.

Fidel: Da muss ich gleich widersprechen. Das gibt es schon. Der erste Schritt ist, sich zu fragen, was sich der Kunde wünscht und was man selbst für Vorstellungen hat. Sobald diese Bedürfnisse klar sind, kann es losgehen. Dann entscheidet sich von selbst, in welche Richtung die Fahrt überhaupt gehen soll. Design entsteht aus Inhalten. Wir sagen DESIGN FOLLOWS CONTENT. Das ist unsere Arbeitsweise!

Wisst ihr denn manchmal schon vorher, in welche Richtung bestimmte Projekte gehen?

Fidel: Nein, das ist immer offen und kann auch in Richtungen führen, die wir noch nie eingeschlagen haben. Wichtig ist auch, dass wir mit unseren Kunden zusammenarbeiten. Dabei haben wir natürlich den Vorteil, dass wir beide Füchse sind, die das Gestaltungshandwerk gelernt haben. Und nicht im Schnelldurchlauf Fastfood-Design am Computer entwickeln. Heutzutage ist ja jeder schon Grafiker, der einen Computer starten kann. In wenigen Sekunden sind wir Musiker, Produktdesigner und Texter. Wer kann denn heute noch ein richtiges Instrument spielen, etwas selbst bauen oder gar mit der Hand schreiben? Das Essentielle am Gelingen eines Projektes ist, dass du die Sache beherrschst.

Erfolg – was bedeutet das für euch?

Fidel: Erfolg ist immer abhängig von dem, was man sich selbst als Ziel setzt. Zu Beginn unserer Karriere waren wir schon froh, dass wir überhaupt Kunden hatten, mit denen wir nette Gespräche führen konnten, und sich dabei neue Perspektiven eröffneten. Unser Erfolg ist mit unserer Arbeit gewachsen. Man spricht darüber. Und dabei ist es egal, ob unsere Arbeiten gemocht werden oder nicht. Wir nehmen uns einen großen Freiraum, denn wir gehen wie Künstler vor, obwohl wir uns im Designbereich bewegen.

Karl Emilio: Für Designer oder Künstler – ich unterscheide das gar nicht – ist das Wesentliche die Idee. Und die richtige Idee zu haben, das ist natürlich… (lacht). Das ist für uns wie autogenes Training: Du musst sehr schnell definieren können, ob Ja oder Nein. Das ist ein Filter, den du anwendest.

Und woran erkennt ihr die richtigen Ideen?

Karl Emilio: Alle meine guten Ideen – jedenfalls die, die ich im Nachhinein für gut hielt – sind immer in einem Moment der Freiheit entstanden. Wenn es überhaupt eine Wahrheit gibt, dann ist sie dort zu finden. Das ist ein ganz kompliziertes Spiel und ich habe sehr lange gebraucht, um das herauszufinden. Dafür kann schon ein ganz kurzer Moment ausreichen. Beispielsweise, wenn der Kunde hereinkommt und du dir den ersten Eindruck machst.

Ihr arbeitet in vielen Bereichen. Gibt es einen roten Faden, der eure Arbeiten verbindet?

Fidel: Es ist für uns gar nicht das Ziel, einen roten Faden erkennen zu lassen. Das wäre ja eine Masche, mit der man sich selbst verfolgt. Unser roter Faden ist vielleicht, dass wir unsere persönlichen Bedürfnisse kennen und in diesem Sinn nicht käuflich sind. Wir versuchen, in jeder Hinsicht die größtmögliche Freiheit für alle Beteiligten zu bewahren. Nur so können wir Neues schaffen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Wir produzieren nicht einfach nur zusätzliche Dinge, die man nicht braucht, sondern erfinden Produkte, die jeder als Werkzeug verwenden und damit sein Leben bereichern kann. Wir sehen uns im Übrigen auch nicht als das letzte Glied in der Designkette. Das ist nämlich der Kunde, der entscheidet, was er für persönliche Bedürfnisse hat. Unser Buch haben wir konsequenterweise YOU DO DESIGN YOU betitelt und erst auf der Rückseite eine Zeile aus unseren Songs notiert: WE DO DESIGN.

Karl Emilio: Genau, wir machen nur das, was wir wirklich vertreten können. Wir weigern uns, eine bestimmte Stilrichtung einzugehen oder irgendwelche Ideologien zu vertreten. Egal ob aus freier Arbeit entstanden oder als Industrieprodukt, wir stehen zu unserer Arbeit.

Also spielt Freiheit eine wichtige Rolle?

Fidel: Ja, Freiheit ist das höchste Gut, das wir haben. Ludwig Hevesi’s Statement auf dem Gebäude der Wiener Secession: ’Der Zeit ihre Kunst der Kunst ihre Freiheit’ gilt noch heute. Wir versuchen, Freiheit in unserem Rahmen zu leben und mit verantwortungsbewussten Techniken zu arbeiten. Deswegen werden wir oft mit Recycling-Künstlern verglichen. Außerdem machen wir Langzeitprodukte. Selbst wenn wir etwas komplett neu machen, sind es Produkte, die lange bestehen bleiben.

Karl Emilio: Genau, wir wollen Produkte fertigen, die nachhaltig sind. Es geht nicht um kurz, schnell und viel, sondern um ausgewählte Produkte mit Qualität, dann halten sie sich lange auf dem Markt.

Wie viel Politik steckt in euren Arbeiten?

Karl Emilio: Natürlich ist jede starke Arbeit politisch. Das war eines der Argumente, mich gegen die Kunst und für Design zu entscheiden. Ich wollte Dinge in der Gesellschaft verändern. Als ich früher Assistent eines bekannten Künstlers war, habe ich bei den Ausstellungseröffnungen gemerkt: das sind ja immer die Gleichen, die sich da treffen und sich die Hände schütteln. Ohne Frage sind die cool, aber wo ist da die Revolution? Das Spannendste ist ja eigentlich, mit den Menschen hier in der Umgebung einen Prozess in Gang zu bringen. So entsteht auf einmal gesellschaftlich etwas Neues.

Ihr sagt von euch, dass ihr Design aus dem Herzen von Wien macht. Woran merkt man das?

Fidel: Allein an der Tatsache, dass wir hier arbeiten. Die Umgebung vom Fiaker-Pferdemist bis zum überstolzen Herrn Ober im Kaffeehaus, der dich ignoriert, weil du kein Wiener bist. Wir sind ja Zugereiste, also Migranten in einer bürgerlichen Gesellschaft. Die Stadt hat mich am Anfang gar nicht bleiben lassen wollen. Nach einem Tag war ich schon so fix und fertig, dass ich wieder abreisen wollte. Diese Trübheit in der Stadt habe ich überhaupt nicht verstanden. 1992 war alles noch ganz anders als heute, sehr trostlos. Und trotzdem steckt in der Stadt sehr viel Tiefe und Menschlichkeit, und das tragen wir weiter. Deswegen können wir auch sagen: Best Regards from the Heart of Vienna. Das ist so eine Gruß-Floskel bei E-Mails geworden.

Wir haben zum Beispiel auch ein Foto von dem Gebäude unseres Studios aus dem 19. Jahrhundert pink gefärbt und als Postkarte veröffentlicht. Das macht man nicht, wenn man ‘modern’ ist, und viele Designer haben uns dafür bestimmt ausgelacht. Aber wir befinden uns hier nun einmal hinter der Fassade des 19. Jahrhunderts, wie fast überall in Wien.

Was passiert denn hinter den Wiener Fassaden?

Fidel: Hinter der Fassade passiert etwas völlig anderes und das ist das Spannende: dass die Menschen hier, obwohl sie fassadenmäßig im 19. Jahrhundert leben, Zukunft gestalten. Denn überall in Wien gibt es Modernität, man muss sie nur suchen. Und mit ihr wird auch gekämpft. Andererseits profitiert die Stadt auch sehr von ihrer Geschichte. Vieles lagert hier in den umfangreichen Sammlungen der Archive und Museen. Diese Vorstellung bereitet mir immer noch täglich Gänsehaut, wenn ich durch die Stadt gehe. Das würde ich nirgendwo so erleben können. Immer wieder aufs Neue gibt es etwas zu entdecken.

Ihr habt direkt neben dem Studio eine Galerie, wofür nutzt ihr sie?

Fidel: In der Galerie zeigen wir drei oder vier Ausstellungen im Jahr, die wir kuratieren. Wir begeistern uns für die Arbeiten von anderen Designern. Die Galerie gibt uns die Möglichkeit, uns mit anderen Gestaltern auszutauschen, zudem sehen wir diese Ausstellungen als kulturellen Beitrag für Wien.

Dann würdet ihr eure Arbeiten also nicht als typisch österreichisch bezeichnen?

Karl Emilio: Heute kann man nicht mehr sagen – das ist skandinavisches, das ist deutsches oder österreichisches Design.

Fidel: Es gibt eigentlich nur gutes und schlechtes Design. Es passt mir oder es passt mir nicht. Wenn wir von skandinavischem oder italienischem Design sprechen, handelt es sich bloß um jahrelange Marketing-Kampagnen einzelner Regionen, die diese Marken aufgebaut haben.

Gibt es so etwas in Wien?

Fidel: Ja, und zwar durch die Kreativagentur der Stadt Wien – departure. Hier versucht sich die Stadt durch intelligente Förderpolitik so attraktiv wie möglich zu machen. Sie fördert kreative Leute und Unternehmen mit Potenzial nicht nur finanziell, sondern präsentiert sie zudem der internationalen Öffentlichkeit. Dabei geht es nicht nur um Marketing für die Künstler, sondern auch darum, dass sie etwas in der Stadt bewegen. So entstehen neue Ideen und Lösungen. Vieles wird man wahrscheinlich erst rückblickend in ein paar Jahren sehen können.

Wie schaut ein typischer Tag in eurem Studio aus?

Karl Emilio: Wir arbeiten sehr konzentriert, wie man merkt. Keine Musik.

Fidel: Musik kommt noch.

Karl Emilio: Schon, aber dann machen wir sie selbst. Es gibt hier aber keine Hintergrund-Beglückungs-Atmosphäre. Erst überlegen wir uns die Schritte, dann arbeiten wir. Unsere Effizienz ermöglicht uns, viele verschiedene Projekte umzusetzen. Wir arbeiten mit einem kleinen Team zusammen. Wir finden es gut, zu unseren Ideen Feedback zu bekommen.

Und nach der Arbeit?

Fidel: Wenn ich das Büro verlasse, ist schon eine gewisse Sättigung erreicht. Ich setze mich dann gerne an meine Instrumente und mache Musik. Außerdem beschäftige ich mich auch mit ganz anderen Dingen. In letzter Zeit ist mir bewusst geworden, dass diese Zeit sehr wichtig ist. Ich habe beispielsweise seit einem Jahr einen Hund, mit dem ich spazieren gehe. So etwas hätte ich früher nie gemacht. Aber dieser Moment, in dem du dich mit einem Tier beschäftigst, gibt dir einen neuen Blickwinkel. Das darf man nicht unterschätzen.

Karl Emilio: Ja. Wo fängt Arbeit an und wo hört sie auf? In den kreativen Berufen ist das schwer zu beantworten. Aber man kann sich fragen, wo der Stress anfängt? Und wo die Freiräume sind, um zur Ruhe zu kommen.

Lasst ihr euch bei all der Effizienz auch Zeit zum Spielen?

Karl Emilio: Spielen?

Fidel: Die Frage ist tricky. Was ist Spielen? Allgemein wird Spielen assoziiert mit einer kindlichen Form des Bauens und Bastelns. Wenn wir etwas von Hand schneiden oder ein Modell bauen, dann würde man sagen: Ja genau, das ist Spielen. Gleichzeitig ist es aber auch Spielen, wenn ich einen Text oder eine E-Mail schreibe. Hier ist es das Spiel, die richtigen Worte zu finden. Eigentlich ist das Leben ja ein Spiel, man muss es sich nur so richten, dass man die Spielwiese vor sich sieht. Also wenn man so fragt: Spielt ihr? Dann sage ich, ja.

Karl Emilio: Für mich ist Spielen der falsche Begriff. Ich würde eher davon sprechen, frei sein zu können. Die Freiheit, selbst entscheiden zu können und Verantwortung zu übernehmen, ist bereits eine Form von Spiel. Jetzt könnte man polemisch sein und sagen, es gibt zwei verschiedene Typen in der Gesellschaft: die Spieler und diejenigen, die Spiele entwickeln. Ich gehöre dann eher zu den zweiten. Ich bin überhaupt kein Spieler. Mir macht das keinen Spaß, ein Spiel immer wieder zu spielen. Na gut, Sport ist lustig. Aber ich bin in keinem Club, zocke nicht am Automaten oder spiele am Computer. Das interessiert mich alles nicht. Mein Spiel ist es, am CAD-Programm zu sitzen und ein 3D-Teil neu zu bauen. Am Ende frage ich mich: funktioniert es oder funktioniert es nicht? Okay. Das ist auch eine Form von Spiel. So wie vielleicht ein Kind mit Legosteinen baut. Als Architekt machst du im Prinzip das Gleiche. Wichtig ist dabei, dass du wirklich etwas Neues schaffst, etwas, von dem du das Muster noch nicht kennst. Es darf nicht alles schon im Vorfeld klar sein, sondern es muss auch ein bisschen Risiko dabei ist. Man versucht also Grenzen zu überschreiten: Beispielsweise Möbel, die nicht aussehen wie alle anderen.

Vielen Dank für den Einblick in eure Arbeitsweise, Fidel und Karl Emilio! Wer mehr über die zwei und ihre Projekte erfahren möchte, informiert sich am besten hier oder stattet ihnen einen spontanen Besuch in ihrem Studio, ihrer Galerie oder ihrem Shop ab.

Dieses Porträt ist in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien und ihrem Kreativzentrum departure entstanden. Mehr Porträts und Berichte zu der Wiener Kreativszene gibt es hier

Fotografie: Lukas Gansterer

Interview & Text: Philipp Daun

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